Die Exekution Maria Stuarts. Gründe für ihre Hinrichtung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Bedrohung Elisabeths I. und des elisabethanischen Englands durch Maria Stuarts Anspruch auf die englische Thronfolge
2.1. Die englische Thronfolgeregelung durch Heinrich VIII.
2.2. Der Anspruch Maria Stuarts auf den englischen Thron

3. Die Bedrohung des protestantischen Englands durch die Katholikin Maria Stuart
3.1. Die protestantische Entwicklung Englands
3.2. Die religiöse Auffassung Elisabeths I. und ihres Parlaments
3.3. Die religiöse Haltung Maria Stuarts

4. Die politische Gefahr für England durch Verschwörungen unter Beteiligung von Maria Stuart

5. Die Reaktion Elisabeths I. auf die Hinrichtung Maria Stuarts

6. Der Grund für die Exekution Maria Stuarts und Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Exekution von Maria Stuart 1587

1. Einleitung

Der Beginn der frühen Neuzeit bezeichnet einen Wendepunkt im politischen, religiösen und wirtschaftlichen Gefüge der europäischen Staaten. Die Reformation beendete den Absolutheitsanspruch der Katholischen Kirche, und trug auch viel zum Ende des Absolutismus auf der politischen Ebene bei. Der Papst verlor nach und nach viel von seinem politischen Einfluss. Die Entdeckung und Eroberung der beiden Amerikas veränderte das Weltbild der Europäer und brachte neue Wirtschafts- und Handelsbedingungen für die aufstrebenden Kolonialmächte. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, in dass die elisabethanische Zeit Englands fällt, befand sich England in den Startlöchern seiner späteren Weltmachtstellung. In diese Zeit und Situation fällt die Hinrichtung Maria Stuarts.

Durch die Erfindung des Buchdrucks entstand die Möglichkeit, Informationen und Meinungen zu veröffentlichen, die sich nicht von Erzähler zu Erzähler veränderten, wie das bei mündlicher Überlieferung oft der Fall ist. Es erschienen die ersten Zeitungen, aber vor allem Flugblätter und Flugschriften. Diese Schriften hatten sehr oft religiöse Inhalte, aber auch weltliche Ereignisse wurden berichtet und kommentiert. Sie bilden für uns wertvolle zeitnahe Quellen zu historischen Ereignissen und zur Weltsicht der damaligen Zeit.

Die Flugschrift „Execution oder Todt Marien Stuarts“ ist eine dieser zeitnahen Quellen. Sie befasst sich, wie der Titel sagt, mit der Hinrichtung Maria Stuarts im Jahre 1587, mit den Ereignissen, die zu ihrer Exekution führten sowie mit der Reaktion der englischen Königin Elisabeth I. und der Haltung der Londoner Bürger nach Marias Tod.

Es handelt sich hier um eine Sensationsnachricht. Die Verurteilung einer Königin „aus Gottes Gnaden“ durch die weltliche Gerichtsbarkeit, und besonders ihre Hinrichtung, stellte ein erhebliches Tabu dar. Die Begründung des Todesurteils, das Zögern der englischen Königin Elisabeth I., der Ablauf der Exekution, die Anwesenden, besonders das Verhalten Maria Stuarts, sogar ihre Kleidung und die Entkleidung auf dem Schafott werden ausführlich für den Leser beschrieben.

Der Verfasser der Flugschrift ist anonym, denkbare Gründe dafür wären der Schutz von Informanten oder Informationswegen, die man durch Nennung eines Namens möglicherweise zurück verfolgen oder mit dem Verfasser in Verbindung bringen könnte. Eine weitere Möglichkeit wäre, dass der Autor selber wegen dieser Veröffentlichung Schwierigkeiten zu befürchten hatte. Denn der Text wurde zwar anonym veröffentlicht, der Verfasser ist aber anscheinend gut unterrichtet. Er hatte eventuell Zugang zu diplomatischen Kreisen oder Handelsbeziehungen nach England. Da es sich um einen deutschen Text handelt, scheint es eher unwahrscheinlich, dass der Autor als Ausländer selber als Beobachter bei der Exekution anwesend war.

Der Autor datiert seinen Bericht auf den 17. März 1587, als Ort der Niederschrift ist England anzunehmen, da auch berichtet wird, bis zu diesem Zeitpunkt „ist es hier in England gar still gewest“1 Es schließt sich die Hoffnung an, dass es auch so bleiben werde.

Als Ort der Drucklegung ist Erfurt angegeben. An der dortigen Universität hatte der junge Martin Luther am Anfang des 16. Jahrhunderts studiert.2 Erfurt als Universitätsstandpunkt hatte den Vorteil, dass dort überdurchnittlich viele Einwohner lesen konnten und sicher auch am Weltgeschehen interessiert waren und es sich auch leisten konnten, eine Flugschrift zu erwerben. Es ist anzunehmen, dass die Flugschrift von dort aus verbreitet wurde und in andere deutschsprachige Gebiete gelangte.

Die Schrift umfasst 15 Seiten auf 8 Blättern, die von 1 bis 8 jeweils recto und verso nummeriert sind. Sie ist in mittelneudeutscher Sprache geschrieben, einige lateinische Begriffe sind in einem anderen Schriftformat eingefügt, zum Beispiel etwa das Wort „Execution“ oder die lateinischen Zitate aus den überlieferten Gebeten Maria Stuarts kurz vor ihrer Hinrichtung.3

Die Flugschrift unterteilt sich in Titelblatt mit Illustration, Beschreibung der Umstände von Maria Stuarts Gefangenschaft und Verurteilung, Schilderung der Exekution und den Reaktionen von Königin und Volk auf die vollzogene Hinrichtung.

Auf der ersten Seite befindet sich der volle Titel mit Untertitel „ Execution oder Todt Marien Stuarts Königinnen aus Schottlandt gewesenen Königinnen zu Franckreich / welche Adi 18.

Februarij 1587. Stilo Novo, in Engelandt enthauptet worden ist / im Schloß Fodrigham / in Nortthamtoschir“ Das Datum ist wie alle anderen Datumsangaben der Flugschrift (mit Ausnahme des Datums der Niederschrift) mit dem Hinweis Stilo Novo versehen, welcher sich auf die erst 1582 erfolgte Kalenderreform Papst Gregor VIII. bezieht. Diese Reform war zu dieser Zeit nur von den katholischen Ländern angenommen worden, die protestantische Welt hielt sich immer noch an den Julianischen Kalender, wie auch heute noch viele orthodoxe Kirchen Weihnachten und Ostern nach der alten Zeitrechnung feiern. Der Verfasser dieser Schrift musste angeben, nach welchem Kalender er sich richtete, um ein allgemein gültiges Datum zu erhalten.

Unterhalb des Titels befindet sich ein Holzschnitt, der die Hinrichtung einer unbekleideten Frau zeigt. Bei diesem Bild handelt es sich nicht um die Darstellung des Todes Maria Stuarts, die durch Enthauptung starb, sondern um eine Exekution durch Aufschlitzen, was durch den dadurch hervorgerufenen längeren Todeskampf noch entsetzlicher anmutet als eine Hinrichtung auf dem Schafott. Die Hinrichtung durch Enthaupten galt in England auch als besondere Gnade, die zumeist Adligen gewährt wurde. Gewöhnliche Verbrecher wurden durch Erhängen gerichtet.4 Es ist anzunehmen, dass diese grausame Illustration auf der Titelseite verwendet wurde, um das Interesse am Kauf dieser Flugschrift anzuregen.

Die zweite Seite besteht aus einem Nachruf auf Maria Stuart in lateinischer Sprache, die 3. Seite wiederholt die gesamte Überschrift, darunter beginnt eine sich über die nächsten viereinhalben Seiten erstreckende Zusammenfassung der Umstände, die aus der Sicht des Verfassers zum Todesurteil über die schottische Königin im Exil und seiner Vollstreckung geführt haben. Aufgeführt werden die Gründe, die zu ihrem Aufenthalt in England und zu ihrer Gefangenschaft geführt haben und ihr Verhalten, welches letztlich zu ihrer Verurteilung und Hinrichtung geführt hat.

Die dann folgenden Seiten der Quelle befassen sich mit dem Ereignis der Hinrichtung und beschreiben ihren Ablauf. Die Flugschrift berichtet über mehrere Seiten über die letzten Stunden Marias, ihre religiöse Haltung und überliefert ihre letzten Worte an ihren Sohn James, der nach ihrer Abdankung König von Schottland geworden war. Auch die Wirkung der Exekution Maria Stuarts auf die Öffentlichkeit in London und die Haltung Elisabeth I. wird beschrieben, die sich einer Hinrichtung Maria Stuarts lange wiedersetzt hatte und über die schnelle Vollstreckung des von ihr unterschriebenen Urteils entsetzt war.

Die vorliegende Quelle beschreibt Maria Stuart unter drei Aspekten:

1. Der Verwandtschaft mit der englischen Königin.
2. Der gläubigen Katholikin, die bereit ist für ihren Glauben zu sterben.
3. Der Intrigantin gegen Elisabeth I., die auch schon ihren Gatten ermordet haben soll.

Jeder dieser Aspekte stellte eine erhebliche Gefahr für die Regierung Elisabeth I. dar und könnte einen Grund für ihre Hinrichtung bieten. Daraus erhebt sich die Frage, ob diese Quelle uns eine Antwort darauf geben kann, welcher Aspekt ausschlaggebend für ihre Exekution war. Dazu ist es nötig, die Bedrohung für Elisabeth I. und das elisabethanische England an Hand dieser und anderer Quellen zu untersuchen.

2. Die Bedrohung für Elisabeth I. und das elisabethanische England durch Maria Stuart Verwandtschaft Maria Stuarts mit Elisabeth I. und Anspruch auf die englische Thronfolge

2.1. Die englische Thronfolgeregelung durch Heinrich VIII.

Der Anspruch Elisabeths auf die Thronfolge nach dem Tod ihres jüngeren Halbbruders Edward VI. und ihrer ältesten Halbschwester Maria Tudors war keineswegs restlos geklärt. Für den Papst und die katholische Kirche, sowie die katholischen Fürsten- und Königshäusern in England und den katholischen Staaten Europas war Elisabeth nur der Bastard aus einer illegalen Verbindung Heinrich VIII.5 Das hatte zwei Gründe: Erstens war Katharina von Aragon zum Zeitpunkt von Elisabeths Geburt noch am Leben, sie war zu diesem Zeitpunkt also nach katholischem Recht nach wie vor die einzige rechtmäßig angetraute Ehefrau Heinrichs. Und zweitens ließ Heinrich VIII. Elisabeths Mutter Anna Boleyn wenige Jahre nach der Geburt ihrer Tochter hinrichten und die Ehe für ungültig erklären. Heinrich selber schloss im Jahre 1537 nach der Geburt eines Sohnes durch seine 3. Ehefrau Jane Seymour seine beiden Töchter von der Erbfolge aus.6 Heinrich VII. legte dann allerdings einige Jahre vor seinem Tod gemeinsam mit dem Parlament erneut die Erbfolge fest und setzte seine beiden Töchter nach seinem Sohn an die zweite und dritte Stelle der Thronfolge.7 Trotzdem blieben Zweifel an der Legitimität Elisabeths.8

Als nach dem frühen Tod Eduard VI. auch seine Halbschwester Maria sechs Jahre später starb, musste die Erbfolge jetzt nach der Überzeugung der katholischen Welt an die Nachkommen von Heinrichs älterer Schwester Margaret Tudor gehen.

Margaret Tudor war wie Heinrich VIII das Kind Heinrich VII. und Elisabeth von York. Sie hatte den schottischen König Jakob IV. geheiratet und war die Mutter Jakob V., Maria Stuarts Vater. Maria Stuart hatte also über ihren Urgroßvater Heinrich VII einen Anspruch auf die englische Thronfolge.9 Falls Heinrich VIII keine legitimen Nachkommen hinterlassen hätte, würden die Nachkommen seiner älteren Schwester Margaret dem König auf den Thron folgen. Das einzige überlebende eheliche Kind von James V., Margarets Sohn, war Maria Stuart, die nach dem Tod ihres Vaters Königin von Schottland wurde.

Aus einer zweiten Ehe Margaret Tudors entstammte ihre Tochter Margaret Douglas, deren Sohn Henry Stuart 1565 der zweite Ehemann Maria Stuarts wurde.10 Durch diese Ehe zwischen Cousin und Cousine konnte ihr gemeinsamer Sohn Jakob VI./I. über beide Eltern einen Anspruch auf den englischen Thron herleiten.11

2.2. Der Anspruch Maria Stuarts auf den englischen Thron

Maria Stuart hatte einen Nachfolgeanspruch auf den englischen Thron. Elisabeth I. erkannte diesen Anspruch auch durchaus an, die Frage war nur, unter welchen Bedingungen sie ihn anerkennen würde.12 Heinrich VIII. hatte seiner Tochter durch sein chaotisches Heirats- und Scheidungsverhalten rechtliche Probleme hinterlassen, die ihr einige Schwierigkeiten machten. Denn dass sich nicht alle einflussreichen Adligen Englands an seine Wünsche und die Parlamentsbeschlüsse hielten, zeigten die Ereignisse nach dem Tod seines Sohns, König Edward VI.

[...]


1 Execution Oder Todt Marien Stuart, Blatt 8 recto.

2 Vgl. Diwald, Luther, S. 12.

3 Vgl. Execution Oder Todt Marien Stuart, Blatt 7 verso. 2

4 Vgl. Wirth, Das Buch vom Hinrichten, S. 139.

5 Vgl. Klein, Elisabeth I und ihre Zeit, S. 12.

6 Vgl. Eßer, Die Tudors und die Stuarts, S. 58.

7 Vgl. ebd., S. 59.

8 Vgl. Klein, Elisabeth I und ihre Zeit, S. 13.

9 Vgl. Fröhlich, Geschichte Großbritanniens von 1500 bis heute, S. 21.

10 Vgl. Maccaffrey, S.87.

11 Vgl. Klein, Elisabeth I und ihre Zeit, S. 84.

12 Vgl. Maccaffrey, Elisabeth I., S.87.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Exekution Maria Stuarts. Gründe für ihre Hinrichtung
Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta  (Institut für Geistes- und Kulturwissenschaften - Abteilung für Kulturgeschichte und vergleichende Landesforschung)
Veranstaltung
GS-1.1 Europäische Medienereignisse in der Frühen Neuzeit
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
18
Katalognummer
V296212
ISBN (eBook)
9783656946991
ISBN (Buch)
9783656947004
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
exekution, maria, stuarts, gründe, hinrichtung
Arbeit zitieren
Laura Endrizzi (Autor), 2011, Die Exekution Maria Stuarts. Gründe für ihre Hinrichtung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/296212

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