Die Lebenssituation von Frauen der „Sandwich-Generation“. Eine Analyse prekärer Lebenslagen und Ansätze sozialpädagogischer Interventionen


Bachelorarbeit, 2014

63 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Lebenslagen
2.1. Begriff
2.2. Analyse - Belastungen
2.2.1. Prekariat
2.2.2. Materielle Situation und Erwerbstätigkeit
2.2.3. Bildung
2.2.4. Familiäre und Soziale Netzwerke
2.2.5. Gesundheitssituation physisch und psychisch
2.2.6. Wohnsituation und alltägliche Tätigkeiten
2.3. Analyse - Ressourcen

3. Handlungsansätze für die Soziale Arbeit
3.1. Einsatz gegen soziale Ungleichheiten
3.2. Vernetzung

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

6. Online-Quellen

7. Anlagen
7.1. Tabellen
7.1.1. Anteil 40 - 60 - jähriger Frauen in Deutschland
7.1.2. Haushalte in Deutschland ( bearbeiteter Auszug)
7.1.3. Die Arbeitszeitlücke
7.2. Lebenslagenkonzept
7.3. Interviews
7.3.1. Interview Frau G. (A.) v. 10.09.2014
7.3.2. Interview Frau N. v. 11.09.2014

1. Einführung

„Eine gewisse Reibung zwischen den Generationen ist unvermeidlich; denn die Jugend und die Alten wiegen sich im Besitze der Antworten, und das Mittelalter hat die Fragen am Hals.“

Aus den USA1

Das ÄMittelalter“ hat scheinbar nicht nur die Fragen der anderen Generationen Äam Hals“, sondern selbst auch noch keine Antworten für die eigenen Perspektiven. Das individuelle Altern eines Menschen erfolgt in engem Zusammenhang mit seinem sozialen Umfeld. Auch vormals Äjugendliche“ Blickweisen, die problembehaftete Zukunftsvisionen in der Regel ausblenden, ändern sich grundlegend mit einschneidenden Lebenssituationen, die sich ab einem Alter von ca. 40 Jahren einstellen können. Die Frage ÄWas wird sein, wenn…?“ schiebt sich in den Fokus reflektierender Überlegungen und bedingt eine tiefere Betrachtung der jeweiligen individuellen Entwicklung. Durch den demographischen Wandel wird dieser Diskurs zunehmend in das gesellschaftliche Blickfeld gerückt, die Altersbild-Entwürfe in unserer Gesellschaft generieren die intensive Beschäftigung mit Generationenfragen. Im Sechsten Altenbericht des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMSFSJ) wird konstatiert, dass aufgrund der zunehmend längeren gemeinsamen Lebenszeit von Familienmitgliedern auch Bindungen und die Verantwortung der Generationen füreinander wichtiger werden. (vgl. Klie 2010, S. 117 f.)

Den ursprünglichen Anlass zur Auseinandersetzung mit Lebenslagen älterer Frauen gaben Erkenntnisse aus meinem Blickwinkel als Dozentin der Maßnahme ÄBINS 50plus“ (Beschäftigungsinitiative Süd für Ältere) am Kolping-Bildungszentrum Landsberg a. Lech. (vgl. Bins 50plus, Online-Quelle 1). Die Maßnahme setzt in einer Phase an, die für die Teilnehmer sehr schwer zu überwinden ist. Sie gehören schon bei der Zuweisung zur Maßnahme dem Prekariat2 an (vgl. Vogel 2008, Online- Quelle 2), der Arbeitsmarkt für sie ist sehr eingeschränkt, ihre Bewerbungsmöglichkeiten stoßen bei der Stellenrecherche, den zu genügenden Anforderungen und auch der Bewerbungserstellung auf große Hindernisse. Besonders in Hinsicht auf weibliche Teilnehmer fiel auf:

a) Frauen, die an der Maßnahme im Bildungszentrum teilnehmen, werden seltener in ein Arbeitsverhältnis vermittelt als die Männer.
b) Die von ihnen erlangten Arbeitsverhältnisse sind entweder geringfügig, Teilzeit oder - selten - Vollzeit, haben jedoch in der Regel gemeinsam, dass das Arbeitsentgelt so niedrig ist, dass die Frauen auch weiterhin ÄAufstocker“3 bleiben (Statistik der Bundesagentur für Arbeit 2014, Online-Quelle 3).
c) Die Chancen der teilnehmenden Frauen sind in der Folge nahezu nicht vorhanden, jemals unabhängig von Zahlungen aus öffentlichen Kassen zu werden. Diese Erkenntnisse regten dazu an, nach zusammenhängenden Faktoren als begründend für die prekäre4 Situation der Teilnehmerinnen zu suchen.5 Nur wenige (15,25 %) der Frauen leben in einer Ehe, der überwiegende Teil ist geschieden, ledig oder lebt getrennt. 8,47 % der Frauen hat keine Kinder, etwas mehr als ein Viertel (27,24 %) der restlichen Frauen wiederum noch Kinder in Ausbildung oder Schule. Eine Frau (1,69 %) hat den Anschluss an die Arbeitswelt dadurch verloren, dass sie Pflegeaufgaben bei ihren Eltern übernommen hat, 15,25 % kümmerten sich vor ihrer Arbeitslosigkeit parallel zu ausgeübten Tätigkeiten um Eltern oder Schwiegereltern (-teile). Diese Frauen arbeiteten generell nicht Vollzeit. Alle Frauen, die vor ihrer Arbeitslosigkeit Teilzeit gearbeitet haben, taten dies wegen der Sorge für Kinder oder Eltern oder beides.6

Es soll in dieser Arbeit exemplarisch aufgezeigt werden, dass eine solche Konstellation, in der Frauen in der Gesellschaft soziale Aufgaben von grundlegender Bedeutung übernehmen, ab einem bestimmten Alter auf direktem Weg in prekäre Lebenslagen führen kann. Gesucht werden Aspekte, Anknüpfungspunkte und Möglichkeiten Sozialer Arbeit hinsichtlich der derzeitigen Situation von Frauen, die Gefahr laufen, in solche Lebenslagen abzudriften, und auch unter Berücksichtigung sozialpolitischen Handelns die Möglichkeiten zur Prävention.

Es sind meist Frauen, die in unserer Gesellschaft erzieherische und pflegende Aufgaben erfüllen, sie übernehmen den Part der ÄPrimary Caregiver“ (vgl. Buchen et al. 2008, S. 7). Versorgen sie sowohl die vorhergehende Generation als auch die ihrer Kinder, gehören sie zur sogenannten ÄSandwich-Generation“, ein Begriff, der seit Ende der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts weltweit von wissenschaftlichen Publikationen und auch Medien eingeführt wurde7. In der Schweiz waren es 1999 zwischen 6 und 7 Prozent der Gruppe der 40 - 60-jährigen Frauen, die in einer ÄSandwich-Situation“ lebten (vgl. Höpflinger et al. 1999, S. 105). Übertragen auf deutsche Verhältnisse entsprechen diese 6 Prozent einer Anzahl von über 770.000 Frauen, absolut gesehen durchaus kein kleiner Anteil der Bevölkerung (s. Anlage 7.1.1.).

Um Zusammenhänge zu ermitteln, betrachte ich die Lebenslagen von zwei ÄSandwich-Frauen“, unabhängig von der Frage, ob ihre Lage wirklich repräsentativ für ihre Altersgruppe ist (vgl. Höpflinger et al., 1999, S. 102). Die Definition der ÄSandwich-Generation“ wird in Bezug auf Kinder so verstanden, dass auch Kinder, die sowohl dem Haushalt der Mutter als auch dem Haushalt des Vaters angehören und generell unterhaltsberechtigt sind, berücksichtigt werden können, analog zu einer amerikanischen Studie. (vgl. Pew Research Center 2013, S. 2)

Zwei geführte problemzentrierte biografieorientierte Interviews (vgl. Wolfinger 2011, Online-Quelle 3, S. 4) sollen einen Analyseansatz für die Entstehung und Perspektiven derartiger Lebensläufe und daraus folgender Lebenslagen bieten. Die Interviews (s. Anlagen 7.3.1. und 7.3.2.) werden hier zur Analyse der Lebenslagen hinsichtlich mehrerer Dimensionen untersucht. Beide befragten Frauen (49 bzw. 47 Jahre alt) stehen vor dem möglichen dauerhaften Abdriften in das Prekariat, und stellen im Gespräch ihren bisherigen Weg dar. Die Erstellung der Interviews erfolgte situativ bedingt nach zwei verschiedenen Methoden: Das Interview mit Frau G. wurde zwischen Norddeutschland und Bayern per Skype im Chat geführt, wurde auch nach diesem Chat transkribiert und war aufgrund zeitlicher Grenzen der Befragten (1 Stunde) beschränkt auf zentral problemorientierte Fragen. Das zweite Interview fand in der Wohnung von Frau N. in Bayern statt, hier erfolgte auf weiter gefasste und ausgeführte Fragen eine ausführliche, narrativ gehaltene mündliche Antwort. Dieses Gespräch wurde mit einem Sprachaufzeichnungsgerät festgehalten und transkribiert.

Die Bearbeitung soll in der Folge einerseits aufzeigen, welche Belastungen und Einschränkungen im Leben der beiden Frauen durch das Auftauchen massiver Lebenseinschnitte - spezifisch auch der Sandwich-Situation - entstanden sind, andererseits auch deren Ressourcen herausstellen. Gefragt wurde ebenfalls, welche Hilfestellungen von Seiten der Sozialen Arbeit nötig, wünschenswert und möglich sein könnten, um prekäre Lagen der betroffenen Frauen zu entschärfen, z. B. was bei negativer Weiterentwicklung der derzeitigen Situation unbedingt erhaltenswert wäre, und auch was vom Lebensgefühl her eine eher schlechte finanzielle Situation im Alter abmildern könnte. So entspricht der Analyseansatz dieser Arbeit der Auffassung, dass auch Einzellagen gemäß dem Lebenslagenkonzept nach Weisser erfasst und diagnostiziert werden können (vgl. Backes 1997, S. 722). In der Beschreibung der Lebenslagen wird Äprekär“ bezogen sowohl auf derzeitige finanzielle, physische sowie psychische Probleme, als auch auf die Zukunftsaussichten der Interviewten. Um zu aussagekräftigen Analyseergebnissen zu gelangen, empfahl sich eine explizite mehrdimensionale Betrachtung (vgl. Engels 2008, S. 643 ff.) anhand der konkreten Interviewaussagen.

2. Lebenslagen

2.1. Begriff

Alltagssprachlich wird dieser Begriff gern pauschalisierend benutzt, und mit der von außen sichtbaren Lebenssituation in einer bestimmten Zeitspanne gleichgesetzt. Jedoch ÄLebenslage“ beinhaltet mehr. In der Sozialberichterstattung werden Wechselwirkungen der verschiedenen Dimensionen erkundet, der Lebenslagenansatz wird auch in der Armutsforschung verwendet, weil der Begriff Armut mehrdimensional zu verstehen ist (vgl. Engels 2008, S. 644). Nicht nur das Einkommen oder Vermögen, sondern auch Erwerbstätigkeit, Bildung, Familiäre/Soziale Netzwerke, die Gesundheit, die Wohnsituation sowie die alltäglichen Tätigkeiten bilden Dimensionen einer Lebenslage (vgl. Wolfinger 2011, S. 221 ff.; auch Strengmann-Kuhn 2003, S. 23 f.). Diese Gesamtheit der Bedingungen markiert auch den Handlungsspielraum, in dem eine Person interagiert, Ädie konkrete Ausformung der sozialen Einbindung einer Person, genauer: ihrer sozioökonomischen, soziokulturellen, soziobiologischen Lebensgrundlage.“ (vgl. Engels 2008, S. 643) Kommt noch die Frage hinzu, wie es zu sozial ungleichen Lebenslagen kommt, und wie sich dies äußert, müssten die gesellschaftlichen, historischen und persönlich spezifischen Eigenschaften und Lebensverläufe festgestellt werden. Komplette Sozialisationsbeschreibungen und -aspekte hätten jedoch den Rahmen dieser Arbeit gesprengt, so bleibt es bei einer teilweisen Anwendung des Schemas nach Backes. (s. Anlage 7.2.) Die Analyse der geführten Interviews soll zwar einen angemessenen, mehrdimensionalen Einblick geben, jedoch temporär begrenzt.

2.2. Analyse - Belastungen

2.2.1. Prekariat

Um die Äprekäre Lebenslage“ der Interviewpartner zu analysieren, ist im Vorfeld zu klären, was hier unter Äprekär“ bzw. ÄPrekariat“ verstanden sein soll. Das Prekariat ist ein Begriff aus der Beschreibung der heutigen Arbeitswelt, und betont soziale Ungleichheiten. Es wurde ein Wort geschaffen, das ausdrückt, dass viele abhängig Beschäftigte heute zwar nicht mehr der Verelendung anheimfallen wie das frühere Proletariat, jedoch in unsicheren Arbeitsverhältnissen am Rande des Existenzminimums leben. Entsprechend brüchig sind ihre Lebensläufe und unsicher ihre Zukunftsperspektiven. (Vgl. Vogel 2008, Einleitung, Online-Quelle 2) ÄPrekär“ als Begriff wurde schon vorab nach einer Wörterbuch-Definition als Ämisslich, schwierig, heikel“ bestimmt. Dies trifft m. E. zunächst auf die befragten Frauen zu. Frau G. lebt seit Anfang 2014 in Scheidung, dieser Zustand bringt Probleme wie Wohnungssuche, seelische und familiäre Konflikte, Geldprobleme und aufwändigen Schriftverkehr etc. mit sich, was Zeit und Nervenkraft kostet.

Frau N. hat in den letzten Jahren einige Arbeitsstellenwechsel vornehmen müssen, auch ihr Lebensgefährte befindet sich nicht in einem stabilen Arbeitsverhältnis, arbeitet fallweise und hatte einige gesundheitliche Schläge zu erleiden. Beide Frauen sind abhängig von Zahlungen, die sie nicht durch eigene Arbeit erwirtschaften, sondern durch Unterhaltszahlungen im Fall der Frau G. bzw. Leistungen des Jobcenters bei Frau N. erhalten. Auch wenn Frau G. nur ein Äatypisches“8 und kein Äprekäres“ Beschäftigungsverhältnis hat, trifft hier m. E. der Begriff ÄPrekariat“ zu, wenn auch zunächst temporär zu beobachten, also Armut Äauf Zeit“ (vgl. Allmendinger et. al. 1998, S. 16). Beide Frauen sind relativ Äarm“ im Verhältnis zu ihrem Lebensstandard in den Jahren, die vor den in den Interviews beschriebenen Lebenseinschnitten lagen. Frau G. war 17 Jahre verheiratet, lebte mit ihrer Familie in einem Haus mit Garten, der Ehemann verdiente gut. Sie beschreibt ihre derzeitige Situation als Äschwierig“ (s. Anlage 7.3.1., Z. 118), mit Äder Panik vor dem finanziellen GAU“ (ebd., Z. 108 f.), auch würde sie ihre Belastung auf einer Skala von 1-10 derzeit mit einer Ä9“ einordnen. „Nach der Trennung dreht sich der Stress um die Doppelbelastung von Weiterbildung und Beruf, und der Anstrengung, ständig mit Menschen in Kontakt zu sein, die mich brauchen und die ich brauche.“

(ebd., Z. 205-208) Frau N. hatte bis zur Geburt ihres Sohnes stets Vollzeitstellen. Nach einer Babypause von eineinhalb Jahren - und der zwischenzeitlichen Trennung von ihrem Mann - ergab sich eine Möglichkeit, ihren Arbeitsplatz zuhause zu haben, als Inobhutnahmestelle. ÄUnd das hab ich dann etliche Jahre gemacht, war ein sehr guter Verdienst, man verdient sehr gut, pro Kind 1.500 € netto, wenn du Doppelkinder hast oder Geschwisterkinder, dann hast du mal hier so 3.000 €,...“ (s. Anlage 7.3.2., Z. 182-185) Nachdem sie die Inobhutnahme aufgab, hatte sie Tagesmütter für ihr Kind, während sie auf ihrer Arbeitsstelle war. Sie stellte fest, seit sie aus dem Beruf ging, weil sie ihren Vater ein Jahr lang pflegte: „Und seitdem läuft beruflich bei mir alles schief, alles schief, was man sich vorstellen kann.“ (ebd., Z. 125 -126)

2.2.2. Materielle Situation und Erwerbstätigkeit

Frau G. ist momentan durch ihren jüngsten Sohn einerseits und die Demenzerkrankung ihrer Schwiegermutter andererseits eingebunden in einer typischen ÄSandwich-Situation“, in der sie auch ihre eigenen Belange zurückstellen muss, was womöglich den Erfolg ihres späten Studiums gefährdet (s. 7.3.1., Z.249- 255), und damit auch ihre Verdienstmöglichkeiten in den Jahren bis zum Erreichen der Rente.

Frau G. hat zwar eine Arbeit - eine halbe Stelle im pädagogischen Bereich - muss sich aber z. Zt. mit einer verhältnismäßig hohen Miete (700 €) belasten, die sie von ihrem Gehalt allein nicht bestreiten könnte. Weil ihr minderjähriger jüngster Sohn während der Schulzeit bei ihr lebt, muss sie eine Drei-Zimmer-Wohnung anmieten, um sich individuellen Freiraum zu erhalten. Dafür setzt sie ihre Trennungsunterhalts- Bezüge ein. Da zeigt sich allerdings, dass Frau G. in ihrem Selbstbild ihrem Lebensstandard vor der Trennung von ihrem Mann anhaftet, sie setzt die Priorität nicht auf ihre finanzielle Existenz, sondern ihre persönlichen Bedürfnisse. Es kann konstatiert werden, dass sich Frau G. nicht einem Einkommensprekariat zugehörig fühlt, auch wenn ihre eigenen Geldmittel nicht auf Dauer für ihren Lebensstil ausreichen werden. „In der Grundsicherung sehe ich mich eigentlich trotz allem nicht, die Hoffnung stirbt zuletzt…“ (ebd., Z. 223-225) Ihr ist angesichts ihrer jährlichen Rentenmitteilung klar, dass sie nach dem geltenden Unterhaltsrecht nach einer Scheidung eine Vollzeitstelle braucht, um ihre Rentenansprüche zu erhöhen und ggfs. auch Geld ansparen muss, um sich im höheren Alter zu finanzieren. Jedoch derzeit schließt sie diese Möglichkeit in ihrer örtlichen Umgebung aus. „Ich werde auf 25 Std aufstocken können, mehr geht vom Arbeitgeber aus nicht. Jobs sind hier rar.“ (ebd., Z. 75, 76) Eine andere Variante spricht sie halb im Scherz an: „Einen neuen reichen Mann finden …“ (ebd., Z. 151) Dieser Ausweg ist - auch wenn die Aussage scherzhaft gemeint war - in der Realität nicht von der Hand zu weisen. Im Gender-Datenreport 2005 im Auftrag des BMFSFJ wurde festgestellt: „Für viele Frauen insbesondere im Westen bietet deshalb im Alter nicht der selbst erworbene Rentenanspruch sondern die Witwenrente die elementare Absicherung. Aus Familienarbeit sind bisher nur sehr geringe Ansprüche ableitbar.“ (vgl. Dressel et al. 2005, S. 408, Online-Quelle 6)

Eindrucksvoll ist es, dazu die Herkunft des Lebensunterhaltes von Frauen zu betrachten:

Abb. 1: Überwiegender Lebensunterhalt von allen Frauen in Deutschland 1961 bis 2004 (in %)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Gender-Datenreport 2005, Abb. 7.2., S. 412

64 Prozent aller Frauen befanden sich 2004 in finanzieller Abhängigkeit (nur 7 Prozent weniger als 1961!), 36 Prozent von Angehörigen und 28 Prozent von Sozialleistungen bzw. Arbeitslosengeld. Die Gesamtquote der Männer lag bei 47 Prozent, 22 Prozent wurden von Angehörigen unterhalten. 11 Prozent der erwerbstätigen Frauen sind zusätzlich zu ihrem Verdienst auf Angehörige angewiesen, dagegen nur 2 Prozent der Männer (vgl. Dressel et al. 2005, S. 413) Erklärbar ist dies u. a. durch die höhere Teilzeitarbeitsquote bei Frauen. Die Frage kann sich stellen, ob die Frauen sich Äleisten“ können, Teilzeit zu arbeiten, weil der Unterhalt durch die Angehörigen gesichert wird9, oder ob sie umgekehrt abhängig sind, weil sie durch Betreuungsaufgaben und den höheren Anteil an Haushaltsarbeit10

als Männer nicht Vollzeit arbeiten können11 ? (vgl. Wolf et al. 2005, S. 290, Online- Quelle 7) Eine Antwort darauf gibt das BMFSFJ: „Obwohl Teilzeitbeschäftigungen den Lebensunterhalt der Beschäftigten meist nicht absichern können, erweisen sie sich gegenwärtig doch vielfach für jene als attraktiv, die familiale Aufgaben übernehmen und eine Vollzeitbeschäftigung damit nicht vereinbaren können: Dieser Personenkreis ist noch immer überwiegend weiblich.“ (vgl. Dressel 2005, S. 101, Online-Quelle 8) Für Frau G. gehört allerdings der Beruf zur Lebensqualität dazu, sie hat ihre Arbeit auch nicht als Belastung gewertet. „Ich habe vor allem gerne gearbeitet…“ (ebd., Z. 69)

Frau N. wurde durch das Einpassen in das ÄGenerationen-Sandwich“ durch die Pflege ihres Vaters massiv in ihren beruflichen Möglichkeiten eingeschränkt. Hinzu kam, dass sie die Übernahme dieser Verpflichtung rückwirkend negativ beurteilt.

„Es war so, dass ich irgendwann mal ein Versprechen gegeben hab, leider Gottes, muss ich sagen, also ich bedaure es jetzt zutiefst, dass wenn es mal soweit wäre, dass ich für ihn da wär.“ (s. Anlage 7.3.2., Z. 65-67) Sie lebt z. Zt. von ALG II, hatte aber zum Zeitpunkt des Interviews eine aus ihrer Sicht erfolgversprechende Arbeitsmöglichkeit in Aussicht. „Ja, ich lebe von Arbeitslosengeld II - ehm - hab jetzt zu hundert Prozent, möchte ich mal sagen, eine Anstellung in der Holzverarbeitung bei Sch. & H. in P.“ (ebd., Z. 240-242) Diese Hoffnung erfüllte sich nach ihrer Auskunft in einem späteren Gespräch jedoch nicht. Ihre Bereitschaft zu arbeiten war seit jeher nicht auf ihren erlernten Beruf - wie bei Frau G. - beschränkt. Sie arbeitete situationsabhängig, wie z. B. nach der Geburt ihres Sohnes:

„…, hab ich dann nachdem der P. auf der Welt war, nach eineinhalb Jahren gesagt, jetzt muss ich was tun, was kann ich tun. […] Und dann hat sich für mich die Möglichkeit geboten, dass ich in A. für das St.-Gregor-Heim eine Inobhutnahmestelle gemacht hab,…“ (ebd., Z. 171-176), auch „Mein Leben zuvor beruflich, alles schön am Laufen, alles wunderbar…ich mein, gut, weißt ja selber, es gab Komplikationen, und dann hab ich da ne Arbeit beendet, ne andere dann aber natürlich gefunden,

kein Problem,…“ (ebd. Z. 131-134). Durch ihre Anpassungsfähigkeit und Wandelbarkeit jedoch ergibt sich ein - für potentielle Arbeitgeber - unübersichtlicher Lebenslauf, der nicht von Flexibilität kündet, sondern von einem unsteten Leben. So ist es möglich, dass Frau N. in den Status eines Arbeitsmarkt- Grenzgängers driftet, und den Anhauch eines ÄJobnomaden“ erhält. Damit gehört sie zum Prekariat. „Im Prekariat spiegelt sich die strukturelle, erwerbsbiographische, rechtliche und betriebliche Verstetigung unsicherer Lebens- und Beschäftigungsformen. Hier kommt eine neue gesellschaftliche Zwischenschicht in den Blick, in der die Angst vor dem Abstieg ebenso präsent ist wie die Hoffnung auf Stabilität und Aufstieg.“ (vgl. Vogel 2008, Abschnitt 3, Online-Quelle 2) Frau N. bemerkt auch selbst, dass eine Veränderung in ihren Möglichkeiten stattgefunden hat, sie zieht eine imaginäre Grenze durch das Jahr der Pflegeübernahme. „…also, es war nie irgendwie so beschattet mit so extrem schwierigsten Situationen, wie die, die mir die letzten Jahre begegnet sind, in Arbeitsstellen…“(s. Anlage 7.3.2., Z. 135- 137) Umso schwerer fällt ihr die jetzige Situation, „…nachdem ich ein Workaholic bin und meine Arbeit eigentlich liebe…“ (ebd., Z. 170), in der sie beständig nach Arbeit sucht.

2.2.3. Bildung

Die Fähigkeit und die Bereitschaft, auch in fortgeschrittenem Alter noch zu lernen, werden mittlerweile als Voraussetzung für die Partizipation Älterer am gesellschaftlichen Leben angesehen. (vgl. Buchen 2008, S. 95) Die zwischenzeitliche Späterlegung des allgemeinen Renteneintrittsalters auf 67 Jahre - bzw. 63 Jahre bei 45 Beitragsjahren in der RV - stellt ältere Menschen vor die Frage, ob ihr derzeitiger Beruf auch späterhin noch gleichbleibend ausgeübt werden kann. Womöglich müssen in vielen Bereichen, wie z. B. der EDV oder Organisation, Neuerungen berücksichtigt werden, und der Umgang damit erfordert Neu- und Umlernen sowie Weiterbildungen. In welche Richtung wird das Berufsleben weiter gehen (vgl. Puhlmann 2009, S. 118)? Für Frauen mit Familie ergibt sich als wesentlich für ihren Bildungserfolg, wieviel Zeit ihnen abseits familiärer Verpflichtungen zugestanden wird. Die Verantwortungen müssten ggfs. auf mehrere Schultern in ihrem Umfeld verteilt werden, sowohl im privaten wie auch im gesellschaftlichen Bereich (ebd., S. 123). Die Erfahrung mit dieser Problematik hat nur eine der interviewten Frauen gemacht, Frau G. wünschte sich, „…dass man mir eigene Interessen mehr gegönnt hätte später.“ (s. Anlage 7.3.1., Z. 218-219)

Beide Frauen haben in ihrer Jugend eine Ausbildung zur Erzieherin absolviert, Frau G. nach dem Fachabitur, Frau N. mit der Mittleren Reife. Diese Ausbildung war die Grundlage der Tätigkeiten im weiteren Lebensverlauf. Während Frau G. bis jetzt in diesem Bereich blieb, meist in einem Spezialbereich der Familienhilfe, hat Frau N. zunächst in einem Frauenhaus und später in psychiatrischen Einrichtungen gearbeitet, mit einer vorherigen speziellen Zusatzausbildung. Nach der Pflege ihres Vaters hat sie jedoch andere Arbeitsangebote angenommen, die allein zur Deckung des Lebensunterhaltes dienten, so z. B. in der Gastronomie oder in fremden Haushalten (s. Anlage 7.3.2., Z. 242-248).

Frau G. hat sich vor drei Jahren dazu entschlossen, ihr Fachwissen durch ein Studium zu ergänzen. Dadurch sollten sich im sozialen Bereich weitere Arbeitsmöglichkeiten ergeben, vor allem vor dem Hintergrund, dass das Stellenangebot in ihrem örtlichen Umkreis eingeschränkt ist. „Jobs sind hier rar.“(s. Anlage 7.3.1., Z. 76) Sie stieß damit allerdings in ihrer Familie auf Hindernisse, der Ehemann stellte sich quer.

„Mein Mann wurde mit Beginn meines Studiums schwer depressiv, er hat eine diagnostizierte narzisstische Persönlichkeitsstörung und hat gar nichts gemacht.“ (ebd., Z. 86-88) „Es war eine Katastrophe!“ (ebd., Z. 100) Mit dem Studium hat Frau G. freiwillig eine weitere Belastung übernommen, die jedoch in ihr Selbstkonzept passte und ihre Aussichten auf einen angemessenen Arbeitsplatz in Zukunft erhöht. Was sie selbst als belastend empfand, war ihr familiäres Umfeld.

„Ich hätte mir seelische Unterstützung gewünscht, Rückhalt, und Mut machen…“

(ebd., Z. 215-216) Letztlich führte unter anderem die anhaltende Spannung zwischen dem, was sie als gut für sich ansah - der Weiterbildung, die letztlich auch gesellschaftlich erwünscht ist - und dem, was ihr Mann von ihr erwartete, zur Aufhebung der ehelichen Lebensgemeinschaft. „Mein Mann hat mich dann gezwungen, auszuziehen.“ (ebd., Z. 49-50)

Frau N. hat in den letzten Jahren keine Weiterbildung gemacht, das steht auch z. Zt. nicht im Raum bzw. wurde im Interview nicht als Zukunftsperspektive angegeben.

2.2.4. Familiäre und Soziale Netzwerke

Menschen als soziale Wesen, zu deren Grundbedürfnissen auch Anerkennung gehört, brauchen Netzwerke als Möglichkeit, sich ihrer Handlungen zu vergewissern, und im Falle eines Scheiterns nicht ins Bodenlose zu fallen. Gerade in schwierigen Situationen ist es notwendig, aus Beziehungen Hilfen zu erhalten. Für Frau G. gestaltet sich dies schwierig, auch wenn sie durchaus der Ansicht ist, dass sie in Notfällen über ein funktionierendes Netzwerk verfügt (s. Anlage 7.3.1., Z. 128-130). Sie bekundet allerdings auch, „…ich kann schlecht delegieren, das ist ein Problem. Also andere etwas für mich machen lassen, das fällt mir schwer.“ (ebd., Z. 213-215) Bei ihren Freunden berücksichtigt sie, dass diese auch eigene Familien haben und deshalb wenig Zeit, prinzipiell verlässt sie sich auf ihre Kinder und ihren Ex-Mann. (ebd., Z. 128-141) Dennoch bleibt die Sorge, dass bei großen gesundheitlichen Einschränkungen niemand für sie und die Kinder da ist. „Was passiert, wenn ich doch schwer krank werde? Wer ist dann bei mir? Was wird aus dem Jüngeren?“(ebd. Z. 148-149) Frau G. ist kein Vereins- oder Gemeindemitglied, sie ist in ihrem Wohnort nicht in kulturelle oder gemeinnützige Verbände eingebunden. Zunächst sah sie die Vorteile ihrer Trennung, „Die Veränderung tat mir gut, weniger schuften...“ (ebd., Z. 64-65), aber dennoch stellt sie fest: „…, dass ich es manchmal schwer finde, mit allem alleine da zu stehen. Trotz vieler guter Freunde.“ (ebd., Z. 105-107) Die persönlichen und gesellschaftlichen Verknüpfungen, die sie darstellt, erweisen sich als ein Gebilde, dessen Stabilität sie sich nicht sicher sein kann. Als funktionierendes Netzwerk, in dem jeder seine Aufgaben oder Kompetenzen hat, ist es m. E. nicht zu bezeichnen, auch wenn Frau G. die Notwendigkeit erkennt: „…und einen guten Freundeskreis pflegen, das wäre wichtig.“ (ebd., Z. 153-154) Den Bedarf an sozialen Netzwerken im öffentlichen Bereich kann sich Frau G. erst im Alter vorstellen (ebd., Z. 234-237) Frau N. lebt seit viereinhalb Jahren in einer kleinen bayrischen Gemeinde, nachdem sie vorher in der Nähe einer schwäbischen Großstadt beheimatet war. In der Zeit ihres Alleinlebens nach der Trennung von ihrem Mann lebte sie eigenständig, was ihr nicht schwerfiel. „Absolut. Ohne Probleme, ohne Probleme.“ (s. Anlage 7.3.2., Z. 150) Auch zu ihrem Ex-Mann pflegt sie noch den Kontakt, vor allem wegen des Sohnes, dazu meint sie „wir sind glücklich geschieden, also… gut, manchmal isser sehr wortkarg, wir reden, wenn’s um P. geht, wir reden über alles, wir sind im Prinzip glücklich geschieden, er kann mir vertrauen, ich kann ihm vertrauen, …“ (ebd., Z. 206-209). Nach ihrem Umzug in die ländliche Gegend schloss sie sich keinem Verein oder einer sonstigen Gruppe in ihrer neuen Wohngegend an, „…und hier - da kommscht ned nei, oder du machst den Kulturverein, oder Trachtenverein, oder Musikverein, was überhaupt nicht mein Ding ist, oder Strickverein, nee nee…“ (ebd., Z. 354-357). Kurz nach ihrem Umzug war sie zunächst ein Jahr lang nicht mehr in der gemeinsamen Wohnung mit ihrem Lebensgefährten. „Ich bin komplett in den Haushalt von meinem Vater gegangen.“ (ebd., Z. 42) Auch dort hatte sie keinerlei Anschluss, konnte auch ihren Sohn nicht mitnehmen, musste diesen bei seinem Vater unterbringen - bis zu seinem Schulabschluss 2015 (ebd., Z. 29-32) - und war ca. eineinhalb Stunden Fahrzeit von ihrem neuen Zuhause entfernt. Für sie war es „…ein sehr anstrengendes Jahr. Zum Schluss hatte ich dann die Möglichkeit, mit meiner Cousine ein Arrangement zu treffen,…[…] Wir standen im Telefonkontakt (mit dem Lebensgefährten und ihrem Sohn, Anm. d. Verf.), in schriftlichem Kontakt, aber so diese, diese Nähe, die kam dann erst so die letzten Monate, aber am Anfang gar nicht.[…] Also familienintern war das nur so zu regeln.“ (ebd., Z. 75-82, 120) Frau N. macht die verhältnismäßig große Entfernung von ihrem ursprünglichen Wohnort - ca. 150 km - als Grund für den Rückgang ihrer früher vorhandenen Kontakte aus, für die fehlende Nähe aus familiären Bindungen liegen die Gründe in ihren Familienangehörigen selbst. Weder Schwester noch Bruder standen zur Verfügung, um den Vater zu versorgen, und Frau N. tat dies nur aus einem in der Jugend gegebenen Versprechen heraus. Als sie die Pflegezeit bei ihrem Vater beendete und in das Dorf zu ihrem Lebensgefährten zurückkehrte, verlor sie den Boden unter den Füßen. „Ja, als ich damals dann wieder hierher zurückkam, nach der Pflege meines Vaters, verfiel ich dann in eine Einsamkeit. Also ich kannte zwar das Wort Einsamkeit, ne, dass es das gibt, einsam sein und so, aber ich wusste nie, nie bis dato, wie sich das anfühlt.[…] Soziale Bindungen hatte ich keine - KEINE - KEINE - oder zumindest ganz wenig - ganzganz… keine …“ (ebd., Z. 328-342) In der Zeit, in der Frau N. allein mit ihrem Sohn lebte, hatte sie ein funktionierendes Netzwerk, in dem auch die Versorgung ihres Sohnes durch Tagesmütter gesichert war, wenn sie arbeitete (ebd., Z. 195-200), und Freundinnen, mit denen sie regelmäßigen Kontakt pflegte - „mei, ich hatte jeden dritten Tag Besuch früher, aus dem Landkreis [Herkunftslandkreis], den ich verlassen hab, Landkreis A.,…“(ebd., Z. 351-352).. Auch ergaben sich wohl Arbeitsmöglichkeiten über informelle Wege, z. B. „Und dann hat sich für mich die Möglichkeit geboten…“, oder „…es war alles unproblematisch. Ne neue Arbeit zu finden, auch ne Arbeit, die mir gefällt, undsoweiter,…“ (ebd., Z. 175 und 155-157). Momentan beschränkt sich ihr sozialer Umgang außerhalb der täglichen allgemeinen Kontakte beim Einkaufen etc. auf wenige Freundinnen, die nach langer Zeit wieder den Weg zu ihr gefunden haben. (ebd., Z. 372-380) Kontakte zu ihrem weiteren Familienkreis bestehen nicht. „Da gab’s ja auch schon immer Querelen und Probleme.“ (ebd., Z. 476-477) Frau N. hat beschlossen, „…das, was diese Natur und diese Landschaft mir gibt, das ist nicht aufzuwiegen mit den sozialen Kontakten, die ich früher in [Herkunftslandkreis] hatte.“ (ebd., Z. 366-368) Bei großen Problemen würde sie sich an ihren Bruder wenden, „wir waren immer ein Herz und eine Seele. Also, das ist schon immer. Mein Bruder und ich haben eine sehr enge Bindung,…“ (ebd., Z. 427-429). Den Einsatz sozialer Netzwerke im pflegerischen Bereich hat Frau N. bei der Betreuung ihres Vaters erst gesehen, als der Umzug in ein Pflegeheim anstand. Dass sie Anspruch darauf hatte, in dem Jahr der Pflege 28 Tage Kurzzeitpflege für ihren Vater zu nutzen, hatte sie nicht berücksichtigt. Darauf angesprochen, lehnte sie diese Möglichkeit auch kategorisch ab. Ihr Vater wäre unzumutbar gewesen (ebd., Z. 106- 111).

[...]


1 http://www.aphorismen.de/zitat/187345

2 ÄAktuelle empirische Befunde einer Studie zu Entwicklung und Verlauf "prekarisierter Erwerbsbiographien" zeigen die allmähliche Herausbildung eines neuen Arbeitsmarktakteurs, der Grenzgänger am Arbeitsmarkt. Wir können die Prekarier mithin als Grenzgänger einer veränderten Arbeitswelt beschreiben. Sie bewegen sich durch das unwegsame Gelände von Minijobs, Praktika, Leiharbeit, befristeten Tätigkeiten und staatlichen Unterstützungsleistungen. Sie stehen nicht mehr nur sporadisch oder periodisch, sondern dauerhaft zwischen Arbeitslosigkeit und Erwerbstätigkeit.“

3 ÄIn der öffentlichen Diskussion hat sich für erwerbstätige Alg II-Bezieher die Bezeichnung "Aufstocker" (teilweise auch ÄErgänzer“) durchgesetzt. Dabei werden Aufstocker häufig gleichgesetzt mit Vollzeitbeschäftigten, deren Lohn nicht ausreicht, um auf dem soziokulturellen Existenzminimum zu leben.“ (Statistik der Bundesagentur für Arbeit)

4 Vgl. DWDS-Wörterbuch: Äprekär - Adjektiv, Herkunft Latein: misslich, schwierig, heikel“ (Online-Quelle 4)

5 Grundlage der folgenden Zahlen war die Kursdokumentation 2013/2014 über 59 Frauen.

6 Dies traf für keinen der männlichen Teilnehmer zu. Alle männlichen Teilnehmer waren vor Eintritt ihrer Arbeitslosigkeit entweder vollzeitbeschäftigt oder selbständig tätig.

7 Bildliche Umschreibung der Gruppe der derzeit ca. 40 - 60 - Jährigen, die noch Kinder in Schule oder Ausbildung unterstützen, und sich parallel dazu um ihre meist hochaltrigen Eltern/Schwiegereltern mehr oder weniger ausgeprägt kümmern. Sie stehen meist im Berufsleben und tragen somit auch gesellschaftlich-wirtschaftliche Verantwortung für ihre Familienmitglieder. Nach einer amerikanischen Studie zur Belastung der Ämiddle-ager“ nahm zwar die Zahl der Erwachsenen im Alter von 40 bis 59 Jahren, die Eltern über 65 und gleichzeitig Kinder haben, von 2005 bis 2012 nur um ca. 5 Prozent zu, jedoch die Zahl derer, die sowohl Eltern über 65 Jahre als auch Kinder finanziell unterstützten, wuchs um 25 Prozent. (vgl. Pew Research Center 2013, S. 1).

8 ÄDas Statistische Bundesamt definiert als atypisch Beschäftigte alle abhängig Beschäftigten, deren Arbeitsverhältnis befristet ist, die eine Teilzeitbeschäftigung bis maximal 20 Stunden ausüben, in einem Leiharbeitsverhältnis stehen oder einer geringfügigen Beschäftigung nachgehen.“ (http://www.bpb.de/politik/innenpolitik/arbeitsmarktpolitik/55341/deregulierung?p=all letzter Zugriff: 29.09.2014)

9 Heute sagen oft noch alte Damen, sie Äbrauchten“ nicht arbeiten.

10 Selbst noch im Alter von 45-65 Jahren: Frauen 247 Minuten, Männer 123 Minuten. (Datenbasis: Zeitbudgeterhebung des Statistischen Bundesamtes 2001/2002 Quelle: Statistisches Bundesamt: Datenreport 2004i: 551)

11 ÄWährend erwerbstätige Mütter zu einem ganz erheblichen Teil einer Arbeit mit reduzierter Stundenzahl nachgehen, ist die Teilzeitarbeit bei Männern noch immer wenig verbreitet und steht in keinem ersichtlichen Zusammenhang mit anfallenden Familienaufgaben.“ (GenderDatenreport Kap. 5, S. 290 )

Ende der Leseprobe aus 63 Seiten

Details

Titel
Die Lebenssituation von Frauen der „Sandwich-Generation“. Eine Analyse prekärer Lebenslagen und Ansätze sozialpädagogischer Interventionen
Hochschule
Fachhochschule Münster  (Fachbereich Sozialwesen)
Veranstaltung
Abschlussarbeit
Note
2,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
63
Katalognummer
V296262
ISBN (eBook)
9783656942412
ISBN (Buch)
9783656942429
Dateigröße
1067 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
lebenssituation, frauen, sandwich-generation, eine, analyse, lebenslagen, ansätze, interventionen
Arbeit zitieren
Annett Hornung (Autor), 2014, Die Lebenssituation von Frauen der „Sandwich-Generation“. Eine Analyse prekärer Lebenslagen und Ansätze sozialpädagogischer Interventionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/296262

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