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Konzepte rechter Ökologie - am Beispiel der Debatte über die Überbevölkerung

Title: Konzepte rechter Ökologie - am Beispiel der Debatte über die Überbevölkerung

Thesis (M.A.) , 1998 , 125 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Oliver Nüchter (Author)

Sociology - Miscellaneous
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Einleitung

1.1. Gegenstand der Arbeit

In der öffentlichen Debatte und in den Massenmedien wird Ökologie in Deutschland zumeist als linkes, emanzipatorisches Anliegen wahrgenommen. Wichtigste Ursache dafür ist das Aufkommen einer „Ökologiebewegung“ in den 70er Jahren, die sich im Anschluss an
die linke Protestbewegung formierte, sich selbst überwiegend als links wahrnahm und auch entsprechend rezipiert wurde. Die hieraus entstehenden Organisationen und v.a. die Partei Die Grünen werden folgerichtig bis heute dem linken politischen Lager zugerechnet, auch
wenn seit den zunehmenden Wahlerfolgen und Regierungsbeteiligungen ab Mitte der 80er Jahre von verschiedenen Seiten die Etablierung im bürgerlichen Staat oder ein Rechtsruck der Grünen festgestellt und kritisiert wurde.(1)
Diese Sichtweise verstellt den Blick für die konservativen Aspekte der Ökologiebewegung, die bereits in den Anfangsjahren von Bedeutung waren und zumindest in der Binnenbetrachtung entsprechend wahrgenommen wurden. Dies wurde jedoch durchaus nicht grundsätzlich negativ eingeschätzt, da die Vorläufer der Grünen ein möglichst breites Bündnis ökologisch orientierter Kräfte anstrebten. Deren politische Herkunft galt als sekundär, da man sich in nach grünem Selbstverständnis außerhalb des etablierten und als überkommen angesehenen Links-rechts-Schemas bewegte.(2)
[...]
_____
1 Die Begriffe „links“ und „rechts“ werden im folgenden in einem möglichst umfassenden Kontext verwendet, wobei davon
ausgegangen wird, dass sie unter Berücksichtigung der jeweiligen historisch-politischen Situation nach wie vor eine
deskriptive und analytische Schlüsselfunktion bei der Darstellung gesellschaftlicher Prozesse haben.[...]
2 „nicht links - nicht rechts - sondern vorn“ war dann auch einer der Slogans der Grünen; zur Problematik dieser Parole vgl.
Peters (1980a), insbes. S116ff, Ulbricht (1995), S. 221f, sowie van Hüllen (1990), S. 9ff; zur Heterogenität der
Ökologiebewegung und der Grünen vgl. Kap. 3.2.3. Dudek merkte zu diesem Aspekt bereits 1984 an: „Die anfängliche
Euphorie der Grünen, das Ökologieproblem als Gattungsproblem sprenge das politische Links-Rechts-Kontinuum, ist zu
Recht verflogen.“; Dudek (1984), S. 91.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Gegenstand der Arbeit

1.2. Vorgehensweise

1.3. Der Stand der Forschung

2. Konservatismus und (Neue) Rechte in Deutschland

2.1. Kurze Ideengeschichte des Konservatismus

2.2. Die Neue Rechte

2.2.1. Die Strategie der Neuen Rechten

3. Ökologie - zwischen Wissenschaft und Bewegung

3.1. Kurze Wissenschaftsgeschichte der Ökologie

3.2. Die Ökologiebewegung und ihre ideengeschichtlichen Vorgänger

3.2.1. Von der Romantik zur Naturschutzbewegung

3.2.2. Die ökologische Protestbewegung

3.2.3. Von der Bewegung zur Partei

3.3. Von der Teildisziplin zur Weltanschauung

4. Zentrale Denkfiguren der rechten Ökologie

4.1. Im Vaterland

4.1.1. Ablehnung des Gleichheitsprinzips

4.1.2. Dekadenz und Verweichlichung in der Moderne

4.2. Im Mutterland

4.2.1. Naturalisierung von Volk und Gesellschaft

4.2.2. Technik- und Fortschrittskritik als Zivilisationskritik

4.2.3. Die Lösung: Bioregionalismus

4.3. Im Vater- und Mutterland

5. Die Debatte um die Überbevölkerung

5.1. Die ‘Überbevölkerung’ - Entwicklung eines schillernden Begriffs

5.2. Der (Über-)Bevölkerungsdiskurs von rechts

5.2.1. Die Überbevölkerung von Deutschland

5.2.1.1. Ökologie als vormoderner ‘Völkerschutz’

5.2.1.2. Ökologie als ökonomischer ‘Heimatschutz’

5.2.2. Die globale Überbevölkerung

5.2.2.1 Der demographische Nord-Süd-Konflikt

5.2.2.2. ‘Volkstod’ und ‘Lebensschutz’ - der Kampf um Lebensraum

5.2.3. Die Lösung: Ethnopluralismus

6. Schluss

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Konzepte einer sogenannten "rechten Ökologie" und analysiert deren Ideengeschichte sowie strategische Einbettung in den gesellschaftlichen Diskurs. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie rechtskonservative Denkmuster – exemplarisch dargestellt an der Debatte über die "Überbevölkerung" – gezielt ökologische Krisenphänomene nutzen, um metapolitisch hegemoniale Deutungsmacht zu erlangen.

  • Ideengeschichte des Konservatismus und der Neuen Rechten
  • Die Entwicklung und Instrumentalisierung des Ökologiebegriffs
  • Zentrale Denkfiguren der rechtsökologischen Ideologie
  • Strategien zur metapolitischen Umwertung gesellschaftlicher Werte
  • Verbindung von Nationalismus, Identitätspolitik und Ökologie

Auszug aus dem Buch

Die Strategie der Neuen Rechten

Das rechte Lager in der BRD war in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg traditionell vor allem darum bemüht, die Verbrechen der faschistischen Diktatur zu relativieren oder zu leugnen und die „guten Seiten“ der nationalsozialistischen Herrschaft hervorzuheben. ‘Alt’, das heißt sich am Vorbild der NSDAP orientierend, war hierbei nicht nur der Inhalt, sondern auch die Form, in der man sich organisierte, argumentierte, die Hervorhebung der Feindbilder etc.

Für eine sich zunehmend liberal und demokratisch gebende Öffentlichkeit war die NS-Diktatur sehr schnell ein Relikt der Vergangenheit, der Blick galt der Zukunft, die größeren Wohlstand und soziale Sicherheit in Abwesenheit von totalitären Zwängen verhieß. Dies traf v.a. auf Westdeutschland zu, wobei auch die Präsenz der Alliierten, insbesondere der US-Amerikaner bei großen Teilen der Bevölkerung für eine Umorientierung sorgte. Bei den Rechten gilt dies bis heute als Beleg für die verschwörungstheoretisch unterfütterte „Umerziehung“ bzw. „Gehirnwäsche“ des deutschen Volkes; den Alliierten wird unterstellt, alles Positive der deutschen Geschichte, insbesondere der NS-Zeit, zu unterdrücken und einseitig und übertrieben die deutsche Kriegsschuld und die Verbrechen der Faschisten anzuprangern. Gleichzeitig wird mit dieser Begründung die eigene Bedeutungslosigkeit begründet, da die Medien und Parlamente fest in der Hand der „Umerzieher“ seien und die „Wahrheit“ über das Dritte Reich unterdrückten.

Die organisierte Alte Rechte blieb, von einigen spektakulären Wahlerfolgen der NPD Ende der 60er Jahre abgesehen, politisch relativ erfolglos, ihr öffentlicher Einfluss war spätestens seit Beginn der 70er Jahre gering. Diese Erfolgs- und Ziellosigkeit war es letztlich auch, die für einen Strategiewechsel und die Neuetikettierung als „Neue“ Rechte sorgte: „Die alte Rechte ist tot. Sie hat es wohl verdient. Sie ist daran zugrunde gegangen, dass sie von ihrem Erbe gelebt hat, von ihren Privilegien und ihren Erinnerungen. Sie ist daran zugrunde gegangen, dass sie weder Wille noch Ziel hatte.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein, definiert den Untersuchungsgegenstand der "rechten Ökologie" und skizziert die Vorgehensweise sowie den Stand der Forschung.

2. Konservatismus und (Neue) Rechte in Deutschland: Hier werden die ideengeschichtlichen Grundlagen des Konservatismus und die spezifische Strategie der "Neuen Rechten" im Kontext der Bundesrepublik analysiert.

3. Ökologie - zwischen Wissenschaft und Bewegung: Das Kapitel beleuchtet die Wissenschaftsgeschichte der Ökologie und zeigt die Transformation von einer biologischen Teildisziplin hin zu einer politisch instrumentalisierten "Leitwissenschaft" auf.

4. Zentrale Denkfiguren der rechten Ökologie: Dieses Kapitel arbeitet die spezifischen ideologischen Denkmuster (z.B. "Vaterland", "Mutterland", Technik- und Fortschrittskritik) heraus, die den Kern rechtsökologischer Argumentation bilden.

5. Die Debatte um die Überbevölkerung: Anhand des Überbevölkerungsdiskurses wird exemplarisch aufgezeigt, wie die zuvor beschriebenen rechtsökologischen Bausteine in die öffentliche Debatte einfließen.

6. Schluss: Der abschließende Teil fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert über die Schwierigkeiten und Grenzen der interdisziplinären Forschung zu diesem politisch sensiblen Thema.

Schlüsselwörter

Rechte Ökologie, Neue Rechte, Konservatismus, Überbevölkerung, Metapolitik, Kulturelle Hegemonie, Völkisches Denken, Naturschutz, Bioregionalismus, Ethnopluralismus, Zivilisationskritik, Gesellschaftsmodell, Ideologiekritik, Deutschland, Identitätspolitik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie rechtskonservative und neurechte Strömungen in Deutschland ökologische Themen und Krisendiskurse (insbesondere die Debatte um Überbevölkerung) instrumentalisieren, um ihre eigenen ideologischen Ziele voranzutreiben.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der Ideengeschichte des Konservatismus, der Strategie der Neuen Rechten ("Metapolitik"), der Kritik am Fortschrittsbegriff der Moderne sowie der Verknüpfung von Nationalismus mit ökologischen Fragestellungen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Es soll untersucht werden, ob und wie rechtsextreme bzw. rechtskonservative Denkfiguren in der ökologischen Debatte hegemonial wirken und ob diese Diskurse anfällig für eine "Unterwanderung" von rechts sind.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor wählt einen interdisziplinären Ansatz, der ideengeschichtliche Analysen mit der kritischen Lektüre soziologischer, politikwissenschaftlicher und rechtskonservativer Primärtexte kombiniert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Entstehung der ökologischen Bewegung aus konservativer Sicht, die zentralen rechtsökologischen "Denkfiguren" (wie die Dichotomie von Vaterland vs. Mutterland) sowie deren praktische Anwendung in der konkreten Diskussion um globale und nationale Überbevölkerung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den zentralen Begriffen zählen "rechte Ökologie", "Metapolitik", "Überbevölkerung", "Kulturelle Hegemonie" sowie das Konzept des "Bioregionalismus".

Was genau ist mit der Unterscheidung zwischen "Vaterland" und "Mutterland" gemeint?

Der Autor unterscheidet damit zwei rechtsökologische Strömungen: Während das "Vaterländische" stark autoritär, machtorientiert und auf den starken Nationalstaat fokussiert ist, betont das "Mutterländische" völkische Harmonie, eine pantheistische Naturverbundenheit und eine rückwärtsgewandte Agrar-Idylle.

Warum spielt der Begriff "Metapolitik" eine so wichtige Rolle für das Verständnis?

Metapolitik beschreibt die Strategie der Neuen Rechten, nicht primär durch Wahlkämpfe, sondern durch die langfristige Umbesetzung von Begriffen und kulturellen Diskursen ("Kampf um die Köpfe") eine politische Vorherrschaft auf vorpolitischer Ebene anzustreben.

Excerpt out of 125 pages  - scroll top

Details

Title
Konzepte rechter Ökologie - am Beispiel der Debatte über die Überbevölkerung
College
University of Frankfurt (Main)  (Fachbereich Gesellschaftswissenschaften)
Grade
1,0
Author
Oliver Nüchter (Author)
Publication Year
1998
Pages
125
Catalog Number
V2966
ISBN (eBook)
9783638117838
Language
German
Tags
Ökologie; Neue Rechte
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Oliver Nüchter (Author), 1998, Konzepte rechter Ökologie - am Beispiel der Debatte über die Überbevölkerung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2966
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