Die vorliegende Arbeit befasst sich mit Erkenntnissen von zwei wissenschaftlichen Teildisziplinen: der Zweitsprachenerwerbs- und Sprachlehrforschung. Sie beschäftigen sich mit einem speziellen Aspekt der Sprache - mit der angemessenen Erforschung des Fremd- und Zweitsprachenlernens. Die erste befasst sich mit dem Erwerb von Sprachen in außerschulischer Umgebung. Den Begriff der Sprachlehrforschung liefern Edmondson und House (1993: 17). Sie soll sich mit dem, durch Unterricht gesteuerten, Lehren und Lernen von Fremd- oder Zweitsprachen in verschiedenen Lernkontexten beschäftigen. Darüber hinaus soll sie sowohl die Entwicklung einer Theorie des L2-Lernens als auch die Formulierung empirisch begründeter didaktischer Empfehlungen für verbesserte Sprachenvermittlung im Fremdsprachenunterricht anstreben. Diese zwei wissenschaftlichen Disziplinen sind miteinander verwandt und nicht einfach voneinander abzugrenzen. In der vorliegenden Arbeit beabsichtige ich, auf Erkenntnisse dieser beiden Forschungsbereiche in Bezug auf die Bedeutung von zwei affektiven Einflussgrößen: Motivation und Einstellung sowie des sozialen Faktors Kontakt auf den Prozess des Zweitsprachenerwerbs näher einzugehen. Das Interesse der Arbeit ist ferner gerichtet auf Unterschiede im Zweitsprachenerwerb nach Alter, Geschlecht und sozialer Herkunft der Lernenden. Es soll folglich danach gefragt werden, ob in den Bereichen Motivation, Einstellung sowie Kontakt signifikante Unterschiede zwischen jüngeren und älteren Probanden, zwischen den Geschlechtern und den sozialen Schichten auftreten.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Erkenntnisse der Sprachlehrforschung
1. Erst-, Zweit- und Mehrsprachigkeit- ein Überblick
II. . Sprachlernvoraussetzungen für die nachzeitige Aneignung einer Zweitsprache
1. Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Bezug auf biologische Entwicklung unter besonderer Berücksichtigung des Lernalters und des Geschlechtes
1. 1. Unterschiede zum Erstsprachenerwerb
1. 1. 1. Lernalter
1. 1. 2. Geschlecht
1. 2. Einige Gemeinsamkeiten zwischen Erst- und Zweitsprachenerwerb
III. Rolle der ausgewählten affektiven Faktoren im Zweitsprachenerwerb am Beispiel von Motivation und Einstellung
1. Zum Begriff der Motivation und des Motivs
2. Einstellung
3. Zum Begriff der Motivation und Einstellung im Spracherwerb
3. 1. Motivations- und Einstellungsproblematik in der Erst- und Zweitsprache- ein Vergleich
3. 2. Grundlagen zur Rolle von Einstellung und der integrativen vs. instrumentellen Motivation beim Zweitsprachenerwerb
3. 2. 1. Die sozialpsychologischen Faktoren des Zweitsprachenerwerbsprozesses auf der Grundlage des Models von Gardner 1979
3. 2. 1. 1. Soziales Milieu unter besonderer Berücksichtigung der sozialen Herkunft
3. 2. 1. 1. 1. Soziale Herkunft
3. 2. 1. 2. Persönlichkeitsmerkmale
3. 2. 1. 3. Spracherwerbskontexte
3. 3. Der Faktor Kontakt nach Schumanns „ Akkulturationshypothese“
3. 4. Wechselwirksamkeit der Einflussvariable Alter mit der Motivation und der Einstellung
3. 5. Die Expansion des Motivationskonstruktes
IV. Einige Informationen zur sozio- ökonomischen Situation der Spätaussiedler
1. Der politische Status und die Motivation
1. 1. Die unmittelbare Lernnotwendigkeit
1. 2. Aussiedler in der Bundesrepublik Deutschland
V.Forschungsmethodische Implikationen
1. Die Fragestellungen und Hypothesen der Untersuchung
2. Die Methodik
3. Gesamtinstitutionelle Rahmenbedingungen der Untersuchung
3. 1. Erhebungskontexte
3. 2. Erhebungsverfahren
3. 2. 1. Schülerfragebogen
3. 2. 2. Die Lehrerbefragung
4. Die Durchführung der Befragung
5. Die Auswertung des Datenmaterials
6. Motivation im DaZ- Unterricht mit Aussiedlern
6. 1. Zusammenfassung der Ergebnisse zur integrativen Motivation
6. 2. Zusammenfassung der Ergebnisse zur instrumentellen Motivation
7. Einstellung zum Schwierigkeitsgrad des Erwerbs der deutschen Sprache
8. Einstellung zu Deutschland und der deutschsprachingen Bevölkerung
9. Kontakt
10. Soziale Herkunft
11. Ergebnisse der Lehrerbefragung
12. Zusammenfassung der Ergebnisse der Erhebung
Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss affektiver Faktoren, insbesondere von Motivation und Einstellung, sowie des sozialen Faktors Kontakt auf den Zweitsprachenerwerb von Aussiedlern. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob und inwiefern sich signifikante Unterschiede in diesen Bereichen in Abhängigkeit von Alter, Geschlecht und sozialer Herkunft der Lernenden feststellen lassen.
- Analyse theoretischer Grundlagen zu Motivation und Einstellung im Zweitsprachenerwerb.
- Untersuchung des Einflusses affektiver und sozialer Faktoren auf den Lernerfolg.
- Empirische Erhebung bei Aussiedlern im DaZ-Unterricht mittels Fragebögen.
- Berücksichtigung von Variablen wie Alter, Geschlecht und sozialer Herkunft.
- Formulierung von Ansätzen für didaktische Empfehlungen im Deutschunterricht für diese Zielgruppe.
Auszug aus dem Buch
Die Expansion des Motivationskonstruktes
Die von Gardner geprägte Motivationsforschung geriet gerade in jüngerer Zeit wieder unter Kritik. So heben etwa Crookes und Schmidt (1991: 501) hervor, dass der Gardnersche Ansatz den gesamten Forschungszweig zu stark dominiere. Außerdem wird kritisiert, dass bisherige Forschungsarbeiten zu Einstellungs- und Motivationsvariablen nicht die realistischen Bedingungen des gesteuerten Fremdsprachenerwerbs zur Grundlage hätten. Dadurch würden sie weder Erklärungsansätze für Phänomene des Unterrichtskontextes noch praktische Richtlinien liefern (vgl. hierzu Dörnyei 1990, 1994a, 1994b; Oxford/Shearin 1994). Skehan (1991: 281) kritisiert, dass Studien zur Motivation als Einflussfaktor auf den Fremdsprachenerwerb hauptsächlich die Ziele der Probanden erforschten, nicht jedoch den Einfluss von Unterrichtstechniken und Materialien erhellten. Gerade für den Erwerb einer Fremdsprache außerhalb des Zielsprachenlandes bilde der Unterricht, so Skehan, jedoch einen wichtigen Bereich.
Dörnyei (1990) differenziert zusätzlich, in seiner Studie zur Motivationskomponenten für den gesteuerten Fremdsprachenerwerb von Englisch in Ungarn, das Motivationskonstrukt in die intrinsische und extrinsische Orientierung (vgl. Dörnyei 1994a: 275 f.). Der Unterscheidung zwischen intrinsischer und extrinsischer Orientierung (vgl. hierzu Brown 1990) geht eine eingehende Betrachtung der, den Verhaltensweisen von Lernern zugrunde liegenden, Intentionen voraus. Extrinsistisch motivierte Verhaltensweisen zeige ein Individuum, so Brown, um extrinsische Belohnungen aller Art (z. B. Lob des Lehrers etc.) zu erhalten. Intrinsisch motivierte Verhaltensweisen zeige ein Individuum, um sog. interne Belohnungen zu erhalten. Dies wäre z. B. die Freude daran, bestimmte Dinge zu tun (vgl. Brown: 385 ff.).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung stellt die Bedeutung von Sprache als Kommunikationsmittel dar und führt in die Teildisziplinen der Zweitsprachenerwerbs- und Sprachlehrforschung ein, welche den Rahmen für die Untersuchung bilden.
I. Erkenntnisse der Sprachlehrforschung: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über Erst-, Zweit- und Mehrsprachigkeit und diskutiert die wissenschaftlichen Definitionen und Abgrenzungen dieser Begriffe.
II. . Sprachlernvoraussetzungen für die nachzeitige Aneignung einer Zweitsprache: Hier werden die biologischen und kognitiven Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede zwischen Erst- und Zweitsprachenerwerb, mit Fokus auf Lernalter und Geschlecht, erörtert.
III. Rolle der ausgewählten affektiven Faktoren im Zweitsprachenerwerb am Beispiel von Motivation und Einstellung: Dieses Kapitel vertieft die theoretischen Grundlagen zu Motivation und Einstellung, einschließlich der sozialpsychologischen Faktoren und der Akkulturationshypothese.
IV. Einige Informationen zur sozio- ökonomischen Situation der Spätaussiedler: Der Abschnitt liefert Hintergrundinformationen zum politischen Status und der sozio-ökonomischen Lebenssituation von Aussiedlern, die für das Verständnis der empirischen Daten wesentlich sind.
V.Forschungsmethodische Implikationen: Hier werden die Fragestellungen, Hypothesen und die methodische Vorgehensweise der empirischen Untersuchung (Schüler- und Lehrerbefragung) dargelegt.
Schlüsselwörter
Zweitsprachenerwerb, Motivation, Einstellung, Kontakt, Aussiedler, DaZ-Unterricht, integrative Motivation, instrumentelle Motivation, Akkulturationshypothese, Lernalter, Geschlecht, soziale Herkunft, Sprachlehrforschung, empirische Untersuchung, Integrationsbereitschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einfluss von affektiven und sozialen Faktoren, wie Motivation, Einstellung und Kontakt, auf den Erwerb von Deutsch als Zweitsprache, speziell bei Spätaussiedlern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit umfasst theoretische Grundlagen zur Zweitsprachenforschung, die Rolle von Motivation und Einstellung, den Einfluss von Alter und sozialer Herkunft sowie sozio-ökonomische Aspekte der Lebenssituation von Aussiedlern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu ermitteln, ob und inwiefern signifikante Unterschiede in der Motivation und Einstellung gegenüber dem Deutschen in Abhängigkeit von Alter, Geschlecht und sozialer Herkunft bei den untersuchten Aussiedlern bestehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine empirische Untersuchung, die eine quantitative geschichtete Stichprobenerhebung mittels Fragebögen bei Schülern sowie eine ergänzende Lehrerbefragung nutzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung der Motivations- und Einstellungsforschung (u.a. nach Gardner und Schumann) sowie die Darstellung der sozio-ökonomischen Situation der Zielgruppe und der angewandten Forschungsmethodik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Zweitsprachenerwerb, Motivation, Einstellung, Kontakt, Spätaussiedler, DaZ-Unterricht und Integrationsbereitschaft.
Warum ist die Unterscheidung zwischen integrativer und instrumenteller Motivation wichtig?
Die Unterscheidung hilft zu verstehen, ob Lerner durch das Bedürfnis nach sozialer Integration in die Zielsprachgemeinschaft (integrativ) oder durch nützlichkeitsorientierte Ziele wie berufliches Fortkommen (instrumentell) motiviert sind.
Wie beeinflusst die soziale Herkunft laut der Arbeit den Spracherwerb?
Die Arbeit diskutiert, dass Schüler aus unterschiedlichen sozialen Schichten mit verschiedenen Lernvoraussetzungen und Bildungsbiografien starten, was zu Chancenungleichheiten im schulischen Zweitsprachenerwerb führen kann.
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- Bozena Esskali (Author), 2004, Motivation und Einstellung gegenüber Deutsch als Zweitsprache, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29642