Einleitung
1.1 Problemstellung
Nach dem neuen Basler Abkommen, das voraussichtlich Anfang 2005 in Kraft treten wird, soll die Bonität der Schuldner zukünftig die Grundlage für die Höhe der Eigenkapitalhinterlegung der Banken für Kredite bilden. Derzeit gelten noch die Regelungen vom ersten Basler Eigenkapitalakkord von 1988, nach dem die Banken Kredite an Unternehmen mit 8 % des Kreditvolumens durch Eigenkapital unterlegen müssen, ohne die Bonität des Schuldners dabei zu berücksichtigen.(1) Die Eigenkapitalvereinbarung von 1988 wird durch das zweite Basler Konsultationspapier abgelöst werden mit dem Ziel, eine den Risiken angepasstere Eigenkapitalhinterlegung zu schaffen, um die Sicherheit, Solidität und Effizienz des gesamten Finanzsystems zu erhöhen.(2) Dadurch entsteht eine neue Ausgangslage für die Risikobeurteilung der Kreditnehmer.
Der zunächst favorisierte Vorschlag vom Basler Ausschuss zur Bestimmung des Risikos von Krediten war die ausschließliche Verwendung externer Ratings.(3) Für die amerikanische Wirtschaft wäre dieser Vorschlag ohne größere Anpassungsprobleme relativ einfach und schnell zu realisieren, da dort ohnehin die meisten Unternehmen über ein externes Rating verfügen. Zudem spielt dort die Finanzierung über den Kapitalmarkt eine wesentlich größere Rolle.(4) Die deutschen Banken und Wirtschaftsinteressenverbände haben jedoch die Anerkennung von internen Ratingverfahren durch den Basler Ausschuss nach zähen Verhandlungen durchgesetzt. Durch die in Deutschland bestehende Ratinglücke wurden für die meisten deutschen Banken jahrelang erhebliche Wettbewerbsnachteile befürchtet, wenn die Feststellung der Kreditnehmerbonität ausschließlich durch externe Ratings erlaubt worden wäre.(5) Durch die Anerkennung der internen Ratingverfahren durch den Basler Ausschuss stellt dieser neben den Anforderungen an externes Rating entsprechend auch Anforderungen an internes Rating.
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1 Vgl. Schmittmann, 2001, S. 38
2 Vgl. Basler Ausschuss für Bankenaufsicht, 2001b, S. 2
3 Vgl. Kirstein, 2000, S. 3
4 Vgl. Hübner, 1999, S. 131 ff.
5 Vgl. Sanio, 2001, S. 2
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Problemstellung
- Gang der Untersuchung
- Erläuterung grundlegender Begriffe
- Das Rating
- Begriffsbestimmung des Rating
- Abgrenzung des externen vom internen Rating
- Methoden der Ratingerstellung
- Banken und das Bankensystem in Deutschland
- Definition der Bank
- Das Bankensystem
- Der Bankkredit
- Einordnung des Bankkredits in Fremdfinanzierungsformen
- Definition des Bankkredits
- Lösungsansätze für Probleme aus Informationsasymmetrien
- Unvollkommene Informationen als besondere Problematik in der Gläubiger-Schuldner-Beziehung
- Agency-Theorie im Rahmen des neoinstitutionalistischen Ansatzes
- Instrumentarien der Bankenaufsicht
- Ziele und Anforderungen an das Rating aus ökonomischer Perspektive
- Ziel und Anreizeffekte zur Durchführung eines Rating aus ökonomischer Perspektive verschiedener Interessengruppen
- Aus Sicht der Banken
- Aus Sicht der Kreditnehmer
- Aus Sicht der Ratingagenturen
- Aus Sicht der Bankenaufsicht
- Anforderungen an Ratings aus ökonomischer Perspektive der verschiedenen Interessengruppen
- Differenzierung der Anforderungen an externes und internes Rating
- Ziele und Anforderungen an das Rating aus aufsichtlicher Perspektive
- Ziele aus aufsichtlicher Perspektive
- Allgemeine Ziele der Bankenaufsicht
- Spezifische Ziele der Bankenaufsicht durch Ratings
- Die Anforderungen an Ratings durch das Basler Konsultationspapier
- Veränderungen der Anforderungen: Von Basel 1 zu Basel 2
- Anforderungen an externes Rating durch das Standardverfahren
- Anforderungen an die auf internen Ratings basierenden Ansätze
- Zusätzliche Anforderungen für den "fortgeschrittenen" IRB-Ansatz
- Grundsätze ordnungsgemäßen Ratings
- Abgleich von ökonomischen mit aufsichtlichen Anforderungen an Ratings
- Gemeinsame Ziele und Zielkonflikte zwischen Aufsicht, Banken, Kreditnehmer und Ratingagenturen
- Auswirkungen der spezifischen Zielsetzungen der Interessengruppen auf die Anforderungen an Ratings
- Praktikabilität und Grenzen des externen und internen Ratings im Vergleich
- Schlussbemerkung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Diplomarbeit befasst sich mit den Anforderungen an internes und externes Rating für Kredite deutscher Banken aus ökonomischer und aufsichtlicher Perspektive. Das Ziel der Arbeit ist es, die verschiedenen Anforderungen an das Rating aus der Perspektive der relevanten Akteure – Banken, Kreditnehmer, Ratingagenturen und Bankenaufsicht – zu analysieren und deren Auswirkungen auf die Praxis des Ratings zu bewerten.
- Definition und Abgrenzung von internem und externem Rating
- Analyse der ökonomischen Ziele und Anforderungen an das Rating
- Bewertung der aufsichtlichen Ziele und Anforderungen an das Rating
- Abgleich der ökonomischen und aufsichtlichen Anforderungen an Ratings
- Bewertung der Praktikabilität und Grenzen des externen und internen Ratings
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel dieser Arbeit führt in die Problemstellung ein und beschreibt den Gang der Untersuchung. Kapitel 2 erläutert grundlegende Begriffe wie Rating, Bank, Bankensystem und Bankkredit sowie die Problematik unvollkommener Informationen in der Gläubiger-Schuldner-Beziehung. In Kapitel 3 werden die Ziele und Anforderungen an das Rating aus ökonomischer Perspektive der verschiedenen Interessengruppen (Banken, Kreditnehmer, Ratingagenturen und Bankenaufsicht) dargestellt. Kapitel 4 widmet sich den Zielen und Anforderungen an das Rating aus aufsichtlicher Perspektive, insbesondere im Kontext des Basler Konsultationspapiers und der verschiedenen Ratingansätze. Das fünfte Kapitel analysiert die gemeinsamen Ziele und Zielkonflikte zwischen den verschiedenen Interessengruppen sowie die Auswirkungen ihrer spezifischen Zielsetzungen auf die Anforderungen an Ratings. Kapitel 5 untersucht auch die Praktikabilität und Grenzen des externen und internen Ratings im Vergleich.
Schlüsselwörter
Internes Rating, externes Rating, Bankenaufsicht, Basler Konsultationspapier, IRB-Ansatz, ökonomische Perspektive, aufsichtliche Perspektive, Informationsasymmetrien, Kreditrisiko, Ratingagenturen, Kreditnehmer, Banken.
Häufig gestellte Fragen
Was änderte sich durch Basel II für die Kreditvergabe?
Die Eigenkapitalhinterlegung der Banken richtet sich nun nach der individuellen Bonität des Schuldners (Rating) und nicht mehr pauschal nach dem Kreditvolumen.
Was ist der Unterschied zwischen internem und externem Rating?
Externes Rating wird von unabhängigen Agenturen erstellt, während internes Rating durch die Bank selbst zur Risikobeurteilung des Kreditnehmers durchgeführt wird.
Warum ist die Anerkennung interner Ratings für deutsche Banken wichtig?
Da viele deutsche Unternehmen über kein teures externes Rating verfügen (Ratinglücke), hätten Banken ohne interne Verfahren Wettbewerbsnachteile bei der Kreditvergabe.
Was ist der IRB-Ansatz?
Der auf internen Ratings basierende Ansatz (Internal Ratings-Based Approach) erlaubt es Banken, eigene Risikoparameter zur Berechnung des regulatorischen Eigenkapitals zu nutzen.
Welche Ziele verfolgt die Bankenaufsicht mit Ratings?
Das Hauptziel ist die Erhöhung der Sicherheit, Solidität und Effizienz des Finanzsystems durch eine risikogerechtere Kapitalausstattung der Banken.
Wie lösen Ratings Probleme der Informationsasymmetrie?
Ratings dienen als Instrument, um die unvollständigen Informationen zwischen Gläubiger (Bank) und Schuldner (Unternehmen) auszugleichen und das Ausfallrisiko besser einzuschätzen.
- Quote paper
- Mark Oliver Pohl (Author), 2002, Anforderungen an internes und externes Rating für Kredite deutscher Banken aus ökonomischer und aufsichtlicher Perspektive, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2962