Hedge-Fonds - ein kurzer Überblick


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004

29 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Definition und Stilrichtungen von Hedge-Fonds

3. Historische Entwicklung

4. Entwicklung in Deutschland
4.1. Der Deutsche Single-Hedge-Fonds
4.2. Der Deutsche Dach-Hedge-Fonds
4.3. Ausländische Hedgefonds
4.4. Die Besteuerung

5. Strategien, Risiken und Performance von Hedge-Fonds
5.1. Hedge-Fonds-Disziplinen
5.2. Risiken der Hedge-Fonds-Investition
5.3. Performance

6. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Seit einigen Wochen sind in vielen Tageszeitungen und Zeitschriften der Finanzwelt Artikel über „ Neue Anlagemöglichkeiten“ oder „ Alternative Investments“ zu lesen, in denen Begrifflichkeiten wie Hedge-Fonds vorkommen.

So beispielsweise die Wirtschaftswoche in ihrer Ausgabe vom 26.02.2004, in der sie einem Artikel den Leitsatz gab „In wenigen Wochen starten Hedge-Fonds für Privatanleger in Deutschland. Wie sie investieren, was sie leisten und welche Tücken sie haben.“.

Dies gab mir den Anlass mich etwas näher mit dem Thema Hedge-Fonds zu beschäftigen. Ist dies wirklich eine spekulative Anlageform, wie stets zu lesen war, oder ist es als gute Beimischung zur Risikosenkung des Portfolios geeignet?

Dem Privatanleger öffnete sich am 1.1.2004 eine neue Investmentwelt, deren Betreten ihm sehr lange verwehrt war, bis endlich die letzten Hürden fielen.

Am 7.11.2003 wurde das Investitionsmodernisierungsgesetz (InvModG) verabschiedet, das dem Privatanleger die Tore zur neuen Investmentwelt öffnete. Im Kapitel 4 meiner Arbeit gehe ich kurz auf das InvModG ein und betrachte die Zulassungsregularien der Hedge-Fonds in Deutschland, da, wie man weiß, der Investmentfond die am strengsten kontrollierte Anlageform ist.

Nun die Investmentform der Hedge-Fonds wurde nicht erst mit der Verabschiedung des InvModG geschaffen oder entdeckt, nein es gab sie schon viel früher. Die historische Betrachtung und die Definition, was ein Hedge-Fonds ist, soll Gegenstand der Kapitel 2 und 3 sein, wobei ich mich in Kapitel 2 auch den einzelnen Stilrichtungen zuwende.

Jeder Investor am Finanzmarkt geht mit seiner Investition einer gewissen Strategie nach, in der Hoffnung, damit eine hohes Maß an Rendite zu erzielen, die eine Entschädigung für das eingegangene Risiko darstellt.

Kapitel 5 meiner Arbeit wendet sich der Thematik Strategienwahl der Hedge-Fonds-Manager zu und sucht Antwort auf die Fragen: Welche Formen der Investitionen, kann der Manager innerhalb seiner gewählten Strategie eingehen? Welche Risiken bringt eine solche Investition und ihre Performance mit sich? Der Suche nach den Antworten schließt sich ein kurzes Fazit zur Abrundung meiner Arbeit an.

Im folgenden Kapitel soll, wie bereits angekündigt eine Definition der Hedge-Fonds gegeben werde, der sich eine Betrachtung der einzelnen Stilrichtungen anschließt.

2. Definition und Stilrichtungen von Hedge-Fonds

Hedge-Fonds widersprüchlicher kann ein Name für eine Anlageform, die eine solche Stilrichtung verfolgt, nicht sein.

Das Wort „hedging“ aus dem Englischen übersetzt – Absicherung – dient dem Anleger zur Absicherung von Risiken am Finanzmarkt sowie am Rohstoff- und Devisenmarkt.

Beispielsweise liegt hedging dann vor, wenn ein Importeur bei einem Termingeschäft für den Zeitpunkt des Ankaufs einer Ware sich gegen das Risiko zwischenzeitlicher Preisänderungen absichert. (vgl. Olfert/Rahn, 2001, Pkt. 423)

R. Stöttner (1998, S.23) versteht unter Hedger den Personenkreis, der neben den Spekulanten aktiv am Finanzmarkt teilnimmt, jedoch sein Augenmerk nicht auf den Spekulationsgewinn ausrichtet, sondern den Schutz vor Risiken sucht.

Aufgrund von Geschäften, beispielsweise auf den bereits angesprochenen Finanzmärkten, sehen sich die Hedger mit Preisrisiken – insbesondere Devisenkursrisiken und Zinsänderungsrisiken – konfrontiert, vor denen sie sich schützen möchten bzw. bestehende Risiken zu neutralisieren.

Dies geschieht dadurch, dass an den Finanzmärkten eine entsprechende Gegenposition eingegangen wird.

Nachdem ich das Wort Hedger bzw. hedging näher dargestellt habe, möchte ich den Begriff Hedge-Fonds betrachten, wobei ich mich der Definition von Kaiser, D.G. (2004, S.377) anschließen möchte.

Ursprünglich war das Hedging von Aktien-Portfolios durch das Eingehen von Short-Positionen (Leerverkäufe) das Ziel von Hedge-Fonds. Heute kommen neben dem reinen Stockpicking auch Arbitrage-Strategien, marktneutrale Ansätze und trendorientierte Strategien zur Anwendung.

Hedge-Fonds ist daher ein Oberbegriff für viele unterschiedliche Handelsstrategien, die darauf ausgerichtet sind, weltweit alle verfügbaren Finanzinstrumente einzusetzen, um die Ineffizienz von Märkte auszunutzen.

Die Abb. 1 zeigt hierzu die fünf verschiedenen Stilrichtungen von Hedge-Fonds, die im Folgenden kurz erläutert werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Hedge-Fonds-Kategorien, Quelle: Huber, C./ Kaiser, H./ Vöcking, Th, S.142; Aigner (2002, S.340)

Global Asset Allocation: Hedge-Fonds dieser Anlagekategorie gehen auf Basis makroökonomischer Marktprognosen entsprechende Long- und Shortpositionen auf den globalen Aktien-, Renten- und Devisenmärkten ein.

Event-Driven-Fonds hingegen versuchen von unternehmerspezifischen Sondersituationen zu profitieren. Derartige Situationen entstehen beispielsweise bei Umstrukturierungen, Fusionierungen, Übernahmen oder Insolvenzen der einzelnen Unternehmen. Die Event-Driven-Category kann in 2 Gruppen unterteilt werden 1. Die Distressed Securities, d.h. Investitionen in Wertpapiere finanziell notleidender Unternehmen sowie 2. die Multi-Strategy, eine Kombinationen aus Distressed Securities und Merger-Abitrage.

Fondmanager der Relative-Value-Category nutzen in ihrer Strategie Kursentwicklungen zwischen verschiedenen Wertpapieren (meist gleicher Gattung) aus. Sie verkaufen überbewertete Wertpapiere und kaufen im Gegenzug günstiger bewertete Wertpapiere derselben oder ähnlicher Emittenten.

Hedge-Fonds, die auf Long- oder Shortpositionen eingehen, werden unter der Kategorie Equity-Hedge eingeordnet, wobei hier das gesamte Marktrisiko unterschiedliche Ausmaße annehmen kann.

Short-Selling: Hedge-Fonds dieser Kategorie versuchen, überbewertete Marktsegmente und Einzeltitel zu identifizieren und durch Leerverkäufe Gewinne zu erzielen. Durch diese Anlagestrategie zeigen Short-Selling-Hedge-Fonds bei fallenden Börsen-Indizes tendenziell bessere Ergebnisse. (vgl. http://www.fundresearch.de/statisch/hedgefonds_glossar.asp)

3. Historische Entwicklung

Das Hedging wurde um das Jahr 1870 in Folge der massiv zunehmenden Globalisierung und Industrialisierung entwickelt. Es stellt eine Absicherung der Industrie dar, die zur Minderung gegen Zins- und Währungsrisiken gefordert wurde. Durch die weiten Handelswege und der daraus resultierenden großen Zeitspanne zwischen der Produktion und dem Verbrauch der Ware, waren die Händler und Produzenten erheblichen Preisrisiken ausgesetzt (vgl. Scholz, S. W., 2000, S.2)

Der Vater der Hedge-Fonds war der Finanzjournalist Alfred Winslow Jones. Ende der

40-er Jahre, als er am 1.1.1949 den ersten Hedge-Fonds auflegte, hatte der Begriff Hedge-Fonds noch seine ursprüngliche Bedeutung.

Durch seine journalistische Tätigkeit stellte Jones fest, dass von den Wall-Street-Beobachtern keiner in der Lage war, steigende oder fallende Kurse vorherzusagen.

Aus dieser, ihn nicht zufrieden stellenden Situation heraus, entwickelte er eine Handelsstrategie, mit deren Hilfe er sowohl bei steigenden, als auch bei fallenden Kursen Geld machen konnte. Seine Mitarbeiter und er analysierten Unternehmen, denen sie Kursanstiege in Aussicht stellten und kauften deren Aktien. Im Gegenzug verkauften sie Aktien short (leer) von Unternehmen, von denen sie glaubten, dass sie schlecht wirtschaften. Durch diesen gleichzeitigen Kauf und Verkauf von Aktien konnte ein Teil des Marktrisikos gemindert werden.

Das Wort hedgen war hier bei dieser Art von Finanzgeschäft also noch berechtigt, was Alfred Winslow Jones im Laufe der Jahre zu einem reichen Mann machte, bevor er 1989 verstarb.

Im Jahre 1966 erschien im Fortune Magazin ein kurzer Artikel unter dem Titel „The Jones nobody keeps up with“ – „Der Jones, den niemand stoppen kann“ – von Carol J. Loomis. Sie war auch nachweislich die erste Person, die den Namen Hedge-Fonds gebrauchte. In ihrem Artikel schrieb C. J. Loomis „…Die Struktur derer sich Jones bedient, ist kein Investment-Fonds, sondern eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Jones betreibt zwei solcher Gesellschaften, die geringfügige unterschiedliche Anlageziele aufweisen.

Wie auch immer ist in beiden Fällen die zugrunde liegende Investment-Strategie dieselbe: Das Kapital der Fonds ist beides – abgesichert und fremdfinanziert. Das Fremdkapital ist nötig, um die Gewinnmarge des Fonds zu erheben, die Absicherung erfolgt durch Short-Positionen, von denen es immer einige im Portfolio des Fonds gibt. Jones Leistung brachte einige andere „Hedgefonds“ hervor.“ (Fortune Magazine 1966 in Kaiser, D.G., 2004, S.59)

Im Jahre 1954 wandelte A. W. Jones seine bis dahin existierenden Single-Strategy-Fonds in einen Multi-Strategy-Hedge-Fonds um. Dazu engagierte er Manager, die unterschiedliche Strategien verfolgten und von denen jeder über Spezialwissen verfügte. Zu diesem Manager-Pool zählten u.a. Dick Radcliffe (gründete mit Barton Diggs 1966 einen Hedge-Fonds: Fairshield Partners) und Carl Jones (verließ 1964 A. W. Jones und gründete seinen eigenen Fond – City Partners).

Durch die ersten marktneutralen Hedge-Fonds im Stile von Jones kam es in den 50-er- und 60-er Jahren zu einer Reihe von Nachahmungen auf dem Markt.

In dieser frühen Phase, gründete interessanterweise auch Warren Buffett - in der Finanzwelt auch als das Orakel von Ohmaha bekannt - einen Hedge-Fonds mit dem Namen Buffet Partners. Warren Buffett ist einer der größten Investoren der Finanzwirtschaft und heute verantwortlich für die an der New York Stock Exchange (NYSE) notierte Anlagengesellschaft Berkshire Hathaway.

Zu den großen und einflussreichen Managern dieser Branche zählten in den 70-er- und

80-er Jahren solche Leute wie George Soros und Michael Steinhard.

Der erste Dach-Hedge-Fonds wurde durch Georges Karlweis im Jahre 1969 für die Banque Privée Edmonde de Rothschild gegründet.

Nachdem es um die Hedge-Fonds einige Zeit recht still wurde, kam es im Zeitraum 1986 – 1993 zu einem anhaltenden Wachstum. Wiederum wurde das Interesse durch einen Zeitungsartikel geweckt. Die Hedge-Fonds von G. Soros und Julian Robertson sorgten für ein hohes Aufsehen durch ihre spektakuläre Outperformance des S&P 500. (vgl. Kaiser, D.G., 2004, S.60; Ferro, K., 1999, S.2)

Robertson bediente sich bei seinem Tiger-Fonds (im Zeitraum 1980 – 1986 erzielte der Fond eine Rendite von 43 % p.a.) der Strategie von A. W. Jones und erweiterte sie um neue Finanzinstrumente – Aktienindizes, Zinszertifikate und Währungen – und damit war die Global-Macro-Disziplin geboren.

Durch neue Innovationen auf dem Fondmarkt bildeten sich Fonds heraus, die sich auf bestimmte Anlageregionen und Segmente spezialisiert hatten, wie beispielsweise Emerging Markets.

1992 erregte G. Soros mit seinem Quantum Fonds Aufmerksamkeit, als er durch massive Verkäufe des britischen Pfunds den Ausschluss Großbritanniens aus dem Europäischen Währungssystem bewirkte. Dieser Ausschluss war die Folge des Einsturzes des Europäischen Währungssystems nachdem Soros auf das Britische Pfund spekuliert hatte.

Auch während der Asienkrise 1997 wurde Kritik an der Verhaltensweise von Hedge-Fonds laut, wie beispielsweise durch den malaysischen Premierminister Mahathir Mohamad, der die damaligen Hedge-Fonds für den Verfall der malaysischen Währung verantwortlich machte (vgl. Stefan Rünzi, Uni Köln).

Ein empirischer Anhaltspunkt dafür, dass durch die Asienkrise großen Hedge-Fonds Profit schlagen konnten, ist bis dato noch nicht belegt. (vgl. Brown/Park/Goetzmann, 1997)

Der Asienkrise schloss sich unmittelbar im August 1998 die Russlandkrise an.

Dadurch geriet der von den Nobelpreisträgern Robert Merton und Myron Scholes geleitete Hedge-Fonds Long-Term-Capital-Management (LTCM) in die Krise und stand vor dem Konkurs. Ein von der amerikanischen Notenbank und eines Gläubigerkonsortium aufgelegtes Kreditprogramm konnte den bevorstehenden Bankrott noch abwenden.

Das Anlagevolumen der Hedge-Fonds beträgt nach vorsichtigen Schätzungen etwa 750 Milliarden US-$, welches auf über 6500 Hedge-Fonds verteilt ist.

Für Deutschland gibt es keine gesicherten Zahlen über die angebotenen Hedge-Fonds.

Im nachfolgenden Punkt 4. werde ich mich mit der Entwicklung von Hedge-Fonds in Deutschland beschäftigen und werde die gesetzlichen Vorschriften für die Zulassung eines Hedge-Fonds betrachten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Hedge-Fonds - ein kurzer Überblick
Hochschule
Universität Kassel
Veranstaltung
Wertpapiermanagement
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
29
Katalognummer
V29764
ISBN (eBook)
9783638312004
ISBN (Buch)
9783638650397
Dateigröße
542 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hedge-Fonds, Wertpapiermanagement
Arbeit zitieren
Stefan Seegert (Autor), 2004, Hedge-Fonds - ein kurzer Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29764

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