Topoi des Horrorfilms


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

20 Seiten, Note: 1


Leseprobe

INHALT:

1. Einleitung

2. The Exorcist
2.1 Filmdaten
2.2 Inhalt

3. Herleitung der Topoi des Horrorfilms
3.1 Evozierung der Emotion Angst zur Unterhaltung
3.2 Kriterienkatalog des Genres Horrorfilm
3.2.1 Kriterium: Bedrohung und Lebensgefahr
3.2.2 Kriterium: Momente der Ruhe
3.2.3 Kriterium: Kampf des Guten gegen das Böse - Angriff auf die scheinbar stabile Welt
3.2.4 Kriterium: Sexualität und Gewalt
3.2.5 Kriterium: Einbettung der Handlung in die reale Welt
3.3 Zusammenfassung

4. Die Krise des Horrorfilms - Die Fortsetzungen von The Exorcist

5. Schluss

6. Literatur, Zeitschriften- und Zeitungsquellen, Internetquellen

Autor

1. Einleitung

Phantastische Literatur hat eine lange Tradition, große Autoren, wie E.T.A. Hoffmann haben sie für sich in Anspruch genommen. Als das Medium Film aufkam, wurde die Phantastik auch dort eingesetzt. Und ebenso brachte der phantastische Film große Regisseure hervor. Herausragende Größen unter ihnen: Robert Wiene (Das Kabinett des Dr Caligari, 1919), Paul Leni (Das Wachsfigurenkabinett, 1924), Friedrich Wilhelm Murnau (Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens, 1921). Diese Liste ließe sich lange fortsetzen. Das Genre Horrorfilm als Teil der Phantastik1 entstand in Deutschland, als erster Horrorfilm wird gemeinhin „Der Student von Prag“ (1913) angesehen2. Als Grundlagen aus der phantastischen Literatur für diesen ersten Horrorfilm gelten E.T.A. Hoffmanns „Der Sandmann“ und „William Wilson“ von Poe. Der Film „schildert das Schicksal eines Studenten namens Baldwin, der sein Spiegelbild dem Teufel verkauft“3.

Die Auffassung des Begriffes `Horror´ hat sich über die Jahrzehnte verändert. „Den möglicherweise ersten Horrorfilm modernen Zuschnitts präsentierte Alfred Hitchcock 1960 mit Psycho [...]“4. Entscheidend für die Entwicklung der Horrorfilme `modernen Zuschnitts´, also der Filme, die gegenwärtig von Laien dem Genre zugeordnet würden (z.B. der Splatterfilme, eines Subgenres vom Horrorfilm), ist die weltweite Lockerung der Zensurbestimmungen Ende der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts. Gegen Anfang der 70er Jahre, gerade als sich die amerikanische Filmindustrie in einer ihrer schlimmsten Krisen befand - die großen Studios waren durch die schwindende Zahl der Kinobesucher finanziell schwer angeschlagen - kam es in Hollywood zu einer Bewegung, in deren Zuge viele im amerikanischen Mainstreamkino bis dato tabuisierten Themen durch das Kino an die breite Öffentlichkeit getragen wurden5.

Zu diesen tabuisierten Themen gehörten im Bereich des Horrorfilms u.a. realistische Darstellungen von blutigen Grausamkeiten im Splatterfilm6. Der Zuschauer wurde „durch intensive Nutzung schneller Bildmontagen und schriller Klänge [...] selbst zum Opfer“7. Auch die Idee des Paktes mit dem Teufel und der Besessenheit erlebte siebzig Jahre nach „Der Student von Prag“ eine `Renaissance´. „Nur selten ist der Teufel fern vom Horror zu finden“8. Ein Produkt dieser Bewegung ist William Friedkins „The Exorcist“ von 1973.

Marcus Stiglegger differenzierte in folgende Erzählmuster und Symbole des Horrorfilms9:

1. Übernatürliche Mächte oder Wesen bedrohen die Lebensgemeinschaft der Protagonisten.
2. Das Innenleben des wahnsinnigen oder psychisch verwirrten Protagonisten wird für den Zuschauer visualisiert.
3. Die Bedrohung durch destruktive Menschen nimmt alptraumhafte Züge an.
4. Übernatürliche Mächte ergreifen Besitz vom Protagonisten und lassen ihn zur Bedrohung werden.
5. Intrigen und Komplotte führen zur Vorspiegelung von `schockierenden´ Ereignissen.
6. Fluchbeladene Orte oder Objekte führen zu einer Heimsuchung der Protagonisten.

Diese Differenzierung der Erzählmuster ist zu allgemein gehalten und führt zu einer starken Überschneidung des Genres Horrorfilm mit dem Thriller, dem Psychothriller, dem Science-Fiction-Film und dem Fantasy-Film. Außerdem ist diese Aufzählung der Topoi des Horrorfilms keine allgemeine Grundlage, also kein mögliches Schema zur Entscheidungshilfe, ob ein dem Genre Horrorfilm zuzuordnender Film vorliegt oder nicht. Es stellt sich die Frage, welche grundsätzlichen Elemente konstitutiv für den `modernen Horrorfilm´10 sind. Welche Konstellationen prägen den Horrorfilm? In dieser Arbeit unternehme ich den Versuch, einen eigenen Kriterienkatalog für den modernen Horrorfilm aus „The Exorcist“ zu abstrahieren.

2. The Exorcist

2.1 Filmdaten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2 Inhalt

Die geschiedene Schauspielerin Chris MacNeil (Ellen Burstyn) lebt mit ihrer 12- jährigen Tochter Regan (Linda Blair) in Georgetown, Washington. Als Regan ihr Verhalten ändert und angeblich die Mutter belügt, ihr Bett schüttele sich, sorgt sich Chris um die Gesundheit ihrer Tochter und lässt sie in einem Krankenhaus untersuchen. Doch alle Untersuchungen der Doktoren und Psychiater führen zu keinem Ergebnis. Während die Tests andauern und die Diagnosen der Experten wechseln, wird Regan zunehmend aggressiver, verstümmelt sich selbst und entwickelt übernatürliche Kräfte. Weitere Experten werden konsultiert, Regan erhält starke Beruhigungsmittel, aber nichts hilft. Schließlich raten die Ärzte, Hilfe der Kirche hinzuzuziehen; es sei möglich, dass ein Exorzismus dem jungen Mädchen helfen könnte11. Ein hinzugerufener Priester, Vater Karras (Jason Miller), vermutet das personifizierte Böse im Mädchen mit dem zur teuflischen Fratze zerkratzten Gesicht, das mittlerweile fließend rückwärts sprechen kann, ständig die Persönlichkeit zu wechseln scheint und fremde Sprachen beherrscht. Mit der Hilfe des erfahrenen Exorzisten Vater Merrin (Max von Sydow) führt Vater Karras einen Exorzismus durch. Die Prozedur der Teufelsaustreibung verlangt Geduld und Kraft von den beiden Priestern ab, führt aber letztlich zum Entweichen des bösen Geistes aus dem Körper des Mädchens. Der Teufel fährt in Pater Karras, der sich wiederum aus dem Fenster stürzt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 01: Das verstümmelte Gesicht von Regan

3. Herleitung der Topoi des Horrorfilms

3.1 Evozierung der Emotion Angst zur Unterhaltung

Die Aufgabe des Filmgenres Horror ist es, „durch die Stimulation von Urängsten“12 eine Gefühlsmischung aus Angst, Schrecken und Bedrohung beim Rezipienten zu erzeugen13. Mary Shelley schrieb in ihrem Vorwort zu „Frankenstein“:

„Ich habe mich nach Kräften bemüht, eine Geschichte auszudenken - eine Geschichte, die den Vergleich mit jenen standhält, die uns erst auf diesen Weg geführt und unsere Fantasie angeregt haben. Eine Geschichte, welche die unheimlichen, tief in unserer Natur verankerten Ängste anspricht und das schreckliche Grauen in uns weckt; eine Geschichte, die den Leser derart packt, dass er es nicht wagt, sich umzuschauen; welche das Blut in den Adern gefrieren lässt und das Herz zu rasendem Lauf antreibt. Wenn es mir nicht gelungen sein sollte, diese Wirkung zu erzeugen, dann verdient meine Schauergeschichte nicht, so genannt zu werden“14.

[...]


1 Vgl. Koebner (2002): S. 263.

2 Vgl. Moss (1982): S. 12.

3 Moss (1982): S. 12.

4 Koebner (2002): S. 265.

5 Den ersten eindeutigen Höhepunkt in der Gewaltdarstellung erlebte das Hollywood-Kino Mitte bis Ende der 70er Jahre. Doch auch in Europa ist praktisch gleichzeitig eine neue Form der Gewaltdarstellung in den Filmen zu beobachten: Die goldene Ära des italienischen Horrorfilms bescherte dem Publikum neben einigen Zombiefilmen auch die noch extremeren Kannibalismusfilme.

6 Vgl. Ramge (2003), S. 4: „In den 70ern wurde ausgelotet, wie weit man ins Extrem gehen kann.“

7 Koebner (2002): S. 266.

8 Moss (1982): S. 21.

9 Zu der Aufstellung der Erzählmuster und Symbole vgl. Koebner (2002): S. 264.

10 Ich benutze diesen Terminus `moderner Horrorfilm´ in Anlehnung an Marcus Stiglegger (vgl. Koebner 2002) stellvertretend für den Terminus `Horrorfilm nach 1960´. Der Horrorfilm vor 1960 wird als `klassischer Horrorfilm´ bezeichnet.

11 Der Arzt sagt: „Es hat tatsächlich manchmal gewirkt. Allerdings nicht aus dem Grund, den die Geistlichen sich einbilden. Es war nichts als die Kraft der Suggestion.“ [1:06:58].

12 Koebner (2002): S. 263.

13 Vgl. Ramge (2003), S. 2: „Angst ist der Schlüssel zu unserer Phantasie. [...] Wir können Wünsche haben. Hoffnungen. Oder auch Träume. [...] Doch der kleinste Hauch von Angst holt uns wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Träumen kann man entfliehen, der Angst jedoch nicht. [...] Die vielen Erscheinungs- und Ausdrucksformen der Angst in den Bereichen der Kunst und der Unterhaltung sind unter der umfassenden Bezeichnung Horror vereint. Horror schildert die Angst.“

14 Moss (1982): S. 7.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Topoi des Horrorfilms
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Institut für Neuere Deutsche Literatur und Medien)
Veranstaltung
Hauptseminar "Horrorfilme"
Note
1
Autor
Jahr
2003
Seiten
20
Katalognummer
V29557
ISBN (eBook)
9783638310369
Dateigröße
608 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Topoi, Horrorfilms, Hauptseminar, Horrorfilme
Arbeit zitieren
Thorsten Schulte (Autor), 2003, Topoi des Horrorfilms, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29557

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