Die Arbeit zeigt auf, wer Konrad Henlein war und stellt zunächst sein Leben und Wirken, welches durch seine Überzeugungen, die stark von den Idealen der deutschen Turnerbewegung aber auch durch die Liebe zu seiner Heimat, jenem Gebiet, in dem er seine Kindheit verbracht stark hatte, geprägt war, vor. Es soll ebenfalls dargestellt werden, wie sich sein politisches Handeln vom Beginn seiner Karriere, der sich in der Bewegung der deutschen Turnvereine findet, bis zum Ende, als er zum Vorsitzenden einer verkleinerten Ausgabe der NSDAP und einem Verbündeten Hitlers geworden war, verändert hat. Weiterhin wird ein Einblick in die Entwicklung der sudetendeutschen Partei, deren Anführer Konrad Henlein war, gegeben. Dieser Einblick umfasst sowohl die Entstehungsgeschichte aus Kameradschaftsbund und DNSAP, stellt aber auch innerparteiliche Spannungen heraus. Weiterhin soll aufgezeigt werden, welche Gründe zum Aufstieg der Partei führten und welche Tendenzen dazu führten, dass aus der Frage der Sudetendeutschen eine europäische Angelegenheit wurde, die Hitler zu seinem Vorteil zu nutzen vermochte.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Biografie Konrad Henleins
3. Die Sudetendeutsche Partei
3.1 Der Kameradschaftsbund (KB)
3.2 Die Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei (DNSAP)
3.3 Zusammenschluss der DNSAP und des KB
3.4 Weitere Entwicklung der sudetendeutschen Partei
4. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den politischen Werdegang von Konrad Henlein sowie die Entwicklung der Sudetendeutschen Partei (SdP) im Kontext der Tschechoslowakei. Dabei wird insbesondere analysiert, wie aus einer ursprünglich auf Autonomie ausgerichteten Bewegung ein Instrument Hitlers zur Destabilisierung und schließlichen Einnahme des tschechoslowakischen Staates wurde.
- Lebensweg und politische Prägung Konrad Henleins
- Strukturen und Ideologien des Kameradschaftsbundes (KB)
- Wandlung der DNSAP und deren Einfluss auf die Parteigründung
- Innerparteiliche Konfliktlinien zwischen Traditionalisten und Radikalen
- Die Rolle der Sudetenkrise und die Münchner Konferenz
Auszug aus dem Buch
3.1 Der Kameradschaftsbund (KB)
Ursprünglich als „Arbeitskreis für Gesellschaftswissenschaften“ 1925 von W. Heinrich, einem Schüler des Wiener Universitätsprofessors Othmar Spann gegründet, entstand daraus 1928 der Kameradschaftsbund, indem sich noch andere Schüler und Studenten Othmar Spanns dazu gesellten.
Die wichtigsten Mitglieder waren Walter Brand, Heinrich Rutha, Hans Neuwirth und Konrad Henlein.
Der Kameradschaftsbund orientierte sich an der Lehre Spanns, der ein vehementer Vertreter der Ständestaatslehre nach Plato war. Gemäß dieser war das Ganze wichtiger als das Einzelwesen. Unter „Stände“ verstand er nicht die Aufteilung des Mittelalters in Adel, Klerus und Bauern bzw. Arbeiter und Bürger in der Neuzeit, sondern all jene „Gruppen, die sich um das Wohl des Ganzen, des Staates, bemühten, z.B. eine politische Partei“.
Spann sah den vorindustriellen Ständestaat als Mittel zur Beendigung des Klassenkampfes, war antiliberal, antimarxistisch eingestellt und hielt den Nationalsozialismus für ein „politisches Abenteuertum ohne Bildung“, sprach sich dementsprechend auch gegen die Rassetheorien und Antisemitismus aus und wendete sich gegen den totalitären Staat. Er und seine Anhänger standen damit in deutlichem Widerspruch zu Hitler und seinem Gefolge und hassten insbesondere die SS. Dennoch waren Spann und die Mitglieder des Kameradschaftsbundes keine überzeugten Demokraten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Dieses Kapitel umreißt die Absicht der Arbeit, das Leben Konrad Henleins und die Genese der Sudetendeutschen Partei nachzuzeichnen.
2. Biografie Konrad Henleins: Hier wird der Lebensweg Henleins von seiner Kindheit über seine Tätigkeit im Turnverband bis hin zu seinem Aufstieg als Parteiführer dargestellt.
3. Die Sudetendeutsche Partei: Dieses Kapitel analysiert die organisatorischen Ursprünge der Partei sowie die unterschiedlichen politischen Strömungen innerhalb der SdP.
3.1 Der Kameradschaftsbund (KB): Dieser Abschnitt beleuchtet die ideologischen Wurzeln des KB und den Einfluss der Ständestaatslehre von Othmar Spann auf die Führungskader.
3.2 Die Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei (DNSAP): Hier wird die Geschichte, Ideologie und die politische Ausrichtung der DNSAP als Vorläuferorganisation untersucht.
3.3 Zusammenschluss der DNSAP und des KB: Dieses Kapitel beschreibt die Fusion der beiden Gruppierungen zur Sudetendeutschen Heimatfront und die daraus resultierenden innerparteilichen Spannungen.
3.4 Weitere Entwicklung der sudetendeutschen Partei: Hier wird der Radikalisierungsprozess der SdP, der wachsende Einfluss des Deutschen Reiches und der Weg zur Sudetenkrise dargestellt.
4. Literaturverzeichnis: Auflistung der für die Arbeit verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
Schlüsselwörter
Konrad Henlein, Sudetendeutsche Partei, Sudetenkrise, Kameradschaftsbund, DNSAP, Othmar Spann, Nationalsozialismus, Autonomie, Tschechoslowakei, Münchner Konferenz, Reichsgau Sudetenland, Minderheitenpolitik, Deutschnationalismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den Aufstieg der sudetendeutschen Partei unter Konrad Henlein und die historische Entwicklung der Sudetendeutschen in der Tschechoslowakei zwischen 1933 und 1938.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Analyse?
Im Zentrum stehen die biographischen Hintergründe von Konrad Henlein, die ideologische Ausrichtung der beteiligten Gruppierungen sowie die Eskalation der Sudetenkrise durch die Instrumentalisierung durch das NS-Regime.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie aus einer regionalen Autonomiebewegung eine politische Kraft wurde, die maßgeblich zur Destabilisierung und Zerschlagung der Tschechoslowakei beitrug.
Welche methodische Vorgehensweise wurde gewählt?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Literaturanalyse, bei der zentrale Dokumente und Forschungsliteratur zur sudetendeutschen Geschichte ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Entstehung der SdP aus dem Kameradschaftsbund und der DNSAP sowie den internen Machtkämpfen und dem zunehmenden Druck aus Berlin.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind insbesondere: Konrad Henlein, Sudetendeutsche Partei, Ständestaatslehre, Autonomiebestrebungen, Sudetenkrise und Nationalsozialismus.
Welche Rolle spielte der „Kameradschaftsbund“ für Konrad Henlein?
Der Kameradschaftsbund bot Henlein die ideologische Basis und ein enges Beraterumfeld, das seinen Aufstieg ermöglichte, bevor er später durch radikalere Kräfte innerhalb der Partei verdrängt wurde.
Wie veränderte sich die Haltung der Partei nach 1938?
Nach dem Anschluss Österreichs und der direkten Anweisung Hitlers entwickelte sich die Partei von einer Autonomiebewegung zu einem radikalen Sprachrohr für den Anschluss an das Deutsche Reich.
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- Kerstin Giesel (Author), 2002, Aufstieg der sudetendeutschen Partei unter Konrad Henlein, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29738