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Frühe Annäherungen Heinz Kohuts an das Narzissmuskonzept und die Geburt der Selbstpsychologie

Title: Frühe Annäherungen Heinz Kohuts an das Narzissmuskonzept und die Geburt der Selbstpsychologie

Academic Paper , 2004 , 31 Pages

Autor:in: Dr. phil. Knuth Müller (Author)

Psychology - Consulting and Therapy
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Im Folgenden werden einige theoretische Fundamente der sich später entwickelten Selbstpsychologie dargestellt Hierbei wird unter anderem auf die frühen Annäherungen Kohuts an das Narzissmuskonzept und die Geburt der Selbstpsychologie eingegangen.

Obwohl KOHUT mit der oben genannten Schrift von 1959 erste sanfte Annäherungen an die von ihm später sogenannte idealisierte Variante der narzisstischen Übertragung geliefert hat, ist seine Beschäftigung mit diesem Thema sicher mindestens so alt, wie die bei AUGUST AICHHORN absolvierte Analyse. Denn AICHHORN kann mit Recht als einer der Urheber bezeichnet werden, der die These narzisstischer Übertragungen vertrat. Im Gegensatz zu FREUD, der nicht an eine Übertragungsfähigkeit narzisstischer Patienten glaubte, da Objektbeziehung und Narzissmus für ihn zwei entgegengesetzte psychische Funktionen bzw. Positionen sind, da der Narzissmus als primär und die Objektliebe als entwicklungsbedingt spätere, sekundäre Fähigkeit angesehen wird und sich demnach Narzissmus und Objektbeziehung/Objektliebe ausschließen, schrieb AUGUST AICHHORN im Jahre 1936 einen bedeutenden Artikel über die Technik der Erziehungsberatung, in der er von einer narzisstischen Übertragung berichtete. In diesem Artikel, den er FREUD zum 80. Geburtstag widmete, erläutert er die spezifischen Übertragungsmomente bei delinquenten Kindern und Jugendlichen. Um mit ihnen ein produktives Arbeitsverhältnis aufzubauen machte er sich die, von KOHUT später als idealisierte Übertragung identifizierte Einstellung der Jugendlichen zunutze. Auch wenn AICHHORN sich noch in der Sprache der Triebtheorie ausdrückt und davon spricht, dass dieser betreffende Jugendliche „[…] überhaupt noch gar keine objektlibidinöse Beziehung zu uns gehabt […]“ (AICHHORN 1936, S. 61) hat, so schreibt er in einer bemerkenswerten Deutlichkeit über die Funktion, die bei KOHUT zum „Selbstobjekt“ wurde:

„Man liebt es [das Objekt] wegen der Vollkommenheiten, die man fürs eigene Ich angestrebt hat, und die man sich nun auf diesem Umweg zur Befriedigung seines Narzissmus verschaffen möchte.“ (ebd., S. 65).

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Frühe Annäherungen KOHUTs an das Narzissmuskonzept

1.1 Der Einfluss Alfred Aichhorns auf Kohut

1.2 „Introspektion, Empathie und Psychoanalyse“ (1959)

1.2.1 Empathie

1.2.2 Introspektion

1.3 „Formen und Umformungen des Narzissmus“ (1966)

1.4 „Die psychoanalytische Behandlung narzisstischer Persönlichkeitsstörungen“ (1969)

1.5 Kritische Bemerkungen über KOHUTs frühe Orientierung

1.6 Zusammenfassung

2 Die Geburt der Selbstpsychologie

2.1 Reaktionen auf KOHUTs Theoriewandel

2.2 „Narzissmus“ (1971), „Die Heilung des Selbst“ (1977), „Wie heilt die Psychoanalyse“ (1984) und darüber hinaus: Ein Theorieabriss

2.2.1 Der Begriff des Selbst

2.2.2 Bipolares Selbst

2.2.3 Selbstobjekte

2.2.4 Ödipuskomplex im Licht der Selbstpsychologie

2.2.5 Selbststörungen (Psychopathologie des Selbst)

2.2.6 „Optimale Frustration“ und „umwandelnde Verinnerlichung“

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die theoretische Entwicklung Heinz Kohuts von seinen frühen Auseinandersetzungen mit dem Narzissmus-Konzept innerhalb der Ich-Psychologie bis hin zur Begründung der eigenständigen Selbstpsychologie, wobei der Fokus auf den methodischen Grundlagen der Empathie und Introspektion sowie der Umdeutung zentraler analytischer Begriffe liegt.

  • Die Bedeutung von Empathie und Introspektion als wissenschaftliche Instrumente.
  • Die theoretische Abgrenzung der Selbstpsychologie von der klassischen Triebtheorie Freuds.
  • Die Entwicklung und Funktion des Konzepts der Selbstobjekte und des bipolaren Selbst.
  • Die Neubewertung des Ödipuskomplexes aus selbstpsychologischer Sicht.
  • Die therapeutische Behandlung narzisstischer Persönlichkeitsstörungen durch optimale Frustration.

Auszug aus dem Buch

1.2.1 Empathie

Konstrukte wie Eros und Thanatos sind nach Meinung KOHUTs Annahmen einer biologischen Theorie, die mit den Mitteln einer psychoanalytischen Psychologie nicht zu erfassen sind und demnach als biologische Spekulationen bezeichnet werden müssen. Nur was durch das Sich hineinversetzen bzw. Sich-einfühlen (Empathie) in das Gegenüber und durch das Eintauchen in die eigene innere Gefühlswelt (Introspektion) gewonnen wird, kann Gegenstand psychoanalytischer Wissenschaft werden. Es ist ein inneres Mitschwingen, vorstellbar wie eine Saite eines Instrumentes, die in Schwingungen gebracht wird durch Klänge, die auf diese Saite bzw. auf den ganzen Klangkörper treffen. Die Alltagssprache hat für dieses Phänomen passende Worte gefunden, wenn wir z.B. sagen, dass wir auf gleicher Wellenlänge liegen, dass geteiltes Leid halbes Leid darstelle, dass wir das nachvollziehen können, was uns entgegengebracht wird etc. Es ist ein emotionales Mitschwingen im Dienste der Perspektivübernahme, die physisches und psychisches Überleben sichert. Wichtig anzumerken ist, dass KOHUT Empathie als ein nüchternes Untersuchungsinstrument versteht, nicht das umgangssprachliche Mitleiden, das zu vielen Missverständnissen in der Rezeption des KOHUTschen Werkes geführt hat. Es kann von Therapeuten genutzt, doch ebenso im Dienste einer Diktatur missbraucht werden. Im analytischen Kontext birgt Empathie bei unreflektiertem Einsatz ein Mitagieren des Analytikers in sich, das als nicht analysierte Gegenübertragung die analytische Arbeit (im Zweifelsfall) zu blockieren droht. Um diese Gefahr zu minimieren, ist die Introspektion ebenso von größter Wichtigkeit.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Frühe Annäherungen KOHUTs an das Narzissmuskonzept: Dieses Kapitel erläutert Kohuts erste theoretische Schritte in der Auseinandersetzung mit dem Narzissmus, wobei der Einfluss Aichhorns und die Etablierung von Empathie und Introspektion als methodische Grundlagen hervorgehoben werden.

2 Die Geburt der Selbstpsychologie: Hier wird der systematische Bruch mit der klassischen Ich-Psychologie nachgezeichnet und die zentrale Bedeutung des Selbst, des bipolaren Konzepts und der Selbstobjekte im Rahmen der neuen Selbstpsychologie dargelegt.

Schlüsselwörter

Selbstpsychologie, Heinz Kohut, Narzissmus, Empathie, Introspektion, Selbstobjekt, Größenselbst, Bipolares Selbst, Ödipuskomplex, Idealisierung, Optimale Frustration, Umwandelnde Verinnerlichung, Psychoanalyse, Ich-Psychologie, Übertragung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die theoretische Evolution Heinz Kohuts von seinen Anfängen innerhalb der Ich-Psychologie bis hin zur Entwicklung einer eigenständigen Selbstpsychologie.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die Schwerpunkte liegen auf der methodischen Bedeutung von Empathie und Introspektion, der Umformulierung des Narzissmus-Verständnisses und der Etablierung des Selbst als zentralem Strukturkonzept.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die theoretischen Eckpfeiler herauszuarbeiten, die Kohut von der klassischen psychoanalytischen Sichtweise (dem "schuldigen Menschen") hin zum "tragischen Menschen" und dem Konzept der Selbstpsychologie geführt haben.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse der zentralen Schriften Kohuts sowie auf eine kritische Reflexion des psychoanalytischen Diskurses unter Einbeziehung zeitgenössischer Kritiker.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die frühen methodischen Grundlegungen (Empathie, Introspektion) und die anschließende systematische Ausarbeitung der selbstpsychologischen Theorie, einschließlich der Pathologie und therapeutischer Implikationen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen zählen Selbstpsychologie, Selbstobjekt, Narzissmus, Empathie, Introspektion und die Abgrenzung zur klassischen Triebtheorie.

Warum spielt die Unterscheidung zwischen "Objekt" und "Selbstobjekt" eine so große Rolle bei Kohut?

Diese Unterscheidung ist entscheidend, da sie den Blick von der reinen Objektliebe hin zu der lebensnotwendigen, strukturstützenden Funktion zwischenmenschlicher Beziehungen für ein kohärentes Selbstempfinden verschiebt.

Wie bewertet Kohut den Ödipuskomplex im Vergleich zur klassischen Psychoanalyse?

Kohut interpretiert den Ödipuskomplex nicht primär als Ausdruck triebhafter Konflikte, sondern als mögliche Reifungsbestätigung, sofern er auf einem bereits stabilen, kohärenten Selbst aufbaut.

Was versteht man unter dem Prozess der "optimalen Frustration"?

Es handelt sich um unvermeidliche empathische Fehltritte des Analytikers oder der Eltern, die, wenn sie reflektiert und durchgearbeitet werden, dem Patienten helfen, eine stabilere innere Struktur aufzubauen.

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Details

Title
Frühe Annäherungen Heinz Kohuts an das Narzissmuskonzept und die Geburt der Selbstpsychologie
Author
Dr. phil. Knuth Müller (Author)
Publication Year
2004
Pages
31
Catalog Number
V295990
ISBN (eBook)
9783656937005
ISBN (Book)
9783656937043
Language
German
Tags
frühe annäherungen heinz kohuts narzissmuskonzept geburt selbstpsychologie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dr. phil. Knuth Müller (Author), 2004, Frühe Annäherungen Heinz Kohuts an das Narzissmuskonzept und die Geburt der Selbstpsychologie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/295990
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