Untersuchung eines Berichtes über die Blendung Bernhards von Italien durch Ludwig den Frommen. Quellenkritik


Hausarbeit, 2011
14 Seiten, Note: 2,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Inhalt der Quelle
2.1. Art, Herkunft und Datierung der Quelle
2.2. Personen
2.2.1. Kaiser Ludwig
2.2.2. Funktionen der Räte
2.2.3. Bernhard und seine Mitverschwörer
2.3. Beschreibung des Inhalts

3. Interpretation
3.1. Die Blendung als Strafe im Mittelalter
3.2. Bearbeitung der Fragestellung
3.3. Verknüpfung mit den Gewalttheorien

4. Literaturliste

5. Anhänge

1. Einleitung

In der heutigen Zeit wird das Mittelalter von der Masse der Bevölkerung als eine sehr grausame und gewalttätige Epoche angesehen, in der Krieg, Turniere und Fehden an der Tagesordnung waren. Dabei gab es nicht nur große Auseinandersetzungen mit riesigen Heeren.

Vor allem zu der Zeit der riesigen Reiche der römischen Kaiser ab der Krönung Karls des Großen im Jahre 800 in Aachen mussten die Herrscher ständig um ihre Position fürchten. Wie man an der vorliegenden Quelle sehen kann, drohten den Kaisern nicht nur Gefahren durch Angriffe von außerhalb der Reichsgrenzen, auch innerhalb des Herrschaftsgebietes versuchten in regelmäßigen Abständen Verschwörer, meist sogar Verwandte der Kaiser, diese zu stürzen und deren Position einzunehmen oder ihre eigenen Rechte und Herrschaftsgebiete zu sichern oder zu vergrößern.

Bei solchen Versuchen mussten die Kaiser natürlich reagieren und die Verräter bestrafen. Dabei kam es in den meisten Fällen zu drakonischen körperlichen Strafen bis hin zur Todesstrafe. Eine dieser körperlichen Strafen war die Blendung, das gewaltsame Entfernen der Sehkraft. Die folgende Quelle beschreibt ein gewaltsames Ereignis und deren Folgen, die unter anderem mithilfe moderner Gewalttheorien untersucht werden sollen.

2. Inhalt der Quelle

2.1. Art, Herkunft und Datierung der Quelle

Die Quelle entstammt dem Werk "Die Taten Kaiser Ludwigs1 " des Geistlichen Thegan (geb. vor 800, gest. 20.3.849 oder 852) , welcher auch Biograf Ludwig des Frommen war. Thegan verfasste die Biografie in den Jahren 835-837, beschreibt in ihr die Regentschaft Kaiser Ludwigs und bezieht sich darin bis zum Sommer 8352.

Die Authentizität der Quelle ist dahingehend problematisch, da sich Thegan beim Verfassen der Biografie nahezu ausschließlich auf Augenzeugenberichte verlassen hat. Zudem war er ein Bewunderer Kaiser Ludwigs und agierte in der Biografie oftmals parteiisch, indem er bestrebt war, Ludwig in einem besonders guten Licht erscheinen zu lassen. Ludwig war seiner (und der zur damaligen Zeit von der Mehrzahl des Volkes vertretenen) Meinung nach von Gott eingesetzt, dessen Wille, besonders für einen Geistlichen ausschlaggebend ist. Als der Kaiser am 20. Juni 833 jedoch von seinen Söhnen abgesetzt wurde, war das für Thegan ein Verstoß gegen den Willen Gottes und ein Grund, zum Verteidiger Ludwigs zu werden3.

2.2. Personen

2.2.1. Kaiser Ludwig I.

Ludwig I. (geb. Juni/August 778, gest. 20.6.840), später genannt Ludwig der Fromme, war von 781 an König von Aquitanien4 ( zunächst als Unterkönig seines Vaters, Kaiser Karls des Großen (geb. 2.4.747/748, gest. 28.1.814)), von 814 König des Fränkischen Reiches und ab 813 bis zu seinem Tod 840 Kaiser5.

Interessant für die Interpretation und das Verständnis der vorliegenden Quelle sind besonders die Streitigkeiten, die Ludwig mit seinen Söhnen um die Machtansprüche im Kaiserreich führte. Als ältester Sohn nach dem Tod seiner älteren Brüder Pippin (810) und Karl dem Jüngeren (811) wurde Ludwig wegen Vorbehalten von seinem Vater zunächst zum Mitkaiser ernannt6, trat nach dessen Tod jedoch sofort die Herrschaft an. Mit seinen Söhnen wollte er anders verfahren und das Reich nicht unter seinen drei Söhnen aufteilen, sondern er ernannte Lothar als ältesten Sohn zum Mitkaiser und damit seinem späteren Nachfolger und teilte Pippin Aquitanien und Ludwig, dem spätere Ludwig der Deutsche, das Ostfrankenreich zu. Die beiden jüngeren Söhne hatten nur Mitspracherecht über ihre Teilreiche, Lothar dagegen im gesamten Reich. Damit waren Pippin und Ludwig nicht einverstanden, was zu einer Reihe von Auseinandersetzungen gegen ihren Vater führte7.

Letztendlich wurde Ludwigs Plan trotz aller Wiedrigkeiten umgesetzt, Lothar wurde sein Nachfolger, Ludwig der Deutsche wurde König des ostfränkischen Reiches, Pippin war 838 verstorben und Ludwigs vierter Sohn, Karl der Kahle wurde zunächst König des westfränkischen Reiches und nach dem Tode Lothars I. und dessen Nachfolgers Ludwig II. von Italien römischer Kaiser8.

2.2.2. Bernhard und seine Mitverschwörer

Bernhard wird in Thegans Bericht als "...der Sohn Pippins und einer Konkubine...2 " bezeichnet, ferner sei er zur Verschwörung "... gegen seines Vaters Bruder..." angestiftet worden. Anhand dieser Beschreibung wird relativ schnell klar, dass es sich bei Bernhard um den Sohn Pippins von Italien (geb. 777, gest. 8.7.810), den Bruder Karls des Großen handeln muss. Interessant ist, dass Thegan beschreibt, Bernhard wäre der Sohn Pippins und einer Konkubine. Über die Mutter Bernhards ist nichts bekannt, außer dass Pippin mit ihr verheiratet war. Damit ist Bernhard zwar kein uneheliches Kind, aber ein illegitimer Karolinger9. Diese Tatsache wäre eine Erklärung für seinen Aufstand gegen Ludwig, denn die Ordinatio Imperii von 817 verbot illegitimen Nachfolgern das Bekleiden von Regierungsämtern10. Anscheinend sah Bernhard darin, dass er das Vorhaben Ludwigs, seinen Sohne Lothar I. als Nachfolger zu bestimmen, als Bedrohung für seine Königswürde an und versuchte, sich gewaltsam gegen Ludwig zu behaupten.

Bernhard war als Nachfolger seines Vaters von 812 bis zu seinem Tod 818 Unterkönig von Italien und König der Langobarden11. Wegen seinem in der Quelle beschriebenen Aufstand 817 wurde er 818 zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde zwar in eine Strafe durch Blendung umgewandelt, er erlag aber den schweren Verletzungen und starb am 17.4.81812.

Anstifter sind laut Thegan "schlechte Menschen"13, sowohl Franken als auch Langobarden14. Erst gegen Ende des Berichtes erwähnt der Biograf mehrere namentlich: Anshelm von Mailand, Wolfhold von Cremona und Theodulf von Orléans15 waren drei an der Verschwörung beteiligte Bischöfe, welche jedoch nicht zum Tode verurteilt wurden, sondern ihre Schuld gestanden und später abgesetzt wurden16.

Theodulf wurde letztendlich im Jahre 818 zu Haft und Exil verurteilt und verbrachte so die letzten drei Jahre seines Lebens17.

Weiterhin erwähnt Thegan die Namen von drei weiteren Anstiftern, Eggitheus, Reginhard und Reginhar18 Von diesen dreien beschreibt der Verfasser nur letzteren genauer, erwähnt nämlich, dass er demselben Schicksal verfällt wie einst sein Großvater, der Herzog Hardrad von Austrien.19 Hardrad, ein thüringischer Graf, führte 785/786 einen Aufstand gegen Karl den Großen an, unterlag und wurde wie sein Enkel später auch geblendet20.

[...]


1 Theganus: Gesta Hludowici

2 Boshof: Ludwig der Fromme, Seite 11

3 Tremp: Studien zu den Gesta Hludowici imperatoris des Trierer Chorbischofs Thegan, Seite 69

4 Boshof: Ludwig der Fromme, Seite 28 ff.

5 Boshof: Ludwig der Fromme, Seite 137

6 Boshof: Ludwig der Fromme, Seite 83

7 Krah: Die Entstehung der "potestas regia" im Westfrankenreich während der ersten Regierungsjahre Kaiser Karls II. , Seite 31 ff.

8 Krah: Die Entstehung der "potestas regia" im Westfrankenreich während der ersten Regierungsjahre Kaiser Karls II. , Seite 44 ff 2 s. Quelle S. 210 Zeile 5-8: "Ipso eodemque anno Bernhardus, filius Pippini ex concubina natus, per exortiationem malorum hominum extollens se adversus patruelem suum, voluit eum a regno expellere - habeat enim impios consiliarios hinc et inde."

9 Schilp: Nomen et Fraternitas: Festschrift für Dieter Geuenich. Zum 65. Geburtstag, Seite 667

10 Tremp: Studien zu den Gesta Hludowici imperatoris des Trierer Chorbischofs Thegan, Seite 97

11 Rex Langobardorum

12 s.Quelle S. 212 Zeile 10-11: "Tercio die post amissionem luminium Bernhardus obiit.

13 s. Quelle S. 210 Zeile 6: "...malorum hominum ... " (s. Fußnote 2)

14 s. Quelle S. 210 Zeile 15-17: "... Inventi sunt autem nonnulli in hac sedicione esse lapsos ex utrisque Francorum et Langobardorum, ..."

15 s. Quelle S. 212 Zeile 1-2: " ... Hoc fuit Anshelmus Mediolanensis et Uuoluoldus Cremonensis et Theodulfus Aurelianensis."

16 s. Quelle S. 210 Zeile 17-18: " ... qui omnes idiucati sunt ad mortem praeter episcopos, qui postmodum depositi in confessione eorum facti sunt."

17 Manitius: Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Vob Justinian bis zur Mitte des 10. Jahrhunderts, Seite 537

18 s. Quelle S. 212 Zeile 5-6: "... Eggitheum, Reginhardum et Reginharium ..."

19 s. Quelle S. 212 Zeile 6-9: " ...qui erat filius filie Hardradi, qui erat dux Austrie infedilissimus, qui iamdudum insurgere domnum Karolum voluit et ei regnum minuere, qui eodem supplicio ipse deputatus est, sicut filie sue filius sustinuit cum consentaneis suis."

20 Dutton: Carolingian civilization, Seite 167

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Untersuchung eines Berichtes über die Blendung Bernhards von Italien durch Ludwig den Frommen. Quellenkritik
Hochschule
Universität des Saarlandes  (Philosophische Fakultät I)
Veranstaltung
Formen und Funktion von Gewalt im Spätmittelalter
Note
2,0
Jahr
2011
Seiten
14
Katalognummer
V295808
ISBN (eBook)
9783956874642
ISBN (Buch)
9783668005273
Dateigröße
1034 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
untersuchung, berichtes, blendung, bernhards, italien, ludwig, frommen, quellenkritik
Arbeit zitieren
Anonym, 2011, Untersuchung eines Berichtes über die Blendung Bernhards von Italien durch Ludwig den Frommen. Quellenkritik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295808

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