"Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde." (Gen. 1,1)
Wer immer sich mit der Bibel und dem christlichen Glauben beschäftigt, kommt an diesem Vers nicht vorbei: Formal gesehen eröffnet er den biblischen Kanon, inhaltlich gesehen thematisiert er die Frage nach dem Anbeginn der Welt. Ob ich also als Christ den Wunsch nach der Beschäftigung mit Gottes Wort verspüre oder aber rein philosophisch nach dem Ursprung allen Lebens frage, werde ich mich mit den biblischen Schöpfungserzählungen auseinandersetzen müssen.
Obgleich das Thema „Schöpfung“ im Bildungsplan von 2004 nicht explizit genannt wird, haben die meisten Schulen es in ihr Schulcurriculum für die Klassen 5 und 6 aufgenommen – meiner Ansicht nach zu Recht, da die Frage nach dem „Woher?“ nicht den Erwachsenen vorbehalten ist, sondern bereits Kinder und Jugendliche beschäftigt.
Die vorliegende Unterrichtsstunde ist eingebettet in eine fünfstündige Unterrichtseinheit mit dem Thema „Schöpfung“. Nachdem in der ersten Stunde verschiedene Schöpfungsmythen und Geschichten vom Anfang besprochen wurden, sollen in der zweiten Stunde die beiden Schöpfungserzählungen der Bibel erarbeitet werden. Mit dieser Unterrichtsstunde beschäftigt sich die vorliegende Seminararbeit.
Nach einer Sachanalyse der beiden Schöpfungserzählungen in Gen 1,1 - 2,4a und Gen 2,4b-25 soll der Blick auf die Rahmenbedingungen, unter denen die Unterrichtsstunde stattfinden soll, gerichtet werden: die Schule, der Klassenraum und die Zusammensetzung der Lerngruppe. Auch sollen Überlegungen hinsichtlich des zu erwartenden Unterrichtsverlaufs angestellt werden. Das Kernstück der Seminararbeit bildet dann die didaktische Analyse der Unterrichtsstunde, die sich
aus der Einordnung des Themas in Bildungsplan und Schulcurriculum, didaktischen Erwägungen bezüglich des Ablaufs der Stunde sowie aus Feststellungen der Lernziele und der geförderten Kompetenzen bei den Schülerinnen und Schülern zusammensetzt. Weiter soll eine methodische und mediale Analyse durchgeführt werden, die sich mit den in der Stunde genutzten Methoden, Medien und Sozialformen befasst. Die Arbeit wird abgerundet durch den Unterrichtsverlaufsplan,
ein abschließendes Fazit und die Angeben über die verwendete Sekundärliteratur. Zuletzt findet sich im Anhang das für den Unterricht benötigte Material.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Sachanalyse
2.1. Sachanalyse zu Gen 1,1 - 2,4a
2.2. Sachanalyse zu Gen 2,4b-25
3. Kontextanalyse
3.1. Schule und äußere Rahmenbedingungen
3.2. Überlegungen zur möglichen Situation der Lerngruppe
3.3. Hypothese hinsichtlich des Unterrichtsverlaufs
4. Didaktische Analyse
4.1. Thematisch-inhaltlicher Bezug
4.2. Didaktische Erwägungen
4.3. Lernziele
4.4. Kompetenzen
5. Methodische und mediale Analyse
6. Unterrichtsverlaufplan
7. Schluss
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die didaktische Konzeption und Analyse einer Religionsunterrichtsstunde für die fünfte Klasse, in der Schülerinnen und Schüler die beiden biblischen Schöpfungserzählungen (Gen 1,1 - 2,4a und Gen 2,4b-25) kennenlernen und im Vergleich erarbeiten sollen.
- Sachanalyse der priesterschriftlichen und jahwistischen Schöpfungstexte
- Kontextuelle Einbettung der Unterrichtsstunde in die Schulwirklichkeit
- Didaktische Begründung der Unterrichtsschritte und Lernziele
- Methodische Planung zur Förderung religiöser und sozialer Kompetenzen
Auszug aus dem Buch
2. Sachanalyse zu Gen 1,1 - 2,4a
Gen 1 wird zur Quellenschicht P, der Priesterschrift, gezählt, welche Gen 1; 5; 10 und Teile von 6-9 umfasst. In Gen 1 wird der Gottesname Elohim verwendet.
Die Priesterschrift stellt gemäß der klassischen Literarkritik „eine ursprünglich selbstständige Quellenschrift des Pentateuch (…) [dar], die deutlich vom Interesse für kultische und rituelle Einrichtungen sowie für priesterliche Ordnungen geprägt ist“. Man geht davon aus, dass die Texte von „priesterlichen Kreise in der babylonischen Diaspora (ungefähr 520 v. Chr.)“ verfasst wurden. Einen wichtigen Grundzug der Priesterschrift bilden neben den so genannten Genealogien die engen Verbindungen von Geschichtserzählungen und Gesetz. Die Sprache der Priesterschrift lässt sich als „nüchtern, sachlich und sehr präzise“ charakterisieren. Ebenso lässt sich die durch Schmitt festgestellte „Exaktheit und Formelhaftigkeit der Ausdrucksweise von P“ erkennen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet die Relevanz der Beschäftigung mit Schöpfungstexten im Religionsunterricht der Klassen 5 und 6 und gibt einen Überblick über den Aufbau der Arbeit.
2. Sachanalyse: Dieses Kapitel liefert eine fachwissenschaftliche Analyse der zwei Schöpfungserzählungen des Alten Testaments und ordnet sie ihren jeweiligen Quellen (Priesterschrift und Jahwist) zu.
3. Kontextanalyse: Hier werden die schulischen Rahmenbedingungen und die spezifische Situation der Lerngruppe analysiert sowie Hypothesen zum erwarteten Unterrichtsverlauf aufgestellt.
4. Didaktische Analyse: Dieses Kapitel erläutert die Einordnung des Themas in den Bildungsplan, begründet das didaktische Vorgehen und definiert Lernziele sowie zu fördernde Kompetenzen.
5. Methodische und mediale Analyse: Die methodische Planung und der Einsatz von Lehrmitteln (Karteikarten, Bibel) werden hier detailliert dargelegt.
6. Unterrichtsverlaufplan: Dieser tabellarische Plan fasst den chronologischen Ablauf der Unterrichtsstunde inklusive Zeitrahmen und Sozialformen zusammen.
7. Schluss: Der Schluss reflektiert die existentielle Bedeutung der Schöpfungsthematik und die Rolle der Lehrkraft bei der sensiblen Vermittlung dieser Inhalte.
Schlüsselwörter
Schöpfungserzählung, Gen 1, Gen 2, Priesterschrift, Jahwist, Religionsunterricht, Didaktik, Bibeldidaktik, Unterrichtsentwurf, Schöpfung, Kompetenzförderung, Unterrichtseinheit, Bibelkunde, Altes Testament, Vermittlung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Es handelt sich um einen Unterrichtsentwurf für den evangelischen Religionsunterricht, der sich mit der Erarbeitung der beiden biblischen Schöpfungserzählungen (Gen 1 und Gen 2) in einer 5. Klasse befasst.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die literarkritische Unterscheidung der Texte (Priesterschrift und Jahwist), die didaktische Einordnung in den Bildungsplan sowie die methodische Gestaltung der Unterrichtsstunde.
Was ist das primäre Ziel der Unterrichtsstunde?
Die Schülerinnen und Schüler sollen die beiden Schöpfungserzählungen inhaltlich kennenlernen und deren Unterschiede sowie Eigenheiten im Vergleich herausarbeiten können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fachwissenschaftlichen Sachanalyse der biblischen Texte sowie einer didaktischen und methodischen Analyse im Kontext der Schulpraxis.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine inhaltliche Sachanalyse, die Analyse der Lernvoraussetzungen, eine didaktische Begründung der Unterrichtsschritte und eine methodisch-mediale Planung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Schöpfungserzählung, Religionsunterricht, Bibeldidaktik, Priesterschrift, Jahwist und Kompetenzförderung charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die priesterschriftliche Erzählung in Gen 1 von der jahwistischen in Gen 2?
Die priesterschriftliche Erzählung ist durch eine klare Gliederung in sieben Tage, eine formelhafte Sprache und einen hymnischen Charakter geprägt, während der Jahwist eher erzählend von der Bildung des Menschen aus Staub berichtet.
Welche besondere Bedeutung hat der Sabbat in der ersten Schöpfungserzählung?
Der Sabbat wird als das eigentliche Ziel der Schöpfung interpretiert, der in der Exilszeit als zentrales Konfessionszeichen des Judentums den Zusammenhalt der Gemeinschaft stärkte.
- Arbeit zitieren
- Jaana Schäfer (Autor:in), 2012, Unterrichtsstunde zu den beiden Schöpfungserzählungen der Bibel (Gen 1,1 - 2,4a und Gen 2,4b-25), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295177