Vergleichende Untersuchung des Motivs der beendeten Liebesbeziehung in Gedichten unterschiedlicher Epochen

"O ich bin so traurig"


Unterrichtsentwurf, 2015

17 Seiten, Note: 1,8


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Darstellung der längerfristigen Unterrichtszusammenhänge
1.1 Thema der Unterrichtsreihe
1.2 Thema der Stunde
1.3 Einbettung der Stunde in den Reihenkontext
1.4 Analyse der Lerngruppe
1.5 Relevanzanalyse

2. Tabellarischer Verlaufsplan

3.Planungsentscheidungen zur Unterrichtsstunde
3.1 Sachanalyse
3.2 Didaktisch-methodische Überlegungen
3.3 Lernziele/Kompetenzen

4. Literaturverzeichnis

5. Anhang
5.1 Einstiegsfolie
5.2 Arbeitsblätter
5.3 Hilfskärtchen
5.4 antizipierte Ergebnisfolie

1. Darstellung der längerfristigen Unterrichtszusammenhänge

1.1 Thema der Unterrichtsreihe

Lyrik als Ausdruck von Subjektivität – Gedichte der „Neuen Subjektivität“ kennen- und analysieren lernen sowie ihre Abgrenzung zu Gedichten früherer Epochen

1.2 Thema der Stunde

„O ich bin so traurig“ – Vergleichende Untersuchung des Motivs der beendeten Liebesbeziehung in Gedichten unterschiedlicher Epochen

1.3 Einbettung der Stunde in den Reihenkontext

1.4 Analyse der Lerngruppe

- aus Datenschutz rechtlichen Gründen entfernt -

1.5 Relevanzanalyse

Die Vorgaben durch die Kompetenzerwartungen im Kernlehrplan für die Sekundarstufe II sehen für den Deutschunterricht der Oberstufe im Grundkurs innerhalb des Handlungsfelds 2 „Texte“ die Thematisierung von lyrischen Texten aus unterschiedlichen zeitlichen Kontexten vor.1 Die Unterrichtsreihe legitimiert sich außerdem durch das schulinterne Curriculum, welches als zweites Schwerpunktthema im ersten Halbjahr der Jahrgangsstufe 10 das Thema „Lyrik als Ausdruck von Subjektivität“ und ein anschließendes Lyrikprojekt vorsieht. Die Relevanz der Thematik für die Jugendlichen persönlich, wird im Rahmen des Punktes 3.2 „Didaktisch-methodische Überlegungen“ näher erläutert.

2. Tabellarischer Verlaufsplan

3.Planungsentscheidungen zur Unterrichtsstunde

3.1 Sachanalyse

Lyrik zählt neben der Epik und dem Drama zu den drei literarischen Grundgattungen. Lyrische Werke bestechen durch ihre metrisch und rhythmisch gebundenen Verse, die in der modernen Lyrik jedoch freier als zuvor gestaltet werden. Die lyrischen Werke der letzten Jahrhunderte unterlagen stets einem Wandel, der die Inhalte sowie die Form und sprachliche Gestaltung der Texte stark beeinflusst hat. Beschreibt man typische Merkmale oder Motive einer Epoche, so können diese niemals repräsentativ für die ganze Epoche stehen. Lyrische Texte lassen sich nicht so eindimensional auf historische Situationen zurückführen. Ein Gedicht kann höchstens exemplarisch für eine Zeit stehen, da man an ihm einige Merkmale aufzeigen kann, die in poetischen Produkten aus dieser Zeit sehr häufig zu finden sind. Jede Epoche schuf eine Vielzahl an Möglichkeiten sich auszudrücken und Motive auf seine ganz eigene Art zu gestalten. Kulturelle Prägungen, weltanschauliche Orientierungen und eigene Lebenserfahrungen beeinflussten dabei den Dichter. Dennoch werden den einzelnen Epochen Merkmale zugeschrieben, die sie von anderen abgrenzen lässt und die in den Gedichten der jeweiligen Zeit häufig zu finden sind:

Romantik:

In der Zeit der Romantik (1798-1835) herrschte in den lyrischen Texten eine Art Flucht aus der Wirklichkeit. Ein Hauptstreben dieser Zeit war es, die raue Wirklichkeit und den oft sehr schwierigen Alltag (Zeit der Koalitionskriege und der Unterdrückung Europas durch Napoleon) durch Poesie zu verklären und damit die Zustände zu überwinden. Man versuchte bestimmten Idealen nachzustreben, jedoch immer mit dem Bewusstsein, dass dieses nie zu verwirklichen ist.

Ein wichtiges Thema in den romantischen Gedichten war stets das Wunderbare, nicht die kalte Wirklichkeit. Die Seele spielte in ihren Gedichten eine große Rolle. Man versuchte besonders die dunklen, unbewussten Seiten des Menschen (Traum, Hellsehen,...) sowie alles Unklare und Geheimnisvolle (Nacht, Märchen, Mond,...) zu erfassen. Die Grenzen zwischen Poesie, Religion und Philosophie sowie die zwischen den literarischen Gattungen verschwamm. Der sehnsuchtsvolle, herumirrende und träumende Mensch galt als Ideal dieser Zeit. Romantische Figuren sind meist sehr emotional und individuell geprägt, würden in der nüchternen Realität jedoch vermutlich nicht bestehen. Der Geist der Natur spielte ebenfalls eine große Rolle in dichterischen Werken der Romantiker. Die Verbundenheit zwischen Mensch und Natur fanden die romantischen Dichter in ihrem Bezug zum Mittelalter, was der Lyrik wieder einen geheimnisvollen Charakter verlieh. Eines der wichtigsten Ausdrucksmittel der Romantik war die Symbolik. Der romantische Dichter verwendete Symbole und Leitmotive, die jedoch volkstümlich und so recht leicht verständlich, umschrieben wurden. Fremdwörter wurden vermieden. Jedoch wurden auch schon längst vergessene Ausdrücke des Mittelalters wieder in die Sprache eingeführt. Texte über emotionale Befindlichkeiten waren sehr häufig anzutreffen. Eine besondere Vorliebe herrschte für gleichförmige Strophen mit emotionalem Inhalt und durchgängigem Reimschema.

Joseph von Eichendorff: Das zerbrochene Ringlein Zwischen 1808 und 1810 entstand eines der bekanntesten Gedichte des Romantikers. Das volksliedhafte Gedicht berichtet von einem jungen Knaben, dem seine Geliebte, die Müllerstochter, untreu war. Das lyrische Ich erzählt mit symbolhafter Sprache von dem Treuebruch, welcher durch das zerbrochene Ringlein veranschaulicht wird. Es wird nichts über die Gründe für den Treuebruch berichtet, jedoch erfährt der Leser, wie groß der Schmerz und das Leid des lyrischen Ichs über diesen Vorfall sind. Er würde am liebsten in die Welt hinausziehen, um als Spielmann von seinen Erfahrungen zu berichten, oder aber um als Soldat in die Schlacht zu ziehen und den ehrenhaften Tod zu suchen. Jene Wunschvorstellungen können das zerbrochene Liebesglück jedoch nicht vergessen machen, denn sobald er das Mühlrad hört, was ihn an seine Geliebte erinnert, möchte er am liebsten nur noch sterben.

Das Gedicht ist einfach aufgebaut und folgt einer durchgängigen Form (5 Strophen zu je 4 Versen). Der liedhafte Rhythmus wird durch den durchgängigen dreihebigen Jambus mit abwechselnd stumpfen und klingenden Kadenzen sowie dem verwendeten Kreuzreim erzeugt.

Expressionismus:

Der Expressionismus war eine literarische, musikalische und künstlerische Bewegung, die sich ungefähr zwischen den Jahren 1910 bis 1925 erstreckte. Er wirkte als eine Gegenbewegung zum zu unästhetisch, unkünstlerisch, kalt und positivistisch empfundenen Naturalismus. Im Unterschied zum Impressionismus, welcher nur sehr bedingt auf den Moment bezogene seelische und subjektive Empfindungen beschreibt, stellt der Expressionismus das Ich in den Mittelpunkt und beschreibt dessen subjektive Eindrücke. Neben gesellschaftskritischen Gedichten schufen die expressionistischen Dichter vor allem auch Texte, die sich mit dem Zerfall des Ichs beschäftigten. Sprachlich fallen die Gedichte des Expressionismus vor allen Dingen durch ihre Bildhaftigkeit, Neologismen, Verfremdung oder einem sehr bewegenden Inhalt auf. Autoren wie Else Lasker-Schüler fühlten sich sehr frei gegenüber den äußeren Regeln poetischer Form, dabei gelangen ihr aber besonders ausdrucksstarke Werke. Auch vor sprachlichen Neuschöpfungen schreckte sie nicht zurück.

Else Lasker-Schüler: Ein Lied

Das Gedicht aus dem Jahre 1917 beschäftigt sich mit dem Schmerz, welcher das lyrische Ich nach dem Ende einer Liebesbeziehung empfindet und der Sehnsucht danach, das Vergangene zu vergessen. In neun sehr bildhaft beschriebenen Zweizeilern berichtet das lyrische Ich davon, wie sie sich fühlt. Erst in der sechsten Strophe erfährt der Leser jedoch, dass der Grund für diese Gefühle eine zerstörte Liebesbeziehung ist. Sehnsucht, Trauer und Enttäuschung werden deutlich angesprochen, auch die Gefühlskälte des Partners wird deutlich. Das lyrische Ich wünscht sich zu verschwinden, „mit den Zugvögeln“ fort, um das Geschehene zu überwinden. Bei aller Traurigkeit wird in den letzten Strophen jedoch auch ein Gefühl von Hoffnung beim Leser geweckt.

3.2 Didaktisch-methodische Überlegungen

Das soziale Netzwerk Facebook spielt in der Lebenswelt der Jugendlichen mittlerweile eine große Rolle. Zahlreiche soziale Kontakte laufen über die Plattform ab, Fotos werden von den Nutzern veröffentlicht und bewertet oder Beziehungsstatus kommentiert. Es ist zu erwarten, dass die Jungen und Mädchen die fiktiven Statusmeldungen auf Grund der Aufmachung (Schriftfarbe, Aufbau, etc.) direkt mit der Plattform in Verbindung bringen. Auch zu der angesprochenen Thematik, dem Ende einer Liebesbeziehung, haben die SuS in ihrem Alter schon eine enge Verbindung. Erfahrungen mit Liebe, aber auch Enttäuschungen, haben viele der Jugendlichen in ihrem Alter bereits erlebt. Die den Gedichten zu Grunde liegenden Emotionen können so zumindest für die SuS nachvollziehbar sein. Der Unterrichtseinstieg sollte die SuS daher in hohem Maße motivieren, jedoch auch für den kritischen Umgang mit der Plattform Facebook sensibilisieren, indem sie darüber nachdenken, ob das Teilen persönlicher Emotionen auf diese Art der beste Weg ist. Es ist zu erwarten, dass die Jugendlichen wissen und vielleicht auch selbst schon die Erfahrung gemacht haben, dass das Schreiben von Gedichten Menschen helfen kann, ihre Emotionen zu verarbeiten oder sich über eine Situation klar zu werden. So kann das Thema der Stunde, nämlich die Untersuchung des Motivs „Das Ende einer Liebesbeziehung“ in unterschiedlichen Gedichten, schnell formuliert werden. Die folgende Erschließung der Gedichte von Joseph von Eichendorff und Else Lasker-Schüler ermöglicht es den SuS, sich mit diesem Motiv intensiv auseinanderzusetzen. Darüber hinaus kann durch die bewusste Auseinandersetzung mit Lyrik die Sprachreflexion und das Sprachbewusstsein der SuS sensibilisiert und entfaltet werden. Die arbeitsteilige Erarbeitung hat den Vorteil, dass sich die Jugendlichen zunächst auf einen Text konzentrieren können und diesen erschließen, bevor sich die Gruppen austauschen und Unterschiede bzw. Gemeinsamkeiten zwischen den Texten aufzeigen können. Da es die SuS gewohnt sind, Gedichte sehr genau unter die Lupe zu nehmen, um jegliche sprachlichen oder formalen Besonderheiten aufzuzeigen, sollen sie sich in dieser Stunde besonders auf den Inhalt (d.h. die Verarbeitung des Motivs im Text), die bildliche Sprache und die Form konzentrieren. Eine vollständige Gedichtanalyse beider Gedichte durchzuführen, ginge in diesem Rahmen zu weit und wäre nicht zweckdienlich.

Die Merkmale der Epochen wurden innerhalb der Reihe bereits ausgearbeitet. Da jedoch davon auszugehen ist, dass gerade die schwächeren SuS sich unsicher sind in diesem Bereich, stehen Hilfskärtchen zur Verfügung, die sich die Gruppen nehmen können. Auf diesen sind noch einmal wiederholend die wichtigsten Punkte zu den Epochen sowie einige Begriffe, die zur Beschreibung der bildlichen Sprache nützlich sein sollten, erläutert.

In den letzten Wochen lernten die SuS zahlreiche Gedichte aus der Strömung der „Neuen Subjektivität“ kennen. Sie untersuchten ihre typischen Merkmale und bereiteten sich auf die Klausur vor, in der es ein Gedicht zu analysieren galt. Um den Lernenden ein breiteres Spektrum an Gedichten zu bieten und auch den Vorgaben des Kernlehrplans gerecht zu werden, wurde die Sequenz bewusst so geplant, dass in den kommenden Stunden Produkte aus verschiedenen Epochen kennen gelernt werden können. Der Umgang mit dem Motiv in den unterschiedlichen historischen Kontexten sowie die unterschiedliche Verarbeitung der Emotionen, die durch das Ende einer Liebesbeziehung ausgelöst werden, sollen hier untersucht werden. Aus diesem Grund wurden ein romantisches Gedicht, sowie eines aus der Epoche des Expressionismus gewählt.

Die Ergebnisse des zweiten Teils der Erarbeitungsphase sollen auf einer Folie festgehalten werden, sodass sie dem Plenum anschließend vorgestellt werden können. Um Dopplungen zu vermeiden, stellt nur eine Gruppe vor. Die restlichen Gruppen bekommen die Aufgabe, die Folie auf Vollständigkeit zu überprüfen und falls nötig, wichtige Punkte zu ergänzen.

Es ist zu erwarten, dass innerhalb der Erarbeitungsphase relativ viel Zeit benötigt wird und mit der anschließenden Präsentation und einem kurzen Fazit die Stunde abgeschlossen wird. Daher sollen die SuS zu Hause eine Aufgabe erledigen, die den Inhalt der Stunde vertieft. In den letzten Stunden hat sich gezeigt, dass die Produktion eigener Gedichte den SuS des Kurses sehr viel Spaß macht. Als Hausaufgabe sollen sie daher ein eigenes Gedicht zum Ende einer Liebesbeziehung verfassen. Dabei steht es ihnen frei, ob sie sich an die Konventionen eines typischen Gedichts einer bestimmten Epoche orientieren oder ohne Muster kreativ werden.

[...]


1 Vgl. Kompetenzerwartungen im Kernlehrplan Deutsch: Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen: Kernlehrplan für den verkürzten Bildungsgang des Gymnasiums - Sekundarstufe II in Nordrhein-Westfalen. Deutsch. Ritterbach Verlag. 2011. S. 19 f, 26 f.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Vergleichende Untersuchung des Motivs der beendeten Liebesbeziehung in Gedichten unterschiedlicher Epochen
Untertitel
"O ich bin so traurig"
Note
1,8
Autor
Jahr
2015
Seiten
17
Katalognummer
V295784
ISBN (eBook)
9783656940340
ISBN (Buch)
9783656940357
Dateigröße
514 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
UNterrichtsentwurf, Gedichtvergleich, Motivgleiche Gedichte, Eichendorff, Das zerbrochene Ringlein
Arbeit zitieren
Lisa Müller (Autor), 2015, Vergleichende Untersuchung des Motivs der beendeten Liebesbeziehung in Gedichten unterschiedlicher Epochen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295784

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