Das Phänomen "Neue Väter"

Verschwinden der traditionellen Elternrollen?


Hausarbeit, 2013

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Modernisierung der Vaterrolle
2.1 Veränderungen der familiären Strukturen im 20. Jahrhundert
2.2 Geburt des Typus „Neuer Vater“
2.3 Gründe zur Zunahme der Familienorientierung der Männer

3 Vater-Kind-Beziehung
3.1 Bedeutung des Vaters in der frühen Kindheit
3.2 Geschichte der Vater-Kind-Forschung und deren gegenwärtiger Stand

4 Barrieren für die „neuen Väter“
4.1 betriebliche Hindernisse
4.2 politische und andere Hindernisse
4.3 Vergleich Deutschland und Schweden

5. Abschlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Neue Väter, neue Probleme – moderne Väter nehmen Auszeiten und reduzieren den Job. Davon profitieren Kinder, Frauen und die Gesellschaft. Aber es bahnt sich ein ganz neuer Konflikt an.“ titelt der Autor Kostas Petropulos am 10. Januar 2014 in der „Zeit online“. Und auch Anja Sokolov schreibt am 13. Januar 2014 über das neue Trendthema in der „Thüringer Allgemeinen“ und ist sich sicher: „Immer mehr Männer schwanken zwischen dem Rollenbild als Ernährer ihrer Familie und dem Wunsch nach mehr Zeit mit ihren Kindern hin und her. Es ist wie ein neuer Stressfaktor.“

Genau um diese Thematik soll es in dieser Hausarbeit gehen. Die Gesellschaft verändert sich stetig, so auch das Konstrukt Familie und ihre Rollenverteilung. Wie der Titel „Das Phänomen „neue Väter“ – Verschwinden der traditionellen Elternrollen?!“ schon sagt, liegt der Fokus dieser Arbeit auf dem Vater und so möchte ich nach kurzen Begriffsklärungen zur Familie und dem Vater selbst mit der Modernisierung dieser Rollebeginnen. Ich werde auf die Veränderungen der familiären Strukturen im 20. Jahrhundert eingehen und vor allem auch erläutern, warum es diese Umgestaltung im Familienleben überhaupt fortlaufend gibt und warum die „neuen Väter“ so medienpräsent sind. Weiterhin werde ich auf die Vater-Kind-Bindung zu sprechen kommen und hier auf die Bedeutung des Vaters in der frühen Kindheit und - für einen kleinen Einblick - auch auf die Forschung zu dieser Thematik eingehen. Welche Hindernisse diesem Wandel noch im Weg stehen, erläutere ich im weiteren Verlauf und gehe hier auf betriebliche, politische und andere Barrieren ein. Um den deutschen Stand zur Thematik Bildung und Erziehung besser einordnen zu können, möchte ich einen kleinen Vergleich mit dem skandinavischen Land Schweden anstellen.

Am Ende meiner Arbeit komme ich zu meiner Abschlussbetrachtung über das Thema, in der ich kurz einige Statistiken anbringen werde und die Fragestellung, ob denn die „neuen Väter“ das traditionelle Rollenbild in einer Familie umwerfen, beantworten.

2. Modernisierung der Vaterrolle

2.1 Veränderungen der familiären Strukturen im 20. Jahrhundert

Familie ist ein Wort, das wir sehr häufig im normalen Sprachgebrauch nutzen. Familie meint damit unsere Eltern, unsere Großeltern und Onkel und Tanten. Dass hinter dieser Bezeichnung jedoch auch Gesetze und Pflichten stecken, ist nicht sehr tief verankert. Horst Schaub und Karl G. Zenke definieren den Begriff im Detail folgendermaßen: „Eine Gruppe von Personen, die durch unmittelbare leibliche Verwandtschaft oder Heirat miteinander verbunden sind. Ihr sozialer Kern ist immer die Mutter-Kind-Verbindung, in den meisten Kulturen ergänzt durch den Vater.[…][Es] gelten die gesetzlichen Regelegungen über die elterliche Sorge, die Unterhaltspflicht der Eltern gegenüber den minderjährigen Kindern sowie die gesetzliche Erbfolge.“ (SCHAUB; ZENKE 2007, S. 227f.)

Der Begriff Vater lässt sich vom lateinischen Wort „pater“ ableiten. Es bedeutet so viel wie „Erzeuger eines Kindes“ oder auch „Inhaber der väterlichen Gewalt“. Ansätze dieser Auffassung aus der römischen Kultur findet man augenscheinlich bis in die Gegenwart und auch unser Denkmuster über den heutigen Vater in der Familiensituation sind hierher beeinflusst. (vgl. WERNECK 1998, S. 5)

In den 1950er Jahren war das Familienbild noch klar definiert. Der Vater ging arbeiten und ernährte die Familie, währenddessen die Frau für den Haushalt und die Kindererziehung zuständig war. „Traditionell sorgt der Vater durch Erwerbsarbeit für den Lebensunterhalt, wogegen die Mutter den familialen Haushalt führt und für die Betreuung und Erziehung der Kinder verantwortlich ist.“ (SCHAUB 2007, S.228) Dieses Rollenmuster schien jedoch langsam zu zerbrechen, da immer mehr Frauen selbst arbeiten gehen wollten oder es auch mussten, um den Lebensstandard der Familie zu erhöhen oder zumindest nicht absinken zu lassen. So stieg die Erwerbstätigkeit der verheirateten Frauen von 1950 bis 1961 um 12%, auf insgesamt 39%, erklärt Britta Reiche in ihrem 1997 erschienenen Buch „Väter-Dasein“. Akzeptiert wurde das Mitverdienen der Frau allerdings nur, wenn es ökonomisch notwendig war. „Sozialwissenschaftler, Kirchenvertreter und Politiker beobachten voller Sorge und Mißtrauen, daß die Sozialisationsfunktionen der Familie hinter materiellen Orientierungen zu verschwinden drohten und übten scharfe Kritik an den erwerbstätigen Ehefrauen und Müttern, die um des Geldverdienen willens Haushalt und Kinder vernachlässigen.“ (REICHE 1997, S. 5f.) Zu diesem Zeitpunkt dachte also noch niemand daran, die familiären Aufgaben, die der Mutter zugeschrieben waren, aufzuteilen, um die anstehende Problematik zu lösen. Im Gegenteil machte man den Frauen Vorwürfe, sie würden sich ihren eigentlichen Verpflichtungen entziehen und nur aus Egoismus und Vergnügungssucht arbeiten gehen. Durch die Frauenbewegung, die beispielsweise die traditionellen Geschlechterrollen infrage stellte und ebenso durch die Männerbewegung in den 1970er Jahren, die eine bewusste Einstellung zur Vaterschaft forderte und zum Inhalt hatte, wurden die bis dahin schon schwankenden Rollenverteilung zwischen Männern und Frauen bzw. Vätern und Müttern im Speziellen immer weiter aufgebrochen. (vgl. REICHE 1997, S. 7)

2.2 Geburt des Typus „Neuer Vater“

Der Begriff „neue Väter“ ist keinesfalls in den letzten fünf Jahren entstanden, wie man vielleicht denken könnte. Im Gegenteil, denn schon 1984 veröffentlichte Jörg Bopp das Buch „Die Mamis und die Mappis. Zur Abschaffung der Vaterrolle“ und machte sich über die Alternative zum traditionellen Vater, wie es bis vor Kurzem alle Väter waren, lustig und skizzierte diese als durchweg negativ. Er bezeichnet diese Form als eine „Spezies, die es den androgynen Müttern gleichtun will.“ (REICHE 1997, S. 8) Andere Autoren geben wiederum Ratgeber heraus, welche den neuen Typ Vater als positiv darstellt. Diese wollen vermitteln, dass die Vaterschaft eine einzigartige Erfahrung in allen Phasen des ungeborenen und geborenen Kindes ist, so Britta Reiche weiter. Seit den 90ern erscheint um einiges mehr Literatur zu diesem Thema und das Phänomen der „neuen Väter“ rückt immer mehr in den Vordergrund.

Aber was genau ist denn jetzt eigentlich ein neuer Vater ? In der Fachliteratur heißt es, diese Männer widmen sich genauso ihrem Kind, wie es traditionell die Mütter tun. Sie nehmen sich Erziehungsurlaub, nehmen Teilzeitjobs an, um mehr Zeit für das Kind/ die Kinder zu haben und nutzen das Elterngeld. Man sieht sie mit dem Kinderwagen im Supermarkt, was 1950 noch fast undenkbar war, beim Einkaufen von Babykleidung und auf dem Spielplatz. So verbringen sie viel mehr Zeit mit den Kindern, als es der traditionelle Vater tut. Sie entlasten die Mütter, welche dann meist schneller wieder ihre Arbeit aufnehmen können und sie stärken zusätzlich ihre Bindung zum Kind. Dennoch sind laut Daten des statistischen Bundesamtes von 1996 „nur 1% aller Antragssteller auf Erziehungsurlaub Männer.“ (REICHE: 1997, S. 9)Ob und wie sich das bis in die Gegenwart verändert hat, kläre ich im späteren Verlauf.

2.3 Gründe zur Zunahme der Familienorientierung der Männer

Dass immer mehr Männer Aufgaben bewältigen, die klassisch der Frau zugeschrieben sind, weil diese arbeiten gehen wollen oder auch müssen, um den bisherigen Lebensstandard zu halten, haben wir bereits geklärt. Doch es gibt noch einige andere Gründe, weshalb sich immer mehr Männer um die Familie kümmern und immer mehr Frauen schnell nach der Geburt wieder in den Beruf einsteigen. Hierzu zählt zum Beispiel, dass Frauen in der heutigen Zeit ein den Männern angepasstes Einkommen erhalten und die Erwerbschancen der Frauen und Männer in den letzten Jahren, beispielsweise durch die erwünschte Frauenquote in Chefetagen, angeglichen wurden und es somit eben auch für Frauen wichtig ist, ihre Karriere zum Laufen zu bringen oder nicht allzu lange zu pausieren, um den Anschluss nicht zu verpassen. Die beruflichen Chancen beider Elternteile können viel besser gewahrt bleiben, wenn eine Arbeitsteilung stattfindet. Das heißt, auch der Mann muss Aufgaben im Haushalt oder in der Kinderbetreuung übernehmen, damit Mutter und Vater gleichermaßen Zeit für ihren Beruf haben. Diese Teilung der Aufgaben lässt sich bereits in vielen Haushalten beobachten. Ein wichtiger Punkt ist auch, dass die Scheidungsrate seit den 1950er Jahren gestiegen ist und die Frauen nicht abhängig von ihren Männern sein wollen, da sie sich in der Trennungssituation auch größtenteils allein finanzieren müssen. Ein weiterer Grund für die Zunahme der Familienorientierung der Männer ist, dass man sich immer bewusster für ein Kind entscheidet, es plant und sich überlegt in welche Lebensabschnitte es am besten passt. Nicht selten hört man heute von Paaren, die sich vornehmen noch einmal zu zweit in den Urlaub zu fahren oder ein Haus zu bauen, bevor sie sich für den Schritt entscheiden ein Kind zu bekommen. Somit möchten sie auch viel von den Phasen des Aufwachsens miterleben und mitbestimmen. Aus diesem Anlass nehmen die Väter immer mehr berufliche Einschränkungen in Kauf, um sich für die Familie zu engagieren. Außerdem spielt natürlich auch das neue Elterngeldgesetz eine Rolle. Dieses macht beispielsweise die Antragsstellung einfacher und sieht exklusive Monate für den Partner vor. (vgl. BERUFUNDFAMILIE GGMBH2008, S. 5 / 28)

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Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Das Phänomen "Neue Väter"
Untertitel
Verschwinden der traditionellen Elternrollen?
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
15
Katalognummer
V295501
ISBN (eBook)
9783656934844
ISBN (Buch)
9783656934851
Dateigröße
457 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
phänomen, neue, väter, verschwinden, elternrollen
Arbeit zitieren
Linda Klein (Autor), 2013, Das Phänomen "Neue Väter", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295501

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