Die Jugend ist die Phase, in der die zukunftsrelevanten Neuerungen stattfinden und dementsprechende Entscheidungen getroffen werden. Ziel dieser Epoche ist es, die veränderten und sich verändernden Eigenschaften der Person unter dem Begriff „Identität“ zu vereinen. Bedeutungsvoll ist in diesem Zusammenhang der Umgang mit selbstbezogenem Wissen.
Während dieses in der Kindheit aufgebaut und ausdifferenziert wird, geht es in der Adoleszenz um die Sicherung und Festigung der selbstbezogenen Informationen, die die Selbstkonzepte bilden.
Kein Lebensabschnitt in der individuellen Entwicklung der Menschen ist von solch tiefgreifenden Veränderungen auf physischer aber auch auf psychischer Ebene geprägt wie das Jugendalter. Eine oftmals konfliktträchtige Auseinandersetzung mit der Umwelt scheint unumgänglich. Das Jugendalter gilt als Phase typischen Unverständnisses zwischen den Generationen und Jugendliche äußern sich nach den Maßstäben Erwachsener häufig in Problemverhalten.
Friedrich-Wilhelm Schrader und Andreas Helmke haben mit ihrer Studie „Selbstvertrauen im Übergang vom Jugend- zum Erwachsenenalter“ aus dem Jahr 2003 die Frage aufgeworfen, inwiefern die als kritisch erlebten Auseinandersetzungen der Jugendlichen mit sich selbst, vor allem aber mit anderen Interaktionspartnern, sich im Selbstvertrauen der Jugendlichen niederschlagen.
Im vierten Kapitel meiner Hausarbeit werde ich dieser Frage nachgehen. Vorerst aber möchte ich im zweiten Abschnitt die Begrifflichkeiten erläutern und im dritten Abschnitt ausführlich den Zusammenhang von Identitätsentwicklung, Selbstkonzepten und Selbstvertrauen darstellen.
Für diesen Teil werde ich die Ergebnisse zweier weiterer Studien zu den Themen „Schulstörungen“ und „Immunisierung“ heranziehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsdefinitionen
3. Identitätsentwicklung
3.1. Identität nach Erikson
3.2. Identität als Kontinuität
3.3. Soziale und psychische Entwicklungen im Jugendalter
3.4. Selbstkonzept und adoleszente Entwicklung
3.5. Verifikation und Falsifikation von Selbstkonzepten
3.6. Festigung von Selbstkonzepten
4. „Selbstvertrauen im Übergang vom Jugend- zum Erwachsenenalter“ - die Studie von Schrader und Helmke von 2003
4.1. Die LOGIK- Studie
4.2. Ergebnisse der Studie
4.3. Analyse der Ergebnisse
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung des Selbstvertrauens im Jugendalter, insbesondere im Hinblick auf die Frage, ob Jugendliche während dieser Phase tiefgreifende Einbrüche in ihrem Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl erleben. Dabei wird der Fokus auf die empirischen Erkenntnisse der LOGIK-Studie von Schrader und Helmke gelegt.
- Identitätsentwicklung im Jugendalter nach dem Modell von Erikson
- Die Rolle des Selbstkonzepts und dessen Verifikation durch soziale Interaktion
- Mechanismen zur Stabilisierung des Selbstbildes, wie etwa Immunisierungsprozesse
- Empirische Analyse des Selbstvertrauens am Übergang vom Jugend- zum Erwachsenenalter
- Der Einfluss von kritischen Lebensereignissen und sozialer Integration auf die psychische Entwicklung
Auszug aus dem Buch
3.6. Festigung von Selbstkonzepten
Bereits während der fortschreitenden Identitätsausbildung entwickeln sich parallel diverse Mechanismen, die das Selbstkonzept unterstützen, um so eine Verifikation zu begünstigen. Einerseits können soziale Umfelder oder Bezugspersonen bevorzugt werden in denen mit größerer Wahrscheinlichkeit eine Bestätigung erfolgt - eine so genannte „selektive Interaktion“. Andererseits besteht die Möglichkeit, nicht erwartungsgemäße Reaktionen der Interaktionspartner so umzudeuten, dass sie keinen negativen Einfluss auf das Selbstkonzept haben (vgl. Neubauer 1976 S. 42).
Wie oben ausgeführt ist jedoch ein realistisches Selbstbild notwendig für eine sinnvolle Berufs und Zukunftsplanung, eine komplette Verleugnung der Realität wäre in diesem Sinne nicht funktional. In diesem Sinne besteht ein „Dilemma zwischen Autonomie und sozialer Anschlussfähigkeit“ (Greve et al. 2009, S. 27), bei der die Funktionalität der relativierenden Prozesse, das Ausmaß der Realitätsakzeptanz, entscheidend ist.
„Die Entwicklung von entwicklungsregulierenden Prozessen setzt eine sensible Balance zwischen 'zu wenig' und 'zu viel' Abwehr und Stabilisierung voraus, die überdies kontinuierlich neu adjustiert werden muss“ (ebd.).
So können beispielsweise gezielte soziale Abwärtsvergleiche die Gewichtung einer negativen Erfahrung so verändern, dass andere Gesichtspunkte (sozialer Natur) relevant werden, das Anerkennen der Realität sich jedoch nicht verändert.
Greve et al. untersuchten in ihrer Studie Immunisierungsprozesse im Verlauf der Pubertät. Diese Prozesse wirken stabilisierend, indem den „konkreten Fertigkeiten oder Kompetenzen, über die man aktuell nicht zu verfügen meint, die Diagnostizität für den entsprechenden Selbstkonzeptaspekt abgesprochen wird“ (ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der Identitätsentwicklung im Jugendalter ein und stellt die zentrale Fragestellung der Arbeit anhand der Studie von Schrader und Helmke vor.
2. Begriffsdefinitionen: Hier werden die theoretischen Grundlagen wie Selbstkonzept, Selbstwertgefühl, Selbstwirksamkeit und Selbstvertrauen psychologisch definiert.
3. Identitätsentwicklung: Dieses Kapitel beleuchtet theoretische Konzepte der Identitätsbildung, die Rolle der sozialen Umwelt und Mechanismen der Selbstwertstabilisierung.
4. „Selbstvertrauen im Übergang vom Jugend- zum Erwachsenenalter“ - die Studie von Schrader und Helmke von 2003: Der Abschnitt analysiert die methodische Grundlage und die empirischen Ergebnisse der LOGIK-Studie hinsichtlich der Stabilität von Selbstvertrauen.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass kein genereller Einbruch des Selbstvertrauens im Jugendalter stattfindet und betont die Bedeutung sozialer Integration und gewonnener Autonomie.
Schlüsselwörter
Selbstkonzept, Selbstvertrauen, Identitätsentwicklung, Jugendalter, Adoleszenz, Selbstwertgefühl, Selbstwirksamkeit, LOGIK-Studie, Psychische Belastbarkeit, Soziale Integration, Peers, Immunisierung, Identitätsdiffusion, Persönlichkeitsentwicklung, Stabilisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der psychologischen Entwicklung des Selbstvertrauens und der Identität während des Jugendalters.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den Schwerpunkten zählen die Identitätsentwicklung nach Erikson, die psychologische Bedeutung des Selbstkonzepts und die empirische Untersuchung von Selbstvertrauen in der Übergangsphase zum Erwachsenenalter.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor mit dieser Arbeit?
Das Ziel ist es zu prüfen, ob die Annahme einer schwierigen Lebensphase mit generellen Einbrüchen des Selbstvertrauens bei Jugendlichen wissenschaftlich haltbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erkenntnisgewinnung genutzt?
Die Arbeit stützt sich primär auf die Auswertung von Daten der longitudinalen LOGIK-Studie sowie auf psychologische Theorien zur Identitätsentwicklung.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil der Untersuchung im Fokus?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Begriffsbestimmungen, die Phasen der Identitätsentwicklung und die detaillierte Analyse der Ergebnisse von Schrader und Helmke.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Selbstkonzept, Selbstvertrauen, Identitätsbildung, Peers und soziale Integration charakterisiert.
Wie bewerten die Autoren den Einfluss von kritischen Lebensereignissen?
Kritische Lebensereignisse werden als kumulativ wirkende Faktoren eingestuft, die sich zwar bei gehäuftem Auftreten negativ auswirken können, aber auch Chancen für eine Neuorientierung bieten.
Warum ist das soziale Umfeld für die Selbstkonzeptentwicklung so wichtig?
Die soziale Interaktion, insbesondere mit Peers, dient als Referenzpunkt für die Selbstbewertung und ermöglicht durch Bestätigung eine Festigung des eigenen Selbstbildes.
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- Robert Kolb (Author), 2010, Selbstkonzept und Selbstvertrauen im Jugendalter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295465