[...] Gemein ist ihnen und ihrer Vorfahren das Ab-Stammen aus
einem anderen Land und zu großen Teilen unterschiedlich starken Ausgrenzungen, Diskriminierungen und
Rassismus von beträchtlichen Teilen der Mehrheitsgesellschaft ausgesetzt sind. (vgl. Veth/Weis)
Zudem wird zwischen zwei verschiedenen Arten von Migration aus dem Blickwinkel eines Nationalstaates
unterschieden, der Binnenwanderung – Wanderungen innerhalb eines Landes und der Außenwanderung,
Wanderung über die nationalen Grenzen hinweg.
Aufgrund der Breite des Themas Migration, was schon allein die Fülle der Literatur und Forschung beweist,
und der der Aktualität der Osterweiterung im Mai diesen Jahres, die nicht nur die politisch-europäische
Staatenlandschaft verändern lässt, sondern auch den Migrations-Diskurs in Berlin wieder auf die Agenda
bringt, wird sich diese Arbeit auf die Zuwanderung von Ausländerinnen und Ausländern einerseits bezüglich
Deutschlands und andererseits auf die Berliner Stadtentwicklung beschränken. Fragestellung ist demnach
inwieweit Zuwanderungsbewegungen in der Geschichte Deutschlands und Berlins zu finden sind und
welche Rolle sie in der heutigen Zeit spielen.
In Folge dessen wird in Kapitel I zunächst allgemein dargelegt, dass sich Zuwanderung und Stadt als Ort
der Ballung von Menschen gegenseitig bedingen. Die Betrachtungen reichen von den Anfangen der
Urbanisierung bis heute. In Kapitel II wird einerseits die Zuwanderung nach Deutschland in ihren Etappen
und andererseits die räumliche Verteilung von AusländerInnen in Deutschland heute betrachtet.
Anschießend (Kapitel III) wird der Focus auf die Berliner Zuwanderungsgeschichte gelegt und im
besonderen die Entwicklung seit 1990 und ihre räumliche Dimension ins Blickfeld genommen. Das Kapitel
IV behandelt die Stadtpolitik und Zuwanderung und stellt in diesem Zusammenhang die (prinzipiell
missliche) Position einer Stadt als notwendiger Zuwanderungsort dar. Ausblickend (Kapitel V) wird aktuell
einerseits die Berliner Zuwanderungs- und Stadtentwicklung bezüglich der Osterweiterung im Mai 2004
thematisiert und andererseits die kürzlich neu aufgerollte Debatte des Zuwanderungsgesetztes diskutiert.
Bedauerlicherweise werden in diesem Rahmen Themenfelder wie Integration, ethnische Ökonomie und
politische Aspekte von Zuwanderung nur gestreift werden können.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I Ohne Zuwanderung keine Stadt
1. Stadt – Ort der Zuwanderung seit jeher
1.1 Urbanisierung und Industrialisierung – Stadtwachstum durch Zuwanderung
1.2 Zuwanderung im Zeitalter der Modernisierung
2. Zuwanderung in der Stadt heute – „Notwendigkeit“ vs. „Überforderung“
II Deutschland: Land von Ein-, Durch- und Auswanderung
1. Etappen, Phasen oder Stufen – Zuwanderung der letzten 50 Jahre
2. Überblick - Räumliche Verteilung innerhalb Deutschlands
III. Berlin: Fremde – die „Baumeister“ Berlins
1. Geschichte der Zuwanderung Berlins
1.1 Von den Anfängen bis zum Zweiten Weltkrieg
1.2 Entwicklungen nach dem Zweiten Weltkrieg
2. Neue Migration ab den 1990 Jahren
2.1. Räumliche „Verteilung“ von AusländerInnen nach 1990
IV. Stadtpolitik und Zuwanderung: von einem Dilemma zum anderen
1. Städte ohne direkten Einfluss auf die Ausländergesetzgebung
2. Politik der Desegregation
3. Pendlerexistenzen
Ausblick
1. Osterweiterung Mai 2004
2. Debatte Zuwanderungsgesetz
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische und gegenwärtige Rolle der Zuwanderung für die Entwicklung von Städten, mit besonderem Fokus auf Deutschland und Berlin. Ziel ist es, die wechselseitige Bedingtheit von Stadt und Migration aufzuzeigen sowie die Herausforderungen der Stadtpolitik im Umgang mit Zuwanderungsprozessen unter Berücksichtigung rechtlicher und sozialräumlicher Rahmenbedingungen zu analysieren.
- Historische Entwicklung der Zuwanderung in deutschen Städten und Berlin.
- Räumliche Verteilungsmuster ausländischer Bevölkerungsgruppen in urbanen Räumen.
- Die Rolle der Stadtpolitik im Kontext von Segregation und Integration.
- Aktuelle Herausforderungen durch die EU-Osterweiterung und die politische Debatte um ein Zuwanderungsgesetz.
Auszug aus dem Buch
1. Stadt – Ort der Zuwanderung seit jeher
Die Zuwanderung für Städte ist besonders bedeutsam ab dem Zeitalter der Urbanisierung, an dem die nachfolgenden Betrachtungen ansetzen und betrifft nicht nur Städte Deutschlands – mit seinen sich immer wieder geänderten territorialen Grenzen, sondern gilt für europäische Städte per se.
1.1 Urbanisierung und Industrialisierung – Stadtwachstum durch Zuwanderung
Wie allgemein bekannt, bildeten sich die modernen Großstädte im Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft heraus, und waren die ‚Motoren’ der weiteren Entwicklung, da sie zugleich Arbeitskräfte und Absatzmärkte für die entstehende Industrie bereit stellten. Zwar hat die Industrialisierung die Land-Stadt-Wanderung nicht ursächlich hervorgerufen, da sie ohnehin aufgrund der ländlichen ‚Überbevölkerung’ stattfand, aber ohne sie wäre die Industrialisierung wiederum nicht denkbar gewesen. Somit entwickelte sich in der 2. Hälfte des 19.Jh. in einem tlw. ‚chaotischen’ Prozess eine neue Sozial- und Raumstruktur.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Begrifflichkeit und die Relevanz von Migration als stadtgeschichtliches und hochpolitisches Thema.
I Ohne Zuwanderung keine Stadt: Analyse der Bedeutung von Zuwanderung für die Entstehung und das Wachstum von Städten von der Industrialisierung bis zur Gegenwart.
II Deutschland: Land von Ein-, Durch- und Auswanderung: Überblick über die Migrationsphasen in Deutschland seit den 1950er Jahren und die räumliche Verteilung der Migranten.
III. Berlin: Fremde – die „Baumeister“ Berlins: Untersuchung der Berliner Zuwanderungsgeschichte von den Anfängen bis zu den spezifischen Entwicklungen nach 1990.
IV. Stadtpolitik und Zuwanderung: von einem Dilemma zum anderen: Darstellung der begrenzten Handlungsmöglichkeiten der Kommunen und der Notwendigkeit einer Politik der Desegregation.
Ausblick: Einschätzung der Auswirkungen der EU-Osterweiterung und Diskussion der Debatte um das deutsche Zuwanderungsgesetz.
Schlüsselwörter
Zuwanderung, Migration, Stadtentwicklung, Berlin, Urbanisierung, Industrialisierung, Segregation, Integration, Stadtpolitik, Ausländergesetzgebung, Pendlerexistenzen, EU-Osterweiterung, Zuwanderungsgesetz, Gastarbeiter, Bevölkerungsstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung von Zuwanderung für die Stadtentwicklung unter besonderer Berücksichtigung Deutschlands und der Stadt Berlin.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die historische Zuwanderungsgeschichte, die räumliche Segregation in Großstädten sowie die politisch-rechtlichen Rahmenbedingungen für Integration.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Zuwanderung und Stadt sich gegenseitig bedingen und welche Herausforderungen dies für die lokale Stadtpolitik schafft.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse stadtsoziologischer und planungstheoretischer Ansätze sowie auf aktuelle Daten zu Migrationsbewegungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Stadien der Zuwanderung in Deutschland, die historische sowie aktuelle Berliner Migrationsgeschichte und die stadtpolitischen Dilemmata analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Migration, Integration, Segregation, Stadtentwicklung und Zuwanderungsgesetz stehen im Mittelpunkt der Analyse.
Warum ist das Thema für Stadtplaner so relevant?
Planer müssen die räumlichen und institutionellen Rahmenbedingungen schaffen, um Zuwanderung in die Stadt zu integrieren und soziale Spannungen abzubauen.
Welche Rolle spielt die EU-Osterweiterung in der Arbeit?
Die Arbeit analysiert, inwiefern die Osterweiterung von 2004 neue Migrationsströme nach Berlin beeinflusst und wie dies arbeitsmarktpolitisch prognostiziert wird.
- Citar trabajo
- Heike Hoffmann (Autor), 2004, Migration und Stadt Zuwanderung nach Deutschland und Berlin in Geschichte und Gegenwart, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29605