Lernmethoden und Arbeitstechniken für Schüler. Das Lerntagebuch


Hausarbeit, 2014

13 Seiten, Note: 15 Punkte


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Lerntagebuch/Lernjournal
Einleitung
Definition des Begriffs Lerntagebuch und Abgrenzung zu Portfolio
Didaktische Ziele des Lerntagebuch – selbstgesteuertes Lernen im Fokus
Mögliche Inhalte und die Rolle der Lehrperson
Grundsätzliches Problem der Bewertung von Lerntagebüchern
Mögliche Bewertungskriterien
Fazit

Literaturverzeichnis

Lerntagebuch/Lernjournal

Einleitung

Für uns als zukünftige Lehrpersonen stellt sich immer die Frage, durch welche Lernmethoden oder Arbeitstechniken SuS Wissensinhalte nachhaltig und effektiv vermittelt werden können und welche Form der Leistungskontrolle sinnvoll ist, um bestimmte Themen und Themengebiete zu kontrollieren und die SuS schließlich zu bewerten.

Auf der Suche nach neuen Zugängen, die die Verarbeitung von Inhalten erleichtern und optimieren, die Interaktion zwischen Lehrenden und Lernenden stärken und Erlerntes tief verankern, zeigt sich das Lerntagebuch als äußert geeignete Lernmethode[1]. Es handelt sich hierbei um eine Metakognitionsform, bei der die SuS hauptsächlich viel über sich selbst lernen und erfahren.[2] Bei einer solch besonderen Form ist es für uns als Lehrperson zunächst einmal wichtig zu wissen, welche didaktischen Ziele mit dieser Arbeitsmethode verfolgt werden und wie diese zu selbstgesteuertem Lernen, und somit zu nachhaltigem Wissen, beitragen.

Zusätzlich stellt sich die Frage, wie eine solche Lehrform bewertet wird und welche Bewertungskriterien, beziehungsweise welche verschiedenen Möglichkeiten es gibt.

Die Leistungsbewertung im deutschen Schulsystem setzt sich überwiegend aus Klausuren oder anderen derartigen Prüfungen zusammen, die dann mit der Bewertung einer mündlichen Mitarbeit eine Gesamtnote ergibt und in halbjährlichen Zeugnissen dokumentiert wird. Eine intensive Kommunikation über diese Note und somit den Lernerfolg der SuS findet in den häufigsten Fällen nicht, beziehungsweise nicht ausführlich genug statt. Laut Felix Winter bietet ein Lerntagebuch eine „inhaltliche entfaltete Kommunikation über Lernen und Leistungen in der Schule“. Den Lernprozessen wird sich intensiv zugewendet, wodurch sich fachliche, soziale und inhaltliche Kompetenzen gemeinsam entwickeln.[3]

Hierbei stellt sich für eine angehende Lehrperson die Frage, wie eine solche Art der Bewertungsform aufgebaut, beziehungsweise in der Schule umsetzbar ist. Fraglich ist auch die Sinnhaftigkeit der Bewertung von Lerntagebüchern.[4]

Der erste Teil der Ausarbeitung bzgl. Definition, didaktischen Zielen und selbstgesteuertem Lernen wird von Anna Oberkircher genauer betrachtet. Der zweite Teil, der sich mit dem Inhalt und der Leistungsbewertung von Lerntagebüchern befasst, wird von Lissa Gorke ausgearbeitet. Einleitung und Fazit sind Gemeinschaftsarbeit.

Definition des Begriffs Lerntagebuch und Abgrenzung zu Portfolio

Zunächst sollte man sich kurz die Unterschiede von Lerntagebuch, -journal und dem damit verwandten Portfolio vor Augen führen. Es gibt natürlich eine Unzahl verschiedenster Definitionen und die Grenzen beider Arbeitsformen verschwimmen. Im Konsens stellt das Lerntagebuch oder auch das Lernjournal jedoch ein sehr persönliches Dokument dar, welches sich durch das Zusammenstellen regelmäßig verfasster Lernprotokolle auszeichnet und von Lehrerseite sehr offen gehaltenen Anregungen folgt. Den Kern des Schreibens von Lerntagebüchern bildet die Reflexion über Erfahrungen und Gedanken, die das eigene Lernen betreffen[5]. Hierbei halten die Lernenden schriftlich fest, wie sie den fachlichen Inhalt auffassen, welche Gedanken und Gefühle sie dabei haben, was sie schon können und wo sie an ihre Grenzen geraten.

Das Portfolio hingegen folgt einem etwas enger formulierten Auftrag, dessen Kriterien und Ziele im Klassenverband abgestimmt und festgelegt werden sollten. Das Portfolio ist eine Sammlung von Arbeitsergebnissen, Dokumenten, Visualisierungen und allen Arten von Präsentationen bis hin zu Kunstwerken, die eigenständig von den Lernenden gesammelt, geordnet, reflektiert, gestaltet, besprochen und präsentiert werden. M. Gläser-Zikuda und T. Hascher schreiben hierzu „eine zweckvolle Sammlung von Schülerarbeiten, welche Lernprozesse und Lernergebnisse einer Schülerin / eines Schülers in einem oder mehreren Bereichen veranschaulicht“[6] und deren Inhalte und Ziele durch die Lernenden selbst bestimmt werden.

Im weiteren Verlauf dieser Ausarbeitung wird das Lerntagbuch im Mittelpunkt unsere Betrachtungen stehen.

Didaktische Ziele des Lerntagebuch – selbstgesteuertes Lernen im Fokus

Im Vordergrund des Lerntagbuchs steht immer der eigene Lernprozess und somit die individuelle Lernfähigkeit des jeweiligen Verfassers. Dies wird beim Anfertigen eines Lerntagebuchs auf mehreren Ebenen gefördert und es lassen sich vier didaktische Ziele beim Verfassen eines Lerntagebuchs erkennen. Diese liegen im „Schreiben lernen“, im „Lernen lernen“, in „Motivation und Verantwortung“ und in der „Rückmeldefunktion für Lehrende“.[7]

Den Kern des Verfassens eines Lerntagbuchs macht unter anderem das Schreiben selbst aus. Der Lernende verfasst regelmäßig und chronologisch fortlaufend Lernprotokolle, in denen er sich erneut und bewusst mit der behandelten Thematik oder Fragestellung auseinandersetzt. Während dieses Schreibprozesses werden verschiedene kognitive Strategien gefördert. Mittels Organisationsstrategie werden Hauptgedanken formuliert und der Lerninhalt auf das Wesentliche reduziert. Der Lernende gliedert somit den durchgenommen Stoff und arbeitet den „roten Faden“ heraus, was zu einem besseren Verständnis, einer tieferen Verarbeitung und einem langfristigen Behalten der Lerninhalte führt. Eine weitere Strategie auf die die SuS während der Nachbereitung der Inhalte zurückgreifen ist die Elaborationsstrategie, welche den Prozess der Informationsverarbeitung betrifft. Hierbei knüpfen die Lernenden an Vorwissen an und setzen neue Inhalte auch in Beziehung zu anderen. Es werden interne Verbindungen zwischen neuerworbenen Lerninhalten hergestellt und somit auch Querverbindungen zwischen bereits Gelerntem und eigenen lebensweltlichen Erfahrungen gemacht. Auch das generieren eigener Beispiele und Analogie kann beim Verstehen und Behalten komplexer Inhalte helfen und ermöglicht Wissen nachhaltig zu verankern. Ein weiterer nicht zu unterschätzender Punkt beim Verfassen eines Lerntagebuchs ist die Strategie des Wiederholens. Das Aufschreiben wichtiger Daten und Fakten oder das Erstellen von Eselsbrücken festigt Wissen und ermöglicht den Lernenden einen schnellen Abruf von benötigtem Wissen.[8]

Wie in der Definition bereits erwähnt, bildet den Kern des Schreibens von Lerntagebüchern die Reflexion über Erfahrungen und Gedanken, die das eigene Lernen betreffen. Das Lerntagebuch lebt somit von der Beobachtung und dem Nachdenken über Lerninhalte und vor allem über das eigene Lernverhalten. Es werden hierbei sowohl kognitive als auch metakognitive Komponenten gefördert. Erstere bezieht sich hierbei, wie oben bereits ausgeführt, auf das Ausbilden von Verknüpfungen und die tieferer Verarbeitung von Lerninhalten[9] durch Lernstrategien. Die metakognitive Komponente zielt allerdings darauf ab mehr über den eigenen Lernprozess und folglich das individuelle Lernverhalten zu erfahren um somit das Lernen selbst steuern zu können.

Der Lernende beschreibt in seiner Reflektion innerer Zustände, wie Irritation, Erleichterung oder Spannungserleben[10] und hat die Möglichkeit Erwartungen, Hoffnungen und Vorhaben zum Ausdruck zu bringen. Durch diese Reflektion kann der Lernende offenlegen was bereits verstanden wurde, was offen blieb oder wo Verständnisschwierigkeiten auftraten und es werden metakognitive Prozesse gefördert.[11] Diese Prozesse zielen auf die Steuerung und Kontrolle kognitiver Strategien und unterliegen Planung, Überwachung und Regulation des eigenen Lernprozesses. Die Planung beinhaltet hierbei das Setzten von Zielen, das Generieren von Fragen und die Durchführung von Problemanalysen, was den Lernenden auf den Gebrauch der Lernstrategien vorbereiten soll. Die Überwachungstätigkeiten werden vom Lernenden zur Diagnose des Lerngeschehens herangezogen und sollen zum Verstehen der angebotenen oder selbsterarbeiteten Informationen beitragen. Regulation kommt dann zum Tragen, wenn es um die aktuelle Bearbeitung von Problemlöseaufgaben geht[12] und die momentane Lerntätigkeit an die Anforderung angepasst werden muss um mögliche Problem zu beseitigen.

Ein weiteres didaktisches Ziel ist die Verantwortung und die Motivation. Der Lernende übernimmt während des ganzen Schreibprozesses die Verantwortung für sein eigenes Lernen - Er wählt den Lernstoff aus, bewertet diesen und schätzt die Nützlichkeit ab[13] Die Motivation ergibt sich dabei natürlich aus der Eigenverantwortung, geht allerdings auch mit dem Feedback durch den Lehrenden einher. Hier ist nun das vierte didaktische Ziel zu nennen, nämlich die Rückmeldefunktion für den Lehrenden. Das Lerntagebuch kann sowohl explizite Stellungnahmen als auch einen Überblick über rezipierte Inhalte geben. Zudem bekommt der Lehrende durch die Explikation einen Einblick in die aktuellen Lernprozesse und kann somit potenzielle Misskonzepte schneller diagnostizieren und diesen vorbeugen. Auch die Evaluation zur eingesetzten Lernmethode findet im Lerntagebuch seinen Platz und gibt dem Lehrenden Rückmeldung über Sinnhaftigkeit und Lernerfolg aus Schülersicht.

Die angeführten Lernstrategien, die kognitiven wie metakognitiven Komponenten und die didaktischen Ziele im Allgemeinen, münden im übergeordneten Ziel des Verfassens eines Lerntagebuchs, nämlich das des selbstgesteuerten Lernens. Selbststeuerung des Lernens meint, „dass die Lernenden ihren Lernprozess selbst und aktiv, in kognitiver, metakognitiver, motivationaler und verhaltensbezogener Hinsicht, beeinflussen“ [14]. Es wird „eine selbstbezogene Feedbackschleife wirksam“, die dem Lernenden bei der ständigen Überwachung der Lernaktivität hilft und auf die er in verschiedenster Weise reagieren kann. Weiterhin sollen sich die SuS beim selbstgesteuerten Lernen auch selbst motivieren und ihr „Verhalten volitional steuern“, was bedeutet, dass der Lernende in der Lage ist Motivation und Emotion zu kontrollieren und „seine Lernabsicht vor konkurrierenden Einflüssen zu schützen“.[15]

[...]


[1] Vgl. M. Gläser-Zikuda, T. Hascher, 2007. Lernprozesse dokumentieren, reflektieren und beurteilen. Lerntagebuch und Portfolio in Bildungsforschung und Bildungspraxis, Julius Klinkhardt, Freiburg du Salzburg. S. 9

[2] Vgl. M. Wosnitza, A. Frey, R. S. Jäger, 2004. Lernprozess, Lernumgebung und Lerndiagnostik. Wissenschfaftliche Beiträge zum Lernen im 21. Jahrhundert. Verlag Empirische Pädagogik, Landau. S. 102

[3] Vgl. M. Gläser-Zikuda, T. Hascher, 2007.

[4] Vgl. M. Wosnitza, A. Frey, R. S. Jäger, 2004. S. 102

[5] Vgl. M. Gläser-Zikuda, T. Hascher, 2007, S. 112

[6] M. Gläser-Zikuda, T. Hascher, 2007, S. 190

[7] M. Imhof, 2006. Portfolio und Reflexives Schreiben in der Lehrerausbildung. Der Andere Verlag, Tönning. S. 8

[8] Vgl. K. Konrad, S. Traub, 2009. Selbstgesteuertes Lernen. Grundwissen und Tipps für die Praxis. Baltmannsweiler, Schneider Verlag Hohengehren. S.29

[9] Vgl. M. Imhof, 2006. S. 8

[10] Vgl. M. Gläser-Zikuda, T. Hascher, 2007. S. 112

[11] Vgl. M. Imhof, 2006. S. 8

[12] Vgl.K. Konrad, S. Traub, 2009. S. 31

[13] Vgl. M. Imhof, 2006. S. 8

[14] K. Konrad, S. Traub, 2009. S. 8

[15] Ebd. S. 8

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Lernmethoden und Arbeitstechniken für Schüler. Das Lerntagebuch
Hochschule
Universität Kassel
Note
15 Punkte
Autoren
Jahr
2014
Seiten
13
Katalognummer
V295708
ISBN (eBook)
9783656937654
ISBN (Buch)
9783656937661
Dateigröße
947 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
lernmethoden, arbeitstechniken, schüler, lerntagebuch
Arbeit zitieren
Anna Oberkircher (Autor)Lissa Gorke (Autor), 2014, Lernmethoden und Arbeitstechniken für Schüler. Das Lerntagebuch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295708

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