Le Livre de la Cité des Dames, so der Name eines aus dem Spätmittelalter überlieferten Textes, wurde von einer der wenigen Frauen geschrieben, von denen aus dem Mittelalter Schriften überliefert sind. Wie der Titel - auf Deutsch Das Buch von der Stadt der Frauen - bereits andeutet, geht es in diesem Werk um eine Stadt, die von Frauen und für Frauen erbaut wird. In dieser Arbeit soll untersucht werden, unter welchen Bedingungen dieses Buch zustande kam. Da es sich um eine Schrift zur Verteidigung der Frau handelt, die aus den mittelalterlichen Werken zu diesem Thema herausragt, stellt sich die Frage, was an dem Werk so ungewöhnlich ist, außer dass es von einer Frau geschrieben wurde.
Christine de Pizan ist also in mehrerer Hinsicht einmalig. In der vorliegenden Hausarbeit sollen dieser Sachverhalt und weitere Fragestellungen näher betrachtet werden: Wovon handelten ihre Werke? Wer waren ihre Auftraggeber? Warum war es so außergewöhnlich, dass eine Frau sich als Schriftstellerin betätigte? Dem historischen Kontext wird kein eigenes Kapitel gewidmet werden, vielmehr soll er an den passenden Stellen in den Text erklärend miteinfließen. Ebenso soll auf die Rezeption der Frauenverteidigung in der Cité des Dames eingegangen werden. Auch Aufbau und Inhalt der Cité des Dames werden in dieser Arbeit näher betrachtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Christine de Pizan
2.1 Leben
2.2 Schriften
3. Le Livre de la Cité des Dames
3.1 Eingangsszene
3.1.1 Die drei Tugenden
3.1.2 Rahmenhandlung
3.2 Quellen
3.3 Verteidigung der Frauen
4. Der Inhalt
4.1 Erstes Buch: vernunftbegabte Frauen
4.1.1 Herrscherinnen: Semiramis und die Amazonen
4.1.2 Erfinderinnen: Ceres, Isis und Minerva
4.2 Zweites Buch: tugendhafte Frauen
4.2.1 Die Liebende: Thisbe
4.2.2 Die Keusche: Lucretia
4.3 Drittes Buch: Die frommen Frauen
4.3.1 Maria, die himmlische Königin der Stadt
4.3.2 Die Vita der heiligen Christine
4.3.3 Christine de Pizans Schlussansprache an die Leserinnen
5. Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entstehungsbedingungen und das Frauenbild in Christine de Pizans Werk "Le Livre de la Cité des Dames". Ziel ist es, die Einzigartigkeit der Autorin als Berufsschriftstellerin des Mittelalters hervorzuheben und zu analysieren, wie sie durch die allegorische Errichtung einer Stadt der Frauen misogyne Vorurteile ihrer Zeit kritisch hinterfragt und widerlegt.
- Analyse des historischen Kontextes und der Einzigartigkeit von Christine de Pizan als weibliche Autorin.
- Untersuchung des allegorischen Aufbaus und der Handlungsstruktur der "Cité des Dames".
- Darstellung der verwendeten Quellen und deren kritische Transformation durch die Autorin.
- Charakterisierung des positiven Frauenbildes durch repräsentative Beispiele (Exempla).
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Rahmenhandlung
Zunächst soll mit der Hilfe von Raison die Stadtmauer gebaut werden (erstes Buch), in einem zweiten Schritt folgen daraufhin die Gebäude, die Straßen und die Plätze der Stadt. Zuletzt (im dritten Buch) sollen die Türme der Paläste veredelt und die Königin der Stadt begrüßt werden.
Im Livre de la Cité des Dames werden frauenfeindliche Vorwürfe durch in einem festgelegten Argumentationsmuster widerlegt: Christine nimmt Aussagen misogyner Autoren auf und fragt jeweils die für den aktuellen Bauabschnitt zuständige Dame, was von dieser Aussage zu halten sei, wobei Christine immer wieder ihren Namen einfließen läßt: „Je, Christine...“. Die Diskussionspartnerin widerlegt daraufhin die Argumente dieser Autoren, wobei sie unterschiedliche Methoden anwendet. Hier zeigt sich bereits der dialogische Aufbau in der Cité des Dames. Dabei spielen passend zum jeweiligen Thema ausgewählte Beispiele aus dem Leben von Frauen die wichtigste Rolle bei der Unterstützung der Gegenargumentation zugunsten der Frauen.
Diese Exempla machen den größten Teil der Cité aus und sind in ihrer Länge recht unterschiedlich. Häufig sind sie umfangreich und erstrecken sich über mehrere Seiten, manchmal sind sie aber auch nur wenige Zeilen lang.
Die Darstellungen zu einem bestimmten Thema werden an einigen Stellen auch nach einer kurzen Zusammenfassung mit dem Hinweis darauf unterbrochen, dass es noch mehr Beispiele gebe, die in anderen Schriften nachgelesen werden könnten, um nun wieder durch Christine einen weiteren Vorwurf frauenfeindlicher Autoren in die Diskussion einbringen zu lassen. Hierauf folgen dann weitere Beispiele zu einem neuen Thema. Christine oder eine der Tugenden wiederholt an einigen Stellen die Kernaussage des Abschnittes und fasst sie dann zusammen. Auffällig ist die Steigerung von den im ersten Buch genannten Frauen, deren Exempla beweisen sollen, dass Frauen ihren Verstand gebrauchen können und als Gründerinnen der Zivilisation in die Geschichte eingegangen sind, über die rechtschaffenen und liebenden Frauen im zweiten Teil hin zu den heiligen Märtyrerinnen im dritten Buch und zu Maria, der Königin der Stadt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Werk von Christine de Pizan und Formulierung der Fragestellung bezüglich der Einzigartigkeit und des Frauenbildes im Mittelalter.
2. Christine de Pizan: Biographie der Autorin, ihre Rolle als Berufsschriftstellerin und Überblick über ihr umfangreiches schriftstellerisches Gesamtwerk.
3. Le Livre de la Cité des Dames: Beschreibung der Eingangsszene, der allegorischen Struktur mit den drei Tugenden sowie Analyse der verwendeten Quellen.
4. Der Inhalt: Detaillierte Betrachtung der drei Bücher mit Fokus auf vernunftbegabte, tugendhafte und fromme Frauen als allegorische Bausteine der Stadt.
5. Ausblick: Zusammenfassende Einschätzung des Werkes und der modernen Rezeption von Christine de Pizans Forderungen nach Bildungsgleichheit.
Schlüsselwörter
Christine de Pizan, Le Livre de la Cité des Dames, Frauenbild, Mittelalter, Misogynie, Allegorie, Raison, Droitture, Justice, Exempla, Boccaccio, Frauengeschichte, Emanzipation, Literaturtheorie, Zivilisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Werk "Le Livre de la Cité des Dames" von Christine de Pizan, eine Verteidigungsschrift, in der eine allegorische Stadt für Frauen errichtet wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die mittelalterliche Frauenliteratur, die Auseinandersetzung mit misogynen Autoren, das Recht der Frau auf Bildung und die Verteidigung weiblicher Tugendhaftigkeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, unter welchen Bedingungen das Werk entstand und wie sich das Frauenbild in der Cité des Dames konstituiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die die Handlungsstruktur, den dialogischen Aufbau und den Umgang der Autorin mit zeitgenössischen Quellen untersucht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert den Aufbau der allegorischen Stadt, stellt die drei Tugenden vor und untersucht anhand zahlreicher Beispiele (Exempla) aus den drei Büchern die Verteidigung der Frauen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Christine de Pizan, Cité des Dames, Misogynie, Tugenden, Exempla und das Recht der Frau auf Bildung.
Wie geht Christine de Pizan in ihrem Werk mit Quellen um?
Sie nutzt bekannte Werke, insbesondere von Boccaccio, transformiert diese jedoch thematisch und inhaltlich, um ein positives, eigenständiges Frauenbild zu zeichnen.
Welche Bedeutung kommt der Figur der Maria im dritten Buch zu?
Maria fungiert als Inbegriff der Tugendhaftigkeit und als Königin der Stadt, wodurch sie die letzte Instanz der Verteidigung gegen frauenfeindliche Angriffe darstellt.
- Quote paper
- Silvia Willems (Author), 2004, Le Livre de la Cite des Dames. Wider die Vorwürfe misogyner Autoren. Christine de Pizans Verteidigung der Frauen., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29636