Die Formen der Kapitalerhöhung in Aktiengesellschaften


Seminararbeit, 1997
19 Seiten, Note: 2,1

Leseprobe

INHALT

I. Die Kapitalerhöhung
1. Außenfinanzierung versus Innenfinanzierung
2. Finanzierungsarten – Übersicht

II. Die Aktiengesellschaft
1. Organe der AG
2. Zwecke der Kapitalerhöhung

III. Erhöhung des Grundkapitals als Maßnahme der Außenfinanzierung
1. Kapitalerhöhung durch Zufluss neuer Geldmittel
1.1. Ordentliche Kapitalerhöhung, §§ 182-191 AktG
1.2. Genehmigte Kapitalerhöhung, §§ 192-201 AktG
1.3. Bedingte Kapitalerhöhung, §§192-201 AktG
2. Die Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln
2.1. Rücklagen
2.2. „Gratisaktien“

Literaturverzeichnis

I.Die Kapitalerhöhung

1. Außenfinanzierung versus Innenfinanzierung

Die Außen- und die Innenfinanzierung kann sowohl mit Fremdkapital als auch mit Eigenkapital durchgeführt werden.[1]

a) Innenfinanzierung: Diejenige Finanzierung, bei der die Zahlungsmittel zur Deckung des Kapitalbedarfes dem Betrieb aus dem betrieblichen Prozess heraus zur Verfügung gestellt werden.

Innenfinanzierung mit Eigenkapital = Selbstfinanzierung (Rückflussfinanzierung und Überschussfinanzierung). Die Rückflussfinanzierung besteht in der Beschaffung und Bereitstellung von Zahlungsmitteln aus dem Verkauf der betrieblichen Leistungen auf den Absatzmärkten des Betriebes (Wiedergeld). Bei der Überschussfinanzierung geht es jedoch darüber hinaus nur um denjenigen Teil der zufließenden Zahlungsmittel, der den Gegenwert des für die Erstellung und Verwertung der betreffenden Leistungen erfolgten Gütereinsatzes übersteigt, soweit er nicht in Form von Gewinnausschüttungen der weiteren Verwendung im Betrieb entzogen wird. Es handelt sich also um einbehaltene Gewinne; aus diesem Grunde wird diese Finanzierungsart auch als Gewinnthesaurierung bezeichnet. In AGs werden einbehaltene Gewinne in Form von Gewinnrücklagen dem Eigenkapital zugeführt.Hierbei wird unterschieden zwischen gesetzlichen Rücklagen, Rücklagen für eigene Anteile, satzungsmäßige Rücklagen und andere Rücklagen.

Innenfinanzierung mit Fremdkapital = Finanzierung aus Rückstellungs-gegenwerten.[2]

b) Außenfinanzierung: Die Zahlungsmittel zur Deckung des Kapitalbedarfes werden dem Unternehmen losgelöst vom betrieblichen Prozess der Leistungserstellung und -verwertung von außerhalb des Betriebes zur Verfügung gestellt.

Außenfinanzierung mit Fremdkapital: i.d.R. zeitlich befristete Aufnahme von Zahlungsmitteln gegen Entgelt (Zinsen) von Personen oder Institutionen, die sich mit den betreffenden Einlagen nicht am Unternehmen beteiligen, sondern sie lediglich als Darlehen geben wollen. Eine Erhöhung des Fremdkapitals wird meist unter dem Stichwort „Kreditfinanzierung“ abgehandelt.Ausnahmsweise kann es sich bei den Kapitalgebern auch um Eigentümer des Betriebes handeln; die entsprechenden Darlehen werden dann als Gesellschafterdarlehen bezeichnet.Es wird unterschieden zwischen kurzfristiger Kreditfinanzierung (Lieferantenkredit, Kundenanzahlung und kurzfristige Bankkredite) und langfristiger Kreditfinanzierung, v.a. Schuldverschreibungen[3] (Industrie-schuldverschreibungen, Industrieanleihen, und Obligationen).Sonderformen der Schuldverschreibungen sind u.a. Gewinn-schuldverschreibungen und Wandelschuldverschreibungen, Schuldscheindarlehen sowie langfristige Bankkredite.Die Wandelschuldverschreibung ist dadurch gekennzeichnet, dass dem Kreditgeber ein Umtauschrecht (Wandelanleihe) oder ein Bezugsrecht (Optionsanleihe) auf Aktien des Kreditnehmers eingeräumt wird. Die Wandelanleihe beinhaltet also neben der normalen Ausstattung das Recht, sie in Aktien umzutauschen. Nach der Wahrnehmung des Rechts geht die Wandelanleihe unter; aus dem Fremdkapitalgeber wird ein Eigenkapitalgeber, aus dem Gläubiger ein Eigentümer.Im Unterschied zur Wandelanleihe ist mit der Optionsanleihe das Recht verbunden, Aktien des Kreditnehmers zu kaufen. Auch wenn dieses Recht vom Kreditgeber ausgeübt wird, bleibt die Optionsanleihe bis zu ihrer Tilgung durch den Kreditnehmer bestehen; d.h. sie werden beim Aktienbezug nicht in Zahlung gegeben, sondern bleiben nebenher bestehen. Trotz seiner Beteiligung am Unternehmen durch den Erwerb von Aktien bleibt der Gläubiger bis zur Rückzahlung des von ihm gewährten Kredites Fremdkapitalgeber.

Außenfinanzierung mit Eigenkapital = Beteiligungsfinanzierung (z.B. bei Gründung eines Unternehmens, wo die Gründer erst einmal Eigenkapital zur Verfügung stellen müssen). Sie umfasst aber auch alle Formen der Bereitstellung zusätzlichen Eigenkapitals durch:

- eine Erhöhung der Kapitaleinlagen von bereits vorhandenen Anteilseignern oder
- eine Aufnahme zusätzlicher Anteilseigner gegen Einlage von Zahlungs- oder Sachmitteln.

Möglichkeiten der Kapitalerhöhung bieten sich also grundsätzlich beim Eigen- und Fremdkapital. Wenn von Kapitalerhöhung in AGs die Rede ist, so ist damit meist wie im Aktiengesetz nur die Erhöhung des Eigenkapitals gemeint.

2.Finanzierungsarten – Übersicht

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

II.Die Aktiengesellschaft

Die AG verkörpert wie die GmbH als Kapitalgesellschaft eine juristische Person mit eigener Rechtspersönlichkeit. Sie ist die gebräuchliche Rechtsform für große und größte Unternehmen. (1987: 0,1% aller Betriebe, aber 14,5% aller Beschäftigten).[4]

Die Beteiligung der Eigentümer der AG, der Aktionäre, erfolgt durch den Erwerb von Anteilen, von Aktien, des Grundkapitals. Zur Gründung einer AG ist mindestens ein Gründungsaktionär erforderlich, das Grundkapital muss einen Mindestnennbetrag von 100.000,- DM aufweisen, der Mindestnennbetrag je Aktie lautet auf 5,- DM (höhere Nennbeträge müssen auf volle 5,- DM lauten). Wie bei der GmbH gibt es auch bei der AG keine unbeschränkte persönliche Haftung, vielmehr haftet gegenüber den Gesellschaftsgläubigern nur die AG mit ihrem Gesellschaftsvermögen.[5]

1. Organe der AG

Es sind drei Organe der AG zu unterscheiden:

1. Vorstand

Führt die Geschäfte der AG, dabei ist er nicht an Weisungen des Aufsichtsrates oder der Hauptversammlung gebunden. Es findet also eine strenge Trennung zwischen den Eigentümern des Unternehmens und der Unternehmensleitung statt.

2. Aufsichtsrat

Bestellt den Vorstand für höchstens fünf Jahre (Wiederbestellung zulässig), und kontrolliert die Tätigkeit des Vorstandes. Entsprechend den aktienrechtlichen Vorschriften hat der Aufsichtsrat mindestens 3, höchstens 21 Mitglieder, wobei nach dem Betriebsverfassungsgesetz von 1972 ein Drittel der Mitglieder von den Arbeitnehmern zu wählen ist.[6]

3. Hauptversammlung

Beschließt die Bestellung des Aufsichtsrates für die Dauer von max. vier Jahren, soweit dessen Mitglieder nicht entsandt oder von den Arbeitnehmern als deren Vertreter gewählt werden, beschließt über die Verwendung des Bilanzgewinns, entlastet Vorstand und Aufsichtsrat, bestellt die Abschlussprüfer, beschließt Satzungsänderungen, entscheidet über Kapitalerhöhungen und -herabsetzungen und über die Auflösung der Gesellschaft. Die Verteilung erwirtschafteter und auszuschüttender Gewinne erfolgt auf Beschluss der Hauptversammlung grundsätzlich nach Kapitalanteilen.

[...]


[1] Hier und im folgenden s. Peters et al., S. 79ff.

[2] Der Unterschied zu einer Innenfinanzierung mit Eigenkapital besteht darin, dass hinsichtlich des betreffenden Teiles des Rückflusses ein Rechtsanspruch Dritter besteht. Bedeutend ist v.a. die Finanzierung aus Gegenwerten von Pensionsrückstellungen.

[3] Schuldverschreibung: typische Form der langfristigen Kreditfinanzierung am Kapitalmarkt; zu den Kreditnehmer gehören Bund, Länder und Kommunen, Bundesbahn und Bundespost, Realkreditanstalten sowie private Unternehmen, v.a. große und bekannte AGs. Der Gesamtbetrag einer Schuldverschreibung oder Anleihe wird gestückelt. Die Teilschuldverschreibungen werden verbrieft und als Wertpapiere an der Börse gehandelt.

[4] Die AG wird als juristische Person zur Körperschaftssteuer herangezogen (Satz: 45% auf die einbehaltenen Gewinne). Die ausgeschütteten Gewinne unterliegen bei den Aktionären der Einkommensteuer, wobei auf die zu zahlende Einkommensteuer die von der AG einbehaltene Körperschaftssteuer in Höhe von 30% und die Kapitalertragssteuer angerechnet werden.

[5] Zu diesem Abschnitt s. Peters et al., S. 47f.

[6] In AGs, die dem Mitbestimmungsgesetz von 1976 unterliegen, besteht der Aufsichtsrat je nach Zahl der durchschnittlich Beschäftigten aus 12,16 oder 20 Mitgliedern; er ist paritätisch mit Vertretern der Anteilseigner und der Arbeitnehmer zu besetzen.

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Details

Titel
Die Formen der Kapitalerhöhung in Aktiengesellschaften
Hochschule
Fachhochschule für Wirtschaft Berlin
Veranstaltung
Organizational Financial Analysis
Note
2,1
Autor
Jahr
1997
Seiten
19
Katalognummer
V295464
ISBN (eBook)
9783656933694
ISBN (Buch)
9783656933700
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
MBA, Finance, Kapitalerhöhung, AG
Arbeit zitieren
Almut Stielau (Autor), 1997, Die Formen der Kapitalerhöhung in Aktiengesellschaften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295464

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