Die künstliche Schule und das wirkliche Leben. Der Einfluss der Lebenswelt Schule auf die kindliche Entwicklung


Hausarbeit, 2014

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffserklärung: Kindliche Lebenswelten

3 Geschichtlicher Hintergrund
3.1 Pädagogik der frühen Kindheit
3.2 Die Schule als Institution

4 Die Schule als Lebenswelt
4.1 In Abgrenzung zu anderen Lebenswelten
4.2 Das Spannungsfeld zwischen Schule – Familie
4.3 Die Wirkung der Schule auf die kindliche Entwicklung

5 Fazit: Die künstliche Schule und das wirkliche Leben?!

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Je näher die Einschulung rückt, desto stärker drängen sich Vergleiche auf. Es kann einen schon nervös machen, wenn der eigene Nachwuchs noch begeistert in Bilderbüchern blättert, während das Nachbarskind bereits fließend Geschichten liest und bis 100 zählt. Sollte es aber nicht. Mit anderen Kindern die Sandförmchen zu teilen, kann unter Umständen in puncto Schulreife mehr bringen als fleißiges Abarbeiten von Vorschulmaterialien, beteuern Experten.“ ( 2014, S.1)

Der Schuleintritt ist ein einschneidendes Erlebnis für jedes Kind. Auch viele Erwachsene erinnern sich noch an ihre Einschulung und die ersten unbeholfenen Schritte in der neuen Lebenswelt.

Genau um dieses Thema soll es in der vorliegenden Arbeit „Die künstliche Schule und das wirkliche Leben?! – Der Einfluss der Lebenswelt Schule auf die kindliche Entwicklung“ gehen. Zuerst möchte ich den Begriff „Lebenswelt“ in Bezug auf Kinder klären und dessen Merkmale herausarbeiten. Anschließend werde ich den geschichtlichen Hintergrund der Pädagogik der frühen Kindheit, von Aristoteles bis heute, beleuchten und auch die historische Entwicklung der Institution Schule schrittweise erläutern. Diese beiden Faktoren sind meiner Meinung nach sehr wichtig, um die heutige schulische Einrichtung besser zu verstehen.

In Punkt 4 möchte ich detaillierter auf die Lebenswelt Schule eingehen und aufzeigen, wie sie sich von anderen unterscheidet. In 4.2 möchte ich über das Spannungsfeld sprechen, welches die Schule und Familie umgibt und im Anschluss die gewünschten Entwicklungen des Kindes in der schulischen Einrichtung erklären. „Gewünscht“ deshalb, weil diese Entwicklungen nicht bei jedem Kind gleichermaßen auftreten, wie sich im Verlauf der Arbeit noch zeigen wird. Daher lautet auch die Fragestellung der Arbeit „Die künstliche Schule und das wirkliche Leben?!“. Diese Frage möchte ich abschließend in Punkt 5 beantworten und einen aktuellen Bezug zu den Veränderungen der Schule im Schuljahr 2014/2015 herstellen.

2 Begriffserklärung: Kindliche Lebenswelten

„Kindliche Lebenswelten sind Umwelten beziehungsweise Lebensbereiche, unter deren Einfluß und in deren Umgebung oder Umfeld sich schulisches und familiäres Leben sowie die Freizeitgestaltung unserer Kinder abspielt und ausgestaltet.“ (Seibert 1999, S.127) Gemeint ist mit Lebenswelt also grob die natürliche und kulturelle Umwelt. Diese hat viele Merkmale, beispielsweise besteht eine Lebenswelt aus festen Formen des Umgangs. Diese sind in der Familie „deutlich von Prinzipien der Nähe, Überschaubarkeit, Regelmäßigkeiten von Handlungen und dem Bemühen um direkten […] Kontakt gekennzeichnet.[…] In der Lebenswelt Schule kommen […] andere Aspekte zur Geltung. Schule ist neben weiteren Merkmalen auch durch die Aufgaben gekennzeichnet, Selbstverständlichkeiten, in denen Schüler leben, zu thematisieren und in Vergleich zu anderen Sichtweisen oder Verhaltensformen zu setzen.“ (Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Weiterbildung, S. 5f.) Dass durch die verschiedenen Lebensweltmuster, die hier aufeinander treffen, Spannungen entstehen, dazu komme ich im späteren Verlauf der Arbeit, in 4.1. Die Wirkung der Schule auf die Entwicklung des Kindes.

Weitere Merkmale einer Lebenswelt sind: Sie gibt bestimmte Wege, die den Lebenslauf des Einzelnen regeln. Sie enthält „Drehbücher“ für die wichtigsten Handlungen in ihrem Rahmen. Sie bestimmen Handlungsort, -mittel und –ziel. Beispielsweise legt die Klingel in der Schule den Stundenbeginn fest. Lebenswelten schließen außerdem allgemeine Begründungen dafür ein, warum bestimmte Handlungen als rechtens beziehungsweise nicht rechtens gelten und das Handeln basiert auf der Annahme, dass die Wirklichkeit so bestehen bleibt, wie sie bisher erfahren wurde und damit verbunden erfolgreich angewendete Handlungsweisen auch weiterhin in den entsprechenden Situationen zum Erfolg führen. (vgl. Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Weiterbildung, S.6f.)

Die einflussreichsten Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen sind wie schon gesagt, die Familie und die Schule, aber auch Peers, also der Freundeskreis, in dem sich das Kind aufhält, und die Medien gehören mittlerweile dazu.

3 Geschichtlicher Hintergrund

3.1 Pädagogik der frühen Kindheit

Vor dem 17. Jahrhundert gab es keine Pädagogik für kleine Kinder. Aristoteles (384-322 v. Chr.), einer der bekanntesten und einflussreichsten Philosophen der Geschichte und Schüler von Platon, war der Meinung, dass das Wachstum des Kindes unter zu förmlichen Lernen leidet, da das Gehirn noch zu weich ist, um es zu formen. Auch im Mittelalter gab es keine pädagogischen Motive, Förderungen und Anregungen. Hier stand das Wachsenlassen des Kindes im Vordergrund.

Johann Amos Comenius (1592-1670) und Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) erfassten erstmals die Bildungsbedeutung der frühen Kindheit. Comenius stellte beispielsweise fest, dass die Menschen viel mehr Zeit zur Entwicklung haben, als viele Tiere, die schon mit ein bis zwei Jahren ausgewachsen sind. Der menschliche Körper lernt Sitzen und Stehen in einem längeren Prozess. Der Geist benötigt auch eine solche Vorbereitung. Rousseau entdeckte den Zusammenhang zwischen kindlicher Selbsttätigkeit und Umweltabhängigkeit. „Er plädiert für Vertrauen in die natürliche Reifung des Menschen. Die Erziehung soll darauf beschränkt sein, gewisse Lernangebote zu machen, die dann aufgenommen werden, sobald der entsprechende Reifestand erreicht sei.“ (Oerter / Montada 2002, S.17) Er forderte deshalb eine angemessene und zweckgemäße Gestaltung der kindlichen Lernumwelten. Diesen Gedanken griff auch Maria Montessori (1870-1952) auf. Sie stellte fest, dass Kinder ihre Umwelt absorbieren und forderte daher, dass sich Erzieher mit der Umwelt der Kinder beschäftigen müssen, sogar mehr als mit dem Kind selbst.

In der heutigen Auffassung von frühkindlicher Pädagogik setzt man die Wörter „spielen“ und „lernen“ miteinander gleich. Kinder lernen anders, unabsichtlich und unangestrengt. Hierzu passt der oft verwendete Satz: „Kinder sind keine kleinen Erwachsenen.“ Genau aus diesem Grund gibt es für die Kindheit einen eigenen Forschungszweig: die Kindheitsforschung. „Die neuere sozialwissenschaftliche Kindheitsforschung betrachtet Kinder als Subjekte und Akteure in ihrer Lebensumwelt. Ein methodologisches Zentralproblem dieser Kindheitsforschung stellt dar, wie die Perspektiven von Kindern erfaßt werden können. […] Beim Versuch, Sichtweisen von Kindern aufzunehmen und nachzuvollziehen, nehmen Forscherinnen und Forscher ihrerseits verschiedene Blickwinkel ein.“ (Heinzel 2000, S. 21) Vor allem weil es als Erwachsener so schwer ist, die Ansichten und Denkweisen der Kinder zu verstehen, wahrzunehmen, was sie wahrnehmen, gibt es noch einen großen Bedarf der Forschung in diesem Bereich der menschlichen Entwicklung.

3.2 Die Schule als Institution

Wissen bedeutet Macht, darum war der Schulbesuch viele Jahrhunderte ein Privileg der Reichen und Mächtigen. Die Schule war also nicht schon immer eine allgemeine Bildungsstätte. Erst seit 1919 gilt die allgemeine Schulpflicht in ganz Deutschland, festgeschrieben in der Weimarer Verfassung. Doch wie entwickelte sich die Institution Schule?

Im antiken Griechenland gab es bereits Schulen. Sie waren privat und ausschließlich dem männlichen Geschlecht vorbehalten. Die Jungen wurden in Fächern wie Gymnastik, Wettkampf, Tanz und Dichtkunst unterrichtet.

In der frühen römischen Gesellschaft bekam der Heranwachsende privaten Unterricht durch seinen Vater in Fächern wie Lesen, Schreiben, Rechnen und Landwirtschaftskunde.

Im 5. Jahrhundert nach Christus wurde die Kirche zum Träger der Bildungsmacht, vor allem auch durch den Untergang Roms. Die Klöster mit ihren Bibliotheken bildeten die Infrastruktur. Der Unterricht war für Jungen und Mädchen, die auf ein Leben als Mönch oder Nonne vorbereitet wurden oder für Kinder adliger Herkunft und bestand vorerst aus religiöser Unterweisung und Geschichte.

Der angehende Ritter wurde in sieben Tüchtigkeiten unterwiesen: Fechten, Jagen, Schachspiel, Bogenschießen, Schwimmen, Verseschmieden und natürlich Reiten.

Neben den Schulen, die unter kirchlicher Leitung standen, entstanden ab 1250 auch städtische Schulen. An diesen Institutionen wurde das Lesen, Schreiben und Rechnen vorerst auf Latein, später dann auf Deutsch unterrichtet. Dies war die Grundlage der späteren deutschen Volksschule.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die künstliche Schule und das wirkliche Leben. Der Einfluss der Lebenswelt Schule auf die kindliche Entwicklung
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
2,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
17
Katalognummer
V295502
ISBN (eBook)
9783656936077
ISBN (Buch)
9783656936084
Dateigröße
762 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
schule, leben, einfluss, lebenswelt, entwicklung
Arbeit zitieren
Linda Klein (Autor), 2014, Die künstliche Schule und das wirkliche Leben. Der Einfluss der Lebenswelt Schule auf die kindliche Entwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295502

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