Das individuelle Altern eines Menschen erfolgt in engem Zusammenhang mit seinem sozialen Umfeld. Auch vormals „jugendliche“ Blickweisen, die problembehaftete Zukunftsvisionen in der Regel ausblenden, ändern sich grundlegend mit einschneidenden Lebenssituationen, die sich ab einem Alter von ca. 40 Jahren einstellen können. Die Frage „Was wird sein, wenn…?“ schiebt sich in den Fokus reflektierender Überlegungen und bedingt eine tiefere Betrachtung der jeweiligen individuellen Entwicklung. Durch den demographischen Wandel wird dieser Diskurs zunehmend in das gesellschaftliche Blickfeld gerückt, die Altersbild-Entwürfe in unserer Gesellschaft generieren die intensive Beschäftigung mit Generationenfragen. Im Sechsten Altenbericht des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMSFSJ) wird konstatiert, dass aufgrund der zunehmend längeren gemeinsamen Lebenszeit von Familienmitgliedern auch Bindungen und die Verantwortung der Generationen füreinander wichtiger werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Lebenslagen
2.1. Begriff
2.2. Analyse – Belastungen
2.2.1. Prekariat
2.2.2. Materielle Situation und Erwerbstätigkeit
2.2.3. Bildung
2.2.4. Familiäre und Soziale Netzwerke
2.2.5. Gesundheitssituation physisch und psychisch
2.2.6. Wohnsituation und alltägliche Tätigkeiten
2.3. Analyse – Ressourcen
3. Handlungsansätze für die Soziale Arbeit
3.1. Einsatz gegen soziale Ungleichheiten
3.2. Vernetzung
4. Fazit
5. Literaturverzeichnis
6. Online-Quellen
7. Anlagen
7.1. Tabellen
7.1.1. Anteil 40 – 60 – jähriger Frauen in Deutschland
7.1.2. Haushalte in Deutschland ( bearbeiteter Auszug)
7.1.3. Die Arbeitszeitlücke
7.2. Lebenslagenkonzept
7.3. Interviews
7.3.1. Interview Frau G. (A.) v. 10.09.2014
7.3.2. Interview Frau N. v. 11.09.2014
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die prekäre Lebenssituation von Frauen der sogenannten „Sandwich-Generation“, die sich gleichzeitig um nachfolgende Kinder und pflegebedürftige ältere Angehörige kümmern müssen. Ziel ist es, belastende Faktoren und Ressourcen dieser Lebensläufe zu analysieren, um daraus notwendige Handlungsansätze für die Soziale Arbeit zur Prävention und Unterstützung abzuleiten.
- Analyse der Sandwich-Situation und ihrer Auswirkungen auf Erwerbsbiografien
- Untersuchung von Belastungsfaktoren wie materielle Armut und prekäre Beschäftigungsverhältnisse
- Evaluation der Bedeutung sozialer Netzwerke und familiärer Unterstützungsstrukturen
- Entwicklung sozialpädagogischer Interventionsstrategien und Empowerment-Methoden
Auszug aus dem Buch
2.2.2. Materielle Situation und Erwerbstätigkeit
Frau G. ist momentan durch ihren jüngsten Sohn einerseits und die Demenzerkrankung ihrer Schwiegermutter andererseits eingebunden in einer typischen „Sandwich-Situation“, in der sie auch ihre eigenen Belange zurückstellen muss, was womöglich den Erfolg ihres späten Studiums gefährdet (s. 7.3.1., Z.249-255), und damit auch ihre Verdienstmöglichkeiten in den Jahren bis zum Erreichen der Rente.
Frau G. hat zwar eine Arbeit – eine halbe Stelle im pädagogischen Bereich – muss sich aber z. Zt. mit einer verhältnismäßig hohen Miete (700 €) belasten, die sie von ihrem Gehalt allein nicht bestreiten könnte. Weil ihr minderjähriger jüngster Sohn während der Schulzeit bei ihr lebt, muss sie eine Drei-Zimmer-Wohnung anmieten, um sich individuellen Freiraum zu erhalten. Dafür setzt sie ihre Trennungsunterhalts-Bezüge ein. Da zeigt sich allerdings, dass Frau G. in ihrem Selbstbild ihrem Lebensstandard vor der Trennung von ihrem Mann anhaftet, sie setzt die Priorität nicht auf ihre finanzielle Existenz, sondern ihre persönlichen Bedürfnisse. Es kann konstatiert werden, dass sich Frau G. nicht einem Einkommensprekariat zugehörig fühlt, auch wenn ihre eigenen Geldmittel nicht auf Dauer für ihren Lebensstil ausreichen werden. „In der Grundsicherung sehe ich mich eigentlich trotz allem nicht, die Hoffnung stirbt zuletzt…“ (ebd., Z. 223-225) Ihr ist angesichts ihrer jährlichen Rentenmitteilung klar, dass sie nach dem geltenden Unterhaltsrecht nach einer Scheidung eine Vollzeitstelle braucht, um ihre Rentenansprüche zu erhöhen und ggfs. auch Geld ansparen muss, um sich im höheren Alter zu finanzieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Hinführung zur Thematik der Sandwich-Generation durch Darstellung des demografischen Wandels und des persönlichen Forschungsanlasses der Autorin.
2. Lebenslagen: Theoretische Einordnung des Lebenslagenkonzepts und detaillierte Analyse der Belastungen (Prekariat, materielle Situation, Netzwerke, Gesundheit) und Ressourcen der untersuchten Frauen.
3. Handlungsansätze für die Soziale Arbeit: Diskussion konkreter sozialpädagogischer Strategien wie empowerment-orientierte Beratung, Bildungsförderung und die Bedeutung von Vernetzung.
4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Lebenslagenprofile sowie Ausblick auf politische Rahmenbedingungen und notwendige präventive Maßnahmen.
Schlüsselwörter
Sandwich-Generation, Lebenslagenkonzept, Prekariat, Soziale Arbeit, Altersarmut, Care-Arbeit, Erwerbstätigkeit, Frauenerwerbsquote, Empowerment, soziale Netzwerke, prekäre Lebenslagen, Generationenbeziehungen, Altersvorsorge, Pflegetätigkeit, Sozialpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Abschlussarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Lebenssituation von Frauen zwischen 40 und 60 Jahren, die durch die gleichzeitige Betreuung von Kindern und pflegebedürftigen Angehörigen in einer sogenannten „Sandwich-Situation“ stehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen prekäre Lebenslagen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, materielle Armutsgefährdung sowie die gesundheitlichen und psychischen Belastungen durch diese Mehrfachbelastung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Es soll exemplarisch aufgezeigt werden, wie soziale Aufgaben zu prekären Lebenslagen führen können, und welche Anknüpfungspunkte die Soziale Arbeit für Prävention und Unterstützung bietet.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit basiert auf einer Analyse von zwei problemzentrierten, biografieorientierten Interviews sowie der Auswertung von Statistiken und dem Lebenslagenkonzept nach Weisser.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Dimensionen der Lebenslagen – wie materielle Situation, Bildung, soziale Netzwerke, Gesundheit und Wohnsituation – sowie Handlungsansätze für die Praxis der Sozialen Arbeit.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend sind die Begriffe Sandwich-Generation, Prekariat, Empowerment, Care-Arbeit und Altersarmutsrisiko.
Wie unterscheidet sich die Situation der beiden interviewten Frauen?
Während Frau G. durch ihr Studium versucht, ihre beruflichen Chancen trotz Prekarität zu verbessern, befindet sich Frau N. aufgrund von Pflegeverpflichtungen in einer Phase der beruflichen Neuorientierung nach einer Lebenskrise.
Warum ist das Thema der „Sandwich-Generation“ aktuell?
Durch den demografischen Wandel und die steigende Lebenserwartung sowie die hohe Erwerbsbeteiligung von Frauen nimmt die Wahrscheinlichkeit zu, dass Care-Arbeit für mehrere Generationen gleichzeitig geleistet werden muss.
Welche Rolle spielt das soziale Netzwerk für die betroffenen Frauen?
Das Netzwerk fungiert als wichtige Ressource zur Bewältigung von Krisen; die Arbeit zeigt jedoch, dass bei den betroffenen Frauen oft eine Lücke zwischen dem Bedarf an Unterstützung und der tatsächlichen Inanspruchnahme von Hilfen besteht.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin für die Soziale Arbeit?
Es wird betont, dass die Soziale Arbeit niedrigschwellige Angebote schaffen muss, um Frauen frühzeitig zu erreichen, Ressourcen zu stärken und eine Abwärtsspirale in prekäre Lebenslagen zu verhindern.
- Quote paper
- Annett Hornung (Author), 2014, Die Lebenssituation von Frauen der „Sandwich-Generation“. Eine Analyse prekärer Lebenslagen und Ansätze sozialpädagogischer Interventionen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/296262