Der intersubjektive Ansatz in der Psychoanalyse. Grundlagen sowie Konvergenzen und Divergenzen zur Selbstpsychologie Heinz Kohuts


Akademische Arbeit, 2004

21 Seiten


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Zur Person und theoretischen Hintergrund von Robert D. Stolorow

3 Grundlagen der Theorie der Intersubjektivität in der Psychoanalyse
3.1 Das intersubjektive Feld und seine theoretische Verortung
3.2 Entwicklungspsychologische Aspekte aus Sicht der intersubjektiven Perspektive.
3.3 Psychopathologie im Licht der Intersubjektivität

4 Konvergenzen und Divergenzen zur Selbstpsychologie Heinz Kohuts
4.1 Konvergenzen
4.2 Divergenzen
4.2.1 Der Begriff des Selbst
4.2.2 Die Bi-Polarität des Selbst
4.2.3 Fragmentierung: isolierte Triebmanifestation als Desintegrationsprodukt?
4.2.4 Selbstobjekte vs. „echte“ Objekte

5 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur)

„Wir sind im Besitz der Wahrheit; ich bin so sicher wie vor 15 Jahren“

(Freud an Ferenczi)[1]

Ode to a Besserwisser [2]

Robert D. Stolorow

There was a young analyst so fair, With clear and distinct ideas most rare. In objectivist zeal, He knows the real Real, Being wrapped in a cordon sanitaire

(Hervorhebung im Original)

1 Einleitung

Der intersubjektive Ansatz ist mittlerweile kein neuer mehr. Die ersten Wurzeln legte Robert D. Stolorow (schon damals gemeinsam mit George E. Atwood) in den frühen 70er Jahren. Deutlich von der Selbstpsychologie Heinz Kohuts geprägt, begann sich um Stolorow eine Autorengruppe zu etablieren,[3] die in ihrer Rezeption des Kohutschen Werkes dennoch für einige deutliche Veränderungen plädieren. Jene Veränderungen fanden schließlich 1984 (Atwood, G. & Stolorow, R. D.) in dem Begriff der intersubjektiven Perspektive oder der Theorie der Intersubjektivität ihre Heimat. Einen streckenweise durchaus provokativen Stil verfolgend (wie oben angestelltes Zitat anschaulich zeigt), hat sich bis zum heutigen Tage eine Vielfalt von Publikationen in den selbstpsychologischen Diskurs eingeführt: von philosophischer Verortung ihres intersubjektiven Verständnisses angefangen, bis hin zu dezidiert behandlungstechnischen Schriften – und damit nicht selten eine deutliche Kritik für ihr postmodernes, kontextualistisches Verständnis der Selbstpsychologie erntend. Zunächst jedoch einige grundlegende Anmerkungen zur Person Stolorows und anschließend der theoretischen Verortung der Theorie der Intersubjektivität.

2 Zur Person und theoretischen Hintergrund von Robert D. Stolorow

Robert D. Stolorow, Ph. D., ist Gründungsmitglied, Lehranalytiker und Supervisor des “Institute of Contemporary Psychoanalysis “, des „ Institute for the Psychoanalytic Study of Subjectivity “ und des „ International Council for Psychoanalytic Self Psychology “. Daneben hat er eine Professur für klinische Psychologie an der „ UCLA School of Medicine “ inne. Des Weiteren gehört er zu den Herausgebern einer Reihe von psychoanalytischen Zeitschriften, wie „ Psychoanalytic Inquiry “, „ Psychoanalytic Dialogues “, „ Psychoanalytic Psychology “ u.a.m. 1995 erhielt er den „ Distinguished Scientific Award “ der „ Division of Psychoanalysis of the American Psychological Association”.

Seinen Weg begann Stolorow nicht gleich in der Psychoanalyse sondern in einer, zwischen 1930 und 1970 an der Harvard University gelehrten, spezifischen Richtung der akademischen Persönlichkeitspsychologie, die sich einer Wissenschafts- und Forschungstradition verschrieben hatte, welche die Wurzeln der später von ihm ins Leben gerufenen intersubjektiven Perspektive ausmachte. Diese Wissenschafts- und Forschungstradition vertrat die Auffassung, dass die menschliche Natur nur durch ein intensives, systematisches Studium der einmaligen inneren Erfahrungen des Individuums verstanden werden könnte. Jenes systematische Studium der menschlichen Natur sei aber auch immer von den Theorien des Forschenden durchwachsen und somit wurde eine dezidierte Theorie der Subjektivität von zwingender Notwendigkeit. Dieses Anliegen hat Stolorow und seine Mitarbeiter in die Psychoanalyse getragen[4], um schließlich auch hier eine Theorie der Subjektivität formulieren zu wollen. Als Grundannahme für eine solche Theorieentwicklung liegt die Überzeugung zu Grunde, dass „nicht nur die psychologischen Phänomene verschiedener Theorien erklärt [werden sollen], sondern [ein Rahmen notwendig wird], der die Theorien selbst mit einbezieht“ (Jaenicke 2002, S. 174). Letzteres wurde zunächst als „Psychoanalytische Phänomenologie“, später dann als „Theorie der Intersubjektivität“ bezeichnet. Die von Stolorow später als „ Strukturen der Subjektivität “ bezeichneten unbewussten Organisationsprinzipien menschlichen Handelns als Relikte all der Erfahrungen, die den Menschen in der Begegnung mit seinen primären Bezugspersonen prägen, sind daher ubiquitär vorhanden (was für die Diskussion intersubjektiven Verständnisses von Übertragung von herausragender Bedeutung ist und prägen im psychologischen aber auch im psychopathologischen Sinne all die Schlussfolgerungen, die daraus im Hier und Jetzt getroffen werden (vgl. ebd).

Der „Now-moment“[5] und der darauf (in diesem Fall) folgende „Moment of meeting“ (The Process of Chance Study Group 1998, S. 908f)[6] für Stolorow und Kohut kam eben durch das Postulat Kohuts, dass das gesamte Gebiet psychoanalytischer Forschung durch das subjektive Erleben definiert und umgrenzt wird (vgl. Jaenicke 2002, S. 175). Ihre Auffassung ist es, dass Realität eine vollkommen subjektive Wahrnehmung darstellt (Moore 1999) – eine Auffassung, die sich in den Annahmen des radikalen Konstruktivismus wiederfinden lässt (Schmidt 1987). Dennoch, oder gerade durch das Treffen in einigen Punkten, aber von verschiedenen Hintergründen herkommend, sind die Vorstellungen von Stolorow et al. von denen Kohuts abweichend und damit ein interessanter Beitrag zur Weiterentwicklung der modernen Selbstpsychologie und – wohl mehr in ihrem Interesse – der Psychoanalyse im Allgemeinen.

3 Grundlagen der Theorie der Intersubjektivität in der Psychoanalyse

Einführend in die Theorie der Intersubjektivität soll im Folgenden das theoretische Fundament geschildert werden, auf dem die technischen Implikationen für die Behandlung aus intersubjektiver Perspektive ruhen.

3.1 Das intersubjektive Feld und seine theoretische Verortung

Die Grundannahme der intersubjektiven Perspektive liegt in dem Postulat eines auf intersubjektiver Ebene geteilten Feldes – dem intersubjektiven Feld -, das den von Anbeginn der Psychoanalyse antizipierten Moment des Objektiven, Realen, Neutralen, Richtigen oder Falschen obsolet macht. Intersubjektivität bedeutet, dass Handlungen und die damit einhergehenden Emotionen eine reziproke Wirkung auf den jeweils anderen haben, die im Rahmen der Psychoanalyse nur mit Empathie und Introspektion zu erreichen und erkennen sind. Es ist kein gemeinsames Teilen einer subjektiv gleichartig empfundenen Welt, sondern es existiert im besten Falle ein „Moment of meeting“ (Stern 1998) zwischen zwei Individuen, die gemeinsam das intersubjektive Feld konstituieren. Beide Welten sind durch unterschiedliche Strukturen der Subjektivität organisiert, wobei weder die eine Organisationsform die wahre, gesunde, objektive, reale oder vollständige ist, noch die andere die kranke, falsche, unvollständige oder als pathologisch zu kennzeichnende:

„Rather, psychoanalysis is pictured here as a science of the intersubjective, focused on the interplay between the differently organized subjective worlds of the observer and the observed. The observational stance is always one within, rather than outside, the intersubjective field or »contextual unit« (Schwaber 1979) being observed, a fact that guarantees the centrality of introspection and empathy as the methods of observation (Kohut 1959). Psychoanalysis is unique among the sciences in that the observer is also the observed” (Stolorow & Atwood 1984, S. 41f).

Dieses intersubjektive Feld ist explizit kontextbestimmt und demnach auch kontextbestimmend, denn es besteht aus einem spezifischen Patienten, der auf einen spezifischen Analytiker zu einem spezifischen Zeitpunkt trifft.[7] Das bestimmende des intersubjektiven Feldes ist dieser Rahmen und nicht die dieser »Situation Psychoanalyse« zugrunde liegenden theoretischen Ausrichtung. Stolorow (1996) macht es sehr deutlich, wenn er sagt, dass die intersubjektive Perspektive, ausgehend von einem sich konstituierenden, in jeder analytischen Situation sich charakteristisch herausbildenden, intersubjektiven Feld, unabhängig von jeder spezifischen psychoanalytischen Grundannahme oder Schulenrichtung ist. Demnach ist sowohl die Kohutsche Selbstobjekt-Beziehungstheorie im Zusammenhang mit Größenselbst- und idealisierender Übertragung, wie auch jene Richtungen von Mahler, Pine und Bergman (1975) (Seperation-Individuation), Freuds Ödipuskomplex und der ihm zugrunde liegenden Triebtheorie, Melanie Kleins paranoid-schizoide und depressive Position etc. immer ein Verabsolutieren von spezifischen emotional-affektiven Momenten und der sich anschließenden Vorstellung, dass sie die Grundlage jeder Persönlichkeit und damit auch jeder Psychopathologie darstellen würden.

Dagegen versteht sich die intersubjektive Perspektive nicht als inhalts- sondern immer nur als kontextabhängig. Nichtsdestoweniger sieht sich die Theorie der Intersubjektivität auf einem höheren Abstraktionsniveau, sofern sie einen Rahmen zur Integration verschiedenster „Inhaltstheorien“ zur Verfügung stellt, mit der Prämisse, dass diese in einem kontextuellen Zusammenhang gesehen werden müssen (vgl. Kindler 1996, S. 2f) – so wie jedes „menschliche Erleben eingebettet ist in einem nicht reduzierbaren Wechselspiel mit anderen“ (Jaenicke 2002, S. 177). Somit ist sie als eine Metatheorie der Psychoanalyse zu verstehen (vgl. ebd.), die auf Grund ihrer feldtheoretisch-systemischen Orientierung einzelne Schulrichtungen der Psychoanalyse nicht ausklammert, „sondern im Gegenteil, sie sie innerhalb der Subjektivität des Analytikers als konstituierend für das Feld ständig mit einbezieht und mit reflektiert“ (ebd.).

Drei wesentliche Prinzipien werden demnach in der Theorie der Intersubjektivität sichtbar: Das erste Prinzip besagt, dass die persönliche Erlebniswelt sich immer in einem Wechselspiel mit Anderen befindet und sich dadurch konstituiert. Demnach ist nicht zwischen psychologischem Forscher und psychologisch Beforschten zu trennen (zweites Prinzip). Und schließlich – als drittes Prinzip - gibt es, bedingt durch diese bisher angeführten Grundprinzipien, keine persönliche Realität, die in Kategorien von Wahrhaftigkeit oder Validität bewertet und als höherwertig klassifiziert werden kann, da in jeder Bewertung subjektiv und historisch geformte Vorstellungen eingehen, die eine Wahr-Falsch-Dichotomie obsolet machen (vgl. ebd.).

In diesem Sinne sprechen Stolorow et al. von einer sich im Laufe der Analyse zwischen Analytiker und Analysand formulierbar werdenden intersubjektiven Wirklichkeit (Stolorow et al. 1987, S. 21). Jene Wirklichkeit wird nicht wieder entdeckt, zurückerobert, auch nicht konstruiert oder anderweitig hergestellt, sondern wird durch den Prozess der empathischen Resonanz für beide beteiligten formulierbar (vgl. ebd.). Dazu Stolorow et al.:

„Wir kamen […] zur Untersuchung derjenigen Behandlungssituation, die sich einstellt, wenn eine umfangreiche, aber unbemerkte Ungleichheit zwischen der relativ strukturierten Welt des Analytikers und dem eher archaisch strukturierten persönlichen Universum des Patienten vorliegt […] Wenn es dem Analytiker nicht gelingt, sich von der Struktur seiner eigenen Erfahrungen, an die er die Mitteilungen des Patienten angleicht, zu distanzieren, wird das endgültige Resultat sein, dass er den Patienten für eine innerlich schwierige, widerspenstige Person hält, dessen Eigenschaften ihn möglicherweise ungeeignet für eine psychoanalytische Behandlung erscheinen lassen“ (Stolorow et al. 1987, S. 15).

Der Fokus hat sich im Laufe der theoretischen und praktischen Entwicklung der Psychoanalyse also verlagert, und zwar vom Subjekt und seiner Triebmanifestation, der sog. „Einpersonenpsychologie“ (Cremerius 1983a, S. 1002) bzw. „one-body psychology“ (vgl. Mertens 1990, Bd. I., S. 95), hin auf das Interaktionsgeschehen, eine „Zweipersonenpsychologie“ (Cremerius 1983a, S. 990). Denn in der Annahme eines sich in der analytischen Situation entwickelnden intersubjektiven Feldes sprechen sich Stolorow et al. deutlich gegen jene These des isolierten Geistes (isolated mind) aus – eine Position die nicht nur die „Ein-Personen-Psychologie“, sondern auch die „Zwei-Personen-Psychologie“, d.h. die Interaktion zweier Personen als theoriegeschichtlich späteres Verständnisses analytischer Bezogenheit, hinterfragt. In ihrer Kritik greifen sie deshalb auch das in der Psychoanalyse vorherrschende Gebot der Neutralität, welches den Analytiker als neutralen Beobachter der analytischen Szene begreift, als einen Mythos an. Die Theorie intersubjektiver Perspektive versteht die analytische Situation als intersubjektives Feld, welches die „grundlegende Einheit der Untersuchung“ (Bruder 2003, S. 11) ins Zentrum ihrer Aufmerksamkeit rückt:

„[…] [W]e contend that the only reality relevant and accessible to psychoanalytic inquiry (that is, to empathy and introspection) is subjective reality – that of the patient, that of the analyst, and the psychological field created by the interplay between the two. The belief that one’s personal reality is objective is an instance of the psychological process of concretization, the symbolic transformation of configurations of subjective experience into events and entities that are believed to be objectively perceived and known […].Attributions of objective reality, in other words, are concretizations of subjective truth […] When the concept of distortion [Realitätsverzerrung] is imposed, a cordon sanitaire is established, which forecloses the investigation of the analyst’s contribution in depth. The invitation that the patient identify with the analyst’s concepts as a condition for a therapeutic alliance is an invitation to cure by compliance” (Stolorow & Atwood 1992, S. 93, Hervorhebungen im Original).

3.2 Entwicklungspsychologische Aspekte aus Sicht der intersubjektiven Perspektive.

Das intersubjektive Feld ist keines, was sich nur in einem analytischen Setting entwickelt, sondern es ist charakterisiert durch die entwicklungsbedingt erfahrene, unterschiedlich organisierte Intersubjektivität des Kindes mit seinen Eltern. Die in dieser Zeit erfahrenen Muster intersubjektiver Transaktionen bilden das „präreflexive Unbewusste“ („prereflective unconsciousness“) in Form von invarianten Prinzipien (vgl. Stolorow & Atwood 1992, S. 24). Jene in dieser Zeit sich entwickelnden organisierenden Prinzipien stellen die wesentlichen Säulen der Persönlichkeitsentwicklung des Menschen dar („essential building blocks of personality development“, ebd.). Neben dem präreflexiven Unbewussten existieren nach Stolorow et al. noch das dynamische und das unvalidierte Unbewusste. Ihrer Auffassung des dynamischen Unbewussten entspricht nicht die Freudsche Vorstellung verdrängter Triebmanifestationen, sondern die durch Abwehrmechanismen abgeteilten Affektzustände, die aus Ermangelung bestätigender Responsivität der primären Bezugspersonen nicht zu einer affektiven Passung („affect attunement“) gefunden haben. Das Schicksal dieser verdrängten Affektzustände wird schließlich im Widerstand sichtbar, welcher vor Retraumatisierungen schützen soll.

Das Konzept des unvalidierten Unbewussten ist dem des dynamisch unbewussten nahe, denn es entsteht aus nicht artikulierbaren Affektzuständen heraus, weil bestimmte intersubjektive Erfahrungen erst gar nicht gemacht werden konnten, da z.B. ein Elternteil nicht vorhanden war oder spezifische emotional-affektive Reaktionen nicht gemacht werden konnten und damit nie zu einer Artikulation fanden (vgl. Stolorow & Atwood 1992, S. 33; Milch 2001, S. 35; Bruder 2003, S. 13). Milch (2001) nennt eine Analogie, die die Inhalte der verschiedenen unbewussten Ebenen sehr plastisch werden lässt, indem er die Persönlichkeitsentwicklung mit einem Hausbau vergleicht:

„Das »präreflexive Unbewusste« entspricht dem Bauplan und der Statik der Konstruktion, das »dynamische Unbewusste« dem Haus und dem Leben in dem Haus, wobei das »unvalidierte Unbewusste« diejenigen Teile des Plans darstellen, die nicht verwirklicht wurden, die also in der konkreten Ausführung des Hauses fehlen“ (S. 35).

[...]


[1] In Jones 1955, S. 182.

[2] http://www.selfpsychology.com/deepthoughts/2002-1.htm#DeepLimerick. Stand: 16.02.2004

[3] Dazu gehören u.a. George E. Atwood, Bernhard Branchcraft, Donna M. Orange, Frank M. Lachmann & John M. Ross.

[4] Das erste Buch, welches ihre intersubjektive Perspektive für die Psychoanalyse vorstellte war „Faces in a Cloud: Subjectivity in Personality Theory“ von 1979.

[5] Ein „now-moment“ (ebd., S. 909f) beschreibt einen Moment affektiver Aufladung, während einer Periode gemeinsamen Teilens spezifischer Erlebnismomente zwischen primärer Bezugsperson und Säugling, aber auch zwischen Analytiker und Patient („moving along“-process (ebd.)). Wenn ein solcher Moment bemerkt, prompt und angemessen auf ihn reagiert wird – innerhalb des intersubjektiven Feldes -, d.h. wenn beide Beteiligten ihn durch eine authentische, spezifisch persönliche Re-Aktion ergreifen und ihn damit gemeinsam als bedeutungsvoll markieren, wird dieser „now-moment“ zu einem „moment of meeting“ (vgl., ebd.).

[6] „Moment of meeting“ beschreibt den Augenblick intersubjektiver Passung zu einem bestimmten Moment. Als Beispiel kann die Situation dienen, wenn das Verhalten der primären Bezugsperson genau dem emotionalen Zustand des Säuglings entspricht, so dass aus einer Situation gemeinsamen Spiels plötzlich ein gemeinsam erlebtes, gegenseitig passendes Gelächter („mutual laughter“) losbricht. Gleiches passsiert auch in der Analyse, wenn aus einem affektiv aufgeladenen Moment („now-moment“) ein „moment of meeting“ entsteht. Ein „moment of meeting“ hat die Fähigkeit, ein neues intersubjektives Erleben zu einem „impliziten Beziehungswissen“ („implicit relational knowing“ (ebd., S. 909)) werden zu lassen, was Stolorow et al. (1992) als „invariante Prinzipien von Beziehungserfahrungen“ bezeichnen (vgl., S. 26ff).

[7] Demnach bezeichnen Stolorow et al. (1987) ihre Theorie auch als Feld- oder Systemtheorie (vgl., S. 13).

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Details

Titel
Der intersubjektive Ansatz in der Psychoanalyse. Grundlagen sowie Konvergenzen und Divergenzen zur Selbstpsychologie Heinz Kohuts
Autor
Jahr
2004
Seiten
21
Katalognummer
V296013
ISBN (eBook)
9783656937029
ISBN (Buch)
9783656937050
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ansatz, psychoanalyse, grundlagen, konvergenzen, divergenzen, selbstpsychologie, heinz, kohuts
Arbeit zitieren
Dr. phil. Knuth Müller (Autor), 2004, Der intersubjektive Ansatz in der Psychoanalyse. Grundlagen sowie Konvergenzen und Divergenzen zur Selbstpsychologie Heinz Kohuts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/296013

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