Nach dem 2. Weltkrieg war Deutschland am Ende, die Städte zerstört, die Leute physisch und psychisch aufgerieben und die Infrastruktur schlichtweg nicht mehr vorhanden. Wie aber hatten sich die Vorstellungen der Deutschen über andere Völker, Nationen und Kulturen geändert - oder eben nicht geändert?
In den 50er Jahren setzte dann der erhoffte Aufschwung ein, Deutschland kehrte in den Kreis der wohlhabenden Nationen zurück und wurde eine politische, wirtschaftliche sowie kulturelle Macht. Das Leben der Menschen geriet wieder in geregelte Bahnen.
Auch auf gesellschaftlicher Ebene gab es etliche Veränderungen. Die ansässige deutsche Bevölkerung kam plötzlich in Kontakt mit Menschen aus anderen geographischen und kulturellen Regionen. Mit Ende des Krieges entwickelten sich große Völkerbewegungen; Flüchtlinge strömten vor allem aus dem Osten ins Land hinein, heimatlose Ausländer mussten integriert werden und mit Beginn des wirtschaftlichen Aufschwungs wurde Deutschland mit einem Male sogar für arbeitssuchende Ausländer attraktiv bzw. wurden diese für Deutschland attraktiv. Im Jahr 1955 wurde dann der erste Anwerbevertrag mit Italien abgeschlossen, der als Vorlage für die folgenden Abkommen dienen sollte. Die deutsche Bevölkerung wurde in diesem gesellschaftlichen Bereich folglich mit einer für sie völlig neuartigen Situation konfrontiert.
Die große Frage lautet in dieser Arbeit, wie die Reaktion auf das Fremde und Unbekannte ausfiel. Wie war die Stimmung in der breiten Öffentlichkeit? Was meinten die Politiker? Die Fehler der Vergangenheit schienen anfangs immer noch nicht überwunden: „Selbst nach Kriegsende und der Aufdeckung der nationalsozialistischen Verbrechen gab bei etlichen repräsentativen Erhebungen... mehr als die Hälfte der Befragten an, dass der Nationalsozialismus eine gute Idee gewesen sei, die nur schlecht ausgeführt worden wäre.“ Doch sah sich die deutsche Bevölkerung nach der Kriegsniederlage immer noch als das „Herrenvolk“, die Rasse, die den anderen überlegen war? In diesem Falle wäre den Ausländern mit Abneigung, Arroganz oder Distanz begegnet worden.
Der Kontrast zu dieser Position wäre auf der anderen Seite, dass die Deutschen aus ihren Fehlern gelernt hatten; statt auf Rassentrennung auf kulturelle Verständigung setzten und den fremden Menschen mit Offenheit und Interesse entgegen traten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Politische Entscheidungen und zugrunde liegende Einstellungen
2.1 Gesetze und Abkommen der Ausländerpolitik
2.1.1 Von der Ausländerpolizeiverordnung (APVO) zum Ausländergesetz
2.1.2 Anwerbeabkommen
3. Einstellungen gegenüber den fremden Bevölkerungsgruppen
3.1 Einstellungen gegenüber Flüchtlingen und Vertriebenen
3.2 Einstellungen gegenüber Immigranten
3.3 Einstellung gegenüber „Heimatlosen Ausländern”
4. Vergleich und Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Reaktionen von Politik und Öffentlichkeit in der Bundesrepublik Deutschland der 1950er und 1960er Jahre auf verschiedene fremde Bevölkerungsgruppen. Dabei wird analysiert, wie sich Einstellungen gegenüber Flüchtlingen, Vertriebenen, Arbeitsimmigranten und „Heimatlosen Ausländern“ im Kontext nationaler Identitätsvorstellungen und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen entwickelten.
- Politische Steuerung durch Ausländerpolitik und Gesetzesgebung
- Einfluss sozioökonomischer Faktoren auf die öffentliche Meinung
- Unterschiedliche Wahrnehmung von Flüchtlingen gegenüber Arbeitsimmigranten
- Die Rolle der nationalsozialistischen Kontinuität in gesellschaftlichen Einstellungen
- Stigmatisierung versus Integration verschiedener Gruppen
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Nach dem 2. Weltkrieg war Deutschland am Ende, die Städte zerstört, die Leute physisch und psychisch aufgerieben und die Infrastruktur schlichtweg nicht mehr vorhanden. Wie aber hatten sich die Vorstellungen der Deutschen über andere Völker, Nationen und Kulturen geändert - oder eben nicht geändert?
In den 50er Jahren setzte dann der erhoffte Aufschwung ein, Deutschland kehrte in den Kreis der wohlhabenden Nationen zurück und wurde eine politische, wirtschaftliche sowie kulturelle Macht. Das Leben der Menschen geriet wieder in geregelte Bahnen. Auch auf gesellschaftlicher Ebene gab es etliche Veränderungen. Die ansässige deutsche Bevölkerung kam plötzlich in Kontakt mit Menschen aus anderen geographischen und kulturellen Regionen.
Die große Frage lautet in dieser Arbeit, wie die Reaktion auf das Fremde und Unbekannte ausfiel. Wie war die Stimmung in der breiten Öffentlichkeit? Was meinten die Politiker? Die Fehler der Vergangenheit schienen anfangs immer noch nicht überwunden: „Selbst nach Kriegsende und der Aufdeckung der nationalsozialistischen Verbrechen gab bei etlichen repräsentativen Erhebungen... mehr als die Hälfte der Befragten an, dass der Nationalsozialismus eine gute Idee gewesen sei, die nur schlecht ausgeführt worden wäre.“ Doch sah sich die deutsche Bevölkerung nach der Kriegsniederlage immer noch als das „Herrenvolk“, die Rasse, die den anderen überlegen war? In diesem Falle wäre den Ausländern mit Abneigung, Arroganz oder Distanz begegnet worden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel skizziert die Ausgangslage im Nachkriegsdeutschland und formuliert die zentrale Forschungsfrage nach der Einstellung der Gesellschaft und Politik gegenüber fremden Bevölkerungsgruppen.
2. Politische Entscheidungen und zugrunde liegende Einstellungen: Hier werden die gesetzlichen Rahmenbedingungen der Ausländerpolitik untersucht, insbesondere die Wiederbelebung der Ausländerpolizeiverordnung und die Anwerbeabkommen.
3. Einstellungen gegenüber den fremden Bevölkerungsgruppen: Dieses Kapitel analysiert detailliert die unterschiedlichen gesellschaftlichen und politischen Wahrnehmungen von Flüchtlingen, Vertriebenen, Arbeitsimmigranten und „Heimatlosen Ausländern“.
4. Vergleich und Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel setzt die verschiedenen Migrantengruppen in Bezug zueinander und reflektiert über die Rolle der nationalen Identität sowie die Konsequenzen der deutschen Ausländerpolitik.
Schlüsselwörter
Ausländerpolitik, Nachkriegszeit, Gastarbeiter, Flüchtlinge, Vertriebene, Heimatlose Ausländer, Deutschland, Integration, Fremdenfeindlichkeit, Nationalismus, Ausländerpolizeiverordnung, Wirtschaftswunder, Identität, Soziale Ausgrenzung, 1950er Jahre.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den gesellschaftlichen und politischen Einstellungen gegenüber fremden Bevölkerungsgruppen in der Bundesrepublik Deutschland während der 50er und 60er Jahre.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Ausländergesetzgebung, die Anwerbung von Arbeitskräften, der Umgang mit Flüchtlingen und Vertriebenen sowie die Wahrnehmung von sogenannten „Heimatlosen Ausländern“.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, herauszufinden, ob die deutsche Gesellschaft und Politik nach dem Zweiten Weltkrieg aus ihren Fehlern gelernt hat oder ob weiterhin ausgrenzende Vorurteile gegenüber dem „Fremden“ dominierten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Analyse politischer Dokumente, Gesetzesvorlagen und der Auswertung zeitgenössischer bzw. historischer Quellen zur Migrationsgeschichte der BRD.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung politischer Richtlinien, die spezifische Analyse von Flüchtlings- und Gastarbeitererfahrungen sowie die Rolle der „Displaced Persons“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Ausländerpolitik, Gastarbeiter, Integration, nationale Identität und Nachkriegsgeschichte charakterisiert.
Wie unterschied sich die Behandlung von Aussiedlern von der von Gastarbeitern?
Aussiedler wurden durch institutionelle Förderung und Lastenausgleich als „Deutsche“ integriert, während Gastarbeiter als rein temporäre Arbeitskräfte ohne Integrationsabsicht betrachtet wurden.
Warum wurden „Heimatlose Ausländer“ von der deutschen Politik ignoriert?
Die Zuständigkeit lag in den Anfangsjahren bei den Alliierten, zudem verweigerte die deutsche Politik die Übernahme von Verantwortung für diese Gruppe und stilisierte sie zu Bedrohungsfiguren.
- Quote paper
- Moritz Förster (Author), 2004, Einstellungen in Politik und Öffentlichkeit gegenüber fremden Bevölkerungsgruppen in den 50er und 60er Jahren, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29746