Die Frage nach den Gründen von Drop-Out wurde in Deutschland bisher kaum untersucht, deshalb sind die Kenntnisse darüber nur lückenhaft. Problematisch ist dabei bereits die Angabe zu durchschnittlichen Drop-Out Quoten in deutschen Fitnessstudios, weil diese nicht erfasst oder veröffentlicht werden. Im Gegensatz dazu hat in USA und Kanada seit Beginn der 70er Jahre die Adherence-Forschung zunehmend an Bedeutung gewonnen. In mehreren Studien wurde versucht die Aussteiger mit den Dabeibleibern zu vergleichen und Faktoren zu identifizieren, die den Bindungsprozess beeinflussen. Eine Vielzahl an Faktoren, die mit der Teilnahme an Sportprogrammen in Verbindung stehen, aber im Verlauf der Aktivität von weiteren Faktoren überlagert und ergänzt werden und sowohl im direkten als auch im indirekten Zusammenhang mit der sportlichen Aktivität entstehen, konnten herausgefiltert werden. Neben Merkmalen, die die Person betreffen wie zum Beispiel psychische und physische Merkmale, können dies auch Merkmale des Programm-Settings (Programminhalte, sozial und professionelle Gesichtspunkte) und Merkmale außerhalb des Trainingsprogramms (soziales Umfeld) sein, die den Prozess der Bindung zur Aktivität beeinflussen. Das Faktorengefüge ist dementsprechend sehr komplex und muss in Abhängigkeit zum Individuum betrachtet werden.
Im Folgenden (Abschnitt 2) sollen zunächst zwei Probleme erwähnt werden, die bei der Analyse von Studien zur Bindungsproblematik auffällig sind: die Uneinheitlichkeit bei der Definition von Schlüsselbegriffen und die unterschiedlichen Vorgehensweisen bei der Theorienbildung.
Anschließend werden verschiedene Modelle vorgestellt, die sich mit dem Faktoren-geflecht des Bindungsprozesses auseinandersetzen. Zuerst wird das trans-theoretische Modell (Abschnitt 3.1) von Prochaska und DiClemente (1983), das ursprünglich für die Analyse von Verhaltensänderungen während der Rauchentwöhnung entwickelt wurde und dessen Anwendbarkeit auf den Bindungsprozess bei sportlichen Aktivitäten untersucht wird, erläutert. In Abschnitt 3.2 wird schließlich ein Modell zur Strukturierung möglicher Einflussfaktoren auf den Bindungsprozess beschrieben. Dabei wird die Phasengliederung des Bindungsprozesses wie sie Prochaska und DiClemente (1983) darstellen, berücksichtigt.
Abschließend sollen sieben Merkmale und Merkmalsbereiche des Bindungsprozesses in Abschnitt 4 dargelegt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung: Die Drop-Out Problematik
2 Problematik der Definition von Schlüsselbegriffen und der Theorienbildung
3 Modelle zur Beschreibung der Drop-Out Problematik
3.1 Das transtheoretische Modell
3.2 Modelle zur Strukturierung der Merkmale des Bindungsprozesses
4 Merkmale des Bindungsprozesses
4.1 Merkmale des Abbruchs sportlicher Aktivität
4.2 Physische Merkmale
4.3 Psychische Merkmale
4.4 Merkmale des Lebensstils
4.5 Merkmale der Trainingsvorbereitung
4.6 Merkmale der Trainingsdurchführung
4.7 Merkmale des sozialen Kontexts
4.8 Merkmale des professionellen Kontexts
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik des vorzeitigen Abbruchs (Drop-Out) von sportlicher Aktivität in Fitnessstudios und analysiert die zugrunde liegenden Einflussfaktoren, um Mechanismen der langfristigen Kundenbindung besser zu verstehen.
- Analyse der Drop-Out-Problematik und ihrer theoretischen Grundlagen
- Untersuchung von Modellen zur Bindung an sportliche Aktivitäten
- Identifikation personaler Merkmale (physisch, psychisch, Lebensstil)
- Bewertung situativer Einflussfaktoren (Trainingsvorbereitung, Durchführung, sozialer und professioneller Kontext)
Auszug aus dem Buch
3.1 Das transtheoretische Modell
Das transtheoretische Modell von Prochaska und DiClemente (1983) beschäftigt sich mit der Analyse des Bindungsprozesses. Das Modell geht davon aus, dass sich der Bindungsprozess anhand verschiedener Phasen der Aufnahme und Beibehaltung von Verhaltenweisen beschreiben lässt. Das Modell diente ursprünglich zur Beschreibung und Analyse des Bindungsverhaltens bei der Rauchentwöhnung. Da es sich hierbei ebenso wie bei der Aufnahme sportlicher Aktivitäten um eine Verhaltensänderung handelt, wurde das Modell auch auf den Bindungsprozess im Rahmen sportlicher Aktivität adaptiert (vgl. Rampf, 1999, S. 54).
Das Modell basiert auf einer Gliederung der Aktivität in sechs Phasen (concept of stages). Damit wird auch die zeitliche Dimension der Verhaltensänderung erfasst. Prochaska und DiClemente vergleichen das Phasenkonzept mit Charakterzügen, sogenannten traits und states. Traits sind hierbei stabile Charakterzüge, die unveränderbar sind. States hingegen sind nicht stabil und leicht veränderbar. Die Phasen können sowohl stabiler als auch dynamischer Art sein. Obwohl eine Phase über einen gewissen Zeitraum hinweg stabil sein kann, sind dennoch Änderungen möglich. Die meisten gesundheitsschädlichen Verhaltensweisen (Rauchen, Übergewicht, Alkoholismus, Passivität, etc.) können auf diese Art und Weise charakterisiert werden (vgl. ebenda, S. 54).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Drop-Out Problematik: Die Einleitung beleuchtet die hohen Abbruchquoten in Fitnessstudios und verdeutlicht die Notwendigkeit, bindungsbeeinflussende Faktoren systematisch zu untersuchen.
2 Problematik der Definition von Schlüsselbegriffen und der Theorienbildung: Dieses Kapitel kritisiert die Uneinheitlichkeit in der Definition von Adherence und Drop-Out sowie das Fehlen einheitlicher theoretischer Modelle in der bisherigen Forschung.
3 Modelle zur Beschreibung der Drop-Out Problematik: Hier werden das transtheoretische Modell sowie Ansätze zur Strukturierung von Einflussfaktoren als theoretischer Rahmen für den Bindungsprozess vorgestellt.
4 Merkmale des Bindungsprozesses: Dieses Hauptkapitel erläutert detailliert verschiedene personale und situative Merkmalsbereiche, die den Abbruch oder das Dabeibleiben bei sportlicher Aktivität maßgeblich beeinflussen.
Schlüsselwörter
Kundenzufriedenheit, Drop-Out, Fitnessstudios, Bindungsprozess, Adherence, Transtheoretisches Modell, Selbstwirksamkeit, Sportpsychologie, Kundenbindung, Motivation, Trainingsverhalten, Gesundheitswesen, Abbruchquoten, Personale Faktoren, Situative Merkmale
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Kundenzufriedenheit und der Bindungsproblematik (Drop-Out) in Fitnessstudios.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die Analyse von Abbruchursachen, theoretische Modelle zur Verhaltensänderung und die Einteilung von Einflussfaktoren in personale und situative Merkmalsbereiche.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die komplexen Faktorengefüge zu entschlüsseln, die dazu führen, dass Mitglieder ihr Training in Fitnessstudios vorzeitig abbrechen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung und Analyse bestehender Studien und wissenschaftlicher Modelle zur Adherence-Forschung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung theoretischer Modelle sowie die detaillierte Untersuchung von sieben Merkmalsbereichen, von physischen und psychischen Merkmalen bis hin zu sozialen und professionellen Rahmenbedingungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kundenzufriedenheit, Drop-Out, Bindungsprozess, Adherence, Selbstwirksamkeit und Sportpsychologie.
Warum ist das "transtheoretische Modell" für Fitnessstudios relevant?
Es hilft zu verstehen, in welcher Phase der Verhaltensänderung sich ein Sporttreibender befindet, was für gezielte Interventionsmaßnahmen zur Bindung entscheidend ist.
Welche Rolle spielt die Selbstwirksamkeit beim Abbruch?
Die Selbstwirksamkeit beeinflusst das Durchhaltevermögen bei Schwierigkeiten; eine geringe Einschätzung der eigenen Fähigkeiten korreliert oft mit einer höheren Abbruchwahrscheinlichkeit.
Warum trainieren Gruppenmitglieder tendenziell konsequenter als Individualsportler?
Gruppendynamik, soziale Unterstützung durch andere Teilnehmer und die Einbindung in eine Gemeinschaft wirken sich positiv auf die Bindung an das Sportprogramm aus.
- Arbeit zitieren
- Tanja Gesierich (Autor:in), 2008, Kundenzufriedenheit. Die Drop-Out Problematik in Fitness-Studios, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295579