Die Wirksamkeit von Ausdauersport auf die psychische Gesundheit


Facharbeit (Schule), 2015

44 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

1 Einleitung
1.1 Persönlicher Zugang zum Thema
1.2 Abgrenzung und Eingrenzung des Themas
1.3 Methodische Überlegungen
1.4 Forschungsfrage

2 Gesundheitspsychologie
2.1 Das biopsychosoziale Gesundheitsmodell
2.2 Gesundheitsförderung
2.3 Psychische Gesundheit

3 Laufen und Joggen
3.1 Laufen und Joggen: Begriffsbestimmung und Abgrenzung
3.2 Die Geschichte des Laufens

4 Psychische Störung
4.1 Depressive Störungen
4.2 Angststörungen
4.3 Stresskrankheiten
4.4 Suchterkrankungen
4.5 Essstörungen

5 Laufen und Joggen als gesundheitsfördernde Maßnahme
5.1 Auswirkungen auf die körperlichen Funktionen
5.1.1 Herz-Kreislauf-System
5.1.2 Lunge (Asthma)
5.1.3 Körpergewicht
5.1.4 Krebserkrankungen
5.1.5 Andere physiologische Auswirkungen
5.2 Wie Laufen und Joggen die Psyche beeinflussen
5.2.1 Biochemisch-physiologische Erklärungen
5.2.2 Psychologische Erklärungen
5.3 Laufen und Joggen in der Psychotherapie
5.3.1 Psychische Ausgeglichenheit
5.3.2 Stressabbau
5.3.3 Schlafstörungen
5.3.4 Depressionen
5.3.5 Angststörungen
5.3.6 Suchterkrankungen
5.3.7 Essstörungen
5.3.8 Kreativität und Intelligenz
5.3.9 Selbstwirksamkeit und Selbstbewusstsein

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

8 Anhang

Abstract

Nach dem biopsychosozialen Gesundheitsmodell stehen körperliche und psychische Prozesse in vielfältigen Wechselwirkungen. So ist in den letzten Jahren von Forschern vermehrt untersucht und bestätigt worden, dass und warum körperliche Aktivität eine der effektivsten Methoden ist, etwas für unsere Gesundheit zu tun. Vor allem ausdauernde Sportarten wie Laufen und Joggen haben positive Auswirkungen auf unsere Körperfunktionen, bieten zum Beispiel einen effektiven Schutz gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, beugen einigen Krebsarten vor, helfen bei Diabetes, regulieren unser Körpergewicht, stärken unser Immunsystem und sind so indirekt daran beteiligt, dass wir uns auch psychisch wohlfühlen. Zudem führt regelmäßiges aerobes Laufen zu erheblichen erwiesenen positiven Veränderungen im psychischen Befinden und wird durch seine stimmungsaufhellende, persönlichkeitsstärkende und kreativitätssteigernde Wirkung auch in der Psychotherapie erfolgreich als zusätzliche Maßnahme eingesetzt.

1 Einleitung

„Als die Menschen noch nicht zwischen Wissenschaft und Mythos unterschieden, als Erkenntnis und Wunderglaube noch eins waren, konnten sie noch träumen. Unter anderem suchten die Alchemisten des Mittelalters nach einem universalen Heilmittel, nach einer Arznei, mit der sich jede Krankheit besiegen und das Leben verlängern ließe. Vergebens. Das ersehnte „Panazee“, das All-Heilmittel, blieb eine Sehnsucht. Denn die Welt scheint zu komplex für eine derart simple Lösung, die Körper der Menschen sind zu unterschiedlich, die Krankheiten zu vielfältig. Und doch: Seit wenigen Jahren beginnen Wissenschaftler zu verstehen, dass es etwas gibt, was dem alchemistischen Wunschtraum erstaunlich nahekommt. Etwas, von dem eigentlich jeder Mensch weiß, dass es Leib und Seele guttut: Bewegung“ (Weiß, in GEOkompakt, 2013, S.22).

1.1 Persönlicher Zugang zum Thema

Seit meiner frühen Kindheit hatte ich die Möglichkeit, mich regelmäßig zu bewegen und verschiedenste Sportarten auszuprobieren. Ob Tennis, Eishockey, Schifahren, Schwimmen, Ballsportarten: körperliche Betätigung spielte für mich schon immer eine große Rolle. Letztendlich entschied ich mich für Handball als Hauptsportart und so spiele ich nun schon 12 Jahre im Verein, seit dieser Saison in der höchsten U 20-Handballliga Österreichs.

Neben dem Spaß an der Bewegung und dem Spiel begann ich mich vermehrt mit den positiven Auswirkungen von regelmäßiger Bewegung auf die körperliche Fitness und auf die Psyche zu beschäftigen. Ich bemerkte an mir selbst, dass sportliche Betätigung für mich ein guter Ausgleich zum stressigen Schulalltag ist und mir auch hilft, wenn ich durch private Belastungen „Tiefs“ erlebe. Wenn ich zum Beispiel nach einem langen Schultag und zusätzlichen häuslichen Lerneinheiten am Abend das Handballtraining absolviere, kehre ich ausgeglichen und guter Laune nach Hause zurück, mache die Erfahrung, dass sich der Lernstoff nach der körperlichen Betätigung besser verankert hat und falle in einen guten und erholsamen Schlaf.

Eine zusätzliche Motivation, mich mit dem Thema eingehender zu beschäftigen, wie körperliche und psychische Gesundheit zusammenhängen, bekam ich im Herbst 2014, als mein Onkel einen schweren Herzinfarkt erlitt. Nach zwei Wochen auf der Intensivstation der Klinik Innsbruck verbrachte er weitere vier Wochen in einer Rehabilitationsklinik. Die wichtigste Botschaft der Ärzte war, dass mein Onkel sein Leben absolut stressfrei gestalten und pro Woche mindestens drei Mal 30 Minuten Bewegung machen sollte, um den Genesungsprozess zu unterstützen und einem Nachinfarkt vorzubeugen.

1.2 Abgrenzung und Eingrenzung des Themas

Meine ursprüngliche Intention war, für meine Vorwissenschaftliche Arbeit das Thema „Sport und psychische Gesundheit“ zu wählen. Ich entschied mich dafür, meine Arbeit auf die Ausdauersportarten „Laufen und Joggen“ einzugrenzen, da diese in Langzeitstudien am besten erforscht sind. Neben den psychischen Auswirkungen dieser Sportarten beschäftigte ich mich auch mit den körperlichen Folgen, da nach dem biopsychosozialen Gesundheitsmodell Körper und Psyche nachweislich eine Funktionseinheit bilden.

1.3 Methodische Überlegungen

Neben dem Studium der Themen Gesundheitspsychologie, Lauftheorie, Auswirkungen von Laufen auf die Körperfunktionen und besonders auf die Psyche eines Menschen in Fachbüchern und Fachzeitschriften, war es mir wichtig, einen Bezug zur praktischen Anwendung von Laufen in der Psychotherapie herzustellen. So machte ich mich auf die Suche eines/r ExpertIn, der/die psychotherapeutischen Arbeit Laufen als unterstützende Behandlungsmöglichkeit einsetzt. Ich arbeitete Fragen für ein Experteninterview aus und führte Ende Oktober 2014 ein sehr informatives Interview mit einem Psychotherapeuten aus Innsbruck. Teile dieses Interviews baute ich in meine Arbeit ein.

1.4 Forschungsfrage

Welchen positiven Einfluss haben regelmäßige Ausdauersportarten wie Laufen und Joggen auf das psychische Wohlbefinden eines Menschen, welche Wirkungsweisen können wissenschaftlich nachgewiesen werden und bei welchen psychischen Krankheitsbildern werden diese Sportarten therapeutisch genützt?

2 Gesundheitspsychologie

Die Gesundheitspsychologie ist der Zweig der Psychologie, der sich damit beschäftigt, wie Menschen gesund bleiben und warum sie krank werden. Dabei bezieht sich die Gesundheit auf die generelle Verfassung von Körper und Geist. (Gerrig/Zimbardo, 2008, S. 486).

2.1 Das biopsychosoziale Gesundheitsmodell

Das biopsychosoziale Modell der Gesundheit hat laut Gerrig/Zimbardo (2008, S. 487) das biomedizinische Modell, das im westlichen wissenschaftlichen Denken lange Vorrang hatte, abgelöst. Dieses basierte auf dem dualistischen Konzept von Körper und Psyche.

Die WHO (Welt-Gesundheits-Organisation) hat 1948 einen umfassenderen, ganzheitlichen Begriff von Gesundheit geprägt, der heute noch gültig ist. Gesundheit ist damit kein einmal erreichter und dann unveränderlicher „Zustand“, sondern eine lebensgeschichtlich und immer wieder und neu herzustellende „Balance“:

„Gesundheit ist ein Zustand völligen physischen, psychischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur das Freisein von Krankheit und Gebrechen. Sich des bestmöglichen Gesundheitszustandes zu erfreuen ist ein Grundrecht jedes Menschen, ohne Unterschied der Rasse, der Religion, der politischen Überzeugung, der wirtschaftlichen oder sozialen Stellung“ (Bundesministerium für Gesundheit.

Online verfügbar unter: http://bmg.gv.at/home/Schwerpunkte/Praevention/Gesundheit_und_Gesundheitsförderung, Zugriff 23.11.2014).

Auf diesem Konzept beruhen die drei Komponenten des biopsychosozialen Modells: Das bio erkennt die Realität einer biologischen Krankheit an; psycho und sozial zielen auf die psychischen und sozialen Komponenten von Gesundheit. (Gerrig/Zimbardo, 2008, S. 487). Körperliche und seelische Gesundheit und Umwelt beeinflussen sich gegenseitig. Optimale Gesundheit umfasst körperliche, intellektuelle, emotionale, spirituelle, soziale und Umweltaspekte unseres Lebens. Wenn wir etwas unternehmen, um Erkrankungen vorzubeugen, dann zeigen wir Gesundheitsverhalten.

2.2 Gesundheitsförderung

Unsere Körpersysteme sind eng miteinander verbunden und voneinander abhängig. Unser Lebensstil wie Ernährung, Bewegung und Entspannung beeinflussen maßgeblich unsere Organsysteme. Durch die Art, wie wir leben, entwickeln wir unsere Körpersysteme (Froböse, 2012, S. 135).

Gesundheitsförderung bedeutet also, allgemeine Strategien und spezifische Taktiken zu entwickeln, die das Risiko von Erkrankungen eliminieren oder verringern. Viele Zivilisationskrankheiten der westlichen Welt wie Herzerkrankungen, Stoffwechselstörungen, Krebs, Schlaganfälle oder psychische Erkrankungen bis hin zu Suiziden hängen mit unseren „schlechten“ Lebensgewohnheiten zusammen: Rauchen, Übergewicht, übermäßiger Alkoholgenuss, Bewegungsmangel und stresserfüllter Lebensstil (Gerrig/Zimbardo, 2008, S. 487).

Anhand dieser Erkenntnisse ergibt sich der Umkehrschluss, dass das Ändern von Lebensgewohnheiten wie bewusste Ernährung, regelmäßige Bewegung und das „Ent-Stressen“ in Form von gutem Zeitmanagement Krankheiten vorbeugen kann und in der Behandlung von Krankheiten sowohl in der Medizin als auch in der Psychotherapie ein wichtiges Thema sein sollte.

2.3 Psychische Gesundheit

Der Zustand seelischer Gesundheit ist wesentlich durch Wohlbefinden (positive Grundstimmung, Freude, Glück), psychische Energie (Vitalität, Interessiertheit…), Funktions- und Leistungsfähigkeit (Kompetenz, Produktivität, Selbstkontrolle…), positives Selbstwertgefühl (sicheres Auftreten, kaum Minderwertigkeitsgefühle) und emotionale Stabilität gekennzeichnet (Maderthaner, 2008, S. 377).

In verschiedenen Studien wurde nachgewiesen, unter anderem im international weit verbreiteten Screening-Fragebogen für seelische und körperliche Gesundheit SF-36 (von der RAND Corporation im Rahmen der so genannten Medical Outcomes Study entwickelt), dass die beiden Hauptskalen „körperliche“ und „seelische Gesundheit“ zu mehr als 50% korrelieren, was bedeutet, dass seelische Störungen oft mit körperlichen Symptomen einhergehen und umgekehrt (Maderthaner, 2008, S. 378).

Die psycho-somatischen und somato-psychischen Beziehungen von Körper und Seele sind in den letzten Jahren auch vermehrt von Neurowissenschaftlern untersucht und bestätigt worden. Körpereigene chemische Stoffe, also Hormone, aber auch Botenstoffe des Immunsystems und des Nervensystems (Neurotransmitter) wirken auf kognitive Funktionen des Gehirns, wirken somit auch auf unsere Psyche (Ruegg, 2011, S. 2) und beeinflussen unser Verhalten nachhaltig. Die Neurobiologie trägt durch die modernen bildgebenden Maßnahmen in der Gehirnforschung also dazu bei, die biopsychosozialen Zusammenhänge zu untermauern.

3 Laufen und Joggen

3.1 Laufen und Joggen: Begriffsbestimmung und Abgrenzung

Viele LäuferInnen wehren sich heftig dagegen, als „Jogger“ bezeichnet zu werden. Beim Laufen geht es vor allem um das Wettkampf gerichtete Lang- oder Kurzstreckenlaufen. Die Motivation wird durch Kampfgeist, Ehrgeiz und auch Rivalitätsverhalten bestimmt. Es geht darum, besser, schneller und ausdauernder zu sein als andere (Bartmann, 2005, S.13).

Hingegen geht es JoggerInnen nicht um einen Wettkampf, sondern um ihre Gesundheit. Denn durch das Laufen in der Freizeit erhoffen sie zu physischer und psychischer Gesundheit und Ausgeglichenheit zu gelangen. Ein weiterer Unterschied zwischen dem Laufen und dem Joggen ist das Tempo. So zählt Joggen zum aeroben Laufen, das heißt man läuft nicht unter Sauerstoffmangel. Die Energie für die Bewegung der Muskeln wird aus den Muskelzucker- und Muskelfettreserven unter Verbrauch von Sauerstoff gewonnen. Dieser wird durch die Atmung zur Verfügung gestellt. Im anaeroben Status laufen wir unter Sauerstoffmangel und kommen immer wieder ins Hecheln. Eine Faustregel sagt, wir laufen dann aerob, wenn wir uns währenddessen leicht unterhalten können (Bartmann, 2005, S.14).

„Wenn ich von Laufen rede, dann rede ich keinesfalls von leistungsorientiertem Laufen, sondern bei mir geht es sehr stark um Laufen, wo man nicht in den Sauerstoffmangel geht. Das nennt man aerobes Laufen. Also ich sage dann zu den Leuten auch immer: Geht’s so laufen, dass auch wenn ihr alleine laufen geht‘s, euch auch noch gut unterhalten könntet, wie wenn ihr zu zweit wärt, so dass da immer noch genug Spielraum ist, um sich zu unterhalten. Und das zweite ist, was ganz wesentlich ist beim langsamen Laufen, ist, dass die Personen den Atemrhythmus mit dem Schrittrhythmus koordinieren, zum Beispiel geht es gut mit „2-2“, also 2 Schritte- einatmen, 2 Schritte- ausatmen“ (Joachim Nagele, Z.40-50).

3.2 Die Geschichte des Laufens

„Der Mensch ist nicht zum Stubenhocker geboren“ (Braumann, 2006, S. 11).

Noch vor 100 Jahren legte nach Braumann (2006, S. 8) ein Erwachsener durchschnittlich 20 Kilometer pro Tag zu Fuß zurück. Heute sind es hingegen nur noch 400 bis 700 Meter. Unsere Arbeit beschränkt sich im Wesentlichen auf das Bedienen von Maschinen und gegangen wird nur noch vom Haus bis zur Garage und wieder zurück. Der Rest wird mit Hilfe des Autos oder anderen Fortbewegungsmitteln zurückgelegt.

Schon zu prähistorischer Zeit mussten Menschen laufen um zu jagen, zu kämpfen und auch zu flüchten. Wissenschaftler glauben auch, dass Laufen unser körperliches Erscheinungsbild verändert hat. So unterscheiden wir uns von den Primaten durch unsere längeren, geraden Beine, durch kürzere, schwächere Arme und durch beweglichere Verbindungen zwischen Rumpf und Kopf (Wessinghage, 2010, S. 8).

Auch in den frühen Hochkulturen war Laufen sehr populär. Ägypter, Sumerer und Hethiter veranstalteten läuferische Wettkämpfe. Botschaften wurden von Boten zu Fuß übermittelt. In Griechenland zollte man guten Läufern großen Respekt und auch Homer schrieb detaillierte Berichte über hunderte von Laufwettbewerben, die im Rahmen von Totenfeiern, Hochzeiten und Feierlichkeiten abgehalten wurden. Die ersten Spiele in Olympia bestanden aus einem Lauf über eine Stadionlänge. Durch sie erlangten gute Läufer Berühmtheit und wurden zu den ersten Athleten. Auch Platon war der Wert des Laufens und sogar dessen gesundheitsfördernde und erzieherische Seite bewusst (ebd. S. 8).

Von den Etruskern gelangten Laufwettbewerbe auch zu den Römern, bei denen Laufübungen zum militärischen Training gehörten und auch zu besonderen Anlässen Läufe abgehalten wurden. Weiter nördlich wussten die germanischen Stämme ebenfalls vom Wert des Laufens. Bei ihnen galt läuferisches Können als Voraussetzung für kriegerische Erfolge. In Heldenliedern, wie dem Nibelungenlied, ist diese Präsenz des Laufens zu erkennen. Vom Mittelalter, in dem Laufwettbewerbe vor allem für die unteren Schichten gedacht waren, zog sich der Einfluss des sich laufend Fortzubewegen bis in den modernen Humanismus, bei dem es nun um die Beziehung zwischen dem Menschen und seinen Körper ging. In Gymnasien wurde Laufen in Form von Leibeserziehungen betrieben und empfohlen. Im Rationalismus wurde der Begriff „mens sana in corpore sano“ von PhilanthropInnen begründet. Diese WissenschaftlerInnen, die sich mit menschenfreundlichem Denken befassten, wussten um die Wirkung des Laufens auf den Menschen und setzten Laufübungen für erzieherische Zwecke ein (ebd. S. 9).

„Laufen ist also keine neuzeitliche Modeerscheinung, es ist die dem Menschen ureigenste Bewegungsform, die im Grunde nur durch die Lebens- und Arbeitsgewohnheiten in der modernen Industriegesellschaft verdrängt wurden“ (Bartmann, 2005, S. 15).

Bis heute ist Laufen ein wichtiger kultureller, medizinischer und wirtschaftlicher Faktor unseres Lebens geblieben und bestimmt unseren täglichen Alltag (Wessinghage, 2010, S. 11).

4 Psychische Störung

Die Definition einer psychischen Störung (Custal, 2011, S. 12) hängt von gesamtgesellschaftlichen Definitionsprozessen ab. Jede Gesellschaft und jedes Zeitalter formuliert ihre eigene Normalität und bildet subjektive Störungsdefinitionen heraus.

Seit etwa 50 Jahren gibt es (Maderthaner 2008, S. 383 und Custal, 2011, S. 22-23) in der Psychiatrie und in der Klinischen Psychologie normierte Diagnosesysteme, wie das ICD 10 der WHO (International Classification of Diseases), das in Deutschland, Österreich und der Schweiz Anwendung findet, und das DSM V (Diagnostic and Statistic Manual of Mental Disorders), das in den USA als gängiges Manual zur Klassifikation psychischer Erkrankungen dient. In beiden Manualen werden die Merkmale der verschiedenen psychischen Störungsbilder genauestens beschrieben.

Experten stufen das Erleben oder Verhalten einer Person als krankhaft ein, wenn vier Kriterien erfüllt sind (Maderthaner, 2008, S. 381 und Custal, 2011, S. 12):

- Subjektiv empfundene Belastung (Leidensdruck): Inwieweit leidet der/die Betroffene unter seinem/ihrem Zustand?
- Behinderung bei der Bewältigung alltäglicher Lebenssituationen: Fühlt sich der/die Betroffene in seinen/ihren Alltagshandlungen beeinträchtigt? Ist eine adäquate Bewältigung der Alltagsaufgaben möglich?
- Selbstgefährdung oder Bedrohung der Sicherheit anderer Personen.
- Abweichung von gesellschaftlichen Regeln, Normen und Wertvorstellungen.

Die moderne Psychologie geht davon aus, dass biologische, psychologische und sozialkulturelle Faktoren miteinander in Wechselwirkung stehen und bei der Diagnose und Erklärung psychischer Störungen miteinzubeziehen sind (Maderthaner, 2008, S. 382).

4.1 Depressive Störungen

Maderthaner (2008, S. 385) bezeichnet Depressionen als einen Zustand, der durch Traurigkeit, Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Interessemangel, Ängstlichkeit, Unruhe, Konzentrationsschwäche, Hoffnungslosigkeitsgefühle, Appetitmangel, Schlafstörungen, Schuldgedanken sowie durch negatives Denken gekennzeichnet ist. Dauert dieser Zustand länger als zwei Wochen an, wird er als depressive Störung diagnostiziert. Treten depressive Episoden mit negativen Stimmungslagen häufig auf, so wird eine Person passiv und apathisch, zieht sich sozial zurück und verliert langsam die Kontrolle über ihr Leben (ebd. S. 387).

Bezüglich der Ätiologie (endogene oder exogene Faktoren, Ursachen oder Verstärker einer Erkrankung) gibt es laut Custal (2011, S. 33-34) verschiedene Ansätze. Prinzipiell nimmt man eine genetische Disposition (Vulnerabilität) und eine Disbalance von Neurotransmittern im menschlichen Gehirn an: Die Monoamine Serotonin, Noradrenalin, Adrenalin und Dopamin gehören zu den Neurotransmittern und nehmen Einfluss auf unsere Gedanken, Gefühle und Körperfunktionen. Serotonin beeinflusst beispielsweise eine Vielzahl von Steuerungsprozessen für psychische und physiologische Reaktionen und wirkt sich auf die Stimmungslage und die Stressreaktionen im Körper aus.

Menschen, bei denen eine Depression diagnostiziert wurde, unterscheiden sich hinsichtlich des Schweregrades und der Dauer ihrer Symptomatik (Gerrig/Zimbardo, 2008, S. 565). Während viele Personen nur wenige Wochen lang zu einem bestimmten Zeitpunkt ihres Lebens an einer klinischen Depression leiden, sind andere immer wieder episodisch oder auch chronisch über viele Jahre hinweg betroffen. Nach Gerrig/Zimbardo leidet beinahe jeder Mensch im Verlauf seines Lebens einmal an einzelnen Symptomen der Störung, an sogenannten depressiven Verstimmungen.

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Details

Titel
Die Wirksamkeit von Ausdauersport auf die psychische Gesundheit
Autor
Jahr
2015
Seiten
44
Katalognummer
V296260
ISBN (eBook)
9783656943143
ISBN (Buch)
9783656943150
Dateigröße
788 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wirksamkeit, ausdauersport, gesundheit
Arbeit zitieren
Manuel Linser (Autor), 2015, Die Wirksamkeit von Ausdauersport auf die psychische Gesundheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/296260

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