Der Einsatz von Bildern im Geschichtsunterricht


Hausarbeit, 2013

16 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bildtypen und Bildgattungen
2.1 Zeitgleiche Bilder
2.1.1 Personenbilder
2.1.2 Ereignisbilder
2.1.3 Stadtbilder
2.2 Geschichtsbilder
2.2.1 Historienbilder

3. Funktion und Ort des Bildeinsatzes im Geschichtsunterricht
3.1 Was können Bilder leisten? - Funktionen des Bildeinsatzes im Geschichtsunterricht
3.2 In welchen Phasen des Unterrichts können Bilder eingesetzt werden? – Orte des Bildeinsatzes im Geschichtsunterricht

4. Die Interpretation und Analyse von Bildern im Geschichtsunterricht
4.1 Die historische Bildinterpretation nach Erwin Panofsky - didaktische Reduktion für den Einsatz im Geschichtsunterricht
4.2 Die Handlungsorientierte Bildbearbeitung

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Bilder sind neben dem Schulbuch und der Tafel eines der ältesten Medien des Geschichtsunterrichts. Der Einsatz und die Funktion des Bildes als Hilfsmittel des Geschichtsunterrichts haben sich vom ausgehenden 19. Jahrhundert und bis in die Gegenwart hinein deutlich verändert. Noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Schulbücher gänzlich ohne Bilder. Gegen Ende des Jahrhunderts nahm die Anzahl der Bilder im Geschichtsunterricht und in den Schulbüchern durch neue didaktische Erkenntnisse und den technischen Fortschritt deutlich zu. Durch die Fotografietechnik konnten darüber hinaus bessere und genauere Veranschaulichungsbilder hergestellt werden. Des Weiteren erkannten die Schulbehörden die Möglichkeit, mithilfe des Bildeinsatzes im Geschichtsunterricht „große“ Persönlichkeiten der Zeitgeschichte und „große“ Ereignisse der Gegenwart den Schülerinnen und Schülern vor Augen zu führen. Hinzu kommt, dass zum Ende des 19. Jahrhunderts durch die reformpädagogische Bewegung die Fantasie und Psyche des Kindes berücksichtigt wurde und sich die Didaktik und Methodik dahingehend weiter entwickelte.1

In den letzten Jahrzehnten gab es einen erneuten Anstieg der Zahlen von Bildern im Geschichtsunterricht. Es setzte sich die Erkenntnis durch, dass Bilder nicht nur als reine Illustrationen fungieren, sondern darüber hinaus Quellen darstellen, die Aufschluss darüber geben, wie bestimmte Sachverhalte zu einer bestimmten Zeit gesehen wurden.2 Das bedeutet aber auch, dass Schülerinnen und Schüler im Umgang mit Bildern Kritikfähigkeit lernen müssen, denn Bilder bilden in den seltensten Fällen einen Sachverhalt oder Gegenstand so ab, wie er in der Realität gewesen ist. Bilder stellen immer nur eine bestimmte Sichtweise dar, die durch den Künstler oder Auftraggeber eines Bildes beeinflusst ist. Ziel des Geschichtsunterrichts muss es also sein, den Schülerinnen und Schülern diese Kritikfähigkeit zu vermitteln.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Bildern im Geschichtsunterricht, indem zunächst die Bildgattungen, die im Unterricht häufig Verwendung finden, beschrieben werden. Im Anschluss daran werden die verschiedenen Funktionen von Bildern im Geschichtsunterricht erläutert und dargestellt. In Verbindung mit diesen Funktionen wird herausgearbeitet, in welchen Phasen des Unterrichts Bilder mit bestimmten Funktionen eingesetzt werden können. Den abschließenden Teil bildet ein Analyse- beziehungsweise Interpretationsschema, das zunächst theoretisch und in der Folge in einer vereinfachten Form für den Schulunterricht vorgestellt wird. Daran anschließend werden darüber hinaus einige handlungsorientierte Verfahren der Bildbearbeitung beispielhaft erläutert.

2. Bildtypen und Bildgattungen

Bildtypen oder Bildgattungen, die Begriffe sind synonym zu verwenden, erhalten eine Einteilung beziehungsweise Unterteilung in die verschiedenen Gattungen durch unterschiedliche Aspekte. Es gilt die Inhalte der Bilder zu berücksichtigen, wie auch die Zeitebenen und Intentionen von Bildern. Darüber hinaus sind die Präsentationsformen, die Differenzierung zwischen Einzelbildern und Bildreihen sowie die Techniken der Ausführung zu berücksichtigen.3 Da die Vielfalt der Bildgattungen, angelehnt an die genannten Aspekte sehr groß ist, wird sich hier vorwiegend mit solchen beschäftigt, die für den Geschichtsunterricht geeignet sind beziehungsweise im Unterricht verstärkt eingesetzt werden.

2.1 Zeitgleiche Bilder

Bei der Betrachtung der verschiedenen Bildtypen ist zwischen zeitgleichen Bildern und Geschichtsbildern zu unterscheiden. Die Gegenstände, Inhalte und Themen zeitgleicher Bilder sind der Gegenwart oder jüngeren Vergangenheit entnommen. Das bedeutet, dass Inhalte, Gegenstände und Themen mit der Darstellung auf einer Zeitebene liegen. Derartige Bilder dienen als Quelle sowohl für die dargestellten Inhalte als auch für die Perspektiven, die das Bild transportieren will.4

2.1.1 Personenbilder

Personenbilder bilden immer eine oder mehrere Personen ab. Die Funktion eines Personenbildes liegt darin, einen Menschen, gegebenenfalls auch einen bereits verstorbenen Menschen zu präsentieren beziehungsweise zu repräsentieren. Das heißt, dass Personenbilder Erinnerungen hervorrufen sollen, eine oder mehrere Personen ehren oder auch bekannt machen sollen. Im Falle von Karikaturen dienen Personenbilder aber auch dazu, einen Menschen zu kritisieren oder zu verspotten.5 Da Karikaturen in dieser Thematik jedoch nicht berücksichtigt werden, ist darauf an dieser Stelle nicht näher einzugehen.

Personenbilder können durch verschiedene Techniken dargestellt werden. Einzelpersonen oder Personengruppen können in Gemälden, der wohl populärsten Form der Personendarstellung, abgebildet werden, aber auch in Standbildern, Grabmälern, auf Münzbildern oder Fotografien. Personenbilder müssen daher immer im Kontext eines bestimmten Öffentlichkeitsgrads gesehen werden; es ist zu unterscheiden zwischen öffentlichen und privaten Zwecken. Standbilder und Münzbilder beispielsweise sind öffentliche Bilder, da sie sich zumeist an ein breites Publikum wenden. Fotografien und Gemälde hingegen sind überwiegend an einen kleinen, privaten Adressatenkreis gerichtet.6

Im Geschichtsunterricht werden am häufigsten die Herrscherbilder eingesetzt. Diese sind für den Einsatz in der Schule besonders interessant, da sie verwendet werden können, um zu untersuchen, was mit der jeweiligen Darstellung erreicht werden soll. Bei der Interpretation eines solchen Herrscherbildes - im Geschichtsunterricht häufig verwendet das Gemälde Ludwigs XIV. von Hyazinth Rigaud aus dem Jahre 1701 oder auch ein Foto Adolf Hitlers kurz nach seiner Machtübernahme 1933 von Heinrich Hoffmann - können Schülerinnen und Schüler konkret untersuchen, wie durch das jeweilige Bild der Herrschaftsanspruch legitimiert wird oder ob ein bestimmtes politisches Programm abgebildet wird.

Bei dem Einsatz und der Bearbeitung von Herrscherbildern im Geschichtsunterricht muss der historische Kontext wie auch die Bildsprache der jeweiligen Zeit einbezogen werden.7 Das bedeutet, dass beispielsweise das Gemälde Ludwigs XIV. von Rigaud aus dem Jahre 1701 nicht analysiert und interpretiert werden kann, wenn die Schülerinnen und Schüler nicht auch den Absolutismus des Ancien Régime und das zu dieser Zeit vorherrschende Herrscherverständnis kennen und verstehen. Des Weiteren könnten die oben genannten Bilder von Ludwig XIV. und Adolf Hitler8 vergleichend untersucht werden, da Adolf Hitler durch seinen Mantel und seine Haltung an Rigauds Gemälde erinnert. Im Geschichtsunterricht könnten Parallelen herausgearbeitet und gedeutet werden; es könnte beispielsweise untersucht werden, weshalb Hitler sich bewusst in dieser Haltung fotografieren ließ. Zu beachten wäre hierbei, dass dieses Foto als Ansichtskarte vertrieben wurde und die Haltung Hitlers nicht nur an Ludwig XIV., sondern ebenfalls an Wilhelm II. erinnert.

2.1.2 Ereignisbilder

Ereignisbilder sind im Allgemeinen Bilder, die von einmaligen Ereignissen beziehungsweise Geschehnissen berichten. Das bedeutet, dass sie anders als Historienbilder, auf die an anderer Stelle noch einzugehen sein wird, Ereignisse oder Geschehnisse weder überhöhen noch kritisieren. Vielmehr zielen Ereignisbilder darauf ab, über etwas zu berichten oder zu informieren.9

Auch Ereignisbilder können durch verschiedene Techniken hergestellt beziehungsweise dargestellt werden. In der Frühen Neuzeit bebilderten sie als Holzschnitt vor allem Flugschriften und Flugblätter, die auch als „Zeitungen“ der Frühen Neuzeit bezeichnet werden können. In der heutigen Zeit erscheinen Ereignisbilder besonders in Form von Fotografien und als Pressefotos, die durch die neuen Medien des 21. Jahrhunderts einem breiten öffentlichen Publikum zugänglich sind.10

Bei der Beschäftigung mit Ereignisbildern im Geschichtsunterricht muss sich mit einem Authentizitätsproblem auseinandergesetzt werden, das vielen Ereignisbildern anhaftet. Das heißt, dass ein Ereignisbild eine Situation in den seltensten Fällen so darstellt, wie ein Augenzeuge es hätte wahrnehmen können. Kupferstecher oder Holzschneider, die ein Ereignis malerisch abbilden, waren zumeist nicht persönlich anwesend, weshalb sie ihre Informationen selbst aus zweiter Hand beziehen mussten. Dass bedeutet wiederum, dass bei dem Erstellen eines solchen Bildes immer auch die Intention des Kupferstechers oder Holzschneiders mit in die Abbildung einfließt, der eine Situation so darstellt, wie es ihm am sinnvollsten erscheint und wie es für das Publikum am interessantesten ist. Dieses Authentizitätsproblem gilt besonders dann, wenn ein Bild nicht in der direkten Gegenwart der Zeitgenossen, sondern später entstanden ist. Ein Ereignisbild beispielsweise, das über den Sturm auf die Bastille in Frankreich am 14. Juli 1789 „berichten“ soll, aber erst im Oktober 1789 entstanden ist, ist zumeist aufgrund der zeitlichen Distanz „verfälscht“ und hat somit nur einen beschränkten Quellenwert. Vor allem im Geschichtsunterricht muss mit derartigen Bildern vorsichtig und kritisch umgegangen werden. Es gilt den Schülerinnen und Schülern zu verdeutlichen, dass das gezeigte Ereignisbild keine authentische Darstellung ist. Daher ist es besonders wichtig stets das Entstehungsdatum eines solchen Bildes mitzuliefern, um dieses mit dem Zeitpunkt der dargestellten Situation in Beziehung setzen zu können.11

2.1.3 Stadtbilder

Bei den so genannten Stadtbildern handelt es sich zumeist um Idealbilder einer Stadt und weniger um Ortschaften oder Plätze, die realitätsgetreu in einem Bild dargestellt werden. Aus diesem Grund können Stadtbilder zum Einen als Quelle dafür dienen, wie es zu einer bestimmten Zeit in einer Stadt ausgesehen hat, zum Anderen sind sie aber auch Quellen dafür, wie die Zeitgenossen sich zu einer bestimmten Zeit eine ideale Stadt vorstellten.12

Im Geschichtsunterricht kommen Stadtbilder vor allem dann zum Einsatz, wenn die historische Entwicklung einer Stadt, zum Beispiel zur Zeit der Industrialisierung, betrachtet und bearbeitet werden soll. Die Entwicklung einer Stadt lässt sich besonders gut mithilfe eines Gesamtbildes einer Stadt im Längsschnitt einer Bildreihe untersuchen. In einigen Geschichtsbüchern erscheint beispielsweise ein Stadtbild von Dortmund, das die Stadt zu drei unterschiedlichen Zeitpunkten zeigt.13 Bei der Betrachtung des oberen und des mittleren Bildes lassen sich Unterschiede beziehungsweise Entwicklungen erkennen, die aber im Vergleich zum unteren Bild, das aus der Zeit der Industrialisierung stammt, nicht besonders hervorstechend sind. Das untere Bild hingegen lässt den Betrachter auf den ersten Blick eine enorme Entwicklung erkennen. Ein geschlossenes Stadtbild, das auf den anderen Bildern deutlich zu sehen ist, ist mehr existent. Das Stadtbild wird nun bestimmt durch rauchende Schornsteine und viele neue Bauten. Ein derartiger Vergleich ist besonders geeignet, um Schülerinnen und Schülern den extremen Wandel einer Stadt zur Zeit der Industrialisierung zu verdeutlichen.14 Um an die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler anzuknüpfen und einen Gegenwartsbezug zu schaffen, könnte mit Bildern aus der eigenen Stadt gearbeitet werden und darüber hinaus eine Bilderreihe erweitert werden, indem die Schülerinnen und Schüler eigenständig Fotografien von ihrer Stadt machen, die in die dargestellte Stadtentwicklung eingereiht bzw. ergänzt werden können. So entstünde ein Längsschnitt der Stadtgeschichte, der nicht nur vergangene Zeiten vom Mittelalter bis zur Industrialisierung zeigt, sondern es entstünde eine Bilderreihe, die bis in die Gegenwart der Schülerinnen und Schüler hineinreicht.

[...]


1 Bergmann/ Schneider, Bild, S. 213.

2 Sauer, Geschichte, S. 193.

3 Sauer, Bilder, S. 47.

4 Ebd.

5 Ebd., S. 47f..

6 Sauer, Bilder, S. 48f..

7 Ebd., S 51f..

8 Vgl. Anhang, S. 1.

9 Sauer, Bilder, S. 63.

10 Sauer, Bilder, S. 63.

11 Ebd.

12 Ebd., S. 76.

13 Vgl. Anhang, S. 2.

14 Sauer, Bilder, S. 79.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Der Einsatz von Bildern im Geschichtsunterricht
Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta  (Institut für Geistes- und Kulturwissenschaft)
Veranstaltung
GSM 1.2 Geschichtsdidaktik als Kulturwissenschaft
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
16
Katalognummer
V296296
ISBN (eBook)
9783656945055
ISBN (Buch)
9783656945062
Dateigröße
424 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
einsatz, bildern, geschichtsunterricht
Arbeit zitieren
Laura Endrizzi (Autor), 2013, Der Einsatz von Bildern im Geschichtsunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/296296

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