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Variation im Zeich(n)en der Bilder. Einflüsse von Animation und Found Footage Material aus dem Web 2.0 auf die Wahrnehmung von Dokumentarfilmen

Titel: Variation im Zeich(n)en der Bilder. Einflüsse von Animation und Found Footage Material aus dem Web 2.0 auf die Wahrnehmung von Dokumentarfilmen

Bachelorarbeit , 2014 , 41 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Sarah Dombrink (Autor:in)

Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In den letzten Jahren lassen sich im Dokumentarfilm vermehrt Tendenzen finden, Animation und Medien- oder Web 2.0 Archivmaterial in die Darstellung einzubinden. Eines der prominentesten Beispiele ist hier "Waltz with Bashir", auf den später noch eingegangen wird. So wie Animation im Dokumentarfilm schon als Ästhetik verbreitet Anwendung findet, ist die Praxis Archivbilder aus Medien- oder Privatarchiven zu verwenden ebenfalls schon länger etabliert. Der getrennte Gebrauch von diesen ästhetischen Mitteln ist also keine Neuerung, aber in der Zusammenführung von Animation, gefilmtem Material und den, vor allem über soziale Netzwerke und Portale wie YouTube oder herkömmliche Medien verbreiteten Aufnahmen, als bereits mediatisierte Elemente, ist eine neue dokumentarische Darstellungsform entstanden die bisher wenig betrachtet wurde.
"The Green Wave", ein Dokumentarfilm von Ali Samadi Ahadi über die Aufstände während der Präsidentschaftswahlen im Iran 2009, greift unter anderem Found Footage der Grünen Revolution aus dem Web 2.0 auf. In einer Kombination von aufgenommenen Bildern interviewter Beteiligter, animierten Erlebnissen aus Blogeinträgen, Handyvideos der Demonstranten, Twitter-Meldungen und Medienarchivmaterial umkreist die Erzählung die Vorgänge der niedergeschlagenen Revolution. Die Kurzdokumentation "Reality 2.0" beschäftigt sich in nachgezeichneten Amateurvideos und freier Animation mit der (medialen) Rezeption des Drogenkriegs in Mexiko. Diese beiden letztgenannten Dokumentarfilme bedienen sich neben Animation, gefilmtem und weiteren Materialien, auch den Aufnahmen aus dem Web 2.0 und (herkömmlichen) Medienarchiven, um die jeweiligen gesellschaftspolitischen Konflikte darzustellen. Mit der größeren Verbreitung und Zugänglichkeit zum Internet wächst das Spektrum der von und mit dem Publikum darin geteilten Inhalte exponentiell und eröffnet ein Archiv in neuer Größenordnung und Form. Wobei der user-generated content die Grenzen von öffentlich und privat vermehrt verwischen lässt. Diese Dokumentarfilme greifen bei der Darstellung eines Ereignisses mit der Integration mediatisierter Archivbilder aus dem Web 2.0 auf diese Weise ein medial-gesellschaftliches und -soziales Phänomen auf.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. (An)Zeichen des Dokumentarischen

2.1 Dokumentierte Zeichen der Wirklichkeit?

2.1.1 Fotografische und animierte Bilder im Widerstreit des Wirklichen

2.1.2 Vor-Zeichen der Zuschauerwahrnehmung

2.2 Vorverständnis des Dokumentarischen

2.3 ‚Der Zuschauer und sein Dokumentarfilm’

2.3.1 Mit dem Zuschauer im Hinterkopf

2.3.2 Im Hinterkopf des Zuschauers

3. Im Zeich(n)en der Veränderlichkeit

3.1 ‚Ausdruckskraft’ des Materials - Zeichen am Rand der Entstehung

3.1.1 Im Off der Gesellschaft – Found Footage 2.0

3.1.2 Kunst der Sensation - mediale Gewaltdarstellung 2.0

3.1.3 Vorzeichen der Gewaltwahrnehmung

3.2 ‚Macht der Korrespondenz’ – Gewalt im Diskurs der Zeichen

3.2.1 Zeichen am Rand der medialen Wirklichkeit

3.2.2 Überlagerte Überladung der Bilder

3.3 ‚Macht der Verwandlung’ – Weichen der Wahrnehmung

4. Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Diese Arbeit untersucht, wie die Integration von Animation und Found Footage aus dem Web 2.0 in Dokumentarfilmen die Zuschauerwahrnehmung beeinflusst und ob diese hybriden Formen gesellschaftliche Relevanz vermitteln können, statt lediglich affektive Reaktionen auszulösen.

  • Analyse der ästhetischen Konvergenz von Animation, gefilmtem Material und Found Footage.
  • Untersuchung der Zuschauerwahrnehmung und verschiedener Rezeptionsmodi (mimetisch vs. diegetisch).
  • Betrachtung von Found Footage 2.0 als Ausdruck gesellschaftspolitischer Ereignisse.
  • Dekonstruktion von Gewaltdarstellungen durch mediale Aufarbeitung und künstlerische Vermittlung.

Auszug aus dem Buch

3.1.2 Kunst der Sensation - mediale Gewaltdarstellung 2.0

Um die Vorzeichen, welche das gefundene Material einbringt, erfassen zu können, soll zunächst betrachtet werden, was die Videos zeigen und ob davon die Einbindung in die Collagefilme abhängt. Der Gebrauch von Bildern aus dem Web 2.0, dem user-generated content, in einem Dokumentarfilm eröffnet einen Diskurs darüber, was diese Bilder in dem gesellschaftlichen Kontext bedeuten, aus dem sie heraustreten und in dem sie rezipiert werden, der hier stärker präsent wird als in live-action oder animierten Bildern, die entfernt auf diesen verweisen.

Auf der gesellschaftlichen Seite scheint das Interesse an Videos aus Konfliktsituationen und Gewaltdarstellungen auf YouTube zu steigen, die auch Inspiration für die Themen von Filmen wie The Green Wave und Reality 2.0 geliefert haben. Gewaltdarstellung in den verschiedensten Formen, die insbesondere mit Handy- und Amateurvideos identifiziert wird, ist ein in der Medienrezeption alltäglich gewordenes und gewolltes Phänomen. So schrieb Linda Williams schon 1993 in Bezug auf Film und Fernsehen, was sich im Zeitalter sozialer Medien nur potenziert haben mag:

„[...] we also exist in an era in which there is a remarkable hunger for documentary images of the real. These images proliferate in the vérité of on-the scene cops programs in which the camera eye merges with the eye of the law to observe the violence citizens do to one another. Violence becomes the very emblem of the real in these programs. Interestingly, violent trauma has become the emblem of the real in the new vérité genre of the independent amateur video [...].“

Der einzige Kontext, in den jene Gewaltvideos auf YouTube eingefügt sind, konstituiert sich allein über die im Material enthaltenen Hinweise und gegebenenfalls noch durch Texte in dem Informationsfeld zu den Videos. Der Rezipient ist in der Verortung der dargebotenen Gewalt, der Konstruktion eines Zusammenhangs der Bilder, allein. Es ist anzunehmen, dass in einer Gesellschaft, in der, wie Vivian Sobchack ausführt, Tod oder Sterben als Darstellung in diegetischen Erzählungen weitgehend akzeptiert ist, aber in der dokumentarischen, mimetischen Erzählung solche Einstellungen, als profilmische Präsentation eines Sterbens, das sich in der afilmischen Wirklichkeit ereignet hat, zwar faszinieren, aber ein gesellschaftliches Tabu markieren, welches nur unter dem Hinweis auf moralisch akzeptierbare Entstehungsbedingungen gebrochen werden darf.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Praxis ein, Animation und Web 2.0-Archivmaterial in Dokumentarfilme zu integrieren, und stellt die Forschungsfrage nach deren Einfluss auf die Zuschauerwahrnehmung.

2. (An)Zeichen des Dokumentarischen: Dieses Kapitel theoretisiert das Dokumentarische im Kontrast zur Fiktion und beleuchtet die Rolle der Zuschauerwahrnehmung sowie die spezifische Bedeutung von Animation als Gestaltungsmittel.

3. Im Zeich(n)en der Veränderlichkeit: Hier wird analysiert, wie Found Footage und Gewaltdarstellungen aus dem Web 2.0 durch künstlerische Montage in einen gesellschaftspolitischen Kontext eingebettet und neu bewertet werden.

4. Fazit: Das Fazit resümiert, dass die hybride Form von Collagedokumentarfilmen eine affektive Apperzeption ermöglicht, die es Zuschauern erlaubt, medial vermittelte Ereignisse kritisch zu hinterfragen.

Schlüsselwörter

Dokumentarfilm, Animation, Found Footage, Web 2.0, Zuschauerwahrnehmung, Mimesis, Diegesis, Mediale Gewalt, Collagedokumentarfilm, Affektive Apperzeption, Wirklichkeit, Repräsentation, Filmtheorie, Diskurs, Mediatisierung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die ästhetische und inhaltliche Integration von Animationen und User-generated Content (Found Footage) aus dem Web 2.0 in zeitgenössischen Dokumentarfilmen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der Wahrnehmungstheorie des Zuschauers, der Problematik von Gewaltdarstellungen in sozialen Medien und der künstlerischen Neukontextualisierung dieses Materials.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist herauszuarbeiten, ob diese hybriden Dokumentarfilme durch die Kombination unterschiedlicher Ästhetiken die Zuschauerwahrnehmung so modulieren, dass eine tiefere gesellschaftliche Reflexion stattfindet.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine medienwissenschaftliche Analyse, die filmtheoretische Konzepte (u.a. von Rancière, Sobchack, Nichols) auf moderne Dokumentarfilmbeispiele anwendet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der theoretischen Verortung des Dokumentarischen, der Analyse der "Ausdruckskraft" von Archivmaterial und der diskursiven Macht der Korrespondenz zwischen verschiedenen Bildästhetiken.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich maßgeblich über Begriffe wie Dokumentarfilm, Animation, Found Footage, Zuschauerwahrnehmung, Mediale Gewalt und Affektive Apperzeption definieren.

Wie unterscheidet sich der Blick auf Gewaltvideos im Film von deren bloßer YouTube-Präsenz?

Während die Videos auf YouTube oft unkontextualisiert bleiben, werden sie im Dokumentarfilm durch eine "narrative Anordnung" in ein Off gestellt, das eine reflektierte Bedeutungskonstruktion ermöglicht.

Welche Rolle spielt die Animation in Bezug auf die Wahrheit?

Die Animation fungiert hier nicht als reine Fiktion, sondern als "fiktionalisierender Filter", der es ermöglicht, komplexe oder schwer aushaltbare Realitäten im mimetischen Modus begreifbar zu machen.

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Details

Titel
Variation im Zeich(n)en der Bilder. Einflüsse von Animation und Found Footage Material aus dem Web 2.0 auf die Wahrnehmung von Dokumentarfilmen
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Politik- und Sozialwissenschaft: Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft)
Note
1,0
Autor
Sarah Dombrink (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
41
Katalognummer
V295487
ISBN (eBook)
9783656939825
ISBN (Buch)
9783656939832
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Film Dokumentarfilm animiert Social Media Found Footage Realität Wirklichkeit Gewalt Video Handyvideo Sensation user-generated content Ästhetik The Green Wave Reality 2.0 Waltz with Bashir Medien Gesellschaft Wahrnehmung Zuschauer Bilder Authentizität Rezeption Medienrepräsentation Medienereignisse Perzeption YouTube animierte Dokumentarfilme affektive Wahrnehmung Erleben Web 2.0 mediale Wirklichkeit Rezeptionsmodus Collagedokumentarfilm fiktional dokumentarisch
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Sarah Dombrink (Autor:in), 2014, Variation im Zeich(n)en der Bilder. Einflüsse von Animation und Found Footage Material aus dem Web 2.0 auf die Wahrnehmung von Dokumentarfilmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295487
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Leseprobe aus  41  Seiten
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