Entwicklung und Implementierung eines mobilen Falldokumentationssystems mittels Smartphone und Tablet-PC


Masterarbeit, 2015

101 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis und Tabellen

Abkürzungsverzeichnis

Einleitung
Problemskizze
Persönliche Motivation
Zielsetzung und Hypothesenbildung
Aufbau und Inhaltliches Vorgehen

Wissenschaftswissen im Themenbezug
Einführung in die Sozialinformatik
Stand der wissenschaftlichen Diskussion in Forschung und Lehre
Sozialinformatische Einordnung von Cloudcomputing, Smartphones und Tablet-PCs

Statistische Größen im Themenbezug
Themenbezogenes Zahlenmaterial bezüglich Smartphones, Tablet-PCs und proprietäre Softwarelösungen
Thematischer Überblick, Zahlen und Fakten zum Non-Profit-Sektor der aufsuchenden Jugendhilfe in Deutschland

Das Praxisbeispiel: Ambulantes Hilfezentrum gGmbH
Vorstellung
Arbeitsthemen und Belastungskategorien
Vorgaben und sozialpolitische Ziele
Informations- und Kommunikationstechnologische IST-Analyse
Praktische Zugänge zur Sozialinformatik
Dimensionen der Sozialinformatik auf Adressaten-Ebene
Dimensionen der Sozialinformatik auf institutioneller Ebene
Wirtschaftliche Aspekte kleiner Non-Profitorganisationen

Change- (IT-) Management im Ambulanten Hilfezentrum
Unternehmensstrategie
Technische Veränderungs- und Entwicklungsnotwendigkeiten
Veränderungsmanagement innerhalb des Teams
Entwicklung der pädagogischen, fachlichen, und informations-technologischen Dokumentationsgrundlage im Hilfezentrum
Effizient
Mobil
Partizipativ
(Rechts-)Sicher

Die Implementierung
Sukzessiv-Umstellung über Pilotphase und erweiterter Key-User Regelung
Qualifizierungen
Absprachen, Verhaltensregeln und Dienstvereinbarungen
Das NAS-Laufwerk Synology DS213+ als vollständiges, sicheres und wartungsarmes Serversystem im Hilfezentrum
Rollout der Android Smartphone und Tablet-PCs
Konnektivität und Cloudcomputing
Offline Scenario
Die Implementierung ins Team
Zwischenfazit
Erweiterte Implementierungsphase im Hilfezentrum
DS-WiKi
Social Media und Instant Messenger wie Whats App und Threema
Umstellung von Word auf Excel - Implementierung einer umfassenden Familienakte
Über die Excel-Klientenakte zu relationalen Datenbanken
MySQL als Client-Server-Datenbank
Microsoft Access als Arbeitsgruppendatenbank
Open Source ERP und HRM
DMS Dokumentenmanagement Systeme
Externer Server
Das erweiterte Fazit

Implementierung einer kommerziellen Anwendung eines professionellen Softwareanbieters der Sozialwirtschaft
Betriebswirtschaftliche Aspekte zur Einführung einer kommerziellen Softwarelösung
Anforderungen an professionelle Anbieter und dessen Software
Modulare Bauweise
Application Service Providing (Software as a Service)
IT-Outsourcing (Infrastructure as a Service)
Anbieterrecherche
Internet, Fachpublikationen und Fachmessen
Das angewandte System beim örtlichen Jugendamt
Angewandte Systeme im Verbund
Kidicap und rSAP
Auftragsprogrammierung
Zur Entscheidung für den Anbieter myJugendhilfe.de
Implementierung des Moduls myPädagogik

Schlussbetrachtungen
Verifizierung der Hypothesen
Gesamtfazit
Ausblick

Literaturliste

Anhang

Abbildungsverzeichnis und Tabellen

Abbildung 1: Arbeitsthemen im AHZ in 2014 als eigene Darstellung

Abbildung 2: Belastungskategorien im AHZ in 2014 als eigene Darstellung

Abbildung 3: Dimensionen der Sozialinformatik nach Kreidenweis (2012, S.22)

Abbildung 4: Dokumentationsformblatt im AHZ als eigene Darstellung

Abbildung 5: Tabellarischer Überblick zu Datenschutzgesetzen als eigene Darstellung

Abbildung 6: Datenschutz und Datensicherheit nach Kreidenweis (2011, S. 247)

Abbildung 7: Synology NAS mit Selbstbau-Diebstahlsicherung als eigene Fotografie

Abbildung 8: Serveroberfläche Synology NAS als eigene Darstellung

Abbildung 9: Smartphone und Tablet-PC im AHZ als eigene Fotografie

Abbildung 10: Dokumentation über Excel im AHZ als eigene Darstellung

Abbildung 11: Eingabemaske Excel Rot-Grün Priorisierung als eigene Darstellung

Abbildung 12: Tabellenblätter Excel Familienakte als eigene Darstellung

Abbildung 13: MS-Access im AHZ als eigene Darstellung

Abbildung 14: Application Service Providing nach Kreidenweis (2002a, S.5)

Abbildung 15: Jugendamt Webanwendung von www.logodata.info im Februar 2015

Abbildung 16: Internetauftritt von myJugendhilfe.de im Februar 2015

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Einleitung

„Kein Klinikarzt der Welt würde auf die Idee kommen, sich selbst eine Patientendokumentation zu basteln. Nur wir in der Sozialarbeit tun so etwas.“[1]

Problemskizze

Dieses von einem der Pioniere der heutigen Sozialinformatik getätigte Zitat an den Verfasser dieser Ausarbeitung weist auf die ganz speziellen Besonderheiten und die grundlegenden Probleme der angewandten Informatik im sozialen Bereich hin.

In den 90er Jahren des alten Jahrhunderts gab die Literatur bereits einen Hinweis darauf, dass die Implementierung der elektronischen Datenverarbeitung in die Soziale Arbeit neben der vertikalen Implementierung, also von oben strategisch geplant und koordiniert, auch auf der horizontalen kollegialen Ebene geschah (vgl. Bolay/Kuhn 1993, S.20f).

Dies sollte längst überholt sein, zumindest müssten wir davon ausgehen, dass die grundlegenden technologischen Entwicklungen und Erfahrungen im IT-Management dieses Jahrtausends vollständigen Einzug gehalten haben.

Die großen Einrichtungen der Jugendhilfe und personalstarke Verbund­einrichtungen haben neben den Datenschutzbeauftragten seit langem auch Datensicherheits- und IT-Beauftragte eingesetzt.

Die praktischen Erfahrungen in der eigenen kleinen Einrichtung und zahlreiche Gespräche mit Leitungen des direkten Umfeldes bestätigen aber einen Umgang mit der aktuellen Informations- und Kommunikationstechnik der weiterhin geprägt ist durch einzelne besonders motivierte Fachkollegen die aktuelle Entwicklungen zeitlich verzögert in die tägliche Sozialarbeit transportieren.

Sind es diese besonders engagierten und vermeintlich weit über ihren eigenen Kernbereich agierenden Fachkräfte in der Jugendhilfe, die wie in der täglichen Sozialarbeit gefordert, kreativ Lösungen entwickeln, damit aber zugleich den sozialinformatischen Fortschritt bremsen?

Es sind nach Meinung des Verfassers theoretische und praktische Wissenschaftsdefizite verknüpft mit datenschutzrechtlichen Bedenken und wirtschaftlichen Voraussetzungen die eine umfassende Anwendung einer professionellen Sozialinformatik in allen Bereichen nur langsam wachsen lassen. Während große Unternehmen und mittelständische Betriebe der Wirtschaft schon lange auf eine breit gewachsene und fachlich anerkannte Informationstechnologie aufbauen und dort Begrifflichkeiten wie IT-Outsourcing und Network-Services genau so wenig kritisch betrachtet werden wie die vielversprechende Entwicklung zum Cloudcomputing, tut sich die Jugendhilfe gefühlt noch sehr schwer.

Zusätzlich zu weiteren psychologischen Aspekten waren aber vor allem umfangreiche Investitionen für viele Einrichtungen der Jugendhilfe schon in der Vergangenheit schwierig und werden bei der derzeitigen wirtschaftlichen Situation der Kommunen auch mittelfristig vorausschauend nur geringfügig möglich sein.

Schon jetzt werden in Entgeltverhandlungen die anerkannten Sachkosten auf 10% der Personalkosten gedeckelt.

Parallel dazu werden die Anforderungen an Qualität, Ausführung und Effizienz der praktischen Arbeit stetig höher. Die geforderte und dringend nötige umfassende und qualitativ hochwertige Dokumentation des Hilfeverlaufs ist für die sozialpädagogische Familienhilfe in den aktuellen Ausschreibungen beziehungsweise Trägervereinbarungen jedoch keine direkte - und damit keine direkt bezahlte - Leistung mehr.

Trägerübergreifende Qualitätsstandards und Rechtssicherheit, aber auch die Flexibilität und Individualität der Arbeit, die folgerichtige Partizipation der Familien und die erforderliche Anpassungsfähigkeit stellen hohe Anforderungen an eine Elementaraufgabe ohne Geld- und Zeitressourcen.

Im Rahmen der Recherche lag dem Verfasser ein reelles, technisch ausformuliertes Angebot über 60 Seiten für eine Implementierung einer Krankenhaussoftware vor. Obwohl es sich hier um einen vergleichsweise kleinen Krankenhausverbund zweier Häusern mit weniger als 700 Betten handelte und das Angebot Gesamtkosten in Höhe von 1,7 Millionen Euro innerhalb der ersten fünf Jahren generieren sollte, wurde dieser Auftrag relativ schnell erteilt. Inwiefern diese Summen für professionelle IT-Lösungen in der Sozialwirtschaft ein Maßstab sind oder noch werden ist auch im Rahmen dieser Ausarbeitung weiter zu hinterfragen.

Die aktuellen Angebote für den speziellen Bereich der Jugendhilfe sind dabei keinesfalls vergleichbar, weder in den zu leistenden Anforderungen noch in den aufgerufenen Preisen.

Bei nur einem Bruchteil der Leistungsfähigkeit die von den Sozialarbeitern[2] im praktischen Dienst abgerufen werden dürfte, sind bei den ganz großen Softwarehäusern trotz allem aber Einstiegsmargen im fünfstelligen Bereich für Komplettpakete zu bezahlen.

Bezogen auf das Praxisbeispiel dieser Ausarbeitung stehen diese Zahlen in keinem Verhältnis zu den aktuell erwirtschafteten Einnahmen.

Erschwerend kommt hinzu, dass der Markt mit den kleineren, vermeintlich günstigeren Anbietern spezieller Jugendhilfe-Software sehr unübersichtlich ist und eine einfache Rundfrage per Mail oder Telefon ohne konkretes Anforderungsprofil schnell in eine Sackgasse und sicher nicht zu belastbaren und vergleichbaren Zahlen führt.

Andererseits dürften bei den vielen tausend selbstständigen Informatikern und Programmierern vor Ort auch günstige und sehr individuelle Lösungen erwartet werden. Eine langfristige Kosten- aber auch Risikoabschätzung gestaltet sich hier aber noch weitaus schwieriger.

Persönliche Motivation

Der Verfasser dieser Ausarbeitung schrieb bereits zur Jahrtausendwende seine Diplomarbeit über Jugendliche Peer-Groups im virtuellen Netzwerk. Die Arbeit war rein theoretisch und befasste sich mit den psychosozialen und medienpädagogischen Aspekten des organisierten Multiplayer-Gamings.

Im Laufe der mittlerweile über zwanzig praktizierten Berufsjahre als Sozialpädagoge, die letzten sieben Jahre davon strukturgebend in verantwortlicher Leitungsfunktion, begleitete den Verfasser stets die innere Haltung die Sozialarbeit als angewandte Wissenschaft zu verstehen und beruflich leben zu wollen.

Der abgeschlossene Masterstudiengang war neben dem ständigen Wunsch der Kompetenzerweiterung, sicherlich ein weiterer Baustein, die tägliche Praxis der Sozialen Arbeit[3] mit den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen verknüpfen zu können.

Zielsetzung und Hypothesenbildung

So lässt sich auch der Bogen spannen über die wissenschaftliche Auseinandersetzung der aktuellsten Erkenntnisse aus der Sozialinformatik, die für die Einrichtung skizzierten themenbezogenen Veränderungs-notwendigkeiten auf ein solides fachliches Fundament stellen zu können. Dabei sollte die vergangene Entwicklung genau so kritisch reflektiert werden, wie sich die Idealvorstellungen der Theorie in Verbindung setzen lassen müssen mit der in der Einrichtung des Praxisbeispiels begrenzt vorgehaltenen Möglichkeiten eines (Change-) IT-Managements im Tagesgeschäft.

Erklärtes Ziel dieser Ausarbeitung ist es aus eigenen Mitteln heraus eine realisierbare mobile Dokumentationslösung zu entwickeln und zu implementieren, die, individuell angepasst an die Einrichtung, nicht nur wirtschaftlich realisierbar ist, sondern schnell erste tragfähige Praxis-Erfolge zeigt.

Die auf die Problemskizze aufbauenden Hypothesen sind:

- Die sich noch im Aufbau befindliche Wissenschaftsdisziplin der Sozialinformatik bildet bereits jetzt grundlegend alle IT-relevanten Aspekte in Praxis, Lehre und Forschung ab, um professionell in der Sozialwirtschaft agieren zu können.
- Das mobile Falldokumentationssystem über Smartphones und Tablet-PCs ist ein geeignetes Instrument und bedeutendes Werkzeug der Sozialpädagogischen Familienhilfe, welches rechtssicher, partizipativ, effektiv und wirtschaftlich auch in kleinen Einrichtungen der Jugendhilfe realisierbar ist.

Über diese grundsätzliche Annahme entwickelten sich im Vorfeld, dem Verlauf und der ersten Implementierung vielfältige Fragestellungen, Erkenntnisse und letztlich auch Antworten.

Wichtige Rahmenbedingungen und Voraussetzungen werden schrittweise erarbeitet bis eine Implementierung verhältnismäßig schnell umgesetzt werden kann.

Aufbau und Inhaltliches Vorgehen

Die praxisnahe unternehmenseigene Entwicklung und Implementierung eines einfachen, aber effektiven mobilen Falldokumentationssystems folgt der Realität in hunderten von kleinen Einrichtungen der Jugendhilfe in Deutschland. Dabei lässt diese Ausarbeitung nicht den Verweis und zum Ende auch immer weniger den fachlichen Beweis aus, dass professionelle Arbeit dringend auch professionelle Informationstechnologie benötigt, da ihr letztlich nur professionelle sozialinformatische IT-Lösungen effizient und erschwinglich zu helfen vermögen.

Über den Einstieg in die noch junge Wissenschaft der Sozialinformatik zur Einordnung in das übergeordnete Themengebiet und zum Grundverständnis dieser Ausarbeitung geht es für einen fundierten Überblick zu aktuellem Zahlenmaterial. Dieses setzt sich thematisch passend bis ins zweite Kapitel fort, wo über einen Exkurs zu Non-Profit-Organisationen in Deutschland der Bogen zum konkreten Praxisbeispiel gespannt wird.

Zum Abschluss des Vorstellungs-Kapitels wird als Argumentationshilfe für den darauf folgenden eigenständigen Versuch einer Entwicklung und Implementierung eines mobilen Falldokumentationssystems intensiver auf die problematische wirtschaftliche Situation von vielen NPOs der Jugendhilfe konkret am Beispiel der Einrichtung eingegangen.

Über die Analyse von dem Ist-Zustand eingeordnet in sozialinformatische Erkenntnisse über die strategische Veränderungsnotwendigkeit bis zur praktischen Umsetzung mit all ihren Umwegen und Misserfolgen kommt diese Ausarbeitung zu ersten praktischen Erfolgen in der professionelleren Nutzung der IT innerhalb und außerhalb der Einrichtung. Bereits in der Mitte des Hauptteiles führt der Aufbau der Ausarbeitung zu einem verlässlichen und rechtssicheren Dokumentationssystem, welches über weitere Anpassungen und Funktionalitäten im darauf folgenden Kapitel weiter reifte, aber auch den Wunsch nach einer noch professionelleren, sich weiterentwickelnden und wartungsärmeren Lösung nach sich zog.

Der beschriebene Weg ist das nötige Fundament für weitere informations- und kommunikationstechnische Lösungen und führte letztendlich am konkreten Fall zur Nutzung einer professionellen Software.

Wissenschaftswissen im Themenbezug

Einführung in die Sozialinformatik

Während komplexe Computersysteme und Programme parallel mit deren Entwicklung als bezahlbares Massenprodukt auch in der Sozialen Arbeit immer häufiger als Arbeitsmittel für die Professionellen genutzt wurde, ist der konkrete Begriff der Sozialinformatik erstmals Mitte der 90er Jahre in der Fachliteratur benannt worden (vgl. Mehlich 1996, S. 180 und Kreidenweis 2012, S.19). Wendt war es, der schon zum Jahrtausendwechsel einen aktuellen Stand zur Sozialinformatik in Deutschland publizierte und über diesen Weg eine auch heute noch anerkannte und viel zitierte Definition entwickelte:

„Die Sozialinformatik hat Informations- und Kommunikationssysteme in der Sozialwirtschaft und der Sozialen Arbeit zum Gegenstand. Sie befasst sich mit der systematischen Verarbeitung von Informationen im Sozialwesen in ihrer technischen Konzipierung, Ausführung und Evaluation, und sie geht damit verbunden den Bedingungen, Wirkungen und sozialen Begleiterscheinungen des Technologieeinsatzes nach.“ (Wendt 2000, S. 20)

Diese Definition ist deutlich umfassender und weitreichender als der sich seit den 1980er Jahren zuvor entwickelnde Ansatz der elektronischen Datenverarbeitung in der sozialen Arbeit (vgl. Kreidenweis 2011, S.15).

Im späteren Verlaufe dieser Ausarbeitung werden die theoretischen Aspekte, die praktischen Bezüge und auch die Dimensionen der heutigen Sozialinformatik im direkten Bezug zu der hier vorgestellten Einrichtung näher erläutert.

Stand der wissenschaftlichen Diskussion in Forschung und Lehre

Von Anfang an stellte sich in der im Vergleich zu anderen Fachgebieten immer noch begrenzt vorhandenen Fachliteratur die Frage, ob die Sozialinformatik ein Themenbereich der Sozialen Arbeit ist oder ob es sich als eine eigene Wissenschaftsdisziplin entwickeln wird.

"Zur professionellen Sozialarbeit gehört die Fähigkeit, sich der Informations- und Kommunikationstechnik bedienen zu können. Von daher hat sie einen Stellenwert in der Ausbildung. Ob und wieweit die Sozialinformatik ein eigenes Fachgebiet im Hochschulstudium der Sozialen Arbeit oder gar zu einer selbständigen Studienrichtung wird, ist eine andere Frage." (Wendt 2000, S.51)

Im darauffolgenden Jahrzehnt lassen sich bereits Bachelorstudiengänge (Hochschule Fulda), Masterstudiengänge (Hochschule Eichstätt) und zahlreiche Einzelseminare recherchieren, die sich der Terminologie Sozialinformatik bedienen beziehungsweise sich auf dieser begründen. Kreidenweis benennt im Lehrbuch der Sozialinformatik von 2012, dass ein Fünftel aller Studiengänge der Sozialen Arbeit sozialinformatische Lerninhalte anbieten.

Diese seien breit gefächert und reichen unter anderem von den Grundlagen der IT-Nutzung zu spezieller Fachsoftware bis hin zu IT-Management in Organisationen der Sozialwirtschaft.

Während noch in den meisten Fällen das Fach von Professoren anderer Disziplinen betreut wurde, gab es zu diesem Zeitpunkt bereits acht eingerichtete Professuren für Sozialinformatik in Deutschland. Auch wenn diese bislang häufig nur als Teilzeitstellen oder in Kombination mit anderen Fachgebieten eingerichtet worden sind (vgl. Kreidenweis 2012, S. 33 ff), dürfte der Bedarf weiter steigend sein.

Mit dem Wintersemester 2009 startete an der Katholischen Hochschule Eichstätt bundesweit der erste fachgebietsübergreifende Masterstudiengang Sozialinformatik. Theoretisch und praktisch im Rahmen der Seminarinhalte und der Studiengangziele findet nach Meinung des Verfassers aktuell eine Abgrenzung zu den anderen etablierten Bindestrich-Informatiken, also weiteren akkreditierten Fachbereichen der sogenannten angewandten Informatik wie der Medizininformatik oder der Wirtschaftsinformatik, statt. Geht es dort vor allem um die Entwicklung und Erstellung eigener branchenspezifischer Lösungen durch zu vermittelnder Programmier­sprachen und -techniken, enthält der Flyer für den Masterstudiengang Sozialinformatik der Katholischen Hochschule Eichstätt davon abweichende Ziele und Inhalte.

Dieses Informationsheft zum Studiengang 2013/2015 formuliert zum Beispiel eine spätere Übernahme der IT-Verantwortung in einem Unternehmen der Sozialwirtschaft, die Projektleitung zur Einführung von Hard- und Softwaresystemen oder einer Beratertätigkeit in einem IT-Unternehmen als die möglichen Tätigkeitsfelder der Absolventen.

Im Lexikon der Sozialwirtschaft (Grunwald et al 2013, S. 916ff) wird ähnlich dem aktuellen Stand des disziplinären Kurses für den Bereich der Forschung auf eine noch nicht konsistente Tradition verwiesen.

Neben bereits erfolgten Studien unter anderem zur Wirksamkeit und Effizienz von professionellen IT-Lösungen in der Sozialen Arbeit, müssten beispielsweise Implementierungsprozesse von Softwareprodukten in Einrichtungen der Jugendhilfe weitere wissenschaftlich gesicherte Informationen beisteuern (vgl. ebd.).

Als zukünftige ausgedehntere Aufgaben der Sozialinformatik formuliert Kreidenweis in seinem Lehrbuch der Sozialinformatik (vgl. 2012, S.33) neben der anwendungsbezogenen Forschung einen Ausbau der Grundlagenforschung.

Hier wird er, im Übrigen ebenfalls passend zum Thema dieser Ausarbeitung, konkreter und schlägt vor, sich in Zukunft etwa mit Themen der Formalisierbarkeit komplexer Informationen aus der Lebenswelt der Adressaten oder aus Betreuungsverhältnissen wissenschaftlich auseinander­zusetzen.

An dieser Stelle bietet sich zum Abschluss der Einführung und zur Überleitung in den nun folgenden spezifischen Themenbereich eine für diese Ausarbeitung gewichtige Feststellung aus dem Lexikon der Sozialwirtschaft an: „Konsens herrscht unter den Vertretern des Faches darüber, dass der Sozialinformatik eine aktive Rolle in der Gestaltung und wissenschaftlichen Analyse technischer Konfiguration für die Praxis zugedacht wird“ (Kreidenweis in Grunwald et al 2013, S. 916ff).

Sozialinformatische Einordnung von Cloudcomputing, Smartphones und Tablet-PCs

Ein IT-Outsourcing für den Bereich des Rechnungswesens, der Buchhaltung und des Personalwesens ist bereits in vielen Sozialorganisationen Alltag. In der noch vorzustellenden Einrichtung sind Auslagerungen von Hard- und Softwareleistungen zu SAP seit Jahren Usus und für die Lohn- und Gehaltsabrechnung nutzt die Personalabteilung die Software, die Kapazitäten und den Service eines externen Rechenzentrums.

Die Kombination professionelle Software auf leistungsfähigen externen Hardwareressourcen zu nutzen mittels eines lokalen Eingabegeräts, beschreibt ziemlich genau den Begriff des Cloud-Computings.

Eine rasante Entwicklung im Privaten sowie die, wenn auch zögerliche Implementierung in den Beruf, stützt die These von Kreidenweis einen sich radikal vollziehenden Paradigmenwechsels in der Informations­technologie erkennen zu können (vgl. Kreidenweis 2013, S. 87).

Die nötige Hardware würde somit auf die Ein- und Ausgabefunktion reduziert (vgl. ebd.) und für das Praxisbeispiel dürfte mittelfristig sogar auf die klassischen IT-Arbeitsplätze komplett verzichtet werden.

Die Tatsache, dass die Smartphones und Tablet-PCs aufgrund ihrer Entwicklung als Massenprodukt immer günstiger werden in Verbindung mit dem gleichzeitig beständig wachsenden technischen Fortschritt, lässt noch einiges erwarten.

Standardmäßig sind in den drei großen mobilen Betriebssystemen Android, Apples iOS und Windows for Tablets schon die wichtigsten Office Funktionalitäten integriert und das bekannte Microsoft Office mit Word, Excel und Powerpoint gibt es seit kurzem nicht nur für Windows-Tablets sondern für iPads und ganz aktuell auch für Android Tablet-PCs und Smartphones. Durch browserbasierte Lösungen, also auch das Benutzen von etablierten Schnittstellensprachen und Standardapplikationen, ist es nach geringen grafischen Anpassungen schnell möglich in die angebotenen Programme und damit auch direkt in deren Datenbanken zu schreiben. Dies gelingt für die Tablet-PCs aufgrund des großen Bildschirms natürlich viel einfacher und komfortabler als mit den im Vergleich sehr kleinen Smartphone-Displays.

Hier müssten nach Meinung des Verfassers eigene grundsätzlich neu entwickelte Applikationen (Apps) programmiert werden, die die Informationen auf einer Seite so gering wie möglich halten und die Eingabe zielführend zum Beispiel mit Checkboxen per Touchdisplay und Gestensteuerung unterstützen. Dies gilt besonders für die Tablet-PCs, weil die abrufbaren Prozessorleistungen und Speicherkapazitäten, die Touch-Funktionalitäten, aber auch die zahlreichen Zusatzfunktionen wie Geo-Daten und Sensorik viel Potential für Softwareentwicklungen in ganz neue Richtungen bieten.

Kreidenweis (vgl. ebd.) ergänzt dies darüber hinaus mit dem für die Programmierung und Anwendung recht positiv zu betrachtenden Mobil­betriebssystemen und sieht dessen weitere Entwicklung mit Interesse und Spannung voraus.

Statistische Größen im Themenbezug

In diesem Zusammenhang und für den weiteren Verlauf dieser Ausarbeitung bietet es sich an dieser Stelle an, auf die statistischen, demographischen und empirischen Erhebungen, Daten und Fakten etwas genauer einzugehen.

Themenbezogenes Zahlenmaterial bezüglich Smartphones, Tablet-PCs und proprietäre Softwarelösungen

Die JIM-Studie, die vom medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest herausgegeben wird, bietet mit der regelmäßigen Befragung von Zwölf- bis 19-Jährigen eine objektive Basis über den aktuellen Stand des Medienumgangs von Jugendlichen. Erste Einschätzungen lassen sich daraus auch für die gewerbliche Zukunft ableiten, denn diese Generation wird jetzt ihre Medienerfahrungen in die Ausbildung und den Beruf bringen.

Bei stark steigender Tendenz waren 2013 bereits in fast der Hälfte aller Haushalte der Testgruppe Tablet-PCs vorzufinden. Für den Bereich der Smartphones darf heute schon von einer Vollausstattung (94% in 2013) ausgegangen werden, obwohl drei Jahre zuvor erst jeder siebte Jugendliche ein Smartphone vorweisen konnte (vgl. Rathgeb, 2014).

Die rasante Verbreitung und das hohe Interesse an mobilen Endgeräten lassen sich auch im beruflichen Kontext beobachten.

„Alle Marktstudien von Gartner & Co. zeigen sinkende Absatzzahlen bei klassischen PCs und sogar Notebooks, während die Kurven für Tablet-PCs und Smartphones steil nach oben zeigen.“ (IT-Report 2014, S. 36)

Darauf aufbauend haben bereits 64 Prozent der untersuchten Softwarehäuser mobile Lösungen ihrer Programme im Portfolio, die sich mittels Tablet-PC und in etwas geringerer Zahl auch bereits mit einem Smartphone bedienen ließen.

In den untersuchten Unternehmen der Sozialwirtschaft waren 38.700 Smartphones und bereits 6.200 Tablet-PCs im täglichen Einsatz. Während bei den Smartphones fast 90 Prozent mit dem Android Betriebssystem liefen und Apples iOS sowie Microsofts Windows dort nur auf jeweils zwei Prozent kamen, war die Verteilung bei den Tablet-PCs deutlich ausgeglichener. Hier wurde, wahrscheinlich mit dem Gedanken der besseren Integrierbarkeit, mehrheitlich (48 Prozent) auf ein Windows Tablet gesetzt. Während Apples iPad mit zehn Prozent nur eine Randerscheinung blieb, lagen die Android Betriebssysteme bereits bei 41 Prozent (vgl. ebd.). Hier dürfte weiterhin von einer steigenden Tendenz auszugehen sein, auch aufgrund der immer mehr an den Bedarfen angepassten Geräte zu immer günstigeren Preisen.

Der 2014er IT-Report der Katholischen Universität Eichstätt (vgl. S.29 und S.48ff) beobachtet einen derzeitigen mittleren Umsatz von fünf Millionen Euro pro erfasstem Softwarehaus. Dabei muss der Richtigkeit halber an dieser Stelle bereits konstatiert werden, dass sich die Zahlen auf die gesamte Sozialwirtschaft beziehen und Kreidenweis offen eine hohe Streuung benennt, die bei der letzten Erhebung zwischen 15,4 Millionen und 10.000 Euro lag.

Bezüglich der Spannbreite pro Kunde werden 41 Euro bis 1,18 Millionen Euro benannt. Als mögliches Hochpreis-Beispiel sei an dieser Stelle an das in der Einleitung vorgestellte Angebot zur Implementierung einer Krankenhaussoftware zu erinnern.

Interessant für das Praxisbeispiel ist aber auch nicht der Niedrig-Wert, der sich eventuell. über das „Massengeschäft [...], also viele vergleichsweise günstige Lizenzen etwa an viele Kindertagesstätten oder Pflegedienste [...]“

(Kreidenweis, IT-Report 2014, S. 30) ergibt, sondern der Median, der 2013 bei 3000 Euro lag.

Diese Erkenntnis der Recherche gibt dem Verfasser erste Gewissheit, dass der breite Markt durchaus bezahlbare Softwarelösungen für die kleinen Non-Profit-Organisationen der Jugendhilfe bereithalten könnte.

Thematischer Überblick, Zahlen und Fakten zum Non-Profit-Sektor der aufsuchenden Jugendhilfe in Deutschland

Einer Pressemitteilung des Bundesministeriums für Statistik vom 18.12.14 ist zu entnehmen, dass die Zahl der Kinder- und Jugendlichen, die Hilfen zur Erziehung in Anspruch nehmen, weiter gestiegen ist.

Im Jahre 2013 haben insgesamt 520.000 junge Menschen eine Hilfe begonnen, dies sind 0,6% mehr als noch im Vorjahreszeitraum (vgl. Statisitisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 463). Bei dem für das Praxisbeispiel relevanten Anteil der Sozialpädagogischen Familienhilfe lag die Steigerungsrate mit 1,7% sogar dreifach höher und summierte sich auf etwa 102.000 junge Menschen, die erstmals diese Form der Hilfe in Anspruch nahmen.

Der 14. Kinder- und Jugendbericht spricht insgesamt von 120.000 installierten Sozialpädagogischen Familienhilfen und ungefähr 240.000 erreichten Jugendlichen jährlich (vgl. BMFSFJ 2013, S. 47). In einer weiteren Erhebung werden hierfür 730.000 Beschäftigte in 84.160 Einrichtungen der Jugendhilfe benannt (vgl. BMFSFJ 2013, S. 273ff)

Nur 2,2 Prozent davon, demnach deutlich weniger als zweitausend Einrichtungen, waren privatgewerbliche Wirtschaftsunternehmen.

Dies bedeutet, dass trotz der Liberalisierung und der Öffnung des Marktes für profitorientierte Wirtschaftsunternehmen, die sozialen Dienstleister für den Bereich der Jugendhilfe zur Zeit noch fast ausschließlich in der öffentlichen staatlichen Jugendhilfe und den freigemeinnützigen nicht profitorientierten Trägern verortet sind.

Im dritten Markt oder im sogenannten dritten Sektor sind „[...] nahezu alle gemeinnützigen Organisationen (nonprofit) aus den Bereichen Gesundheit und Soziales in Deutschland gemäß ihrer konfessionellen Affinität und ideologischen Orientierung [...]“ (Arnold / Maelicke 2009, S.129) in den sechs großen Spitzenverbänden der freien Wohlfahrtspflege organisiert.

Das Praxisbeispiel: Ambulantes Hilfezentrum gGmbH

Vorstellung

Das Ambulante Hilfezentrum[4] ist ein gemeinnütziger und auf christliche Werte basierender Jugendhilfeträger, der im Rahmen der flexiblen Hilfen zur Erziehung nach § 27ff. SGB VIII problembelastete Familien berät, betreut und unterstützt. Das AHZ leistet überwiegend Sozialpädagogische Familienhilfe, indem es mit über 13.000 Fachleistungsstunden pro Jahr über 150 Familien (in 2014 155 Familien mit 310 Kindern) intensiv in ihrem systemischen und sozialräumlichen Kontext betreut.

Arbeitsthemen und Belastungskategorien

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Arbeitsthemen im AHZ in 2014 als eigene Darstellung

Wichtigste Zielsetzungen bestehen darin, die Erziehungskompetenzen der Erziehungsberechtigten zu stärken, Selbsthilfepotentiale in den Familien zu aktivieren und das Wohl der Kinder und Jugendlichen in den Familien zu sichern.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Belastungskategorien im AHZ in 2014 als eigene Darstellung

Vorgaben und sozialpolitische Ziele

Das Ambulante Hilfezentrum arbeitet unter Vorgabe des Jugendamtes mit professionellen und fest angestellten Fachkräften, welche einschließlich der Leitung 13 ½ Vollzeit-Planstellen besetzen.

Eine Mitarbeiterfluktuation ist seit Gründung der gGmbH nicht zu verzeichnen. Das Mitarbeiterteam setzt sich zusammen aus zehn Dipl. Sozialpädagogen / Dipl. Sozialarbeiter, drei Dipl. Pädagogen und zwei staatlich anerkannten Familienpflegerinnen.

Ein breites Repertoire an Zusatzqualifikationen hält das Ambulante Hilfezentrum vor. So dürfen hier durch zielorientierte Fort- und Weiterbildungen in den letzten Jahren unter anderem drei zertifizierte Kindesschutzfachkräfte, fünf Elterntrainer/innen, zwei Antigewalt­trainer/innen und drei systemische Familien- und Sozialtherapeutinnen genannt werden.

Statistisch belegt durch den letzten Sozialbericht der Stadt gilt das Haupteinsatzgebiet des Hilfezentrums zu den sozialstrukturell besonders benachteiligten Ortsteilen und Sozialräumen.

Für die Sozialräume werden zusätzlich in enger Absprache mit dem Jugendamt und wenn möglich in Kooperation mit Netzwerkpartnern des Sozialraumes vielfältige und stets am Bedarf orientierte Projekte und soziale Gruppenangebote über insgesamt 2800 fallunspezifische Stunden entwickelt und durchgeführt.

Als Gesamtkonzeption für alle sechs städtischen Hilfezentren wurden die folgenden Eckpunkte als gesetzliche Vorgaben und sozialpolitische Ziele formuliert:

- §1 SGB VIII Recht auf Erziehung, Elternverantwortung, positive Umwelt- und Lebensbedingungen
- Sicherheit in Bezug auf § 8a SGB VIII Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung
- §§ 27 - 31 SGB VIII Hilfen zur Erziehung, Erziehungsberatung, Soziale Gruppenarbeit, Erziehungsbeistand, Sozialpädagogische Familienhilfe
- individuelle und flexible Hilfen
- sozialräumliche Ausrichtung
- Kooperation, Netzwerkaufbau
- Planungssicherheit und Konstanz
- Zuverlässige, konstruktive Zusammenarbeit
- Weiterentwicklung einer gemeinsamen Fachlichkeit

Informations- und Kommunikationstechnologische IST-Analyse

Jeder Mitarbeiter verfügt im Hilfezentrum über einen vollständig ausgestatteten Arbeitsplatz inklusive Desktop-PC. Von Anfang an wurde mit Windows XP und dem Microsoft Office Paket 2003 gearbeitet.

Noch vor Einstellung des Supports für das Betriebssystem im Jahre 2013 konnte über den Verein Stifter-helfen[5] ein Kontakt zu Microsoft hergestellt werden. Es konnten fünfzehn Windows 8Pro-Downloadversionen und ausreichend MS-Office 2013 Professionell-Pakete als unbefristete Upgrade­lizenzen für eine sehr geringe Verwaltungsgebühr bestellt werden.

Durch ein IT-Projekt-Team bestehend aus der Leitung und zwei technik­affinen Mitarbeitern wurden alle Arbeitsplatzrechner bei Terminlücken gesichert, neuinstalliert und eingerichtet.

Für die fallunspezifische Projektarbeit steht allen ein Windows Vista Laptop zur Verfügung, der gelegentlich auch von Mitarbeitern bei Hausbesuchen genutzt wird.

Die genutzten technischen Kommunikationsmittel sind bis zur in Aussicht stehenden vollzogenen Umstellung die vorhandenen Festnetztelefone, klassische einfache Diensthandys und das MS Outlook Mailprogramm für die Desktop-PCs.

Für einen schnellen datenschutzkonformen Austausch mit dem Jugendamt, zum Beispiel bei Kindeswohlgefährdungsmeldungen können zwei nicht öffentlich zugängliche Faxgeräte genutzt werden.

Im Ambulanten Hilfezentrum kommt ein klassisches Netzwerk (LAN) mit Client-Server-Architektur zum Einsatz. Die zentrale Speicherung und redundante Datensicherung übernimmt ein Windows 2003 Serversystem mit zwei Festplatten im RAID 1-Verbund und zusätzlicher Datensicherung auf externe Speichermedien.

Die augenscheinlichsten Vorteile in der täglichen Praxis sind die bekannte Windows-Ordnerstruktur als Fileserver und Wissensdatenbank.

Der Server steht in einem abgeschlossenen Raum der nur über den Generalschlüssel der Schließanlage zugänglich ist. Benutzerbezogene Zugänge und Einzelfreigaben sichern eine Einsicht der Daten im Vertretungsfall und schützen die erhobenen Daten vor Ausfall und vor unberechtigtem Zugriff durch Dritte.

Praktische Zugänge zur Sozialinformatik

Fünf der sechs in der folgenden Abbildung dargestellten Dimensionen der Sozialinformatik lassen sich über konkrete Beispiele aus der Praxis­einrichtung verdeutlichen.

Ausnahmen bilden die Anwendungsbereiche für Assistenztechnologien die aktuell in der Krankenpflege und im gewichtigen Bereich der Inklusions­entwicklung zu beobachten sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Dimensionen der Sozialinformatik nach Kreidenweis (2012, S.22)

Dimensionen der Sozialinformatik auf Adressaten-Ebene

Da die institutionelle Ebene den Schwerpunkt der noch folgenden Kapitel bildet, betrachten wir anhand des Schaubildes zunächst die Adressaten-Ebene.

In Anlehnung an die Medienpädagogik gibt es seit vielen Jahren Schnittstellen der Informationstechnologie in die Lebenswelt der betreuten Familien.

Einerseits ist hier die fallunspezifische Projektarbeit zu nennen, beispiels­weise zum sicheren Umgang von Kindern und Jugendlichen im Internet oder dem angebotenen Office-Training zum verfassen qualifizierter Bewerbungen. Andererseits ist die Schnittstelle in der täglichen aktiven Erziehungsberatung zu finden, beispielsweise bei möglicher Spielsucht oder bei den aktuellen Cyberbulling- und Mobbingproblematiken.

Aufgrund der praktischen Erfahrung der letzten Jahre sei an dieser Stelle erwähnt, dass für die Computer-Spielsucht sowie das Cybermobbing zunächst die Jugendlichen, aber immer öfter auch bedingt durch den Generationswechsel die Eltern als Akteure in Frage kommen.

Eine sozialinformatisch neue Schnittstelle in die Lebenswelt der Adressaten entsteht aus Sicht des Verfassers über die Tablet-PCs als Arbeitsmittel der Fachkräfte sowie die sich noch weiterentwickelnde partizipativ mobile Falldokumentation während der Hausbesuche.

Hier handelt es sich zum einen um die gemeinsame Online-Recherche über den mitgebrachten Tablet-PC, die gemeinschaftliche Erstellung eines Haushalts- und Finanzplans und das angeleitete Ausfüllen von Behördenanträgen.

Zum anderen könnten aber vor allem auch das gemeinsame Beschreiben einer Situation, das Herausarbeiten von Besonderheiten dieser und das gemein­schaftliche Formulieren der nächsten Nahziele und Arbeitsschritte sowohl die neue Schnittstelle als auch ein Zugewinn für die Familien und Mitarbeitenden sein.

Informationstechnik in der Adressatenkommunikation ist allgegenwärtig. Eine kurze SMS zur Terminvereinbarung über das Handy oder auch eine lange Mail von den Eltern, um eine besonders positive Erfahrung von einem gemeinsamen Familienausflug mitzuteilen, sind nur einige Beispiele.

Das Team des Hilfezentrums hat sich aus datenschutzrechtlichen, aber auch aus rein praktischen Gründen gegen eine Nutzung von Instant Messengern wie beispielsweise Whats App in der Adressatenkommunikation entschieden. Diese ablehnende Haltung wird in dem Kapitel der erweiterten Entwicklungs­phase noch näher erläutert und begründet.

Dimensionen der Sozialinformatik auf institutioneller Ebene

Kreidenweis zieht in seinem Kapitel über IT-Anwendungen für das Informationsmanagement (2012, S. 143 ff.) eine sinnvolle Trennung zwischen den Informationen über Adressaten und den weiteren zum Teil sehr heterogenen, sonstigen betrieblichen Informationen.

Selbsterklärende Beispiele für IT im Sozialmanagement und der Administration lassen sich zahlreich nennen und werden im Hilfezentrum über MS Office Word, Excel, Powerpoint, Outlook und Access bereitgestellt:

- Mitarbeitereinteilung und Vertretungssystem
- Zeiterfassung und Dienstplanung
- Urlaubsplanung
- Einsatzkoordinierung und Familien-Warteliste
- Aufnahme- und Entlass- Management
- Qualitätsmanagement
- Statistische Gesamt-Auswertung
- Jahresbericht der Einrichtung
- Finanzbuchhaltung und Barkasse
- Verwaltung und Geschäftskommunikation

Gleichermaßen sieht es mit den IT-Anwendungen für das Informations­management auf Fall-Ebene aus. Analog dem Schaubild als IT in der Handlungspraxis Sozialer Arbeit bezeichnet, sind hier Nachfolgende als konkretes Beispiel im Hilfezentrum zu benennen:

- Falleingangsphase
- Datenschutz
- Anamnesebogen
- sozialpädagogische Diagnostik
- Genogrammarbeit
- Ressourcenkarte
- Verfahrensstandards
- Wissensvermittlung
- Dokumentation
- Berichtswesen
- Terminplanung
- Servergestützte Aktenführung
- Leistungsnachweise
- Fahrtenbuch

Mit dem Oberbegriff der institutionellen Ebene, im Schaubild als IT-Management in sozialen Organisationen bezeichnet, beschäftigt sich der folgende Hauptteil dieser Ausarbeitung.

Zur Einschätzung der vorhandenen Möglichkeiten eines umfassenden IT-Managements in kleinen Einrichtungen der Jugendhilfe erscheint abschließend aber noch ein kurzer Blick auf die wirtschaftlichen Aspekte der vorgestellten Einrichtung als sinnvoll.

Während die demographische Entwicklung in Deutschland weiterhin einen deutlichen Rückgang der Kinder und Jugendlichen konstatiert, haben sich parallel dazu die Ausgaben der Kinder- und Jugendhilfe, inflationsbereinigt auch im speziellen Bereich der Hilfen zur Erziehung, in den letzten zwanzig Jahren fast verdoppelt (vgl. BMFSFJ 2013, S. 266)

Wirtschaftliche Aspekte kleiner Non-Profitorganisationen

„Die Finanzierung sozialer Dienstleistungen wird in Deutschland nicht über den Markt geregelt, sondern findet in einem hochgradig verrechtlichen Bereich statt. Die Mittel stammen aus einem Finanzierungsmix von Kostenerstattungen bzw. Leistungsentgelten sowie - bei Nonprofit-Anbietern - aus öffentlichen Zuwendungen und Eigenmitteln der Nonprofit-Organisationen.“ (Arnold / Maelicke 2009, S.126)

Badelt erkannte schon zum Ende des letzten Jahrhunderts einen offensichtlichen Trend von weitreichenden Kürzungen in der staatlichen Finanzierung des Non-Profit-Sektors (vgl. Badelt 1999, S.527f).

Seit den letzten Jahren sind die freien Träger der Jugendhilfe vermehrt damit konfrontiert, dass die Ergebnisse der jährlichen Entgeltverhandlungen für laufende Maßnahmen entweder keine Erhöhung oder nur eine pauschale Anhebung unterhalb der realen Lohn- und Sachkostensteigerungen vorsehen.

Das jeweilige lokale Jugendamt steht unter Umständen häufig unter einem enormen finanziellen Druck der Haushaltslage der jeweiligen Stadt gerecht zu werden und hat insofern schon vorab wenig Spielraum in den Entgeltverhandlungen mit den freien Trägern. Zugleich sind die freien Träger der Jugendhilfe meist gesetzlich verpflichtet, ihre Lohn- und Gehaltstarife[6] direkt umzusetzen. Steigende Kosten durch Alters- und Erfahrungsstufensteigerungen sind hierbei noch nicht berücksichtigt.

Unter diesen Voraussetzungen geraten die freien Träger zunehmend unter Druck, die vertraglich vereinbarte Qualität und Effizienz überhaupt noch erbringen zu können.

Für das hier vorgestellte Hilfezentrum und sicherlich auch bei vielen anderen kleinen NPOs der Jugendhilfe mit einem begrenzten Aufgabenfeld ist die Ausgangslage sogar noch viel heikler.

Es existieren keine Möglichkeiten der Quersubventionen durch wirtschaftlich stärkere Fachbereiche innerhalb einer Einrichtung. Auch die für den Bereich der NPOs typischen Spendeneinnahmen sind hier entweder kaum vorhanden oder wie im Praxisbeispiel zweckgebunden und nur für einzelne soziale Gruppen oder Aktivitäten bestimmt.

Die tatsächlichen Entgelterhöhungen der letzten acht Jahre, summiert insgesamt noch im einstelligen Prozentbereich, führten aufgrund der Kostensteigerungen im Hilfezentrum faktisch zu einer leichten aber stetigen Kürzung der Mittel.

Diese Ausgangslage lässt auf den ersten Blick erahnen, dass eine kostspielige Implementierung einer professionellen Software zum jetzigen Zeitpunkt nahezu unrealistisch erscheint.

Auch eine Entwicklung und Implementierung im Rahmen eines sinnvollen Projektgerüstes mit eigener Projektleitung und einer stundenweisen Freistellung einzelner Projektmitglieder, entsprach nicht der lebbaren Wirklichkeit zu dem Zeitpunkt.

Somit musste sich die dringend nötige Entwicklung und Implementierung behutsam und kleinschrittig neben dem Tagesgeschäft entwickeln.

[...]


[1] Dr. Helmut Kreidenweis, Professor für Sozialinformatik

an der kath. Universität Eichstätt-Ingolstadt, Fakultät für Soziale Arbeit, im Rahmen einer Mailkonversation mit dem Verfasser im November 2014 als persönliche Einschätzung auf die in Grundzügen vorbereitete Idee des Verfassers eine eigene Software über eine Open Source Datenbank zu programmieren. Vor Veröffentlichung dieser Ausarbeitung wurde eine Genehmigung zur Verwendung dieses Zitates eingeholt.

[2] Nur aus Gründen der vereinfachten Lesbarkeit wurde in dieser Ausarbeitung auf die gleichzeitige Verwendung der männlichen sowie der weiblichen Form verzichtet.

[3] Bei den häufig verwendeten Begrifflichkeiten Soziale Arbeit, oder z.B. auch Sozialpädagogische Familienhilfe wäre das Adjektiv nach neuer Rechtschreibung klein zu schreiben. In diesem Zusammenhang werden diese wie Adjektiv und Substantiv in neuer idiomisierter Verbindung behandelt und groß geschrieben.

[4] im folgendem Hilfezentrum benannt und mit AHZ abgekürzt

[5] Stifter-helfen.de – IT für Non-Profits ist das Onlineportal für IT-Spenden in Deutschland. Es startete 2008 und wird von der Haus des Stiftens gGmbH in Partnerschaft mit der gemeinnützigen amerikanischen Nicht-Regierungsorganisation TechSoup Global betrieben. Weitere Informationen unter www.stifter-helfen.de

[6] häufig sind sie dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVÖD) angeglichen, für das Praxisbeispiel gilt das Tarifwerk des BAT-KF

Ende der Leseprobe aus 101 Seiten

Details

Titel
Entwicklung und Implementierung eines mobilen Falldokumentationssystems mittels Smartphone und Tablet-PC
Hochschule
Evangelische Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe  (Masterstudiengänge)
Veranstaltung
Management in sozialwirtschaftlichen und diakonischen Organisationen - Sozialinformatik
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
101
Katalognummer
V295280
ISBN (eBook)
9783656932147
ISBN (Buch)
9783656932154
Dateigröße
2660 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
entwicklung, implementierung, falldokumentationssystems, smartphone, tablet-pc
Arbeit zitieren
Marc Tomke (Autor), 2015, Entwicklung und Implementierung eines mobilen Falldokumentationssystems mittels Smartphone und Tablet-PC, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295280

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