Die Rolle der Religion in der Kulturpolitik des Lorenzo de Medici


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014

16 Seiten, Note: 2.3

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1. Lorenzo de Medici - Eine Einführung
1.1 Lorenzos Mäzenatentum

2. Lorenzo de Medici und die Kirche
2.1. Rückblick- die Pazzi-Verschwörung und deren Folgen
2.2. Die Reaktion des Volkes auf die Vorkommnisse
2.3. Lorenzo und die Kirche zwischen Krieg und Frieden
2.4. Lorenzos Maßnahmen

3. Lorenzo de Medici und Girolamo Savonarola
3.1. Das Verhältnis zwischen Lorenzo und Savonarola
3.2. Lorenzos Maßnahmen in Bezug auf Savonarola
3.3. Apologeticus und dessen Nutzen

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Lorenzo de Medici - Eine Einführung

Er war der erste Sohn nach drei Mädchen, allein seine Ankunft war ein Triumph. Unermessliche Ressourcen standen ihm zur Verfügung und warteten darauf, sich ihm nützlich zu machen.“1

Lorenzo de Medici wurde am ersten Januar 1449 geboren. Er war Sohn einer Familie die nicht von Adel war, aber zu den popolari, den wohlhabenden Bürgern, die Gewerbe und Handel betrieben, gehörte.2 Sie betrieben sowohl Finanz- als auch Handelsgeschäfte. Sie liebten jede Art von Musik und Kunst und nutzten diese nicht nur zur Unterhaltung sondern auch als Mittel zur Repräsentation.3 Lorenzo de Medici selbst spielte Laute und Viola, mit welchen er seinen Gesang begleitete. Er war auch ein exzellenter Reiter. Als er zehn Jahre alt war, nahm er an einem inszenierten Ritterspiel, welches zu Ehren des mailändischen Prinzen ausgerichtet wurde, teil. Er hob sich bei diesem Spektakel deutlich aus der Menge heraus, denn diese Spiele wurden immer von einer Gruppe junger Leute aus den besten Familien von Florenz ausgerichtet. Er selbst nahm die Rolle des messere, dem Herren ihrer Gruppe ein.4 Damit präsentierten die de Medicis ihren Erben und zukünftigen Machthaber von Florenz. Lorenzo wuchs zu einem Mann „von außergewöhnlicher Hässlichkeit“5 und zugleich [zu einem] Verführer [heran] […]“6, er war ein Mann von großer Intelligenz und Vielseitigkeit. Er konnte reiten, Falken halten, war Bankier, Poet und Politiker. Seine Vorbilder waren Dante, Petrarca und Ovid. Petrarca folgend schrieb auch er einen Canzoniere mit dem Titel Innamoramento di Lorenzo, in dem er nicht über Petrarcas Laura, sondern Lucrezia Donati schreibt.7

In dieser Arbeit soll das Leben Lorenzo de Medicis genauer durchleuchtet werden. Zunächst wird auf den Sinn des Mäzenatentums eingegangen. Im Folgenden soll dann das Verhältnis zwischen Lorenzo und der Kirche eingegangen und ein geschichtlicher Rückblick bezüglich der PazziVerschwörung gegeben werden. Im zweiten Teil dieser Arbeit soll auf das Verhältnis von Savonarola und Lorenzo de Medici eingegangen werden. Ziel dieser Arbeit ist es, herauszufinden, inwiefern die Religion in der Kulturpolitik Lorenzos eine Rolle spielt.

1.1 Lorenzos Mäzenatentum

Lorenzo de Medici förderte gezielt Maler, Dichter, Bildhauer und Architekten. Lorenzo de Medici nutzte die Förderung der Künstler zu seinen Zwecken. Er gestaltete Florenz immer prächtiger, wie man an der Architektur ersehen konnte. Diese stattete er mit Werken der verschiedensten Künstler aus. Dafür wurde er natürlich vom Volke verehrt.8 Somit machte Lorenzo de Medici Florenz zu seinem eigenen Kunstwerk. Er förderte jedoch nicht nur, sondern war selbst ebenso tätig. Er schrieb anfänglich esoterische Liebessonette im volgare (Volkssprache) und verführte „(…) seine weniger gebildeten Untertanen mit gereimten Obszönitäten.“9 Dies änderte sich dann mit dem Einfluss von Ficino, den Lorenzo im Spätsommer 1473 kontaktierte10.

Marsilio Ficino, sechzehn Jahre älter als Lorenzo, ein Philosoph, Denker und Gelehrter wurde von diesem finanziert und diente ihm als Lehrer.11 Von diesem übernahm Lorenzo viele Denkansätze, die ihm gefielen. Ficino ging davon aus, dass die Seele des Menschen nach dem göttlichen Licht strebte, doch es nicht jedem gegeben war, dies zu erkennen. Zudem verfasste er alle Werke auf Latein, damit nur Menschen mit hoher Bildung seine Werke lesen konnten.

„Ficinos extrem eklektischer Humanismus schaffte alle Abgrenzungen ab - womit er in krassem Kontrast zum Christentum der vergangenen Jahrhunderte stand, das einer einzigen Tradition gefolgt war und sich auf einen etablierten Kanon von Autoren gestützt und dabei die Welt unerbittlich, ja vielleicht entmutigend, in zwei geteilt hatte: Gut und Böse, wahr und unwahr, richtig und falsch, Himmel und Hölle(…)“12

Lorenzo wandte sich unter dem Einfluss von Ficino der Philosophie zu. Er paraphrasierte dessen Ansätze in seinem Werk Das höchste Gut.13 Des Weiteren bat er Poliziano um die Erziehung seines Sohnes Piero.

2. Lorenzo de Medici und die Kirche

Traditioneller Feind der Familie de Medici war die Kirche, welche sich mit den de Medicis jahrelange, verbitterte Kämpfe auslieferte. Somit ist es auch nicht verwunderlich, dass die Kirche ebenso eine große Rolle bei einer der tragischsten Verschwörungen gegen die Medici spielte, der Pazzi-Verschwörung.14 Doch wie kam es dazu?

Papst Sixtus IV Ziel ist es, alle Signorie Zentralitaliens unter Kontrolle zu bringen, denn deren Unabhängigkeit vom Papst garantiert dem Herrschaftsbereich Florenz einen sehr guten Sicherheitsgurt.15 Als Papst Sixtus IV den Herrschertitel von Imola seinem Neffen Girolamo Riario verleihen möchte und dafür Geld benötigt, verweigert ihm Lorenzo de Medici diesen Kredit und rät der anderen Bank, die der Familie Pazzi, dieses Darlehen zu verweigern, da Imola weiterhin im Einflussbereich von Florenz liegen sollte, was auch geografisch gesehen, sinnvoller war.16 Zudem hatte der Papst schon ungeheure Schulden bei der Medici Bank. Die Familie Pazzi befolgt den Rat Lorenzos jedoch nicht, sie gewähren dem Papst den erwünschten Kredit und teilen ihm sogar mit, dass Lorenzo ihnen geraten hatte, diesen nicht zu gewähren. Das anfänglich gute Verhältnis des Papstes zu Lorenzo ging zu Bruch und somit wurde Papst Sixtus „[…] bald erklärter Feind von Florenz17 […]“, denn er stellte sich klar gegen die Herrschaft der de Medici.

Papst Sixtus ernennt Francesco Salviati, einen engen Freund der Pazzi, zum Erzbischof von Pisa vor, ohne sich mit Lorenzo abzusprechen.18 Des Weiteren ordnet der Papst eine Prüfung der Alaunkonten19 der Kurie bei der Medici-Bank an20. Für Lorenzo stellt beides eine Beleidigung dar, einerseits, da die Familie de Medici schon immer die Bankgeschäfte der Kurie tätigten, andererseits da Pisa eine von Florenz abhängige Stadt ist und niemand ohne seine Erlaubnis Erzbischof werden darf.21 Vor allem nicht, ohne ihn zuvor zu konsultieren. Lorenzo verweigert Salviati den Einzug nach Pisa, während der Papst mit Exkommunikation droht. Es dauert ein Jahr, bis eine Einigung gefunden wurde.22 Zugleich ernennt der Papst einen der Pazzi zum Bischof von Sarno, einer Stadt nahe Neapel.

[...]


1 (Parks, 2007, S. 204)

2 (Walter, 2003)

3 (Walter, 2003)

4 (Walter, 2003)

5 (Parks, 2007, S. 204)

6 (Parks, 2007)

7 (Walter, 2003)

8 (Martelli, 1980)

9 (Parks, 2007, S. 226)

10 (Walter, 2003)

11 (Martelli, 1980)

12 (Parks, 2007, S. 223)

13 (Parks, 2007, S. 226)

14 (Martelli, 1980)

15 (Martelli, 1980)

16 (Parks, 2007, S. 219 f.)

17 (Walter, 2003, S. 144)

18 (Parks, 2007)

19 Papst Paul II erklärte 1466, dass die Kirche im Bündnis mit der Medici-Bank ein Monopol für den Verkauf von Alaun in ganz Europa besitzen würde. Alaun, eines der wichtigsten Mineralstoffe der damaligen Zeit, brauchte man zur Fixierung von Farben (zum Beispiel der Farbe Purpur, welches man vor allem für Bischofsgewänder benötigte), zur Reinigung der Rohwolle von Fettrückständen, für die Gerbung von Sätteln uvm. (Parks, 2007)

20 (Parks, 2007)

21 (Martelli, 1980)

22 (Walter, 2003)

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Rolle der Religion in der Kulturpolitik des Lorenzo de Medici
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Italianistik)
Veranstaltung
Literatur und Kulturpolitik in der italienischen Renaissance
Note
2.3
Jahr
2014
Seiten
16
Katalognummer
V295610
ISBN (eBook)
9783656936350
ISBN (Buch)
9783656936367
Dateigröße
409 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lorenzo de Medici, Religion, Kulturpolitik, Savonarola, Mäzenatentum
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Die Rolle der Religion in der Kulturpolitik des Lorenzo de Medici, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295610

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