Handeln und Handlungsorientierung – Schlagworte, die jedem geläufig sind, der sich mit Didaktik beschäftigt und unter denen sich jeder etwas vorstellen kann, denn schließlich handelt der Mensch täglich. Umgangssprachlich gibt es eine Vielzahl von Bedeutungen einer Handlung, die meisten würden Handeln aber wohl gleichsetzen mit ‚etwas Tun’ oder ‚eine Tätigkeit ausführen’. Wenn die Definition dieses Begriffs aber so einfach wäre, warum gibt es dann verstärkt in den letzten Jahrzehnten gerade in der Wirtschaftspädagogik immer mehr Literatur, die sich mit diesen Begriffen auseinandersetzt? Weshalb wird das Handeln mittels des Begriffs der Handlungsorientierung in wissenschaftliche Sprachsysteme aufgenommen, obwohl die Gefahr besteht, dass die Vieldeutigkeit der Umgangssprache mit in die Wissenschaftssprache eindringt? Und wenn ein Mensch schon täglich mehrmals handelt, warum trat die Diskussion über Handlungsorientierung erst in den letzten beiden Jahrzehnten verstärkt auf? Was steckt hinter der Fassade dieses Begriffs und ist Handlungsorientierung etwa gar nichts Neues? Diese Fragen sollten Anlass genug sein, sich näher mit den Begriffen auseinandersetzen zu wollen. Ziel dieser Arbeit ist, sie in ihrer unterschiedlichen Verwendung kurz darzustellen und kritisch zu beleuchten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Problemstellung
2 Der Begriff des Handelns
2.1 Der Dualismus von Denken und Handeln: Die Kognitive Handlungstheorie nach Piaget und Aebli
2.2 Die Handlungsregulationstheorie nach Hacker und Volpert
2.3 Verwendung und Kritik des Handlungsbegriffs in der aktuellen wirtschaftspädagogischen Literatur
2.4 Das Modell der vollständigen Handlung
2.5 Strukturmerkmale des Handelns
3 Der Begriff der Handlungsorientierung in theoretischer Betrachtung
3.1 Handlungsorientierung als didaktische Theorie: Grundlagen handlungsorientierten Lernens nach Söltenfuß
3.2 Handlungsorientierung als methodisch-didaktische Konzeption
3.2.1 Merkmale handlungsorientierten Unterrichts nach Jank und Meyer
3.2.2 Merkmale handlungsorientierten Unterrichts nach Gudjons
3.2.3 Merkmale handlungsorientierten Unterrichts nach Schelten und Riedl
3.2.4 Handlungsorientierung im Göttinger Projekt
3.2.5 Kurze Zusammenschau der Merkmale handlungsorientierten Unterrichts
3.3 Kritik an der derzeitigen Verwendung des Begriffs der Handlungsorientierung
4 Fazit und Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit den Begriffen Handeln und Handlungsorientierung in der Didaktik auseinander. Ziel ist es, die vielschichtigen Definitionen und die praktische Rezeption dieser Begriffe im Kontext der aktuellen wirtschaftspädagogischen Diskussion zu analysieren, theoretisch einzuordnen und auf ihre wissenschaftliche Konsistenz sowie Anwendbarkeit hin zu beleuchten.
- Präzisierung des Handlungsbegriffs auf Basis kognitions- und tätigkeitspsychologischer Theorien.
- Gegenüberstellung unterschiedlicher Konzepte zur Handlungsorientierung (theoretisches Modell vs. methodische Konzeption).
- Analyse des Modells der vollständigen Handlung als Strukturvorgabe für Lernprozesse.
- Kritische Reflexion der Verwendung des Begriffs Handlungsorientierung in der Schulpraxis und Literatur.
- Synthese und Diskussion der Merkmale eines handlungsorientierten Unterrichts.
Auszug aus dem Buch
2.5 Strukturmerkmale des Handelns
Zusammenfassend lassen sich Strukturmerkmale des Handelns aufzeigen, die nach Laur-Ernst viele Definitionen des Handelns beinhalten.
- Intentionalität: Handeln ist zielgerichtet, motiviert und aufgaben- bzw. situationsbezogen.
- Bewusstheit: Handeln geschieht bewusst und ist diskutier- bzw. abänderbar.
- Subjektivität: Handeln schließt individuelle Varianten ein und ist nicht standardisierbar.
- Prozesshaftigkeit: Handeln ist ein dynamischer, sich zeitlich erstreckender Prozess, der nicht in allen Schritten vorher festgelegt ist.
- Komplexität: Handeln ist mehrdimensional und bezieht unterschiedliche Komponenten ein.
- Gestaltbarkeit: Handeln bietet die Möglichkeit zu einer Veränderung der Umwelt.
- Resultat: Handeln mündet stets in ein Ergebnis – sei es positiv oder negativ. Es hat es Wirkungen und Konsequenzen die bewertbar, kritisierbar und zu analysieren sind.
Die soeben dargestellten Strukturmerkmale einer Handlung sind ein guter Ausgangspunkt für den nächsten Teil dieser Arbeit, da sie sich in vielen der im Folgenden dargestellten Konzepte zur Handlungsorientierung wiederfinden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung und Problemstellung: Hinführung zur Thematik der Handlungsorientierung und Darlegung der zentralen Fragestellung sowie des methodischen Vorgehens der Arbeit.
2 Der Begriff des Handelns: Theoretische Grundlegung durch kognitive Handlungstheorien und Handlungsregulationstheorien sowie Analyse der Verwendung des Handlungsbegriffs in der Wirtschaftspädagogik.
3 Der Begriff der Handlungsorientierung in theoretischer Betrachtung: Vergleich verschiedener Konzepte von Handlungsorientierung als didaktische Theorie oder methodische Konzeption und kritische Würdigung der aktuellen Begriffsverwendung.
4 Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der wissenschaftlichen Diskussion und Plädoyer für eine theoretisch fundierte und praxisorientierte Weiterentwicklung didaktischer Konzepte.
Schlüsselwörter
Handlungsorientierung, Handeln, Didaktik, Wirtschaftspädagogik, vollständige Handlung, Handlungsregulationstheorie, kognitive Handlungstheorie, Unterrichtskonzept, Schüleraktivität, Selbsttätigkeit, Handlungskompetenz, theoretische Fundierung, didaktisches Modell, Lernprozessgestaltung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Begriffe "Handeln" und "Handlungsorientierung" im didaktischen Kontext, um definitorische Klarheit zu schaffen und die aktuelle Diskussion in der Wirtschaftspädagogik kritisch zu durchleuchten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die psychologische Fundierung des Handlungsbegriffs, die verschiedenen didaktischen Ansätze zur Handlungsorientierung sowie die praktische Anwendung und deren Kritik.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist eine kritische Bestandsaufnahme und Differenzierung der Begriffsverwendung sowie die Untersuchung, inwieweit Handlungsorientierung als didaktisches Modell oder methodische Konzeption begründbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse, bei der zentrale Handlungstheorien und didaktische Konzepte (z.B. von Aebli, Hacker, Volpert, Söltenfuß) vergleichend gegenübergestellt und diskutiert werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Präzisierung des Handlungsbegriffs (Kapitel 2) und die theoretische Betrachtung verschiedener Konzepte der Handlungsorientierung (Kapitel 3), inklusive deren Kritik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Handlungsorientierung, Handeln, Didaktik, Wirtschaftspädagogik, vollständige Handlung, Handlungsregulationstheorie, kognitive Handlungstheorie und Unterrichtskonzept.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Denken und Handeln für die Autorin wichtig?
Die Autorin betont diese Unterscheidung, weil eine rein äußere, praktische Handlung ohne gedankliche Durchdringung als unzureichend für ein ganzheitliches Lernen angesehen wird, was eine zentrale Kritik an vielen vereinfachten Handlungskonzepten darstellt.
Welche Rolle spielt das Göttinger Projekt in der Arbeit?
Das Göttinger Projekt dient als Beispiel für einen umfassenden curricularen Ansatz, der versucht, Lernen, Denken und Handeln in komplexen ökonomischen Situationen systematisch zu verknüpfen.
- Quote paper
- Monika Urlberger (Author), 2004, Handeln und Handlungsorientierung als Begriffe der Didaktik. Definitionsspektrum und Rezeption in der aktuellen Diskussion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29688