Kürzlich habe ich mir die erste Folge der sechsteiligen ZDF-Dokumentation Deutschland-Saga angesehen, die anlässlich des 25. Jubiläums des Mauerfalls produziert wurde und seit Herbst 2014 in regelmäßigen Abständen im Fernsehen ausgestrahlt wird. Im ersten Teil der Doku-Reihe soll der australische Historiker Christopher Clark den Zuschauer unter dem Motto „Woher wir kommen – Die Frage nach unseren Ursprüngen“ durch die Geschichte Deutschlands führen. Dabei kommt er auch auf die Zeit um Christi Geburt zu sprechen – jener Epoche, die heutzutage sehr vereinfacht als die Zeit der Germanen bezeichnet wird. Clark spricht in dieser Episode von den Germanen als Ahnen der Deutschen. Doch wer oder was waren die Germanen?
Etymologisch gesehen ist die Herkunft des Wortes Germane ungeklärt. Das erste Mal findet sich das lateinische Wort germani in der Schrift De Bello Gallico von Julius Cäsar und bezeichnet den übergreifenden Namen der deutschen Völker.2 Für die Römer waren die Germanen also Volksgruppen, die nördlich der Alpen und östlich des Rheins lebten. Sie hatten zwar Kenntnis von unterschiedlichen Stämmen, die dort lebten – zum Beispiel Goten, Sueben oder Teutonen – dachten diese jedoch als einheitliche ethnische Gruppe.3 Wie kam es also dazu, dass gerade die Germanen als Vorfahren der Deutschen gesehen werden, wie in der ZDF-Dokumentation, wenn doch germanische Stämme beispielsweise auch im heutigen Holland, in Belgien und in Skandinavien lebten? Und warum werden nicht zum Beispiel die Kelten als das deutsche Urvolk angesehen? Natürlich müsste man sich hier auch fragen, was denn überhaupt „deutsch“ ist und ob es eigentlich möglich ist, dass man einer ethnisch gesehen heterogenen Bevölkerungsgruppe, die sich heute durch den Nationalstaat Deutschland definiert, überhaupt eine altertümliche Volksgruppe als Vorfahren zuweisen kann. Wahrscheinlich nicht. Doch dieses Problem soll und kann in der vorliegenden keine Rolle spielen.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Die Germanen – Der Mythos von den Vorfahren der Deutschen
II.1. Die Entstehung des Germanenkults – Wiederentdeckung von Tacitus' Germania
II. 2. Die Germanenideologie in der Völkischen Bewegung
II. 3. Die Rolle der Germanen in der Ideologie der Nationalsozialisten
III. Fidus – Künstler und Germanenliebhaber
III.1. Germanophile Elemente in Leben und Kunstschaffen des Fidus
III.2. Analyse des Baltenkampfs und Zurück zur Natur – ein Menschenpaar
IV. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Konstruktion des Germanenmythos und dessen Einfluss auf den Maler Fidus (1868–1948). Ziel ist es aufzuzeigen, wie Fidus die völkische Idealisierung der Germanen in seinem Leben und seinen Werken adaptierte, instrumentalisierte und visuell manifestierte.
- Entwicklung und Instrumentalisierung des Germanenmythos vom Humanismus bis zum Nationalsozialismus.
- Die Rolle der „Germania“ des Tacitus als Grundlage für rassistische und völkische Weltbilder.
- Die Verknüpfung von Fidus’ Kunstschaffen mit völkischen und nationalsozialistischen Ideologien.
- Analyse spezifischer Bildmotive (z. B. Lichtgebet, Baltenkampf) als Ausdruck einer germanophilen „Bekenntniskunst“.
- Darstellung der Schnittstellen zwischen Lebensreformbewegung, Germanenglaube und politischem Radikalismus.
Auszug aus dem Buch
b) Körperbau
Fast alle Figuren in den fidusschen Werken vertreten die stereotypischen und idealistischen Eigenschaften der ario-germanischen Rasse: groß, muskulös, helles Haar und helle Hautfarbe, jugendlich aussehend. Diese Eigenschaften vermischen sich meist mit einer Nacktkultur, die Fidus propagierte. Besonders deutlich wird dies im wohl bekanntesten Bild von Fidus – dem Lichtgebet (siehe unten). Generell kann man sagen, dass Fidus' Menschenbild durchaus von rassistischen und rassetheoretischen Vorstellungen geprägt war, welches unter anderem durch Kontake zu rassistischen Organisationen wie der „Loge des aufsteigenden Lebens“ oder der „Mazdaznan-Tempel-Vereinigung E.V. Leipzig“ beeinflusst wurde.
So betrachtete und bewertete Fidus die Rasse zunächst einmal anhand von Körpereigenschaften. So fordert er in seinem Aufsatz Etwas vom Ringelreife dazu auf, Menschen zu erschaffen „nach dem Bilde, das unserm Fühlen gleich sei!“ Dieser neue Mensch soll ein „goldblonder Arier“ sein „mit fast kupferfarbener durchsonnter Haut“. Dieser Arier könne seinen Geist und Körper frei entwickeln, er soll nackt sein mit natürlichem Haar und Bart. Die rassistisch gefärbte Haltung Fidus' lässt sich zudem in seiner Erklärung von Schönheit herauslesen: „schön ist nur ein guter Körper, der genau dem Stande seiner Rasse und seinem persönlichen Charakter entsprechend zweckmäßig und gesund entwickelt ist.“
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Relevanz des Germanenmythos anhand populärer Medien und erläutert die Zielsetzung der Untersuchung hinsichtlich der Person Fidus.
II. Die Germanen – Der Mythos von den Vorfahren der Deutschen: Dieses Kapitel analysiert die historische Entstehung des Germanenkults, seine Rezeption durch die völkische Bewegung sowie die ideologische Instrumentalisierung durch den Nationalsozialismus.
III. Fidus – Künstler und Germanenliebhaber: Der Hauptteil untersucht die germanophilen Tendenzen in Fidus' Leben und Werk, insbesondere durch eine detaillierte Analyse der Bilder Baltenkampf und Zurück zur Natur – ein Menschenpaar.
IV. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass Fidus' Germanenschwärmerei als komplexes Zusammenspiel aus zeitgenössischen Einflüssen und persönlichen Überzeugungen zu verstehen ist.
Schlüsselwörter
Fidus, Germanenmythos, völkische Bewegung, Nationalsozialismus, Tacitus, Germania, Rassetheorie, Lichtglaube, Lebensreform, Baltenkampf, Lichtgebet, Arier, Runen, Symbolik, Kunstgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie der Mythos der Germanen als vermeintliche Vorfahren der Deutschen instrumentalisiert wurde und welchen spezifischen Einfluss diese Ideologie auf das künstlerische Schaffen des Malers Fidus hatte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Geschichte des Germanenkults, völkische Rassenideologien, die Rolle der Kunst als Bekenntnismedium sowie die ideologische Nähe des Malers Fidus zur völkischen und nationalsozialistischen Bewegung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel besteht darin, die Verzahnung von Fidus' persönlicher „Germanenschwärmerei“ mit den politischen Strömungen seiner Zeit anhand seiner Werke und Schriften nachzuweisen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine kulturwissenschaftliche Analyse, bei der historische Quellen, zeitgenössische Schriften und eine ikonografische Analyse ausgewählter Bildmotive von Fidus kombiniert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Germanophilie des Künstlers Fidus, seine Kontakte zu entsprechenden Gruppierungen und die Analyse konkreter Bildwerke in Bezug auf ihre symbolische und rassistische Aufladung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Fidus, Germanenmythos, völkische Bewegung, Rassetheorie und Lichtglaube charakterisiert.
Was bedeutet das „Lichtgebet“ in Bezug auf Fidus?
Das „Lichtgebet“ fungiert in der Arbeit als zentrale Ikone des Germanischen Lichtglaubens, die das Ideal des gesunden, „rassereinen“ ariogermanischen Menschen verkörpert und von Fidus ideologisch aufgeladen wurde.
Welche Rolle spielen Runen in Fidus' Werken?
Fidus nutzte Runen, insbesondere die Hagal-Rune, nicht nur als dekorative Elemente, sondern als magisch-religiöse Symbole, um die behauptete kulturelle Überlegenheit der germanischen Rasse zu belegen.
Wie interpretiert die Arbeit das Bild „Baltenkampf“?
Das Bild wird als ein Aufruf Fidus' an deutsche Soldaten verstanden, die durch die Darstellung antiker oder mittelalterlicher Kämpfe zur Standhaftigkeit und zum Kampf gegen den „Osten“ motiviert werden sollten.
- Quote paper
- Dennis Schmidt (Author), 2015, Der Germanenmythos und seine Einflüsse auf den Maler Fidus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295918