Peter Ulrichs Integrative Wirtschaftsethik


Hausarbeit, 2013

17 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Aktualität des Themas
1.2 Ziel und Aufbau der Arbeit

2 Peter Ulrich - eine kurze Vorstellung der Person

3 Begriffsbestimmung
3.1 Integrative Wirtschaftsethik
3.3 Normativität Moralität, Legitimität, Rationalität
3.4 Ökonomische Vernunft

4 Peter Ulrichs integrative Wirtschaftsethik
4.1 Integrative Wirtschaftsethik als Vernunftethik des Wirtschaftens
4.2 Drei systematische Grundaufgaben der Wirtschaftsethik
4.2.1 Kritik der reinen ökonomischen Vernunft
4.2.2 Vernünftiges Wirtschaften
4.2.3 Orte der Moral des Wirtschaftens

5 Bedeutung für die Praxis - eine kritische Stellungnahme

6 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Das Integrative Konzept der Wirtschaftsethik

1 Einleitung

1.1 Aktualität des Themas

Kann ein ethisch korrekt handelnder Mensch gleichzeitig erfolgreich in der Wirtschaft tätig sein? Viele Menschen denken, dass sich ökonomische Rationalität und ein gleichzeitiges Verhalten, was die eigenen Werte und die eigene Moral berücksichtigt, natürlicherweise ausschließen.

Insbesondere im Zeitalter der Globalisierung, wo so ein starker Wettbewerb auf dem Markt herrscht wie noch nie, werden von Unternehmen eher nicht- moralische bzw. nicht- ethische Wege eingeschlagen, welche sie scheinbar schneller zum Ziel führen sollen als eine Vorgehensweise, die durch zwischenmenschliche Achtsamkeit und Rücksichtnahme geprägt ist. Viele Unternehmer nehmen darüber hinaus keine Rücksicht auf ihre Mitarbeiter und Kollegen, was zu einem negativen Arbeitsklima und zu Demotivation führen kann. Sie konzentrieren sich nur auf die Frage: „Wie kann mein Unternehmen noch mehr Profit erwirtschaften, und wie kann ich meine Konkurrenten in den Schatten stellen?“ Dass man als Unternehmen mit seinen Mitarbeitern gut umgehen sollte wird dabei vergessen. Ebenso werden zum Beispiel sogenannte „Hetzkampagnen“ gegen Mitbewerber gestartet, damit diese einen schlechten Ruf erhalten und das eigene Unternehmen dadurch in den Vordergrund gerückt wird. Ein Beispiel hierfür wären Mc Donald´s und Burger King, welche in ihren Werbespots sehr oft ihre Vorzüge im Vergleich zum Wettbewerber heraus stellen. Durch diese allgemein vorherrschende egoistische Haltung in der Wirtschaft stumpfen die Menschen ab. Zusehends werden die Menschen misstrauischer und verdrängen, dass man seine ökonomischen Ziele auch auf eine andere Art und Weise erreichen kann. An dieser Stelle will das Konzept der integrativen Wirtschaftsethik ansetzen: Es soll ein ökonomisches Bewusstsein geschaffen werden, welches Lebens- und gesellschaftstauglich ist.

1.2 Ziel und Aufbau der Arbeit

In dieser Arbeit soll das „Integrative Konzept der Wirtschaftsethik“ gemäß Peter Ulrich vorgestellt werden. Ziel der Arbeit ist es, seinen Integrativen Ansatz mit den drei Hauptaufgaben zu erläutern und im Anschließenden die Bedeutung dieses Ansatzes für die Praxis kritisch zu beleuchten. Die zentrale Frage der Arbeit lautet demnach: Was lässt sich unter Peter Ulrichs Integrativem Konzept der Wirtschaftsethik verstehen, und welche Bedeutung hat dieses Konzept für die Praxis? Um diese Frage beantworten zu können, folgt nach der Einleitung zunächst eine kurze Vorstellung seiner Person. Anschließend in Kapitel 3 findet eine Begriffsbestimmung mit den zentralen Begriffen seines Konzepts Anwendung.

In dem darauffolgenden Kapitel 4 wird die Integrative Wirtschaftsethik nach Peter Ulrich vorgestellt. Ebenso werden kurz die drei Hauptaufgaben der Integrativen Wirtschaftsethik herausgestellt.

Die Bedeutung für die Praxis als eine kritische Stellungnahme der Autorin wird in Kapitel 5 herausgearbeitet.

Abschließend folgt in Kapitel 6 ein kurzes Fazit.

Das Konzept von Peter Ulrich ist sehr umfassend und philosophisch begründet. An dieser Stelle sei gesagt, dass sich die Autorin - aufgrund des beschränkten Seitenrahmens dieser Arbeit - auf die wichtigsten Aspekte Peter Ulrichs konzentriert. Es soll dem Leser einen allgemeinen Überblick einer Integrativen Wirtschaftsethik geben.

2 Peter Ulrich - eine kurze Vorstellung der Person

Der gebürtige Schweizer Peter Ulrich wurde im Jahre 1948 in Bern geboren.1 Er ist Wirtschaftswissenschaftler und zählt zu dem Begründer der Integrativen Wirtschaftsethik.2

In den Jahren 1984 bis 1987 war er Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Wuppertal.3 Seit 1987 ist er Professor für Wirtschaftsethik an der Universität St. Gallen und seit 1989 darüber hinaus Leiter des Instituts für Wirtschaftsethik derselben Universität in der Schweiz.4 In den Jahren 2005 bis 2007 war er zudem Abteilungsvorstand der kulturwissenschaftlichen Abteilung der Universität St. Gallen. 5

Zu seinen derzeitigen Forschungsgebieten zählen Bereiche, wie die Wirtschaftsethik, die politische Philosophie und die politischen Grundlagen der politischen Ökonomie.6

3 Begriffsbestimmung

3.1 Integrative Wirtschaftsethik

Die Wirtschaftswissenschaft befasst sich mit Problem- und Fragestellungen in der Wirtschaft.7 Es werden wissenschaftliche Ziele erstellt, beschrieben, erklärt und prognostiziert.8 Dabei werden Aussagen und Zusammenhänge logisch begründet und bestenfalls empirisch untermauert.9 Vermutungen und Philosophien über mögliche wissenschaftliche Zusammenhänge gelten als nicht wissenschaftlich, da diese nicht belegbar sind. Dies ist ein bedeutsamer Unterschied zur Ethik, bei der normative Aussagen und Werte vorherrschend sind.10

Die Wirtschaftsethik befasst sich mit ethischen Fragestellungen, welche in einem direkten Zusammenhang mit wirtschaftlichen Entscheidungen stehen.11 Integrativ bedeutet, dass etwas eingebunden wird bzw. eine Verbindung zu etwas anderem hergestellt wird. Für diese Arbeit ist es demnach von Bedeutung zu wissen, dass die integrative Wirtschaftsethik ein übergreifendes Konzept darstellt, welches Ethik in den Gesamtzusammenhang der Wirtschaft einbindet.

3.2 Normativität, Moralität, Legitimität, Rationalität

Normativität kann im Allgemeinen als Regel, Leitlinie oder Richtschnur für menschliches Verhalten aufgefasst werden. Normen können zum Beispiel nach wirtschaftlichen oder ethischen Normen kategorisiert werden.12 Ethische Normen und Moral sind eng verbunden: Eine Moral kann als Regel für das normativ, ethische Handeln einer Person bezeichnet werden.13 Ethik kann dabei als übergeordnete Theorie betrachtet werden, welches sich mit Moral beschäftigt und zwischen „gut und böse“14 unterscheidet.15 Moralität sollte aus der individuellen Überzeugung eines Menschen entstehen und dessen menschliche Werte und Sichtweisen miteinbeziehen. Wenn der Mensch gegen seine Moral verstößt entsteht in der Regel ein schlechtes Gewissen. Im Gegensatz zur Sittlichkeit und Legitimität (aus dem Lateinischen: Gesetz) beruht Moralität nicht auf der Verfassung oder den allgemeinen gesellschaftlichen Rechten und Regeln.16

Der Begriff Rationalität soll sich in dieser Arbeit auf das Verhalten und die Sichtweise von wirtschaftlich handelnden Individuen in Entscheidungssituationen beziehen. Der ökonomischen Rationalität liegt die Perspektive des größtmöglichen wirtschaftlichen Nutzens zugrunde. Das bedeutet, dass wirtschaftlich denkende Individuen stets danach bestrebt sind durch ihr Handeln den meist möglichen Nutzen zu erzielen. Insbesondere die Gewinnmaximierung steht demnach im Vordergrund. Hierbei wägen sie in der Regel zwischen verschiedenen Handlungsalternativen ab. Diese rationale Denkweise soll sich nicht von Gefühlen lenken lassen, sondern einzig auf die gegebene Wirtschaftlichkeit von Handlungsmöglichkeiten abzielen. Dies kann auch als das „Homo oeconomicus“17 Prinzip bezeichnet werden.18

3.3 Ökonomische Vernunft

Auf den Begriff Ökonomische Vernunft - gleichbedeutend mit wirtschaftlicher Vernunft - wird in Kapitel 4 genauer eingegangen. Es lässt sich jedoch vorwegnehmend sagen, dass Vernunft und Wirtschaft für viele Ökonomen als zwei gegensätzliche Dinge gesehen werden, welche Peter Ulrich versucht in einem Integrativen Konzept zu vereinen. Vernunft kann in diesem Sinne als eine ethisch korrekte Handlung betrachtet werden, während wirtschaftliches Denken das „homo oeconomicus“ Prinzip umfasst.

4 Peter Ulrichs Integrative Wirtschaftsethik

4.1 Integrative Wirtschaftsethik als Vernunftethik des Wirtschaftens

Der Integrative Ansatz von Ulrich besagt, dass rational-wirtschaftliches Handeln und moralisch-ethisch einwandfreies Handeln im bestmöglichen Falle Einklang finden sollten. Laut Ulrich lässt sich dieses Zusammenführen der oft als gegensätzlichen empfundenen Verhaltensweisen als „Vernunftethik des Wirtschaftens“19 bezeichnen.

Der Ansatz beruht auf der unantastbaren Menschenwürde eines jeden Menschen und sollte somit auch im Zuge wirtschaftlichen Handelns nicht in Vergessenheit geraten.

Basierend auf der Philosophie von Immanuel Kant (Kategorischer Imperativ), Adam Smith (der Standpunkt des unparteiischen Zuschauers) und dem jüdisch- christlichen Gebot der Nächstenliebe hat sich dieser christlich-philosophisch geprägte Ansatz der integrativen Wirtschaftsethik entwickelt.20 Eine lebensdienliche Ökonomie ist im Sinne Ulrichs demnach dann gegeben, wenn die Ökonomen unter dem Begriff Wirtschaften, mehr sehen als das reine Handeln zum Profit. Vernünftiges Wirtschaften im Sinne von sinnvoll und ethisch korrekt, dient sozusagen dem Leben, da es - neben dem Überleben durch Profit - auch den sozialen und erfüllenden Aspekt, den die Gesellschaft zum Leben benötigt, integriert.21

4.2 Drei systematische Grundaufgaben der Wirtschaftsethik

4.2.1 Kritik der reinen ökonomischen Vernunft

Wie in Kapitel 4.1 dargestellt, befasst sich der Integrative Ansatz der Wirtschaftsethik mit zwei - auf den ersten Blick gegensätzlichen - Konzepten: Zunächst das der Ethik: Wie sollte ein Mensch auf zwischenmenschlicher Basis agieren? Und des Weiteren das Konzept mit der rein ökonomischen Perspektive: Wie sollte der Mensch gemäß der rein wirtschaftlichen Perspektive handeln?22 Viele Manager in der heutigen Zeit sehen nur die rein ökonomische Betrachtungsweise. Von Philosophie und Ethik wollen sie sich bewusst entfernen.23 Die erste Aufgabe der Integrativen Wirtschaftsethik ist es demnach, diese rein ökonomische Sicht, welche heute sehr oft in der Wirtschaft vorherrscht, zu kritisieren.24 Es soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass Normen und Werte keinen Gegensatz zum wirtschaftlichen Denken bilden, sondern dass sie sogar das „Fundament“25 ökonomischer Rationalität darstellen.26 Das rein ökonomische Denken - auch bezeichnet als „Mainstream- Ökonomik“27 - gilt es demnach zu hinterfragen und kritisch zu betrachten.28

4.2.2 Vernünftiges Wirtschaften - sozialökonomische Rationalitätsidee

Vernünftiges Wirtschaften als Integration einer wirtschaftlich rationalen und einer ethisch vernünftigen Verhaltensweise stellt die zweite Aufgabe der integrativen Wirtschaftsethik dar.29 Dieses vernünftige Wirtschaften wird als „legitimes und effizientes Handeln“30 bezeichnet.

Die Idee, die hinter dem vernünftigen Wirtschaften steckt, ist demnach, dass das ökonomisch rationale Denken insofern erweitert werden soll, dass ihm stets das legitime Denken als vernunftethischer Aspekt zugrunde gelegt werden kann.31 Diese Tatsache kann dann als „sozialökonomische Rationalität“32 bezeichnet werden. Hiermit ist „die grundlegende Orientierungsidee für die ethische Integration der ökonomischen Rationalität gewonnen.“33

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten.

Abb. 1: Das Integrative Konzept der Wirtschaftsethik

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Ulrich, P., 2001, S. 120 ff.

[...]


1 Vgl. Ulrich, P., 2001, S.4.

2 Vgl. Ulrich, P., 2001, S.4.

3 Vgl. Homepage Universität St. Gallen (Internetquelle), Stand: 23.10.2013.

4 Vgl. Homepage Universität St. Gallen (Internetquelle), Stand: 23.10.2013.

5 Vgl. Homepage Universität St. Gallen (Internetquelle), Stand: 23.10.2013.

6 Vgl. Homepage Universität St. Gallen (Internetquelle), Stand: 23.10.2013.

7 Vgl. Wirtschaftslexikon (Internetquelle), Stand: 22.10.2013.

8 Vgl. Wirtschaftslexikon (Internetquelle), Stand: 22.10.2013.

9 Vgl. Wirtschaftslexikon (Internetquelle), Stand: 22.10.2013.

10 Vgl. Wirtschaftslexikon (Internetquelle), Stand: 22.10.2013.

11 Vgl. Wirtschaftslexikon (Internetquelle), Stand: 22.10.2013.

12 Vgl. Mindpicnic (Internetquelle), Stand: 30.10.2013.

13 Vgl. Lin-Hi, N. / Suchanek, A., Gabler Wirtschaftslexikon (Internetquelle), Stand: 30.10.2013.

14 Lin-Hi, N. / Suchanek, A. (Internetquelle), Stand: 30.10.2013.

15 Vgl. Lin-Hi, N. / Suchanek, A. (Internetquelle), Stand: 30.10.2013.

16 Vgl. Lin-Hi, N. / Suchanek, A., Gabler Wirtschaftslexikon (Internetquelle), Stand: 30.10.2013.

17 Thommen, J.P. (Internetquelle), Stand: 30.10.2013.

18 Vgl. Thommen, J.P. (Internetquelle), Stand: 30.10.2013.

19 Vgl. Ulrich, P., 2001, S. 117.

20 Vgl. Ulrich, P., 2001, S. 57 ff.

21 Vgl. Ulrich, P., 2001, S. 207 ff.

22 Vgl. Ulrich, P., 2001, S. 119.

23 Vgl. Ulrich, P., 2001, S. 119.

24 Vgl. Ulrich, P., 2001, S. 120.

25 Ulrich, P., 2001, S. 120.

26 Vgl. Ulrich, P., 2001, S. 120.

27 Ulrich, P., 2001, S. 125.

28 Vgl. Ulrich, P., 2001, S. 125.

29 Vgl. Ulrich, P., 2001, S. 120.

30 Ulrich, P., 2001, S. 120.

31 Vgl. Ulrich, P., 2001, S. 121.

32 Ulrich, P., 2001, S. 121.

33 Ulrich, P., 2001, S. 121.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Peter Ulrichs Integrative Wirtschaftsethik
Hochschule
Hochschule Heilbronn, ehem. Fachhochschule Heilbronn
Autor
Jahr
2013
Seiten
17
Katalognummer
V295902
ISBN (eBook)
9783656941187
ISBN (Buch)
9783656941194
Dateigröße
455 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
peter, ulrichs, integrative, wirtschaftsethik
Arbeit zitieren
Annika Stern (Autor), 2013, Peter Ulrichs Integrative Wirtschaftsethik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295902

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