Mary Wollstonecraft und die Anfänge des Feminismus in England

Eine Revolutionärin ihrer Zeit?


Hausarbeit, 2012

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Mary Wollstonecraft
2.1. Herkunft und Jugendjahre
2.2. Anfänge der literarischen Kariere
2.3. Erfolge als Schriftstellerin und weiteres Leben

3. Frauen im England des 18. Jahrhunderts
3.1. Bildung
3.2 Karrierechancen

4. Ursachen der Benachteiligung der Frau nach Mary Wollstoncraft

5. A Vindication of the Rights of Women

6. Erziehungskonzept nach Mary Wollstonecraft

7. Resümee

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema “Mary Wollstonecraft und die Anfänge des Feminismus in England”. Im Rahmen der folgenden Punkte soll dargelegt werden können, was Mary Wollstonecrafts Lebenslauf ausmacht und wie sie damit den Feminismus weitergebracht hat. Schließlich zielt die Arbeit darauf, festzustellen, ob Mary Wollstonecraft sogar als eine Revolutionärin ihrer Zeit bezeichnet werden könnte. Zunächst wird auf Mary Wollstonecraft als Person eingegangen. Hierbei werden zunächst ihre Jungendjahre betrachtet, um dann die weitere Entwicklung ihres Lebens und ihrer literarischen Karriere nachvollziehen zu können. Im Anschluss wird die Stellung der Frau im England des 18. Jahrhunderts dargestellt. Um dabei dem Zusammenhang mit Mary Wollstonecrafts feministischen Grundsätzen gerecht zu werden, behandelt dieser Abschnitt nur die Frau im Kontext der Bildung, sowie den daraus hervorgehenden Karrierechancen. Darauf folgend werden die Ursachen der Benachteiligung der Frau nach Mary Wollstonecraft aufgezeigt, auf denen ihre feministischen Grundsätze aufbauen. Der nächste Abschnitt befasst sich mit Marys bedeutendsten Werk „A Vindication of the Rights of Women”. Denn in diesem werden nicht nur ihre Hauptgedanken zum Feminismus festgelegt, sondern sie verschaffte sich damit auch einen festen Namen als Frauenrechtlerin. Da ihre Forderungen im Bezug auf eine gleichwertige Stellung der Frau auf dem Gedanken der falschen Erziehung aufbauen, beschäftigt sie die Arbeit weiterhin mit dem Erziehungskonzept nach Mary Wollstonecraft, da dies die Antwort auf alle frauenrechtlichen Forderungen darstelle und zugleich ihre feministische Stellung noch einmal verdeutlicht.

2. Mary Wollstonecraft

2.1. Herkunft und Jugendjahre

Mary Wollstonecraft wurde am 27. April 1759 in Spitalsfield bei London geboren. Sie war die Tochter von Edward John Wollstonecraft und Elizabeth Dickson und das zweite von sieben Kindern. Sie stammt aus einer ursprünglich wohlhabenden Familie, da ihr Vater das erfolgreiche Geschäft seines verstorbenen Vaters weiterführte und so als Weber Wohlstand für die Familie brachte. Doch als dieser sich entschied seinen Beruf aufzugeben, um die Familie als Farmer zu versorgen, änderte sich dies. Er versagte im landwirtschaftlichen Bereich und auch andere Versuche, erfolgreich in verschiedenen Unternehmen zu werden, scheiterten.[1] Da er viele Versuche unternahm Fuß zu fassen, zog die Familie in Marys Kinderjahren oft um. So wohnten sie erst in verschiedenen Außenbereichen Londons, zogen im Jahr 1768 nach Beverley in Yorkshire und kehrten dann sechs Jahre später wieder in die Nähe Londons zurück.[2] Während der Jahre, die Mary in Beverly lebte, besuchte sie regelmäßig den Pfarrer Clare, der ihr den Zugang zu verschiedenen Büchern verschaffte, was wohl viel zu ihren literarischen Kenntnissen beigetragen hat. Durch dessen Frau lernte sie auch Fanny Blood kennen, die später eine gute Freundin von ihr wurde und nicht unwesentlich auf ihr Leben eingewirkt hat.[3] Geprägt wurde sie auch durch die Frustration ihres Vaters, die durch die zahlreichen beruflichen Misserfolge hervorgerufen wurde. Diese ließ er in Form von körperlicher Gewalt an der Familie aus. In erster Linie war Marys Mutter davon betroffen, was bewirkte, dass Mary einen Hass gegenüber ihrem Vater entwickelte. Sicherlich spielte diese Erfahrung eine große Rolle in ihren späteren Handlungen als Frauenrechtlerin. Doch nicht nur ihr Vater hat sie in diese Richtung gelenkt, sondern auch andere Schicksale von Frauen, die in ihr näheres Umfeld gehörten, haben ihren Teil dazu beigetragen. Hierzu zählte ihre Schwester Eliza, die sich im Alter von siebzehn Jahren auf eine Ehe mit einem gewalttätigen Mann einlassen musste. Mary versuchte ihre Schwester aus diesen Umständen zu retten, doch blieb erfolglos dabei, Elizas Mann von einer Scheidung zu überzeugen. Sie konnte aber ihre Schwester nicht ihrem Schicksal überlassen und half ihr darum bei der Flucht.[4] Da auch ihre Mutter zu dieser Zeit schon gestorben war, nachdem Mary sie jahrelang in Krankheit gepflegt hatte, gab es kein Elternhaus, das sie in Geborgenheit an einen Ort hätte binden können. So ließen Mary und Eliza sich nach einiger Zeit der Flucht in Newington-Green bei London nieder, um dort mit ihrer Schwester Everina und Marys Freundin Fanny eine Schule zu errichten, welche ihren Lebensunterhalt sichern sollte. Die Gründung der Schule geschah im Jahr 1783, als Mary 24 Jahre alt war. Obwohl sie keine Lehre genossen hatte, die sie für ein solches Unternehmen qualifiziert hätte, verlief der Start erfolgreich, „Sehr bald konnte man 20 Tagesschüler und sogar einige Internatsschüler registrieren.”.[5] Um die Schüler richtig unterrichten zu können, bemühte sich Mary darum, sich pädagogische Kenntnisse anzueignen, „Hier liegen die Wurzeln für ihre intensive Beschäftigung mit pädagogischen Fragen, die sie später zur Formulierung von Grundsätzen einer Nationalerziehung führte, die sie dann der Öffentlichkeit unterbreitete.”.[6] Hierbei übte sie in erster Linie Kritik an den Unterschieden, die bei der Erziehung zwischen den Geschlechtern gemacht wurden, worauf in einem späteren Abschnitt noch näher eingegangen wird.[7]

2.2. Anfänge der literarische Karriere

Mary hat keine besondere Bildung genossen. Bis zum Alter von 15 Jahren besuchte sie wohl eine Tagesschule. Allerdings hat sie in ihrem Leben verschiedene Erfahrungen gesammelt und Menschen kennen gelernt, die sie zu Größerem inspirierten und so auch die Inhalte ihrer späteren Werke beeinflusst haben. Genauso wurde sie durch die Bekanntschaft bestimmter Leute überhaupt erst motiviert schriftstellerisch tätig zu werden. Hierzu zählt besonders der Kontakt zu dem Schriftsteller Dr. Samuel Johnson, der ihr Ansehen schenkte und ihr damit das Selbstbewusstsein verlieh, sich selbst an das Schreiben von gesellschaftskritischen Werken zu wagen. Dieses kritische Denken förderte zum Beispiel die Bekanntschaft mit Dr. Richard Price, der sich selbst nicht davor scheute, Kritiken am politischen System öffentlich zu äußern.[8] Durch ihre Tätigkeit als Lehrerin traf sie auf John Hewlett, der ebenfalls Lehrer war und ihr die Möglichkeit bot, ihre ersten Schreibversuche dem Verleger Joseph Johnson in London zukommen zu lassen. So kam es dazu, dass ihr erstes Werk “Thoughts on the Education of Daughters” im Jahr 1787 veröffentlicht wurde. Das nächste Werk entstand ein Jahr später in ihrer Zeit als Erzieherin im Hause Lords Kingsboroughs, wo sie arbeitete, nachdem ihre Schule nicht mehr bestehen konnte. Es trug den Titel “Mary. A Fiction” und beinhaltete ihre Erfahrungen der vorigen Jahre als Erzieherin und Lehrerin.[9] Dieses wurde ebenfalls von Joseph Johnson veröffentlich, in dessen Verlag sie mittlerweile arbeitete und so noch mehr Erfahrungen im Bereich der Literatur sammeln konnte. Sie übersetzte dort, las Manuskripte, schrieb Kritiken und Aufsätze. So eignete sie sich über die Jahre selbst einen gewissen Bildungsstand an und studierte zudem selbständig verschiedene Sprachen wie Italienisch, Deutsch und Französisch. Neben ihren Bemühungen beruflich selbstständig zu werden, vergas sie dennoch ihre Familie nicht. Sie unterstützte ihren Vater finanziell und sorgte für die Bildung ihrer Geschwister. So schickte sie Everina für zwei Jahre nach Paris, damit sie dort die Landessprache erlernen konnte, und kümmerte sich zusätzlich um die Weiterbildung Elizas und ihrer beiden jüngeren Brüder.[10]

2.3. Erfolge als Schriftstellerin und weiteres Leben

In Zeiten politischen Aufruhrs scheute Mary nicht davor, ihre Position öffentlich zu machen. So wurde 1790 ihr Werk “A Vindication of the Rights of Men” veröffentlicht, in dem sie sich klar für die Ideale der Französischen Revolution aussprach und damit ihren Standpunkt gegen die Schrift von Edmund Burke aufzeigen wollte. Dieser verfasste kurz vorher das Schriftwerk “Reflections on the Revolution in France”, in dem er sich gegen das revolutionäre Gedankengut aussprach und die Meinung vertrat, dass dieses aus England fern bleiben sollte, da “… die konservative Richtung bestimmend für die englische Entwicklung sein und bleiben müsse …“.[11] Gleichzeitig legte Mary den Grundstein für ihr später bedeutendstes Werk, welches sie zu einer wichtigen Persönlichkeit der Frauenemanzipation machen sollte.[12] Doch zunächst gelangte sie durch diese Schrift in die Köpfe vieler Bewunderer. Sie konnte damit als weibliche Schriftstellerin zwar keine weiten Kreise erfassen, beziehungsweise die Ernsthaftigkeit erlangen, die zum Beispiel Thomas Paine zukam, als er sein Gegenschrift zu Burke veröffentlichte, die den Titel “Rights of Men” trug und sofort dazu führte, dass er als Revolutionär auf sich aufmerksam machte. Doch als Johnson ihr Werk ein zweites Mal veröffentlichte und anders als bei der ersten Publikation auch Marys Name darunter setzte, wurde der Erfolg spürbar. Nun wurde sie als richtungweisende Schriftstellerin sogar fast mit Paine gleichgesetzt und konnte sich auch eigens eine große Wohnung in London leisten.[13] Daraufhin schrieb sie ihr Werk, das ihren Namen in aller Munde bringen sollte “A Vindication of the Rights of Women”, indem sie sich auf die Stellung der Frau in der Gesellschaft spezialisierte und nicht mehr über das gesamte Menschengeschlecht schrieb.[14] Im Sommer des Jahres 1972 reiste sie mit Joseph Johnson, Heinrich Füßli und seiner Frau nach Frankreich. Nachdem sie aber das Land auf Grund der politischen Lage wieder verlassen mussten und sie sich unglücklich in Heinrich Füßli verliebte, kehrte sie im Dezember allein nach Frankreich zurück. Sie war dennoch nicht ganz auf sich selbst gestellt, da sie dort Leute kannte und auch durch ihre literarischen Erfolge einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt hatte, der ihr den Kontakt zu verschiedenen Menschen verschaffte. Hierzu zählten zum Beispiel Thomas Paine, die Schriftstellerin Helen Maria Williams, der Politiker Brissot oder Madame Roland. Durch diese Bekanntschaften kam sie auch der politischen Lage des Landes näher, was nach dem Ausbruch des Krieges zwischen England und Frankreich nahezu lebensgefährlich für sie wurde. Ihr Glück bestand darin, dass sie den Amerikaner Gilbert Imlay kennenlerne, der sie als seine Frau eintragen ließ, sodass Mary dem Schlimmsten entgehen konnte.[15] Im Mai 1794 bekam Mary dann eine Tochter, die sie nach ihrer Freundin Fanny benannte. Im darauffolgenden Jahr folgte sie Imlay zurück nach London, obwohl ihre Ehe unter keinem guten Stern mehr stand. Durch eine Reise nach Skandinavien versuchte sie die Ehe noch zu retten. Doch auch wenn ihr dies nicht gelang, brachten ihre weiteren literarischen Werke durch diese Reise noch mehr Erfolg im Beruf. Sie veröffentlichte 1976 abermals in J. Johnsons Verlag das Buch “Letters written during a schort residence in Sweden, Norway and Denmark”. Hierin veranschaulichte sie durch verschiedene Briefe die soziale Lage in den jeweiligen Ländern. Durch ihren Aufenthalt dort und den direkten Kontakt zu der Bevölkerung haben diese sicher sehr authentisch gewirkt, was das Interesse an ihren Briefen nur verstärkte. Desweiteren schrieb sie an dem Buch “Maria, or the Wrongs of Women”, welches allerdings unvollendet blieb. Doch auch wenn ihre Karriere unaufhörlichen Erfolg versprach, ging es Mary persönlich nicht gut. Sie versuchte sogar sich selbst das Leben zu nehmen, nachdem ihr klar wurde, dass Imlay die Scheidung einreichen würde. Dieser Versuch misslang allerdings und sie hatte die Möglichkeit ihr Leben wieder auf rechte Bahnen zu bringen, wobei ihr die erneute Begegnung mit William Godwin eine große Hilfe war. Sie kamen sich näher und heirateten im März 1797. Mit ihrem Ehemann, der auch ein erfolgreicher Schriftsteller war, hätte sie nun ein von Ruhm geprägtes Leben führen können. Doch als das Glück mit der Geburt ihres gemeinsamen Kindes am 30. August 1797 perfekt schien, verstarb Mary am 10. September 1797 an den Folgen des Kindbettes. So war ihr Leben nach 38 Jahren beendet, doch nicht ohne ihre Spuren hinterlassen zu haben.

[...]


[1] vgl. Ferguson,Moira/ Todd, Janet: Mary Wollstonecraft, Boston: Twayne Publishers, 1984, S.1.

[2] vgl. Wollstonecraft, Mary: Mary and the Wrongs of Woman, Oxford/ New York: Oxford University Press, 1976.

[3] vgl. Wollstonecraft, Mary: Eine Verteidigung der Rechte der Frau, Leipzig: Verlag für die Frau, 1989, S. 12.

[4] vgl. Simon, Helene: William Godwin und Mary Wollstonecraft. Eine biographisch-soziologische Studie, München: C.H. Beck`sche Verlagsbuchhandlung, 1909, S. 49.

[5] Wollstonecraft, Mary: Eine Verteidigung der Rechte der Frau, Leipzig: Verlag für die Frau, 1989, S. 14.

[6] Wollstonecraft, Mary: Eine Verteidigung der Rechte der Frau, Leipzig: Verlag der Frau, 1989, S.14.

[7] siehe 6. Erziehungskonzept nach Mary Wollstonecraft.

[8] Wollstonecraft, Mary: Eine Verteidigung der Rechte der Frau, S. 14f.

[9] ebd. S. 16.

[10] vgl. Simon, Helene: William Godwin und Mary Wollstonecraft, S. 51.

[11] Wollstonecraft, Mary: Eine Verteidigung der Rechte der Frau, S. 18.

[12] siehe 1.3. A Vindication of the Rights of Women.

[13] vgl. Wollstonecraft, Mary: Eine Verteidigung der Rechte der Frau, S. 20.

[14] siehe 1.3.

[15] vgl. Wollstonecraft, Mary: Eine Verteidigung der Rechte der Frau, S. 26f.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Mary Wollstonecraft und die Anfänge des Feminismus in England
Untertitel
Eine Revolutionärin ihrer Zeit?
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Volkskunde/Kulturgeschichte)
Veranstaltung
Quellen zur englischen Kulturgeschichte des 18. Jahrhunderts
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
16
Katalognummer
V295493
ISBN (eBook)
9783656934868
ISBN (Buch)
9783656934875
Dateigröße
458 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
mary, wollstonecraft, anfänge, feminismus, england, eine, revolutionärin, zeit
Arbeit zitieren
Bachelor of Arts Vanessa Gay (Autor), 2012, Mary Wollstonecraft und die Anfänge des Feminismus in England, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295493

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