Lange Zeit galt der Burenkrieg als Krieg unter Weißen, ausgetragen in Südafrika. Die Hausarbeit untersucht die Auswirkungen des Krieges auf die schwarze Bevölkerung und deren Beteiligung. Ferner wird untersucht, ob sich die Ziele und Hoffnungen der Schwarzen erfüllten und welche Folgen der Friedensschluss hatte.
Inhaltsverzeichnis
1.EINLEITUNG
2. DER BURENKRIEG
2.1. Vorgeschichte & Ursachen
2.2 Verlauf
3. DIE BETEILIGUNG VON SCHWARZEN AN KRIEGEN
3.1 Situation vor dem Burenkrieg
3.2. Die Schwarzen im Burenkrieg
4. DER FRIEDENSSCHLUSS UND DIE FOLGEN
5. DIE SÜDAFRIKANISCHE GESCHICHTSSCHREIBUNG
6. FAZIT
7. LITERATURVERZEICHNIS
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der schwarzen Bevölkerung während des Burenkrieges (1899–1902) und hinterfragt kritisch die Wahrnehmung des Konflikts als reinen "Weißen Krieg". Ziel ist es zu analysieren, welche Motive die Schwarzen zur Partizipation bewegten, ob ihre Hoffnungen auf eine politisch bessere Zukunft erfüllt wurden und inwiefern der spätere Friedensschluss ihre systematische Entrechtung und den Weg in die Apartheid begünstigte.
- Die kritische Dekonstruktion des Begriffs "White men's war".
- Die Untersuchung der Partizipation und Motivation indigener Bevölkerungsgruppen.
- Die Analyse der politischen Folgen des Friedens von Vereeniging für die schwarze Bevölkerung.
- Die Rolle der schwarzen Erfahrung in der südafrikanischen Geschichtsschreibung.
Auszug aus dem Buch
3.2. Die Schwarzen im Burenkrieg
Die veränderte Einstellung gegenüber der Bewaffnung Schwarzer zeigt sich auch in der Diskussion, Schwarze im Burenkrieg zu bewaffnen. Genau genommen, gab es keine solche Diskussion, sondern der Einsatz Schwarzer wurde vielmehr kategorisch ausgeschlossen. Diese grundsätzliche Haltung bestand sowohl auf britischer als auch auf burischer Seite. Dass die Praxis eine andere war, steht auf einem anderen Blatt. Trotzdem wurden beide Parteien nicht müde, ihre Abneigung über die Bewaffnung Schwarzer und Farbiger zu betonen und die jeweils andere Partei zu diskreditieren, indem man sich gegenseitig vorwarf, eben diese zu bewaffnen.
Gründe gegen die Bewaffnung äußerte der Gouverneur der Kapkolonie, Hely- Hetchinson, in einem Telegramm an Chamberlain. Es wird darin die Sorge geäußert, die Schwarzen würden dadurch das Gefühl bekommen, die Weißen seien auf sie angewiesen und dadurch würden die Schwarzen eine „exaggerated idea of their own importance“, also so etwas wie politisches Selbstbewusstsein, entwickeln. Auch in diesem Telegramm werden Stereotypen über die Kriegsmethoden der Schwarzen ausgeschlachtet. So hätten den Schwarzen zugeschriebene Methoden, wie das Verstümmeln von Toten oder das Töten von Frauen und Kindern, in einem Krieg unter zivilisierten, weißen Völkern nichts zu suchen.
Wichtig zu erwähnen ist jedoch, dass der vorgebliche Verzicht auf Schwarze als Kombattanten des Krieges eine rein moralische Entscheidung beider Seiten war. Es gab zu dieser Zeit kein internationales Gesetz, welches den Einsatz verboten hätte. Eine solche Klausel findet sich beispielsweise nicht in der Haager Konvention, die im Juli 1899, kurz vor dem Ausbruch des Burenkrieges, ausgehandelt wurde. Auch in der krijgswette, eine Schrift, in der die Burenrepubliken ihre militärischen Prinzipien festhielten, wird nicht explizit erwähnt, dass auf Schwarze im Krieg zu verzichten sei. Die mögliche Einberufung von Coloureds, den Farbigen oder auch „Mischlingen“, wird sogar betont. Alles in allem war man sich jedenfalls einig darüber, Schwarze nicht als Kombattanten einzusetzen, das heißt, sie weder zu bewaffnen noch sie an militärischen Operationen teilhaben zu lassen.
Zusammenfassung der Kapitel
1.EINLEITUNG: Einführung in die Problematik des Burenkrieges als vermeintlicher "Weißer Krieg" und Darlegung der zentralen Forschungsfragen hinsichtlich der Rolle der schwarzen Bevölkerung.
2. DER BURENKRIEG: Darstellung der historischen Hintergründe, der Ursachen für den Konflikt zwischen Briten und Buren sowie des kriegerischen Verlaufs in drei Phasen.
3. DIE BETEILIGUNG VON SCHWARZEN AN KRIEGEN: Analyse der historischen Partizipation von Schwarzen in südafrikanischen Konflikten sowie der paradoxen Haltung der Kriegsparteien zu deren Einsatz im Burenkrieg.
4. DER FRIEDENSSCHLUSS UND DIE FOLGEN: Untersuchung der Friedensbedingungen von Vereeniging und wie diese durch die spätere politische Einigung der weißen Elite die Grundlage für das Apartheidsregime schufen.
5. DIE SÜDAFRIKANISCHE GESCHICHTSSCHREIBUNG: Diskussion über die langjährige Ausblendung der schwarzen Perspektive in der Historiographie und die Bedeutung von Akteuren wie Sol Plaatje und Abraham Esau.
6. FAZIT: Zusammenfassende Bewertung, dass der Krieg für die schwarze Bevölkerung in doppelter Hinsicht traumatisch war – sowohl durch das direkte Kriegsgeschehen als auch durch die darauf folgende politische Entrechtung.
7. LITERATURVERZEICHNIS: Verzeichnis der verwendeten Monographien, Quellen und historischen Aufzeichnungen.
Schlüsselwörter
Burenkrieg, Schwarze Bevölkerung, Südafrika, Apartheid, Kolonialgeschichte, Britisches Empire, Friedensschluss von Vereeniging, Sol Plaatje, Abraham Esau, Rassismus, Partizipation, Geschichtsschreibung, Widerstand, Kapkolonie, Native Land Act.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Rolle der schwarzen Bevölkerung während des Burenkrieges und hinterfragt die verbreitete These, es handele sich um einen reinen Krieg zwischen weißen Kontrahenten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der militärischen Partizipation der indigenen Völker, dem Verrat an ihren Hoffnungen durch die Briten und der anschließenden politischen Marginalisierung, die in der Apartheid gipfelte.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die "doppelte Opferrolle" der Schwarzen aufzuzeigen: Sie waren sowohl vom aktiven Kampf betroffen als auch von der politischen Neuordnung nach dem Krieg, die ihnen grundlegende Rechte verwehrte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung primärer Quellen (Tagebücher, Briefe) und fachwissenschaftlicher Sekundärliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Ursachen des Burenkrieges, die Analyse der Partizipation der Schwarzen, die Auswirkungen des Friedens von Vereeniging und die kritische Auseinandersetzung mit der bisherigen Geschichtsschreibung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind neben dem Burenkrieg vor allem die Begriffe "White men's war", die Rolle des ANC, die Bedeutung der Kapkolonie und der langfristige Prozess der Entrechtung durch Gesetze wie den Native Land Act.
Warum wird der Burenkrieg in der Arbeit als "Groteske" bezeichnet?
Der Autor bezeichnet es als grotesk, dass zwei europäische Mächte auf afrikanischem Boden einen Krieg austragen, diesen aber durch ihre Ideologie als einen "weißen Krieg" untereinander deklarieren, während die lokale Bevölkerung massiv in den Konflikt involviert war.
Welche Bedeutung kommt Akteuren wie Sol Plaatje zu?
Sol Plaatje dient als Beispiel für das schwarze Südafrika, das Hoffnungen in die liberale britische Politik setzte, aber durch die Ignoranz der weißen Elite bitter enttäuscht wurde; sein Tagebuch bietet einen authentischen Einblick in diese Erfahrung.
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- Johannes Riedmüller (Author), 2015, Auswirkungen des Burenkrieges auf die schwarze Bevölkerung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295721