Geschichte der Transsibirischen Eisenbahn


Seminararbeit, 2004

23 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung…

2. Gründe für den Bau der Transsibirischen Eisenbahn Beginn der industriellen Erschließung: Bergbau und Eisenbahn (1700- 1920)
2.1 Zusammenfassung

3. Bau der Transsib von 1892-1900
3.1 Die erste Etappe
3.2 Das Problem Baikalsee
3.3 Transbaikalien, Amur-Bahn, Ussuri-Bahn : das östliche Teilstück

4. Ökonomische Folgen des Baus

5. Ökologie und Transsib

6. Schluss

Abbildungsverzeichniss:
Abbildung 1: West-Sibirische Bahn :
Abbildung 2: Mittelsibirische Bahn :
Abbildung 3: Transbaikalien Bahn :

1 Einleitung

Innerhalb kürzester Zeit wurde durch den Willen, den Mut, die heldenhaften Arbeit des

ganzen russischen Vol kes eine Eisenbahn erster Kategorie gebaut, die durch die uralte

Taiga, durch undurchdringliche Mari, Gebirgsketten und reißende Flüsse führt, unter den Bedingungen des Dauerfrostes. Die heldenhafte Arbeit der Transsib-Leute hat der Entwicklung und Erschließung des Fernen Ostens und Ostsibiriens einen kräftigen Impuls gegeben.[1]

In meiner vorliegenden Hausarbeit möchte ich mich mit der Thematik der Transsibirischen Eisenbahn auseinander setzten, ihre Historie und Aktualität näher betrachten und der Strecke der Bahnen durch Russland hindurch folgen. Die Materie der Transsib erwies sich für mich, überraschender Weise interessanter als ich zunächst annahm. Obwohl ich selbst ursprünglich aus Sibirien komme ( Kemerowo ), habe ich bei der Arbeit zum Thema viel Neues in Sibirien für mich entdeckt. Die vorliegende Arbeit will also den Bau der Transsib in der Spätphase des zaristischen Russlands und der BAM in den 1970er und 1980er Jahren als wichtiges technisches Großprojekt untersuchen.

Im ersten Teil der Arbeit soll untersucht werden welche Gründe für den Bau der

Transsibirischen Eisenbahnen ausschlaggebend waren. Waren es wirtschaftliche oder eher militärische Gründe?

Der zweite Teil widmet sich explizit dem Bau der Transsib von 1892-1900, unterteilt in Westabschnitt (von Tscheljabinsk zum Ob), zentrale Streckenabschnitt und das östliche Teilstück. Dabei werden Probleme und Schwierigkeiten der technischen Umsetzung auf der größten Baustelle der Welt beschrieben.

Außerdem möchte ich im weiteren Teilen meiner Arbeit den Wirtschaftlichen -und Ökologischen Fragen der Transsib nachgehen. Hier ist besonders wichtig nicht nur von der Bahnstrecke ausgehende Gefahren für die Natur anzusprechen.

Sibirien?

Man streitet sich über die Herkunft des Wortes „Sibirien“.

Die Zusammensetzung der beiden tatarischen Wörter „Sib“ (schlafen) und „Ir“ (Land) bedeutet „schlafendes Land“[2], was angesichts der langen Wintermonate bestimmt passend erscheint. Erst um die Mitte des 18. Jahrhunderts wurde der russische Wortschatz offiziell um diesen neuen Ausdruck bereichert. Er bezeichnete Stadt Sibir (heute: Ust-Ischim, östlich Tobolsk), die bereits im Jahre 1582 in die Hände der Kosaken von Zar Iwan IV gefallen war.[3] Sibirien – ein neuer begriff für eine unbekannte Welt, eine neue Welt, die im Osten des Ural beginnt. Das Gebiet umfasst knapp 9,7 Mio. km², also fast 40% der Fläche der ehemaligen UdSSR. Es erstreckt sich im Norden vom Polarmeer bis nach Kasachstan im Süden; im Westen vom Uralgebirge bis hin zum Pazifik im Osten. Das Gesamtgebiet Sibiriens lässt sich in Westsibirien, Mittelsibirien und Ostsibirien unterteilen.

2.Gründe für den Bau der Transsibirischen Eisenbahn

2.1 Beginn der industriellen Erschließung: Bergbau und Eisenbahn (1700- 1920)

Natürlich war der wirtschaftliche Reichtum die primäre Voraussetzung für den Bau der Transsibirischen Eisenbahn. Der Produktionsumfang Sibiriens wuchs von Jahr zu Jahr durch die Erschließung neuer Rohrstoffe und es wurde deutlich, dass man in der nächsten Zeit einen sicheren, das ganze Jahr verwendbare Transport brauchen wird. Ähnlich wie in Westeuropa stellte der Bergbau den Beginn der Industrialisierung dar. Durch Zwangsverschickungen von Strafgefangenen, die im westeuropäischen Teil Russlands nicht mehr untergebracht werden konnten, wurden erste Gruben erschlossen. Edelmetalle wie Kupfer, Blei, Polymetalle und allem voran Silber wurden abgebaut und zunächst geschmolzen. 1740 entwickelte sich Sibirien zum größten Kupferlieferanten der Welt[4].

Die erste Erzbasis unter Zar Peter den Großen stellte Nertschinsk (Ostsibirien) dar. Mit der Erschließung von Gruben und dem später folgenden Aufbau von Schmelzwerken wurde Ende des 16. Jahrhunderts begonnen. 1720 wurde schließlich der Bergbau im Altai begründet. Das Altaier Land bildete den zweiten Schwerpunkt des Erzabbaus. Vor allem Silber wurde gefördert. Die russische Silberförderung zu Ende des 1700 Jahrhunderts war weitaus höher als die Europas. Deutsche Bergleute vor allem aus Sachsen wurden in die Bergbaugebiete Sibiriens eingeladen, um ihr Wissen und ihren Erfahrungsschatz auf die Gruben Sibiriens anzuwenden. Noch heute gibt es deutschsprachige Dörfer (z.B. Podsosnowo, Region Altai), in denen die Nachfahren der Sachsen- heute Sibiriendeutsche- leben.[5] Ab 1830 breitete sich schließlich auch in Sibirien das Goldfieber aus. Im Nertschinsker Gebiet, im Sajan- Gebirge, in der Jenissej- Region, aber auch im Altai wurden Goldvorkommen entdeckt. Zur Verbesserung der Transportstrukturen, deren schlechter Zustand u.a. immer noch ein Hindernis für die Entwicklung Sibiriens darstellten, wurde 1886 schließlich mit dem Bau der Transsibirischen Eisenbahn (Transsib) begonnen.

Wirtschaftlicher Reichtum als Voraussetzung für den Bau der Transsibirischer Eisenbahn, sicherlich, aber nicht nur. Es war keineswegs ein Geheimnis, dass Bau der Eisenbahn in einem reichen aber nicht erschlossenen Gebiet einen strategischen Charakter trug. Der Zar Alexander III. wusste es auch zu gut, dass das Land hinter dem Ural dünn besiedelt war, und im Falle eines Krieges im Osten mit Japan, China oder Korea hätte man keine Chance auf erfolgreiche Verteidigung des Landes. Zu dem war es auch notwendig den großen russischen Pazifikhafen Wladiwostok (gegründet 1860) vor der Isolation zu bewahren. Man muss immer bedenken, dass es keine Möglichkeiten gab solch entfernte Städte wie Wladiwostok und Irkutsk im Sommer zu erreichen, wenn es schon Wege gab, dann nur im Winter auf den gefrorenen Flüssen. Außerdem wusste russische Regierung auch über die Pläne der Amerikaner, die in die entlegenen Gebiete Ost-Sibiriens eindringen wollten. Die Wahrnehmung der japanischen Expansion, vor allem nach der Eroberung der Mandschurei, dürfte auch in die Überlegungen zum Bau der Transsib eingeflossen sein.[6] In China wurde Transsib durchaus auch als Bedrohung angesehen. Noch vor dem Bau der Transsib unternehmen die Chinesen erste Schritte zur Reorganisation ihrer Armee. Die Seeverbindung zwischen China und Kanada wurde durch Englands Hilfe verbessert worden und Telegrafennetz aufgebaut[7]. Diese Nachrichten beschleunigten die Vorbereitungsarbeiten zur Bereitstellung der Eisenbahnstrecke auf dem östlichen Abschnitt „Transbaikallinie“ enorm. All dies beweist „dass im Falle eines russisch-chinesischen Krieges Truppen an der chinesischen Grenze konzentriert werden müssten und dass es Armeeeinheiten von beträchtlicher Größe zu transportieren gälte“.[8] Die strategischen Zwänge machten es letztendlich möglich, dass die Transsibirische Eisenbahn gebaut wurde.

Zusammenfassung

Dieses Kapitel ist der Frage nachgegangen, warum die Transsib gebaut wurde. Deutlich ist, dass unterschiedliche Aspekte auch unterschiedliche Gründe an dem Projekt ausschlaggebend waren; eine genaue und eindeutige Antwort auf die gestellte Frage lässt sich aufgrund des zugrunde liegenden Materials nicht geben. Allerdings ist auch klar geworden, dass es sich hierbei nicht um einen offenen und freien Entscheidungsprozess handelte, sondern um die Entscheidung der politischen Führung, die von militärischer Bedrohung im Osten beeinflusst worden war. Es galt, den strategisch wichtigen Fernen Osten in das Reich zu integrieren. In der öffentlichen Begründung spielte die wirtschaftliche Erschließung der Transsib-Region die beherrschende Rolle. Man brauchte einen besseren Zugriff auf Sibiriens Rohstoffreichtum zu ermöglichen, neue Freiräume für die expandierende russische Industrie zu schaffen, eine stärkere Vertretung am Welthandel zu erreichen und die Umsiedlung großer Menschenmassen zu erleichtern.

Es ist unklar ob diejenigen, die an der wirtschaftlichen Erschließung ein Interesse hatten, im Klaren waren welcher Art diese Erschließung sein sollte (Förderung von Rohstoffen oder Transit von Gütern). Die Planungsansätze und der Verlauf der wirtschaftlichen Erschließung sprechen dafür, dass das Hauptinteresse doch am Transport von Transitgütern und vor allem Rohstoffen war. Die Perspektive für den Handel mit der Pazifikregion, v.a. mit Japan, durch den man sich den Zufluss von Kapital erhoffte, spielte dabei eine nicht unwesentliche Rolle.

[...]


[1] http://www.transsib.ru/history-review.htm 15.09.2004

[2] Vgl. Anita, Kreiß-Zorn: Transsibirische Eisenbahn; Legende, Darstellung. Geschichte und Technik. Luzern 1986, S. 7.

[3] Vgl. Jean des Cars/Jean-Paul Caracalla: Die Transsibirische Bahn; Geschichte der längsten Bahn der Welt: Orell Füssli, Wiesbaden 1987, S. 9.

[4] Vgl. Klüter, H/Giese, E: Industrielle Erschließung und Entwicklung Sibiriens. In: GR 42, H. 7-8, 1992, S. 390

[5] Vgl. Wein, N: Die aktuellen Strategien der Sibirien-Erschließung. In: Die Erde 119, 1988, S. 414

[6] Borzunow W. F. Transsibirskaja Magistral in der Pazifik-Politik des amerikanischen Imperialismus (ende. XIX .) // Formierungs-Prozess in der Außenpolitik der Großmächte in der Neuzeit. – Nischnij Nowgorod, 1987. S.5-14.

[7] Vgl. JEAN des CARS/ JEAN-PAUL CARACALLA; S.26.

[8] Schille, Peter: Die BAM. Aufbruch in den Osten Sibiriens, in: GEO 1978/6, S. 26-54.

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Details

Titel
Geschichte der Transsibirischen Eisenbahn
Hochschule
Technische Universität Darmstadt  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
PS: Einführung in die sozial- und kulturwissenschaflich orientierte Technikgeschichte
Autor
Jahr
2004
Seiten
23
Katalognummer
V29762
ISBN (eBook)
9783638311984
Dateigröße
1395 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschichte, Transsibirischen, Eisenbahn, Einführung, Technikgeschichte
Arbeit zitieren
Dimitrij Schlothauer (Autor), 2004, Geschichte der Transsibirischen Eisenbahn, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29762

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