Die Elementarisierung des Themas Tod in der Kinder- und Jugendliteratur in: 'Ein Stern Namens Mama' von Karen-Susan Fessel


Seminararbeit, 2002

21 Seiten


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Karen-Susan Fessel
2.1 Das Werk „Ein Stern namens Mama“

3. Grundlagen der Analyse: Das „Einfache“ in der Kinder- und Jugendliteratur (nach Lypp)
3.1 Zur Entwicklung der Kinderliteratur: Früher und heute
3.2 Was Kinderbuchautoren heute leisten müssen
3.3 Grundlagen zur Entstehung des „Einfachen“
3.4 Bedeutung ins Bild gesetzt
3.5 Die Episodenkette
3.6 Personales Erzählen in der Kinderliteratur (nach Steffens)
3.7 Analyse der Erzählsituation
3.8 Wie gehen Jugendliche aus heutiger Sicht mit dem Tod um?

4. Analyse des Werkes:
4.1 Mama und der Knoten
4.2 Das Leben mit dem Knoten
4.3 Abschied von Mama

5. Der Tod in der Kinderliteratur - geht das überhaupt?
5.1 Personales Erzählen: Die Beschränkung auf die Perspektive von Louise

6. Abschlussbetrachtung

Pressestimmen zu „Ein Stern namens Mama“:

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Ich werde immer da sein

In deinem Herzen und deinen Gedanken.“

Warum lesen wir eigentlich Bücher, die in Ihrem Schwerpunkt den Tod thematisieren? Warum, wo sie doch eine Aussichtslosigkeit unseres Daseins ansprechen, die verbunden mit Schmerz und Trauer in unserem Bewusstsein steht? Mir begegnete kürzlich eine Buchhändlerin, die sich vehement dagegen wehrte, ein Exemplar wie das der Autorin Karen-Susan Fessel zu lesen. Sie habe selber Kinder und sei froh, alle gesund und munter zu wissen. Mir persönlich ist der Tod nicht fremd- kurz vor der Geburt meines eigenen Sohnes verstarb mein halbjähriger Neffe aus unerklärlichen Gründen. So reichten sich mir in einer kleinen Kirche in Hessen damals Tod und Leben buchstäblich die Hand. Der Pastor übergab meinem Bruder damals liebevoll ein Kinderbuch über den Tod eines kleinen Jungen. Mein Bruder- wie auch der Rest unserer Familie- konnte damals nicht dieses Werk lesen, das uns Hilfestellung auf der Suche nach dem „Warum“ gegeben hätte. Um auf meine Buchhändlerin zurück zu kommen: Sie hält die Angst vor der Konfrontation mit der nackten Wahrheit ab, ein Buch über den Tod zu lesen. Schließlich steht bei Karen-Susan Fessel in: „Ein Stern namens Mama“ die Verinnerlichung des Todes und der daraus resultierende Schmerz mutmaßlich im Vordergrund. Der Leser lässt sich hier bewusst mit dem Phänomen des „Zurückgelassen-werden“ ein. Er denkt, noch ehe er das Buch gelesen hat, es wird hier keinen anderen Ausweg aus dem Werk als den zum Tod geben. Es wird kein „Happyend“ geben. Es wird nach Beendigung des Werkes für diesen Leser ein Loch entstehen. Diese Gedanken werden meiner Buchhändlerin in den Sinn gekommen sein. Und was kam meiner Familie in den Sinn? Sie wollte nicht von dem Schmerz abgelenkt werden. Sie wollte ihn ausleben, ihn in sich aufnehmen. Und wenn die Zeit gekommen ist, dann blickt meine Familie auf den Schmerz zurück wie ein Buch, das man zuklappt und dessen Einband einen daran erinnert, was der Inhalt einst besagte. Wer liest dann Bücher über den Tod, wenn es nicht der Lesefreund auf der Suche nach Unterhaltungsliteratur ist. Und wenn es auch nicht der Trauernde auf der Suche nach Trost ist?

Ich möchte mit dieser Hausarbeit zeigen, wie man Kinder an diese tiefe Traurigkeit heranführen kann, ohne das der jungen Leser am Ende des Werkes erschrocken zurückweicht. Ich möchte aufzeigen, warum man gerade dieses Werk in der heutigen Zeit Kindern - wie auch Erwachsenen - vorstellen sollte.

Denn in der heutigen Zeit wird der Tod oftmals verklärt. In Computerspielen „ballern“ Kinder Menschen ab, empfinden sie etwas dabei? Sie erleben den Krieg in ihrer Welt und können sich vielleicht nicht vorstellen, wie es ist, einen Menschen zu verlieren. Es ist in unserer Welt wichtig, Werte zu vermitteln. Werte, die drohen, verloren zugehen, weil unsere elterliche Generation langsam verschwindet und mit ihr die Vermittlung von echten Werten. Denn schließlich haben sie erlebt, was es bedeutet, Abschied von ihren Lieben zu nehmen. Sie können immer wieder in unserer oberflächlichen Denkweise Akzente setzten, indem sie unsere Welt mit damals vergleichen. Und dabei entstehen diese Werte, die man nur dann erlebt, wenn man selber ein Mensch verliert, der einem nahe steht. Es ist wichtig, unseren Kindern diese Werte zu vermitteln, auch ohne direkten Verlust.

2. Karen-Susan Fessel

Karen-Susan Fessel erblickte 1964 in Lübeck das Licht der Welt. Sie lebt heute als freie Journalistin und Schriftstellerin in Berlin. Sie hat bisher Romane, Erzählungen sowie ein Selbsthilfe-Handbuch für Menschen mit HIV veröffentlicht. „Ein Stern Namens Mama“ ist ihr erstes Kinderbuch, welches 1999 im Oetinger-Verlag in Hamburg erschien. Weiter Veröffentlichung von Fessel sind: „Steingesicht“ (Oetinger 2001), „Und wenn schon“ (Oetinger 2002), „Bilder von ihr“ (Piper München 1999), „Was ich Moira nicht sage“ (Querverlag Berlin 1998), „Bis ich sie finde“ (Querverlag Berlin 2002), „Und abends mit Beleuchtung“ (Konkursbuch Verlag Tübingen 1994).

2.1 Das Werk „Ein Stern namens Mama“

Hauptperson dieses Werkes ist die elfjährige Louise. Gemeinsam mit ihrem jüngeren Bruder Ruben lebt sie in mitten einer glücklichen und normalen Familie. Ihre Eltern besitzen ein eigenes Haus mit Garten, die Kinder verfügen über ihre eigenen Spielzimmer. Eine wichtige Rolle in Louises Leben stellt neben ihren Eltern ihr Onkel Janni dar, der eigentlich gar nicht ihr richtiger Onkel ist. Janni ist der beste Freund von Louises Mutter und „...Janni ist der liebste Onkel auf der ganzen Welt“ (Fessel 1999, Seite 12). Die Handlung beginnt und endet in der Gegenwartserzählung mit Louises elften Geburtstag. Fessel hat so eine Rahmenhandlung konzipiert, die im Zentrum die Erkrankung Louises Mutter rückblickend schildert. Louises Mutter wird von einem zum anderen Tag plötzlich sehr krank. Die Ärzte stellen bei ihr einen Knoten in der Brust fest. „Ich dachte, sie meint einen Wollknoten oder so etwas, der irgendwie in ihre Brust reingekommen ist“ (Fessel 1999, Seite 19). In ihrem Umfeld begegnen Louise die Menschen daraufhin anders, „...sogar meine Lehrerin, Frau Schlömer“ (Fessel 1999, Seite 13). Ihre Mutter bleibt weiterhin fröhlich: “Das Leben ist schön, Louise. ... Es gibt so viele schöne Dinge im Leben. Vergiss das nie“ (Fessel 1999, Seite 14). Es folgt für Louise eine Zeit, in der sie ihre Mutter selten sieht. Mit ihrem Vater und Ruben fährt sie oft ins Krankenhaus, um dort ihre Mutter zu besuchen. Der Alltag kehrt nach dem ersten Schrecken zurück in das Haus.

Ruben geht in den Kindergarten, Louise in die Schule. Nur die Art ihrer Mitmenschen erinnert Louise stets daran, das etwas anders war als bisher: „Von da an sah sie mich immer wieder so sorgenvoll an, so, als wenn ich krank wäre und nicht Mama“ (Fessel 1999, Seite 15). Louise muss immer an ihre kranke Mutter denken, da kam es ihr gut entgegen, dass in der Schule nach dem ersten Schreck die meisten wieder ganz normal mit ihr umgingen. In der Mutter ihrer besten Freundin Becky findet Louise mit der Zeit eine weitere, vertrauenswürdige Person neben Janni. Sie bietet Louise Hilfe an, wenn sie diese braucht. Die Besuche bei der Mutter beginnen weniger zu werden. Nicht weil Louise nicht mehr Lust hat, ihre Mutter im Krankenhaus zu besuchen, sondern weil es der Mutter zunehmend schlechter geht. Auch die Aufenthalte der Mutter außerhalb des Krankenhauses werden immer kürzer.

Das erste Gespräch, in dem Louise mit ihrer Mutter über den Tod spricht, vollzieht sich in einer Hamburger Klinik: „Hat Janni dir gesagt, dass ich bald sterben werde?“ (Fessel 1999, Seite 88) Louise schließt einen Pakt mit ihrer Mutter. Er beinhaltet, das Louises Mutter ihr Bescheid gibt, wenn es an der Zeit ist, Abschied voneinander zu nehmen. Und er besagt, das beide immer, wenn die Angst beide übermannt, „...wir sie manchmal einfach weglachen“ (Fessel 1999, Seite 90) Dieses Gefühl hilft Louise in der kommenden Zeit, die jetzt nicht mehr ganz so leicht für sie ist, weil sie gemeinsam mit ihren Angehörigen auf den Tod der Mutter wartet. Nach einem harten Kampf entschläft Louises Mutter im Krankenhaus. In dieser Nacht schläft Louise fest in den Armen von ihrem kleinen Bruder Ruben ein. Kurz vor dem Einschlafen flüstert Louise ihm ins Ohr: „Mama ist jetzt ein Stern am Himmel“ (Fessel 1999, Seite 152).

3. Grundlagen der Analyse: Das „Einfache“ in der Kinder- und Jugendliteratur (nach Lypp)

Einfachheit sollte,Nach Lypp, nicht mit Leichtverständlichkeit in eins gesetzt werden. Hinter dem Begriff Kinderbuch verbirgt sich im Vergleich zu der Erwachsenenliteratur nicht zugleich einfache Literatur, wie es der Volksmund gerne zu behaupten vermag. Kinderliteratur hat sich mit der Zeit mehr und mehr emanzipiert zu einer der Erwachsenenliteratur gleichwertigen Lektüre.

Es stellt sich heute die Frage, wie die Differenz zwischen Kindern und Erwachsenen hinsichtlich des Wissens- Erfahrungs- und Sprachstandes literarisch überwunden werden können.

[...]

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Details

Titel
Die Elementarisierung des Themas Tod in der Kinder- und Jugendliteratur in: 'Ein Stern Namens Mama' von Karen-Susan Fessel
Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg)  (Germanistik)
Veranstaltung
Literaturseminar
Autor
Jahr
2002
Seiten
21
Katalognummer
V29761
ISBN (eBook)
9783638311977
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
'Ich werde immer da sein. In deinem Herzen und deinen Gedanken.'
Schlagworte
Elementarisierung, Themas, Kinder-, Jugendliteratur, Stern, Namens, Mama, Karen-Susan, Fessel, Literaturseminar
Arbeit zitieren
Elke Schipper (Autor), 2002, Die Elementarisierung des Themas Tod in der Kinder- und Jugendliteratur in: 'Ein Stern Namens Mama' von Karen-Susan Fessel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29761

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