In meiner Arbeit werde ich mich auf einige Kernanalysen beziehen um die Frage, ob sich das bürgerschaftliche Engagement in Ost und West bezüglich Quantität und Qualität unterscheidet, zu beantworten. Gibt es Besonderheiten des bürgerschaftlichen Engagements in den neuen Bundesländern? Hierzu werde ich Traditionen der DDR beleuchten. Darüber hinaus werde ich mich mit besonderen Problemen des Institutionentransfers von West nach Ost sowie engagementrelevanten Folgen des Umbruchs beschäftigen und in diesem Kontext einen Ausschnitt des „breiten Beziehungsfeldes gesellschaftlicher Entwicklungs- und Veränderungstrends“8 beleuchten, die vermehrt auf die Lebenshaltung großer Teile der Bevölkerung Einfluss nehmen. In einem nächsten Schritt werde ich ostdeutsche Engagementmotive und –Bereiche sowie gender-spezifische Differenzen in Ostdeutschland analysieren.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Zum Begriff des „bürgerschaftlichen Engagements“
2. Empirische Untersuchungen
3. Besonderheiten des bürgerschaftlichen Engagements in den neuen Bundesländern
3.1 Traditionen der DDR, Institutionentransfer und engagementrelevante Folgen des Umbruchs
3.1.1 Traditionen
3.1.2 Besondere Probleme des Institutionentransfers
3.1.3 Engagementrelevante Folgen des Umbruchs
3.2 Engagementmotive und –Bereiche und Gender-spezifische Differenzen
3.2.1 Motive für bürgerschaftliches Engagement
3.2.2 Engagementbereiche
3.2.3 Frauen und bürgerschaftliches Engagement
4. Erklärungsansätze
4.1 Bestimmungsfaktoren für bürgerschaftliches Engagement in den neuen Ländern
4.1.1 Die Ressourcen der DDR-Gesellschaft
4.1.2 Der unvollständige Transfer
4.1.3 Nähe zur Erwerbsarbeit
4.2 Defizit oder Differenz?
5. Barrieren für bürgerschaftliches Engagement
6. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die quantitativen und qualitativen Besonderheiten des bürgerschaftlichen Engagements in den neuen Bundesländern im Vergleich zu Westdeutschland, um zu klären, ob es sich hierbei um eine defizitäre oder eine eigenständig differenzierte Entwicklung handelt.
- Historische Prägungen durch DDR-Traditionen und die Auswirkungen des Umbruchs.
- Analyse des Institutionentransfers und dessen Folgen für die Zivilgesellschaft.
- Untersuchung von Engagementmotiven und der Nähe zur Erwerbsarbeit.
- Identifikation von Barrieren, die den Einstieg in freiwillige Tätigkeiten erschweren.
- Gegenüberstellung von Defizit- und Differenzhypothese in der aktuellen Forschung.
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Besondere Probleme des Institutionentransfers
Die DDR unterschied sich grundlegend von den Demokratien des Westens: die DDR war weder eine demokratische Gesellschaft noch eine kapitalistische Marktwirtschaft. Anstatt politischer Partizipation und Mehrheitsentscheidung galt das Prinzip des „demokratischen Zentralismus“ - politische Entscheidungen wurden zentralisiert, hierarchisiert und monopolisiert von der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) getroffen. Nach der Wende wurde das als bewährt eingestufte westdeutsche Institutionensystem in die neuen Bundesländer übertragen und damit der Weg einer eigenständige Institutionenbildung verneint.
Die Politik des staatlichen Institutionentransfers hatte zum Inhalt, dass Institutionen wie Föderalismus, die kommunale Selbstverwaltung oder die Freie Wohlfahrtspflege in Ostdeutschland „implantiert“ wurden. Spezifische sozialkulturelle Rahmenbedingungen wurden bei der Konstitution dieser als bewährt gekennzeichneten Institutionen außer Acht gelassen. Politische, soziale und kulturelle Besonderheiten der DDR riefen jedoch neben Akzeptanz auch Abstoßungsreaktionen und Umdeutungen hervor.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die steigende gesellschaftliche Relevanz des bürgerschaftlichen Engagements und benennt das Forschungsziel der Analyse ostdeutscher Spezifika.
1. Zum Begriff des „bürgerschaftlichen Engagements“: Dieses Kapitel erläutert die Vielschichtigkeit des Begriffs und definiert die wesentlichen Dimensionen, die bürgerschaftliches Handeln ausmachen.
2. Empirische Untersuchungen: Es werden statistische Befunde zur Häufigkeit und Verteilung von Engagement zwischen Ost- und Westdeutschland analysiert.
3. Besonderheiten des bürgerschaftlichen Engagements in den neuen Bundesländern: Hier werden die historischen Ursprünge und die Transformationsprozesse nach der Wende als Grundlage für heutige Engagementstrukturen im Osten betrachtet.
4. Erklärungsansätze: Das Kapitel diskutiert theoretische Ansätze zur Einordnung der Engagement-Situation, insbesondere die Debatte zwischen Defizithypothese und Differenzhypothese.
5. Barrieren für bürgerschaftliches Engagement: Die Analyse konzentriert sich auf Hindernisse, die sich durch den wirtschaftlichen Umbruch und die hohe Arbeitslosigkeit ergeben haben.
6. Resümee: Die Arbeit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und betont, dass eine Differenzhypothese die ostdeutsche Situation treffender beschreibt als eine bloße Defizitannahme.
Schlüsselwörter
Bürgerschaftliches Engagement, Ostdeutschland, DDR-Traditionen, Institutionentransfer, Transformationsprozess, Freiwilligenarbeit, Ehrenamt, Zivilgesellschaft, Arbeitslosigkeit, Arbeitsmarktnähe, Defizithypothese, Differenzhypothese, Soziales Kapital, Bürgergesellschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die spezifische Ausprägung und Entwicklung des bürgerschaftlichen Engagements in den neuen Bundesländern nach der Wiedervereinigung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind der Einfluss von DDR-Traditionen, die Folgen des westdeutschen Institutionentransfers und die Verknüpfung von Engagement mit Erwerbsarbeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob der geringere Organisationsgrad im Osten als defizitäre Entwicklung oder als eigenständige, moderne Differenz zu bewerten ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Sekundäranalyse existierender Studien, wie etwa des Freiwilligensurveys 1999 und Arbeiten von Roland Roth oder Klages/Gensicke.
Welche Inhalte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Folgen des Systemumbruchs für die Infrastruktur des Engagements, geschlechtsspezifische Unterschiede sowie die Barrieren durch wirtschaftliche Faktoren.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere die Transformation, der Institutionentransfer und das Konzept des sozialen Kapitals im ostdeutschen Kontext.
Warum wird die Rolle der DDR-Kirchen gesondert hervorgehoben?
Die Kirchen fungierten in der DDR als wichtiger, staatlich relativ unabhängiger Raum für gesellschaftliche Initiativen, verloren aber nach der Wende ihre spezifische infrastrukturelle Bedeutung.
Welchen Einfluss hat die Arbeitslosigkeit auf das freiwillige Engagement?
Die hohe Arbeitslosigkeit führt dazu, dass Engagement oft als Instrument zur beruflichen Wiedereingliederung oder als "Ersatzhandlung" für Erwerbsarbeit genutzt wird, was die Freiwilligkeit und Zivilgesellschaftlichkeit teilweise ambivalent erscheinen lässt.
- Arbeit zitieren
- Christiane Landsiedel (Autor:in), 2003, Bürgerschaftliches Engagement in Ostdeutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29638