Moderne Glücksforschung. Physiologische, sozialwissenschaftliche und psychologische Ansätze


Seminararbeit, 2014

17 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Glücksforschung im Allgemeinen
2.1 Definition und Basis
2.2 Methoden

3 Arten der Glücksforschung
3.1 Physiologische Glücksforschung
3.1.1 Tierexperimentelle Untersuchungen
3.1.2 Neuronale Grundlagen
3.1.3 Befunde bildgebender Verfahren
3.2 Sozialwissenschaftliche Glücksforschung
3.3 Psychologische Glücksforschung

4 Zusammenfassung der Ergebnisse der Glücksforschung

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

„Es ist schwer, das Glück in uns zu finden, und es ist ganz unmöglich, es anderswo zu finden“, sagt Nicolas Chamfort1. Dieser Satz bestätigt genau das, was jüngst eine Um- frage ergeben hat. Die Zeitschrift „Reader's Digest“ startete eine Online-Umfrage in zehn Ländern weltweit, bei der mehrere tausend Menschen teilgenommen haben. Gefragt wurde, welcher der vier Bereiche Familie, Arbeit, Gemeinschaft bzw. Glaube den größten Einfluss darauf hat, wie glücklich sich der Befragte fühlt. Dabei wurde offengelegt, dass nur Werte wie Familie für langfristige Zufriedenheit sorgen. Eine Luxusreise beispielsweise macht dagegen nur kurzzeitig glücklich2. Ed Diener, Psycho- logieprofessor an der Universität von Illinois, USA, erklärt dazu: „,Wirklich glückliche Menschen pflegen enge Beziehungen - sie haben Leute um sich, auf die sie sich unein- geschränkt verlassen können. Forschungsergebnisse zeigen, dass die glücklichsten Menschen mehr an andere denken als an sich selbst‘“3.

Doch wie werde ich persönlich dauerhaft glücklich und zufrieden? Kann man Glück überhaupt messen? In der heutigen Zeit stellen sich immer mehr Menschen diese Fra- gen. Um darauf eine Antwort geben zu können, gibt es die Glücksforschung, mit der sich diese Arbeit beschäftigt. Zuerst werden wir uns damit auseinandersetzen, was die Glücksforschung ist und auf welcher Basis sie arbeitet. Dann lernen wir die Methoden und die Arten der Glücksforschung kennen, darunter die Physiologie und Psychologie. Zum Schluss erfahren wir einige der bisherigen Erkenntnisse der Glücksforscher.

2 Glücksforschung im Allgemeinen

2.1 Definition und Basis

In der Glücksforschung wird sich hauptsächlich mit Glück im Sinne des Glücksgefühl bzw. der Lebenszufriedenheit der Menschen beschäftigt. Das Ziel der Glücksforschung ist es, in Erfahrung zu bringen, „was die Zufriedenheit der Menschen im Leben fördert oder hemmt“4. Sie gibt aber auch Handlungsempfehlungen für einzelne Menschen. Außerdem ist die Glücksforschung auf verschiedenen Gebieten vertreten, so beispiels- weise der Biologie, Psychologie und Soziologie5, worauf im Verlauf dieser Arbeit noch näher eingegangen wird.

Zunächst sollte - als Basis der Glücksforschung - Klarheit über das Verständnis des Begriffs „Glück“ herrschen. Überlegungen zur Frage nach dem Glück gibt es bereits seit einigen hundert Jahren, allerdings sind diese sehr unterschiedlich und teilweise sogar widersprüchlich. Daraus lässt sich schließen, dass es keine allgemeingültige Defi- nition des Begriffs „Glück“ geben kann, da jeder Mensch etwas anderes darunter auffasst. Jedoch lässt sich allgemein sagen, dass unter Glück immer etwas Positives verstanden wird und die Lebensqualität dabei oft sehr wichtig ist6. Das Erlangen von Glück gehört wie auch Zufriedenheit zu den höchsten Zielen der Menschen, was zum Beispiel das „Pursuit of Happiness“ als unveränderbares Recht in der amerikanischen Verfassung beweist7.

Trotz der beschriebenen Problematik bezüglich des Glücksbegriffs lässt sich Glück kategorisieren. Man kann einerseits Glück haben, zum Beispiel dann, wenn man bei einem Glücksspiel einen Gewinn erzielt, andererseits über einen bestimmten Zeitraum (kurz- bzw. langfristig) Glück empfinden. Ereignisse von nur einer kurzen Zeitdauer gelten lediglich als Glücksmomente und hängen oft mit Genuss zusammen, beispiels- weise eine Party8. Ist das Glücksgefühl länger anhaltend, spricht man von „subjektivem Wohlbefinden“9, eine dauerhafte Zufriedenheit beim Menschen, die in der Glücksfor- schung näher untersucht wird. Das erwähnte zufällige Glück spielt dabei keine Rolle10.

2.2 Methoden

Grundsätzlich gibt es in der Glücksforschung zwei Vorgehensweisen, um Daten zu erhalten und zu analysieren. Einer der beiden Methoden ist die Beobachtung, die sich aber deswegen eher nicht eignet, weil Menschen sich in ähnlichen Situationen unter- schiedlich verhalten. Daher wird meist die Befragung angewendet, in der der Befragte sein Wohlbefinden schildert. Entsprechende Schlüsse können nach der Analyse gezogen werden. Allerdings unterliegen den Umfragedaten einige Verzerrungen, da diese auf ei- nem individuellen Urteil basieren11. Deshalb ist „bei den Befragungen sicher zu stellen, dass die jeweiligen Personen stets fähig und willens sind, aussagekräftige Angaben zu ihrem Wohlbefinden zu machen“12.

Die Befragung lässt sich in zwei Typen untergliedern: „single-item, hier wird nur eine Frage gestellt, und multi-item, wobei die Befragten mehrere Fragen beantworten müssen“13. Auch bei den Antwortmöglichkeiten gibt es Unterschiede. Diese können sich „entweder auf einer kardinalen Skala, zum Beispiel Werte zwischen 0 und 10, oder einer ordinalen Skala, wie etwa mit Antworten von ,trifft überhaupt nicht zu‘ bis ,trifft vollkommen zu‘“14 bewegen.

Die Art der Befragung kann man noch in eine andere Richtung untergliedern. Professor Daniel Kahneman unterscheidet zum einen in „experienced utility, wobei Personen in Echtzeit befragt werden und der Nutzen über eine Periode als Summe aller momentanen Nutzen aufgestellt wird“15. Für eine möglichst gute Kontrolle von äußeren Einflüssen finden die Befragungen meist im Labor statt. Die Befragten sollen beispielsweise bei einem Film, der ihnen gezeigt wird, ihre jeweilige Gemütslage vortragen. Zum anderen gibt es noch „remembered utility“16, wo die Personen eine rückblickende Zusammenfas- sung von Gefühlen und schließlich ein Urteil darüber abgeben sollen. Auch hier kann es zu Verfälschungen kommen, da „Hoch und Tief des Befragungszeitraums sowie Ereignisse am Ende der Periode eine zu hohe Wirkung auf das berichtete Gesamtgefühl der Personen haben“17.

3 Arten der Glücksforschung

3.1 Physiologische Glücksforschung

Die Glücksforschung ist in der Physiologie vertreten, vor allem im Bereich der Hirnfor- schung. Die Hirnforschung befasst sich damit, wie bzw. mit welchen Mechanismen das Gehirn funktioniert. Beispielsweise geht es dabei um die Verarbeitung von sensorischen Reizen, aber auch darum, „ob es eine befriedigende neurophysiologische Erklärung geben kann, dass sensorische Ereignisse beim Menschen stets auch vom subjektiven Gefühl der Wahrnehmung begleitet sind“18. Das betrifft vor allem Reize, die bestimmte positive bzw. negative Gefühle oder Emotionen auslösen. Interessant ist daher nicht nur, wie es zum Erkennen der Reize und dem anschließenden Hervorrufen der Emotion mit entsprechenden körperlichen Veränderungen kommt, sondern auch, ob es möglich ist, eine hirnphysiologische Erklärung für das Bewusstsein dieser Emotionen zu finden. Deshalb stellt sich die Frage, ob das bewusste Empfinden von Glück einen Bezug zu den Vorgängen im Gehirn hat19.

Grundsätzlich kann man aber davon ausgehen, „dass das bewusste Gefühl des Glücks eine physiologische Grundlage hat“20. Dies beruht auf der unwiderlegbaren Tatsache, dass zum Beispiel nach der Einnahme von bestimmten Drogen eine starke Bewusstseinsveränderung erfolgt, die einen sehr beglückenden Zustand bewirken. Genau dieser Zustand lässt sich physiologisch eindeutig beschreiben21.

3.1.1 Tierexperimentelle Untersuchungen

Glücksgefühle und Freude gehören zu den wichtigsten Faktoren des menschlichen Ver- haltens, da der Mensch ständig nach der Empfindung von Freude strebt. Tiere verhalten sich ähnlich, hier gibt es die „prokreativen Verhaltensweisen (Nahrungsaufnahme, Se- xualverhalten, Brutpflege und Sozialverhalten)“22, die mit positiven Gefühlen einherge- hen.

Bei den Experimenten werden Freude und Glück als Begleiter derjenigen Verhaltensweisen angesehen, „die zum Erhalt des Lebens dienen. Die Voraussetzungen für die experimentelle Erfassung der Emotionen sind am besten durch Belohnungsreize […] gegeben, die Annäherungsverhalten auslösen“23.

In den Tierversuchen werden Freude und Glück demnach durch Annäherungs- bzw. Ab- wendungsverhalten messbar gemacht. Als Grundlage dieser Untersuchungen dient - sowohl beim Menschen als auch bei den Tieren - das freiwillige und aktive Tun von Dingen, die Freude bereiten24. Daher beruhen diese „auf den Konzepten des freiwilligen aktiven Aufsuchens eines Ortes, der freiwilligen Durchführung eines Verhaltens (z.B. Hebeldrücken in einer Skinner-Box) oder der aktiven Auslösung eines Zustandes (z.B. bei der Selbstreizung des Gehirns […])“25. Man setzt dabei voraus, dass beispielsweise das Versuchstier Freude über das Futter empfindet, das es sich nach Hebeldruck aus einer Skinner-Box verschafft hat. Daher verwendet man zunächst grundlegende Existenzbedürfnisse als Belohnungsreize26.

In den 1950er Jahren gab es sehr bedeutende tierexperimentelle Ergebnisse zu den neuronalen Grundlagen von positiven Gefühlen. James Olds führte Hirnreizungsexperi- mente an Ratten durch, bei denen eigentlich die Kartierung des Gehirns bezüglich der Leistungsfähigkeit Ziel war, indem man bestimmte Kerngebiete elektrisch stimuliert.

[...]


1 zitate.net/glück.html

2 www.focus.de/gesundheit/ratgeber/psychologie/gesundepsyche/familie-arbeit-glaube-was-uns- wirklich-gluecklich-macht_id_3902515.html

3 a.a.O.

4 Konz S. 8

5 a.a.O.

6 Konz S. 1

7 Konz S. 1f.

8 Konz S. 2

9 a.a.O.

10 Konz S. 2

11 Konz S. 8

12 a.a.O.

13 a.a.O.

14 Konz S. 8f.

15 Konz S. 9

16 a.a.O.

17 Konz S. 9

18 Koch S. 79

19 a.a.O.

20 Koch S. 80

21 a.a.O.

22 Koch S. 81

23 Koch S. 81

24 a.a.O.

25 a.a.O.

26 Koch S. 82

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Moderne Glücksforschung. Physiologische, sozialwissenschaftliche und psychologische Ansätze
Veranstaltung
W-Seminar 'Sinn des Lebens' (ev. Religionslehre)
Note
2,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
17
Katalognummer
V296246
ISBN (eBook)
9783668372887
ISBN (Buch)
9783668372894
Dateigröße
568 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Glücksforschung, Sinn des Lebens
Arbeit zitieren
David Bialluch (Autor:in), 2014, Moderne Glücksforschung. Physiologische, sozialwissenschaftliche und psychologische Ansätze, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/296246

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