Seit den letzten zwei Jahrzehnten diskutieren Bund und Länder über eine Öffnung des Unterrichts in Schulen. Grundanliegen war es, den lehrerzentrierten Unterricht durch Unterrichtsarrangements zu ergänzen, die Schüler erlauben, Lernaufgaben in selbstständiger und autonomer Form zu bearbeiten und sogar selbst zu finden.
Die Definition des Begriffes „Offener Unterricht“ ist schwierig, weil es sich hierbei um einen Sammelbegriff handelt, der verschiedene Konzepte umfasst. Die heutigen Ansätze eines offenen Unterrichtens sind auf unterschiedliche Einflüsse zurück zu führen, wie zum Beispiel durch die Reformpädagogik, antiautoritäre Erziehungskonzepte und die Notwendigkeit einer vermehrten Orientierung an wissenschaftlichen Methoden. Die Konzepte eines offenen Unterrichts haben aber gemeinsam, dass sie schülerzentriertes, individuelles, autonomes, handlungsorientiertes, lebenslanges und selbstverantwortliches Lernen ermöglichen sollen...
Die Forderung nach autonomem Lernen in der Fremdsprachendidaktik wird etwa seit Beginn der 1980er Jahre immer wieder aufgestellt und ist in der Didaktik ein vieldiskutiertes Thema. Das Prinzip der Lernautonomie beschreibt somit eine Strömung der Fremdsprachendidaktik. In der folgenden Ausarbeitung wird definiert und diskutiert, welche Bedeutung mit dem Konzept des autonomen Lernens verknüpft wird und welche Prinzipien für einen Lernerautonomie fördernden Fremdsprachenunterricht gelten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Selbstgesteuertes Lernen und Öffnung des Unterrichts aus pädagogisch-didaktischer Sichtweise
2. Entwicklung des Gegenstandbereichs der Lernerautonomie
2.1. Konstruktivismus
2.2. Definitionen des Gegenstandbereichs
3. Öffnung des Unterrichts zugunsten von Lernerautonomie
3.1. Wie kann eine Öffnung des Unterrichts vorgenommen werden?
3.2. Chancen und Risiken von offenem Unterricht in der Praxis
4. Lernerautonomie im fremdsprachlichen Klassenzimmer
4.1. Autonomes Fremdsprachenlernen
4.2. Autonomes Klassenzimmer
4.3. Rolle des autonomen Lerners
4.4. Rolle des Lehrers
5. Unterrichtsmethoden und Leistungsbewertung
5.1. Vier Komponenten selbstgesteuerten Lernens
5.2. Unterrichtsmethoden und Selbststeuerungsmöglichkeiten
5.3. Selbstgesteuertes Lernen mit neuen Medien – Beispiel Internet
5.4. Leistungsbewertung im Prozess des selbstgesteuerten Lernens
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Konzept der Lernerautonomie im Kontext des modernen Fremdsprachenunterrichts, mit dem Ziel aufzuzeigen, wie Schüler durch eine Öffnung des Unterrichts zu selbstgesteuertem Lernen befähigt werden können und welche veränderte Rolle dabei dem Lehrer zukommt.
- Grundlagen der Lernerautonomie und konstruktivistische Lerntheorien
- Methoden zur Öffnung des Fremdsprachenunterrichts
- Die sich wandelnde Rolle von Lehrenden und Lernenden
- Integration neuer Medien zur Förderung selbstständigen Lernens
- Herausforderungen der Leistungsbewertung in offenen Lernarrangements
Auszug aus dem Buch
2.1. Konstruktivismus:
Seit den 80er Jahren bestehen Bestrebungen in Richtung konstruktivistischer Fremdsprachendidaktik auch im deutschen Bildungssystem. Der Konstruktivismus hat die kognitive Psychologie als theoretische Grundlage und geht davon aus, dass Lernen ein konstruktivistischer Prozess ist und ist der Meinung, dass jeder Fremdsprachenlerner auf der Grundlage seiner eigenen Fertigkeiten lernt, dabei stets eigene Werte, Überzeugungen, Muster und Vorerfahrungen in seine Denkstrukturen einsetzt (vgl. Siebert 1998, S. 14f.). Die konstruktivistische Lerntheorie kritisiert den lehrerzentrierten Frontalunterricht, bei dem das Lehrerwissen durch ein konstruiertes Lernen und Wirklichkeit geprägt wird.
Die aktuelle Reformpädagogik und die KMK fordert eine Orientierung am Schüler und am selbstständigen Lernen im Englischunterricht. Das Lernen ist ein Konstrukt und wird durch das Vorwissen des Lerners gesteuert, ist geringfügig beeinflussbar und ein Prozess der Selbstorganisation. Der Lerner soll Verantwortung für das eigene Lernen übernehmen (Messner 2006, S. 15f.). Des Weiteren kritisiert der Konstruktivismus, dass die Schüler oftmals nicht genug eigenständig konstruieren dürfen. Interaktionen mit ihren Mitschülern sind ausschlaggeben dafür, wie das Lernen von ihnen angenommen, weitergeführt und entwickelt wird. „Dabei ist es entscheidend, inwieweit es dem Lernenden gelingt, eine eigene Perspektive auf sein Lernen einzunehmen, indem er sich selbstständig motiviert, sein Lernen selbst organisiert, sich seiner Muster und Schematisierungen bewusst wird und diese handlungsorientiert entwickelt“ (Siebert 1998, S. 35). Zu ergänzen ist die Notwendigkeit fremde Perspektiven einnehmen und sich ‚von außen‘ betrachten zu können, um Schwierigkeiten des eigenen Lernens zu beobachten und neue, kreative Wege zu erschließen, die das Lernverhalten verändern (Vgl. Messner 2006, S. 16).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Selbstgesteuertes Lernen und Öffnung des Unterrichts aus pädagogisch-didaktischer Sichtweise: Diese Einleitung führt in die Notwendigkeit der Öffnung des Fremdsprachenunterrichts ein, um Kompetenzen für lebenslanges, selbstgesteuertes Lernen zu entwickeln.
2. Entwicklung des Gegenstandbereichs der Lernerautonomie: Das Kapitel beleuchtet die theoretischen Fundamente der Lernerautonomie, insbesondere unter dem Aspekt des Konstruktivismus, und definiert den Begriff in Abgrenzung zu verwandten Konzepten.
3. Öffnung des Unterrichts zugunsten von Lernerautonomie: Hier werden Wege der Unterrichtsöffnung sowie die damit verbundenen Chancen und Risiken für die schulische Praxis diskutiert.
4. Lernerautonomie im fremdsprachlichen Klassenzimmer: Dieses Kapitel analysiert das autonome Fremdsprachenlernen und die Rollenveränderungen, die sich für Schüler und Lehrer im Rahmen eines autonomen Klassenzimmers ergeben.
5. Unterrichtsmethoden und Leistungsbewertung: Der Abschnitt stellt konkrete Methoden wie Wochenplanarbeit oder Portfolioarbeit vor und diskutiert, wie Leistungsbewertung in diesem Kontext neu gedacht werden muss.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Bedeutung der Lernerautonomie für das lebenslange Lernen zusammen und empfiehlt eine Kombination aus traditionellen und offenen Unterrichtsformen.
Schlüsselwörter
Lernerautonomie, selbstgesteuertes Lernen, Fremdsprachenunterricht, konstruktivistische Lerntheorie, offener Unterricht, Rolle des Lehrers, Lernkompetenz, Portfolioarbeit, Stationenlernen, Medienkompetenz, Leistungsbewertung, Handlungsorientierung, Schülerzentrierung, Selbstorganisation, lebenslanges Lernen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Konzept der Lernerautonomie im Fremdsprachenunterricht und untersucht, wie Unterricht gestaltet sein muss, um selbstgesteuertes Lernen bei Schülern zu fördern.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Zu den zentralen Themen gehören die konstruktivistischen Grundlagen des Lernens, didaktische Methoden zur Unterrichtsöffnung, die veränderte Rollenverteilung zwischen Lehrkraft und Lernendem sowie die Integration von Medien und neue Ansätze zur Leistungsbewertung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es zu definieren, was mit Lernerautonomie im Fremdsprachenunterricht gemeint ist, und aufzuzeigen, durch welche Prinzipien und methodischen Ansätze ein Lernerautonomie fördernder Unterricht in der Praxis umgesetzt werden kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung fachdidaktischer Literatur, um das Konzept der Lernerautonomie zu definieren, zu begründen und praktische Umsetzungsmöglichkeiten im Englischunterricht abzuleiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Überlegungen zum Konstruktivismus und zur Autonomie, die konkrete Methodik zur Öffnung des Unterrichts (z.B. Stationenlernen, Portfolio), die Rollendefinitionen von Lehrer und Schüler sowie die damit verbundene notwendige Anpassung der Leistungsbewertung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Lernerautonomie, selbstgesteuertes Lernen, offener Unterricht, Fremdsprachendidaktik und handlungsorientiertes Lernen.
Warum spielt der Konstruktivismus eine so wichtige Rolle für das Verständnis von Lernerautonomie?
Der Konstruktivismus bietet die theoretische Grundlage, indem er Lernen als einen individuellen Prozess der Wissenskonstruktion durch den Lernenden selbst begreift, was eine Abkehr vom rein instruktionistischen Frontalunterricht zwingend erforderlich macht.
Wie verändert sich die Rolle der Lehrkraft im offenen Unterricht?
Die Lehrkraft wandelt sich vom reinen Wissensvermittler und Instrukteur zum Lernbegleiter, Moderator, Coach und Berater, der geeignete Lernumgebungen schafft und Schüler bei der eigenständigen Entwicklung unterstützt.
Inwiefern ist die Leistungsbewertung ein kritischer Punkt bei der Öffnung des Unterrichts?
Traditionelle Notengebung steht oft im Widerspruch zu selbstgesteuerten Lernprozessen. Die Arbeit argumentiert daher für eine veränderte Bewertung, die Selbsteinschätzung, Lernberichte und Portfolios einbezieht, um den individuellen Lernweg transparent und förderlich zu gestalten.
Welche Bedeutung hat das Internet für das autonome Fremdsprachenlernen laut dem Autor?
Das Internet wird als mächtiges Lernmedium gesehen, da es den Schülern Freiheitsgrade beim Zugriff auf Informationen bietet, individuelle Lernwege ermöglicht und motivierend wirkt, wenn es zielgerichtet zur Recherche und Erarbeitung von Themen eingesetzt wird.
- Arbeit zitieren
- Laura Endrizzi (Autor:in), 2014, Lernerautonomie. Selbstgesteuertes fremdsprachliches Lernen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/296293