Medienereignisse zeichnen sich durch eine Unterbrechung der alltäglichen Routinen und einen untypischen Programmablauf aus. Zu den Medienereignissen im Fernsehen zählt beispielsweise unter anderem die Fernsehübertragung einer Hochzeit eines Staatsoberhauptes, olympische Spiele oder auch, aus aktuellem Anlass, die Wahl von Papst Franziskus I. im Vatikan. Beim Eintritt dieser Ereignisse wird der Rezipient aus seiner gewöhnlichen Normalität gezogen und durch das Fernsehen als Teilnehmer in das jeweilige Medienereignis involviert. Da Massenmedien gerade bei Ereignissen, wie Katastrophen oder Krisen in der Auffassung des Rezipienten eine Rolle spielen, befasst sich diese Arbeit mit der Frage, welche Rolle beim Eintritt einer Krise durch die Massenmedien bzw. des Fernsehens eingenommen wird. Dabei wird zunächst auf die Rolle des Fernsehens beim Eintritt von Medienereignissen eingegangen. Darauf folgt ein Hauptgewicht auf die Rolle des Fernsehens beim Eintritt von Krisen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Die Rolle der Massenmedien bei einem Medienereignis
2.2 Die Rolle der Massenmedien beim Eintritt einer Krise/Katastrophe
3. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die mediale Vermittlung von Krisen und extremen Ereignissen. Das primäre Ziel ist es zu analysieren, welche Rolle das Massenmedium Fernsehen beim Eintritt einer Krise einnimmt, wie es durch rituelle Inszenierungen Orientierung bietet und den Rezipienten in das Geschehen einbindet.
- Ritualisierung mediatisierter Kommunikation
- Die Funktion des Fernsehens als "Tor zur Welt"
- Krisenberichterstattung unter Zeitdruck
- Kurative Funktionen massenmedialer Ereignisinszenierung
- Soziale Kollektivrituale in Krisensituationen
Auszug aus dem Buch
Die Rolle der Massenmedien bei einem Medienereignis
Speziell das Fernsehen hat eine besondere Rolle bei einem Ereignis. Laut Dayan und Katz werden Ereignisse narrativ, perspektiv und inhaltlich geprägt. Diese Erfindungsgabe erklärt, dass Rezipienten, die eigentlich einen direkten Zugang zum Ereignis haben, sich oft für die Teilnahme am Ereignis für das Fernsehen entscheiden (Dayan und Katz 2001, 442). Aufgabe des Fernsehens ist es daher, dass Ereignis nicht nur darzustellen, sondern dem Rezipienten auch eine Äquivalenz zu einem festlichen Erlebnis anzubieten (2001, 413). Es behandelt das Ereignis nicht nur in einer narrativen Art, sondern bildet eine hohe Kohärenz verstreuter Elemente zu einem narrativen Spektakel (2001, 414). Hierbei wird ein Ereignis zu einem Medienereignis. Laut Thiele werden Ereignisse in drei verschiedene medientheoretische Modellierungen unterteilt. Im ersten Modell spricht Thiele von Ereignissen die als vormedial angesehen werden (Thiele 2006, 123). Wobei das Fernsehen als „Tor zur Welt“ (2006, 123) genutzt wird und auf die Selektion, Abbildung und Verbreitung reduziert wird. Im zweiten Modell werden Ereignisse prinzipiell vormedial angesehen. Demnach gibt es eine vorangehende Berichterstattung vor dem Ereignis (2006, 123). Unterschieden wird hier zwischen „genuinen“, „mediatisierten“ und „inszenierten“ Ereignissen (2006, 123). Im dritten Modell wird erst durch die Mediatisierung, Diskursivierung und Visualisierung des Fernsehens ein Ereignis als Ereignis beim Rezipienten wahrgenommen (2006, 125). Thiele spricht davon, dass es Ereignisse ohne Medien nicht gebe - „kein Ereignis ohne Medien“ (2006, 125). Nach Engells Meinung sind Ereignisse als Teilmenge von Vorkommnissen zu sehen. Ereignisse konstituieren sich durch einen ständigen Auf- und Abbau von Erwartungen, sowie durch ständige Wiederholungen (2006, 126). Demnach sind Medienereignisse nicht auf Objekte oder Subjekte zurückführbar, sondern hängen von der Regelhaftigkeit und Zufall ab (2006, 126). Doch auch beide sind der Meinung, dass das Fernsehen eine sehr relevante Rolle in Bezug auf die Ereignisse nimmt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der Ritualisierung mediatisierter Kommunikation ein und definiert den Fokus auf die Rolle des Fernsehens bei Medienereignissen und Krisen.
Hauptteil: Dieser Abschnitt analysiert medientheoretische Modelle von Medienereignissen und untersucht die kurative sowie strukturgebende Funktion der Berichterstattung bei Krisen und Katastrophen.
Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Massenmedien durch die Produktion von Medienereignissen maßgeblich zur gesellschaftlichen Einordnung von Krisen beitragen und dem Publikum helfen, Normalität wiederherzustellen.
Schlüsselwörter
Medienereignisse, Massenmedien, Fernsehen, Krise, Katastrophe, Ritualisierung, Krisenberichterstattung, mediatisierte Kommunikation, Kollektivrituale, Rezipient, Informationsfluss, gesellschaftliche Normalität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle der Massenmedien, insbesondere des Fernsehens, bei der Darstellung und Verarbeitung von Krisenereignissen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Ritualisierung von Kommunikation, die mediale Konstruktion von Ereignissen und die psychologische sowie soziale Wirkung der Krisenberichterstattung auf das Publikum.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu ergründen, welche spezifischen Rollen das Fernsehen einnimmt, wenn es darum geht, plötzliche Krisen für den Rezipienten greifbar und verarbeitbar zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturgestützte Analyse, die sich primär auf die medienwissenschaftlichen Theorien von Stephan Alexander Weichert, Matthias Thiele sowie Dayan und Katz stützt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine allgemeine Betrachtung von Medienereignissen und eine spezifische Analyse der Berichterstattung bei Krisen und Katastrophen unter Zeitdruck.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Medienereignisse, Ritualisierung, kurative Funktion, Krisenberichterstattung und die Rolle des Fernsehens als "Tor zur Welt".
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen verschiedenen Ereignistypen?
Die Arbeit stützt sich auf die medientheoretischen Modelle von Thiele, die zwischen vormedialen, mediatisierten und inszenierten Ereignissen differenzieren.
Welche Funktion hat die Berichterstattung in Krisenzeiten laut der Arbeit?
Das Fernsehen übernimmt eine kurative Funktion, indem es Traditionen und Rituale nutzt, um Panik zu mindern und dem Publikum ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln.
Inwiefern beeinflussen die Massenmedien die Realitätswahrnehmung?
Die Arbeit legt dar, dass Medien nicht nur berichten, sondern durch ständige Wiederholung und rituelle Aufbereitung die Relevanz eines Ereignisses festlegen und zur Sinnstiftung beitragen.
Warum wird das Fernsehen als "Hauptdarsteller" bezeichnet?
Da das Fernsehen aktiv an der narrativen und perspektivischen Gestaltung eines Ereignisses beteiligt ist, greift es in das Geschehen ein, anstatt es nur passiv zu übertragen.
- Arbeit zitieren
- Manuel Dierkes (Autor:in), 2013, Medienereignisse bei Krisen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295427