Enterprise Resource Planning Systeme für die Bekleidungsbranche


Hausarbeit, 2004

39 Seiten, Note: 1.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Themenüberblick

1 Grundlagen von Enterprise Resource Planning Systemen
1.1 Definition des Begriffes Enterprise Resource Planning System
1.2 Beschreibung des Vertriebsmoduls
1.3 Abwicklung der Fertigungslogistik
1.4 Branchenlösungen

2 Besonderheiten der Bekleidungsbranche
2.1 Abgrenzung des Begriffes Bekleidungsbranche
2.2 Wertschöpfungskette der Bekleidungsbranche
2.3 Modeabhängigkeit der Branche
2.4 Zeitlicher Ablauf der Bekleidungsherstellung
2.5 Hohe Zahl von Varianten pro Artikel
2.6 Fremdfertigung und passive Lohnveredelung

3 Bekleidungsspezifische Besonderheiten von ImPuls Fashion und ImPuls Fashion XL
3.1 Die Branchenlösungen ImPuls Fashion und ImPuls Fashion XL
3.2 Verwaltung von Kollektionen und Lieferterminen
3.3 Abbildung von Varianten im Artikelstamm
3.4 Bearbeitung von Vertriebsaufträgen
3.5 Abwicklung der Fertigung
3.6 Die Hochrechnung in ImPuls Fashion
3.7 Fazit

A Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1.1 Funktionen einer Vertriebsauftragsverwaltung
1.2 Entity-Relationship-Modell des Vertriebsauftrages
1.3 Funktionsbaum der Produktionsplanung und -steuerung
1.4 Entity-Relationship-Modell des Fertigungsauftrages
1.5 Entity-Relationship-Modell einer Stückliste

2.1 Einordnung der Bekleidungsbranche in die Textilpipeline
2.2 Wertschöpfungsstufen der Bekleidungsproduktion
2.3 Ablauf der Saisonplanung
2.4 Einfluß der Variations-Dimensionen auf die Zahl der Varianten eines Artikels
2.5 Zielgebiete der Produktionsverlagerung

3.1 Entity-Relationship-Modell der Kollektionsstammdaten in Fashion XL
3.2 Screenshot der Kollektionsverwaltung in Fashion XL
3.3 Mögliche Datenstruktur einer Artikelverwaltung für die Bekleidungsbranche .
3.4 Screenshot der Artikelverwaltung aus ImPuls Fashion XL
3.5 Screenshot der Zuordnung von Farben und Waschungen zu einem Artikel in ImPuls Fashion XL
3.6 Screenshot der Vertriebsauftragserfassung in ImPuls Fashion
3.7 Entity-Relationship-Modell des Vertriebsauftrages in ImPuls Fashion
3.8 Horizontale Darstellung von Größen in der Bestandsanzeige vom ImPuls Fa- shion XL
3.9 Entity-Relationship-Modell des Fertigungsauftrages
3.10 Entity-Relationship-Modell der Stückliste von ImPuls Fashion
3.11 Screenshot der Erfassungsmaske für Stücklisten aus ImPuls Fashion
3.12 Funktionen der Hochrechnung in ImPuls Fashion
3.13 Ergebnis einer Hochrechnung aus ImPuls Fashion

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Themenüberblick

Enterprise Resource Planning Systeme sind seit den 90er Jahren im Einsatz. Sie helfen Unternehmen dabei ihre Geschäftsprozesse effizienter zu gestalten und Entscheidungsträger mit den nötigen Informationen zu versorgen.1

Unternehmen der Bekleidungsbranche sind Teil der textilen Produktionskette. Sie besitzen eine Vielzahl von Besonderheiten gegenüber Unternehmen aus anderen Branchen. Als Beispiele seien hier nur die Abhängigkeit von der Mode und der damit verbundene ständige Wechsel der angebotenen Produkte genannt.

Um einem Unternehmen aus der Bekleidungsbranche eine effiziente Gestaltung ihrer Unter- nehmensprozesse zu ermöglichen müssen solche Besonderheiten in einem Enterprise Resource Planning System berücksichtigt werden. Diese Arbeit beschäftigt sich deshalb damit die Be- sonderheiten von Unternehmen der Bekleidungsbranche zu erläutern und zu zeigen wie diese Besonderheiten in einem Enterprise Resource Planning System abgebildet werden können. Zu diesem Zweck wird im ersten Kapitel zunächst der Begriff Enterprise Resource Planning genau definiert. Anhand von beispielhaft ausgewählten Funktionalität wird ebenfalls auf die Funktionsweise solcher Systeme eingegangen.

Das zweite Kapitel beschäftigt sich dann umfassend mit der Bekleidungsbranche. Die Bran- che wird von anderen Branchen abgegrenzt und insbesondere die Besonderheiten aufgezeigt. Schließlich wird das dritte Kapitel die beiden zunächst isoliert betrachteten Themengebiete zusammenführen. Hier wird aufgezeigt wie die in Kapitel 2 vorgestellten Besonderheiten in einem Enterprise Resource Planning System abgebildet werden können. Als Beispiel dienen hierbei die die beiden Software-Programme Fashion und Fashion XL aus dem Hause der ImPuls AG.

Kapitel 1

Grundlagen von Enterprise Resource Planning Systemen

1.1 Definition des Begriffes Enterprise Resource Plan ning System

Der Begriff Enterprise Resource Planning (ERP) bezeichnet Softwaresysteme, die zur Un- terstützung von Geschäftsprozessen eines Unternehmens dienen. Als grundlegendes Merkmal ist dabei die Integration der einzelnen Funktionsbereiche eines Unternehmens anzusehen. D. h. ein ERP-System stellt z. B. Funktionen für Produktion, Vertrieb, Beschaffung, Finanzen und Verwaltung innerhalb einer Anwendung zur Verfügung.1

Teilweise finden sich in der Literatur auch die Begriffe Enterprise Resource Management (ERM)2, Enterprise Management System (EMS)3 und Warenwirtschaftssystem (WWS)4 wieder. Während die ersten beiden als Synonyme zu ERP anzusehen sind, bezeichnet der Letzte nur einen Ausschnitt eines ERP-Systems. So beschränkt sich ein Warenwirtschaftssystem auf die Funktionsbereiche, welche von reinen Handelsunternehmen benötigt werden. Hingegen bleibt die Produktion bei einem WWS unberücksichtigt.5

Nicht Teil eines ERP-Systems sind die technischen Funktionsbereiche eines Unternehmens, wie z. B. Forschung und Entwicklung. Für diese Bereiche gibt es eine spezielle Kategorie von Software.6 Hierzu zählen beispielsweise Computer Aided Design (CAD) und Computer Aided Engineering (CAE).7 Auf diese Kategorie wird im Rahmen dieser Arbeit nicht näher eingegangen werden.

Um die oben angesprochene Integration der einzelnen Funktionsbereiche zu realisieren be- dienen sich ERP-Systeme der Datenintegration. D. h. alle Unternehmensbereiche greifen auf eine gemeinsame Datenbasis in Form einer zentralen Datenbank zu. So werden Datenredundanzen vermieden und eine hohe Datenkonsistenz erreicht.8

ERP-Software ist in der Regel Standardsoftware. D. h. die selbe Software wird von unter- schiedlichen Unternehmen eingesetzt. Ein ERP-System bietet diesen Unternehmen zunächst Standardgeschäftsprozesse an, welche dann innerhalb bestimmter Grenzen an die entspre- chende Organisation angepasst werden können. Eine solche Anpassung eines ERP-Systems über Konfigurationseinstellungen wird auch als Customizing bezeichnet.9 Ein weiteres Mittel um ERP-Systeme anpassbar zu machen ist ihr modularer Aufbau. Dar- unter versteht man, dass die einzelnen Funktionen eines ERP-Systems zu Bausteinen (soge- nannten Modulen) zusammengefasst werden. Aus diesen Modulen lassen sich durch Kombi- nation die unterschiedlichsten Gesamtsysteme herstellen. Meißt sind die Module eines ERP- Systems stark an den Funktionsbereichen von Unternehmen orientiert.10 In den Abschnitten 1.2 und 1.3 werden beispielhaft zwei mögliche Module eines ERP-Systems beschrieben.

1.2 Beschreibung des Vertriebsmoduls

Das Vertriebsmodul einer ERP-Software dient dazu die gesamte Vertriebslogistik abzubil- den. D. h. Vertriebsaufträge können von der Erteilung durch den Kunde, über die Lieferung bis hin zur Fakturierung und Übergabe an die Finanzbuchhaltung abgebildet werden. Op- tional kann der Erfassung eines Vertriebsauftrages auch noch ein Angebot an den Kunden vorausgehen.11 Abbildung 1.1 gibt einen Überblick über die hierfür benötigten Funktionen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1.1: Funktionen einer Vertriebsauftragsverwaltung Eigene Darstellung in Anlehnung an Riemann, W. O. (1988), S. 333

Voraussetzung um Vertriebsaufträge erfassen zu können ist die Pflege von Stammdaten. Stammdaten sind Daten, welche zur Identifizierung, Klassifizierung und Charakterisierung von Sachverhalten verwendet werden. Sie werden nur selten geändert.12 In einem ERP-System dienen sie im wesentlichen dazu die Eingabe von Bewegungsdaten effizienter zu gestalten, in dem die Benutzereingaben vom ERP-System durch Rückgriff auf die Stammdaten automatisch ergänzt werden. So brauch z. B. bei der Eingabe der Auf- tragsdaten im Vertriebsmodul nur noch die Kunden-Nr oder der Kundenname angegeben werden und die restlichen Kundendaten wie Liefer- und Rechnungsanschrift werden vom ERP-System automatisch ergänzt.13

Ein weiterer Grund für die Pflege von Stammdaten ist die Vermeidung von Datenredundanz. Da es durch Redundanzen zu unnötigem Verbrauch von Speicherplatz sowie Inkonsistenzen kommen kann, werden bestimmte Daten einmal als Stammdaten erfasst so dass von ande- ren Stellen auf diese verwiesen werden kann (s. a. Abbildung 1.2). Allerdings gibt es auch gewünschte Redundanzen. So wird z. B. in einem Vertriebsauftrag der Preis eines Artikels mitgespeichert, damit durch nachträgliche Änderung des Preises in der Preisliste nicht auch der Preis im Auftrag beeinflußt wird.14

Zu den für das Modul Vertrieb relevanten Stammdaten zählen u. a. Auftragstypen, Artikel, Preisinformationen, Kunden, Anschriften, Kundentexte und bestimmte Klassifizierungen.15 Zentraler Punkt des Vertriebsmoduls ist die Erfassung von Vertriebsaufträgen und ggf. vorausgehenden Vertriebsangeboten. Hierzu werden die Auftrags- bzw. Angebotsdaten vom jeweiligen Bearbeiter im Dialog eingegeben.16

Während der Eingabe erfolgt die weiter oben bereits angesprochene Unterstützung des Benutzer durch die zur Verfügung stehenden Stammdaten. So kann der Verkäufer z. B. von Artikeln, welche durch den Kunden nur verbal beschrieben werden, mittels Suche in den Artikel-Stammdaten die konkrete Artikel-Nr und Bezeichnung ausfindig machen. Auch ein Rückgriff auf Angebote und frühere Aufträge eines Kunden ist in vielen ERP-Systemen möglich. Falls der Kunde auf diese Bezug nimmt, brauchen die Daten nicht nochmals erfasst zu werden, sondern können einfach übernommmen werden.17

Ein Beipiel einer Datenstruktur zur Speicherung von Vertriebsauftragsdaten findet sich in dem Enity-Relationship-Model aus Abbildung 1.2 wieder. Alle Daten, die für den gesam- ten Auftrag gelten werden im Vertriebsauftragskopf gespeichert. Dies sind z. B. der Kunde, Liefer- und Rechnungsanschrift sowie Informationen über die Zahlungsweise. Zu jedem Vertriebsauftragskopf kann es mehrere Vertriebsauftragspositionen geben. Jede Position speichert die Menge die der Kunde von einem bestimmten Artikel bestellt hat. Nachdem der Auftrag erfasst wurde kann mit der Abwicklung begonnen werden. Hierzu zählen z. B. die Ausgabe einer Auftragsbestätigung, das Erzeugen von Lieferscheinen sowie die Fakturierung. Diese Vorgänge werden vom System nach Aufforderung durch den Benut- zer automatisch durchgeführt. Manuell werden nur ggf. abweichende Liefermengen erfasst.18 Der bei einer Lieferung erzeugte Lieferschein verweist auf den ehemals erfassten Vertriebs- auftrag (s. Abbildung 1.2). So ist ersichtlich welcher Auftrag durch die jeweilige Lieferung abgewickelt wurde.19

Die Fakturierung erfolgt im Anschluß an die Lieferung. Die in diesem Schritt erzeugte Rech- nung verweist nicht direkt auf einen Vertriebsauftrag, sondern auf einen oder mehrere Liefer- scheine (s. Abbildung 1.2). So wird gewährleistet, dass nur solche Waren berechnet werden,

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1.2: Entity-Relationship-Modell des Vertriebsauftrages

Eigene Darstellung, stark vereinfachter Ausschnitt aus Scheer, A.-W. (1988), S. 458f. welche auch tatsächlich geliefert wurden.20

Eine weitere Funktion des Vertriebsmoduls sind Auswertungen. Auswertungen sind vergangenheitsbezogene Statistiken. Sie dienen u. a. dazu Absatzprognosen für kommende Zeiträume zu erstellen oder aber Kunden gemäß ihres Einkaufsverhaltens zu segmentieren. Voraussetzung für Auswertungen ist, dass Vertriebsaufträge auch nach ihrer Abwicklung noch in der Datenbank gespeichert bleiben.21

Die ebenfalls noch in Abbildung 1.1 aufgeführten Schnittstellen deuten an, dass aus dem Vertriebsmodul heraus auch die Daten anderer Module beeinflußt werden. So werden z. B. durch Lieferung im Modul Materialwirtschaft Lagerbestände reduziert, erfasste Aufträge haben Einfluß auf die Primärbedarfsermittlung im Fertigungsmodul (s. a. Abschnitt 1.3) und erzeugte Rechnungen werden an die Finanzbuchhaltung übergeben.22

1.3 Abwicklung der Fertigungslogistik

Die Fertigungslogistik mit ihren Disziplinen Produktionsplanung und -steuerung war schon früh ein Einsatzgebiet der EDV. Die Gründe dafür liegen in der großen Menge an zu verarbeitenden Daten sowie der hohen Komplexität des Planungsproblems.23 So eigenen sich Computer hervoragend zur Verwaltung von großen Datenvolumina und können außerdem helfen die Komplexität eines Problems zu reduzieren.24

In diesem Abschnitt soll deshalb das Fertigungsmodul als weiteres Beispiel für die Funkti- onsweise eines ERP-Systems dienen. Abbildung 1.3 zeigt einen Überblick der für die Ferti- gungslogistik benötigten Funktionen. Aus der Abbildung wird ebenfalls ersichtlich welche der Funktionen für die Planung und welche für die Steuerung der Fertigung benötigt werden.

Die Produktionsplanung beginnt mit der Planung des Primärbedarfes. Ein Primärbedarf

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1.3: Funktionsbaum der Produktionsplanung und -steuerung Quelle: Scheer, A.-W. (1997), S. 98

kann z. B. aus Vertriebsaufträgen und Absatzplänen resultieren. Es muss überprüft, ob die vorhandenen Lagerbestände ausreichen, um die erfassten Vertriebsaufträge bzw. die geplanten Absätze zu decken. Reicht die Menge eines oder mehrerer Teil auf dem Lager nicht aus, spricht man von einer Unterdeckung bzw. eines Nettobedarfs. Dieser Bedarf kann durch Fertigung der entsprechenden Teiles ausgeglichen werden.25

Abbildung 1.4 zeigt eine beipielhafte Datenstruktur zur Abwicklung von Fertigungsaufträgen. Auch hier findet sich die Primärbedarfsplanung wieder. Sollte sich ein Primärbedarf aus Vertriebsaufträgen ableiten, so liegt ihm eine bereits in Abschnitt 1.2 näher erläuterte Vertriebsauftragsposition zu Grunde. Die Daten für eine Absatzplan werden entweder manuell erfasst oder vom ERP-System mittels Berechnung gefüllt.26

Um die Fertigung von Teilen zur Deckung eines Primärbedarfes auszulösen wird eine Fer- tigungsauftrag erzeugt. Dabei kann die Fertigung unterschiedlicher Teile nach bestimmten Kriterien, wie etwa dem Bedarfsverusacher und dem Erteilungsdatum zusammengefasst wer- den. Diese für alle zu fertigenden Teile geltenden Daten werden im Fertigungsauftragskopf gespeichert. Dem Fertigungsauftragskopf werden dann mehrere Fertigungsauftragspositionen zugeordnet. Sie enthalten teilebezogene Daten, wie z. B. die erforderliche Fertigungsmen- ge.27

Die so erfassten Fertigungsaufträge bilden die Grundlage für die Funktion der Bedarfsermittlung (s. Abbildung 1.3). Die Bedarfsermittlung hat zum Ziel aus den Primärbedarfen von verkaufsfähigen Teilen die Bedarfe der jeweiligen untergeordneten Baugruppen und Materialien zu ermitteln.28

Voraussetzung für die Bedarfsermittlung ist, dass die Stückliste bekannt ist. Wie sich die Stammdaten einer Stückliste in einer Datenbank abbilden lassen zeigt in Abbildung 1.5 die rekursive Beziehung mit den Elementen Teil und Struktur. Ein Teil kann sowohl ein verkaufsfähiges Erzeugnis als auch eine Baugruppe oder ein Material sein. In der Relation Struktur wird gespeichert, welche Teile in welcher Menge in ein anderes Teil eingehen.29 Anhand einer solchen Teile-Struktur und den in Fertigungsaufträgen erfassten Primärbedar-

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1.4: Entity-Relationship-Modell des Fertigungsauftrages Eigene Darstellung, stark vereinfachter Ausschnitt aus Scheer, A.-W. (1997), S. 255

fen kann ein ERP-System mittels Multiplikation die Bruttobedarfe aller für die Abwicklung der Fertigungsaufträge benötigten Materialien und Baugruppen errechnen.30

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1.5: Entity-Relationship-Modell einer Stückliste Eigene Darstellung in Anlehnung an Scheer, A.-W. (1997) S. 111

Die so errechneten Bruttobedarfe können dan den jeweiligen Lagerbeständen der Teile ge- genübergestellt werden. Herrscht eine Unterdeckung, so muss diese vor Beginn der Fertigung durch Bestellung der entsprechenden Teile bei einem Lieferanten bzw. eigener Fertigung be- hoben werden.31

Eine weitere in Abbildung 1.3 dargestellte Funktion ist die Zeit- und Kapazitätsplanung. Auch Sie setzt zunächst die Existenz bestimmter Stammdaten voraus. Diese finden sich ebenfalls in Abbildung 1.4 wieder. Ein Arbeitsplan gibt Auskunft über die verschiedenen Arten in denen ein bestimmtes Teil hergestellt werden kann. Er läßt sich in die einzelnen Arbeitsgänge unterteilen. Jeder dieser Arbeitsgänge beansprucht wiederum eine bestimmte Anzahl von Ressourcen über einen bestimmten Zeitraum, welche in einem Werk verfügbar sein müssen.32

Sind diese Stammdaten entsprechend gepflegt, so kann jeder Position eines Fertigungsauftrages ein zu verwendender Arbeitsplan zugewiesen werden. Ein ERP-System kann dann, ähnlich wie bei der Bedrafsermittlung, durch Multiplikation den entsprechenden Bedarf an Ressourcen ermitteln. Ergebnis sind die frühestmöglichen Fertigstellungstermine der einzelnen Fertigungsaufträge sowie evtl. Kapazitätsengpässe. Für eine nährere Betrachtung dieses Themas muss allerdings auf die ergänzende Fachliteratur verwiesen werden, da dies den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde.33

Die Funktion Auftragsfreigabe stellt den Übergang von der Produktionsplanung zur Produk- tionssteuerung dar. D. h. die erfassten Fertigungsaufträge werden zur Ausführung freigeben und somit an die Funktion der Feinsteuerung übergeben. Die Freigabe eines Auftrages kann allerdings nur dann erfolgen, wenn alle zur Fertigung benötigten Materialien auch verfügbar sind. Um dies sicherzustellen wird vor der Freigabe eine Verfügbarkeitsprüfung durchgeführt. Dabei werden entweder nur tatsächliche Lagerbestände berücksichtigt (statische Verfügbar- keitsprüfung) oder aber auch zukünftige Lagerzu- und -abgänge miteinbezogen (dynamische Verfügbarkeitsprüfung).34

Die in der Auftragsfreigabe zur Produktion freigegebenen Aufträge werden von der Fein- steuerung weiterverarbeitet. Die Aufgaben der Feinsteuerung sind dabei prinzipiell die sel- ben, wie bei der Kapazitäts- und Zeitplanung. Die Feinplanung verwendet aus diesem Grund auch die selbe Datenstruktur wie die Kapazitäts- und Zeitplanung. Einziger Unterschied ist der Grad der Detaillierung. So ist die mittels Feinsteuerung vorgenommene Betrachtung we- sentlich kurzfristiger als die der Kapazitäts- und Zeitplanung. Außerdem wird die Planung bei der Feinsteuerung bis auf einzelne Maschinen genau durchgeführt.35

Die Funktion CAM (Computer Aided Manufacturing) i. e. S. steht für eine noch detaillier- tere Betrachtung des Produktionsvorganges. Hier werden die einzelnen Arbeitsgänge noch feiner untergliedert und in sogenannte NC-Programme (Numeric Control) umgesetzt. Solche Programme können dann von sogenannten NC-Maschinen dazu verwendet werden den ei- gentliche Fertigungsvorgang auszuführen. Eine Integration solcher NC-Programme mit ERP- Software ist generell denkbar jedoch nach heutigem Stand noch nicht so weit verbreitet.36

1.4 Branchenlösungen

Wie bereits in Abschnitt 1.1 erwähnt handelt es sich bei ERP-Software um Standard- software. Das bedeutet die Software muss in Unternehmen mit komplett unterschiedlichen Geschäftsprozessen eingesetzt werden können. Um dies zu gewährleisten bieten die Hersteller von ERP-Systemen Möglichkeiten, wie das ebenfalls schon in Abschnitt 1.1 angesprochene Customizing an. Es ermöglicht die Software mittels Parametereinstellungen in bestimmten Grenzen an ein Unternehmen anzupassen.37

Die Hersteller bewegen sich bei der Schaffung solcher Parametereinstellungen jedoch in einem Spannungsverhältnis. Einerseits sind sie bestrebt mit ihrer Software durch eine Vielzahl von Customizing-Funktionen ein möglichst großes Spektrum von Unternehmen abdecken zu können. Andererseits wird das ERP-System mit steigender Zahl der möglichen Parametereinstellungen immer komplexer und schwerer zu warten.

Oftmals reichen die vom Customizing vorgegebenen Grenzen der Anpassung deshalb nicht aus. Für diese Fälle gibt es bei einigen ERP-Systemen auch die Möglichkeit die Software durch eigene Programmierung weiter an das Unternehmen anzupassen.38 Eine solche Anpassung durch Programmierung verursacht jedoch hohe Kosten und setzt Programmier-Know-How sowie eine gute Kenntnis des jeweiligen ERP-Systems voraus. Vie- le Unternehmen stehen deshalb vor der Entscheidung eine Erweiterung durch Programmie- rung vorzunehmen oder die eigenen Geschäftsprozesse an die standardisierten Prozesse der ERP-Software anzupassen.39

Eine Anpassung der eigenen Geschäftsprozesse birgt allerdings einige Risiken. So führen die Einschnitte in die Unternehmensabläufe häufig zu Akzeptanzproblemen bei den Mitarbeitern. Außerdem kann es durch die Anpassung an die standardisierten Geschäftsprozesse zum Verlust von Wetbewerbsvorteilen kommen, insbesondere wenn die Kernkompetenzen des Unternehmens von den Anpassungen betroffen sind.40

Dass das Problem der Anpassung eines ERP-Systems an eine Unternehmung eine hohe Re- levanz besitz zeigt eine Studie unter 1200 deutschsprachigen Unternehmen. So gaben 25% der befragten Unternehmen an, keine ERP-Software einzusetzen. Als einer der Hauptgründe wurde die mangelnde Abdeckung von branchenspezifischen Funktionen und Prozessenen ge- nannt.41

Als Reaktion auf die Forderung der Unternehmen nach branchenspezifischen Funktionen haben sich sogenannte Branchenlösungen heruasgebildet. Eine Branchenlösung ist eine ERPSoftware mit speziell auf eine Branche abgestimmten Funktionen und Geschäftsprozessen. So existieren von dem ERP-System R/3 der Firma SAP u. a. spezielle Lösungen für Banken, Chemie-Industrie, Medien, Gesundheitswesen, etc..42

Neben Branchenlösungen auf Basis von bestehenden ERP-Systemen existieren ebenfalls Produkte von Nischenanbietern, welche sich ausschließlich auf eine bestimmte Branche spezialisiert haben. Solche Branchen lassen sich meist durch sehr spezifische Geschäftsprozesse und eine verhältnismäßig geringe Zahl von Großunternehmen charakterisieren. Sie sind somit für die großen ERP-Anbieter nur von geringem Interesse.43

Ein Beipiel für eine solche Branche ist die im folgenden Kapitel vorgestellte Bekleidungs- branche.

[...]


1 Vgl. Enzler, S. (2003), S. 1f.

1 Vgl. Ritter, B. (2000), S. 15; Mauterer, H. (2002), S. 7f.; Färbinger, P. M., (o. A.)

2 Vgl. Hufgard, A. (1994), S. 4

3 Vgl. Mauterer, H. (2002), S. 7

4 Vgl. Schwarze, J. (2000), S. 296-303.; Hansen, H. R. (1998), S. 74

5 Vgl. TWNetwork.de (o. A.)

6 Vgl. Mauterer, H. (2002), S. 8

7 Vgl. Schwarze, J. (2000), S. 265

8 Vgl. Mauterer, H. (2002), S. 10

9 Vgl. Mauterer, H. (2002), S. 9; Hufgard, A. (1994), S. 2-4.

10 Vgl. Mauterer, H. (2002), S. 11f.

11 Vgl. Scheer, A.-W. (1997), S. 447

12 Vgl. Hansen, H. R. (1998), S. 9f.

13 Vgl. Scheer, A.-W. (1997), S. 457; Riemann, W. O. (1988), S. 333

14 Vgl. Ferstl, O. K., Sinz, E. J. (2001), S. 218

15 Vgl. Scheer, A.-W. (1997), S. 449

16 Vgl. Riemann, W. O. (1988), S. 333

17 Vgl. Scheer, A.-W. (1997), S. 455-459

18 Vgl. Riemann, W. O. (1988), S. 333

19 Vgl. Scheer, A.-W. (1997), S. 464-466

20 Vgl. Scheer, A.-W. (1997), S. 467

21 Vgl. Riemann, W. O. (1988), S. 345, 274; Scheer, A.-W. (1997), S. 458-460

22 Vgl. Scheer, A.-W. (1997), S. 100-102; Riemann, W. O. (1988), S. 346, 274

23 Vgl. Scheer, A.-W. (1997), S. 96-98

24 Vgl. Hansen, H. R. (1998), S. 16f.

25 Vgl. Riemann, W. O. (1988), S. 356

26 Vgl. Scheer, A.-W. (1997), S. 100-102

27 Vgl. Scheer, A.-W. (1997), S. 136-139

28 Vgl. Scheer, A.-W. (1997), S. 131

29 Vgl. Scheer, A.-W. (1997), S. 105-118

30 Vgl. Scheer, A.-W. (1997), S. 136

31 Vgl. Riemann, W. O. (1988), S. 358

32 Vgl. Scheer, A.-W. (1997), S. 212-220

33 Vgl. Scheer, A.-W. (1997), S. 240-268

34 Vgl. Scheer, A.-W. (1997), S. 284-299

35 Vgl. Scheer, A.-W. (1997), S. 299-316

36 Vgl. Scheer, A.-W. (1997), S. 316-331

37 Vgl. Mauterer, H. (2002), S. 9f.

38 Vgl. Enzler, S. (2003), S. 6f.

39 Vgl. Mauterer, H. (2002), S. 11 / S. 31-34.

40 Vgl. Enzler, S. (2003), S. 6

41 Vgl. Emrich, C. (1998), S.22

42 Vgl. Enzler, S. (2003), S. 2 / S. 6

43 Vgl. Enzler, S. (2003), S. 3ff.

Ende der Leseprobe aus 39 Seiten

Details

Titel
Enterprise Resource Planning Systeme für die Bekleidungsbranche
Hochschule
Private Fachhochschule für Wirtschaft und Technik Vechta-Diepholz-Oldenburg; Abt. Diepholz
Note
1.0
Autor
Jahr
2004
Seiten
39
Katalognummer
V29806
ISBN (eBook)
9783638312363
Dateigröße
4581 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Enterprise, Resource, Planning, Systeme, Bekleidungsbranche
Arbeit zitieren
Axel Domschke (Autor), 2004, Enterprise Resource Planning Systeme für die Bekleidungsbranche, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29806

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