Bilder sind neben dem Schulbuch und der Tafel eines der ältesten Medien des Geschichtsunterrichts. Der Einsatz und die Funktion des Bildes als Hilfsmittel des Geschichtsunterrichts haben sich vom ausgehenden 19. Jahrhundert und bis in die Gegenwart hinein deutlich verändert.
Noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Schulbücher gänzlich ohne Bilder. Gegen Ende des Jahrhunderts nahm die Anzahl der Bilder im Geschichtsunterricht und in den Schulbüchern durch neue didaktische Erkenntnisse und den technischen Fortschritt deutlich zu. Durch die Fotografietechnik konnten darüber hinaus bessere und genauere Veranschaulichungsbilder hergestellt werden. Des Weiteren erkannten die Schulbehörden die Möglichkeit, mithilfe des Bildeinsatzes im Geschichtsunterricht „große“ Persönlichkeiten der Zeitgeschichte und „große“ Ereignisse der Gegenwart den Schülerinnen und Schülern vor Augen zu führen. Hinzu kommt, dass zum Ende des 19. Jahrhunderts durch die reformpädagogische Bewegung die Fantasie und Psyche des Kindes berücksichtigt wurde und sich die Didaktik und Methodik dahingehend weiter entwickelte...
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Bildern im Geschichtsunterricht, indem zunächst die Bildgattungen, die im Unterricht häufig Verwendung finden, beschrieben werden. Im Anschluss daran werden die verschiedenen Funktionen von Bildern im Geschichtsunterricht erläutert und dargestellt. In Verbindung mit diesen Funktionen wird herausgearbeitet, in welchen Phasen des Unterrichts Bilder mit bestimmten Funktionen eingesetzt werden können. Den abschließenden Teil bildet ein Analyse- beziehungsweise Interpretationsschema, das zunächst theoretisch und in der Folge in einer vereinfachten Form für den Schulunterricht vorgestellt wird. Daran anschließend werden darüber hinaus einige handlungsorientierte Verfahren der Bildbearbeitung beispielhaft erläutert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bildtypen und Bildgattungen
2.1 Zeitgleiche Bilder
2.1.1 Personenbilder
2.1.2 Ereignisbilder
2.1.3 Stadtbilder
2.2 Geschichtsbilder
2.2.1 Historienbilder
3. Funktion und Ort des Bildeinsatzes im Geschichtsunterricht
3.1 Was können Bilder leisten? - Funktionen des Bildeinsatzes im Geschichtsunterrich
3.2 In welchen Phasen des Unterrichts können Bilder eingesetzt werden? – Orte des Bildeinsatzes im Geschichtsunterricht
4. Die Interpretation und Analyse von Bildern im Geschichtsunterricht
4.1 Die historische Bildinterpretation nach Erwin Panofsky - didaktische Reduktion für den Einsatz im Geschichtsunterricht
4.2 Die Handlungsorientierte Bildbearbeitung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle, Funktion und methodische Analyse von Bildquellen im Geschichtsunterricht. Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch eine gezielte Bildarbeit die historische Kritikfähigkeit von Schülerinnen und Schülern gestärkt und das Verständnis für komplexe Sachverhalte sowie deren mediale Darstellung gefördert werden kann.
- Klassifizierung von Bildtypen und Gattungen (zeitgleiche Bilder vs. Geschichtsbilder).
- Funktionsanalyse des Bildeinsatzes (dekorativ, repräsentativ, interpretativ).
- Integration von Bildquellen in verschiedene Phasen des Geschichtsunterrichts.
- Methoden der historischen Bildinterpretation nach Erwin Panofsky (didaktische Reduktion).
- Praktische handlungsorientierte Verfahren der Bildbearbeitung.
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Personenbilder
Personenbilder bilden immer eine oder mehrere Personen ab. Die Funktion eines Personenbildes liegt darin, einen Menschen, gegebenenfalls auch einen bereits verstorbenen Menschen zu präsentieren beziehungsweise zu repräsentieren. Das heißt, dass Personenbilder Erinnerungen hervorrufen sollen, eine oder mehrere Personen ehren oder auch bekannt machen sollen. Im Falle von Karikaturen dienen Personenbilder aber auch dazu, einen Menschen zu kritisieren oder zu verspotten. Da Karikaturen in dieser Thematik jedoch nicht berücksichtigt werden, ist darauf an dieser Stelle nicht näher einzugehen.
Personenbilder können durch verschiedene Techniken dargestellt werden. Einzelpersonen oder Personengruppen können in Gemälden, der wohl populärsten Form der Personendarstellung, abgebildet werden, aber auch in Standbildern, Grabmälern, auf Münzbildern oder Fotografien. Personenbilder müssen daher immer im Kontext eines bestimmten Öffentlichkeitsgrads gesehen werden; es ist zu unterscheiden zwischen öffentlichen und privaten Zwecken. Standbilder und Münzbilder beispielsweise sind öffentliche Bilder, da sie sich zumeist an ein breites Publikum wenden. Fotografien und Gemälde hingegen sind überwiegend an einen kleinen, privaten Adressatenkreis gerichtet.
Im Geschichtsunterricht werden am häufigsten die Herrscherbilder eingesetzt. Diese sind für den Einsatz in der Schule besonders interessant, da sie verwendet werden können, um zu untersuchen, was mit der jeweiligen Darstellung erreicht werden soll. Bei der Interpretation eines solchen Herrscherbildes - im Geschichtsunterricht häufig verwendet das Gemälde Ludwigs XIV. von Hyazinth Rigaud aus dem Jahre 1701 oder auch ein Foto Adolf Hitlers kurz nach seiner Machtübernahme 1933 von Heinrich Hoffmann - können Schülerinnen und Schüler konkret untersuchen, wie durch das jeweilige Bild der Herrschaftsanspruch legitimiert wird oder ob ein bestimmtes politisches Programm abgebildet wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die historische Entwicklung des Bildeinsatzes im Geschichtsunterricht und begründet die Notwendigkeit, bei Schülern eine kritische Bildkompetenz zu fördern.
2. Bildtypen und Bildgattungen: Dieses Kapitel differenziert zwischen verschiedenen Bildformen, insbesondere zeitgleichen Bildern und Geschichtsbildern, und deren jeweilige Funktion als historische Quelle.
3. Funktion und Ort des Bildeinsatzes im Geschichtsunterricht: Es werden die didaktischen Funktionen von Bildern beleuchtet sowie deren gezielter Einsatz in unterschiedlichen Unterrichtsphasen zur Förderung des Lernerfolgs erläutert.
4. Die Interpretation und Analyse von Bildern im Geschichtsunterricht: Dieses Kapitel stellt methodische Ansätze zur Bildanalyse vor, wobei Erwin Panofskys Schema didaktisch reduziert und um handlungsorientierte Verfahren ergänzt wird.
5. Fazit: Das Fazit resümiert die Bedeutung des bewussten Umgangs mit Bildern im Geschichtsunterricht als notwendiges Korrektiv zum schnellen Bildkonsum in der heutigen digitalen Welt.
Schlüsselwörter
Geschichtsunterricht, Bildquellen, Bildinterpretation, Bildgattungen, Herrscherbilder, historische Kritikfähigkeit, Didaktik, Erwin Panofsky, handlungsorientierte Bildbearbeitung, Quellenkritik, Medien im Unterricht, visuelle Kompetenz, Bildanalyse, Historienbilder, Ereignisbilder
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der methodischen Einbindung von Bildern im Geschichtsunterricht und der Entwicklung der damit verbundenen Analysekompetenzen bei Schülern.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Felder sind die Typologie von Bildern, deren didaktische Funktionen im Unterrichtsverlauf sowie wissenschaftliche Methoden der Bildinterpretation und handlungsorientierte Arbeitsweisen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den Nutzen von Bildern als historische Quellen aufzuzeigen und Strategien zu entwickeln, mit denen Schüler eine fundierte Kritikfähigkeit gegenüber visuellen Medien erwerben können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf die fachdidaktische Theoriebildung, insbesondere auf die adaptierte Bildinterpretation nach Erwin Panofsky sowie auf Ansätze der handlungsorientierten Geschichtsdidaktik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine systematische Einteilung der Bildgattungen, die didaktische Begründung des Bildeinsatzes und konkrete methodische Anleitungen zur Analyse und Bearbeitung von Bildquellen im Unterricht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Bildinterpretation, historische Kritikfähigkeit, Geschichtsunterricht, Bildgattungen, Quellenkritik und handlungsorientierte Bildbearbeitung.
Warum stellt das "Authentizitätsproblem" bei Ereignisbildern eine Herausforderung dar?
Da viele Bilder erst zeitlich versetzt zum Ereignis entstanden sind oder künstlerisch überhöht wurden, spiegeln sie selten die Realität unverfälscht wider, was eine quellenkritische Einordnung durch die Schüler erforderlich macht.
Wie unterscheidet sich ein Ereignisbild von einem Historienbild?
Während Ereignisbilder primär informieren oder über ein Geschehnis berichten wollen, zeichnen sich Historienbilder durch eine stärkere künstlerische Überhöhung und Dramatisierung aus, die oft symbolische Zwecke verfolgt.
- Arbeit zitieren
- Laura Endrizzi (Autor:in), 2013, Der Einsatz von Bildern im Geschichtsunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/296296