Die Aufgabe des GATT (General Agreement on Tariffs and Trade) bestand ursprünglich darin, tarifäre Handelsbarrieren zu reduzieren. Durch die relativ erfolgreiche Senkung von Zollschranken war jedoch diese Aufgabe zum großen Teil erfüllt. Nachfolgend gab es eine Reihe neuer ungelöster Probleme wie z.B. die Zunahme von nicht-tarifären Handelshemmnissen, eine zunehmende Verflechtung von Handel und Kapitalströmen sowie die steigende Bedeutung des Nicht-Waren-Handels.
In der Uruguay-Runde wurde die beschränkte Handlungsfähigkeit der hierfür nicht mehr angemessenen internationalen Wirtschaftsorgane eingeräumt. Nach siebenjähriger Verhandlungsdauer gelang es endlich, auch Dienstleistungen in den multilateralen Liberalisierungsprozess einzubeziehen. Mit dem Abschluss der Runde (Mitte 1994) ist zusätzlich zum GATT das GATS (General Agreement on Trade in Services) ratifiziert worden und somit eine wichtige Lücke im Welthandelssystem geschlossen. Das GATS trat am 1.1.95 in Kraft. Ziel beider Abkommen ist die Minimierung von Handelsbarrieren in allen Ländern, um Marktzugangsbarrieren durch Verhandlungsrunden abzubauen.
Wenn man bedenkt, dass Dienstleistungen einen großen (und wachsenden) Teil der Weltwirtschaft ausmacht, warum hat es dann solange gedauert bis man sich auf das GATS verständigt hatte? Wo lagen die Schwierigkeiten? Und wie ist das Abkommen zu bewerten?
Die vorliegende Arbeit ist in drei Hauptteile gegliedert. Zunächst werden die Grundlagen, nämlich die besonderen Merkmale von Dienstleistungen und die Entwicklung des Dienstleistungshandels, erörtert. In einem zweiten Teil wird das GATS-Abkommen mit seinen Prinzipien und Ausnahmen vorgestellt. Der letzte Teil befasst sich mit den Auswirkungen, den Kritiken und offenen Fragen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Dienstleistungshandel
2.1. Dienstleistung - Begriff und Merkmale
2.2. Die Bedeutung des Dienstleistungshandels
3. GATS - Das Abkommen
3.1. Allgemeiner Hintergrund
3.2. Allgemeine Rechte und Pflichten
3.3. Ausnahmen und Sonderregelungen
4. Bedeutung und Kritik
4.1. Bedeutung des Abkommens
4.2. Kritik und offene Fragen
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert das GATS (General Agreement on Trade in Services) als multilaterales Regelwerk zur Liberalisierung des internationalen Dienstleistungshandels und untersucht dessen Auswirkungen, bestehende Herausforderungen sowie die Rolle der beteiligten Wirtschaftsakteure.
- Merkmale und ökonomische Bedeutung von Dienstleistungen im Welthandel
- Struktur, Prinzipien und Wirkungsweise des GATS-Abkommens
- Die Balance zwischen nationaler Souveränität und Handelsliberalisierung
- Kritische Aspekte wie das Trittbrettfahrer-Problem und die Einbeziehung wirtschaftlich schwacher Staaten
Auszug aus dem Buch
3.1. ALLGEMEINER HINTERGRUND
Die Uruguay-Runde fand im Rahmen des General Agreement on Tariffs and Trade (GATT) statt. Sie begann im Sept. 1986 in Punta del Este (Uruguay), und wurde formal in Marrakesch (Marokko) im April 1994 abgeschlossen. Die Befürworter der Liberalisierung wurden dabei bestärkt durch:
- die bisherigen Erfolge des GATT (Handelsschaffung durch Reduktion von Zöllen)
- die zunehmende Bedeutung des internationalen Dienstleistungshandels.
Gerade in der schwierigen Phase Mitte der 80er Jahre (vor dem Hintergrund von Rezession, Inflation und steigender Arbeitslosigkeit) galt es, jedes Hemmnis auszuräumen, das mögliche Wachstumspotentiale ausgrenzte. Eine größere Berechenbarkeit durch ein multilaterales Abkommen würde den Export von Dienstleistungen stimulieren - und somit nicht-inflationäres Wachstum und den strukturellen Wandel zu einer mehr wissensbasierten Wirtschaft unterstützen.
Bedingt durch die o.g. spezifischen Merkmale von Dienstleistungen stellt das GATS einen Rahmen für Verhandlungen bezüglich der Liberalisierung des Service-Sektors, in dem erstmalig Investitionen in ein multilaterales Abkommen mit einbezogen wurden. Das Abkommen gilt nicht nur für den länderüberschreitenden Handel, sondern für jedes "Mittel", einen Service anzubieten (einschließlich der Errichtung einer Niederlassung). Es betrifft auch automatisch den dazu notwendigen Kapitaltransfer.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung erläutert die Entstehung des GATS im Zuge der Uruguay-Runde und definiert die Fragestellung nach der Notwendigkeit sowie den Schwierigkeiten bei der Liberalisierung des Dienstleistungssektors.
2. Dienstleistungshandel: Das Kapitel definiert den Begriff der Dienstleistung, beleuchtet deren ökonomische Bedeutung und klassifiziert den Handel anhand des Standortkriteriums der Erbringung.
3. GATS - Das Abkommen: Dieser Abschnitt beschreibt den Hintergrund, die rechtlichen Prinzipien (wie MFN-Klausel und Marktzugang) sowie die Ausnahmeregelungen des GATS-Rahmenwerks.
4. Bedeutung und Kritik: Hier werden die Auswirkungen der Internationalisierung auf Unternehmen diskutiert und kritische Punkte, insbesondere im Hinblick auf Entwicklungsländer und nationale Regulierungen, aufgezeigt.
5. Schluss: Das Fazit fasst die Rolle des GATS als ersten Schritt zur Liberalisierung zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit zukünftiger horizontaler Verhandlungsansätze.
Schlüsselwörter
GATS, GATT, Dienstleistungshandel, Uruguay-Runde, Liberalisierung, Marktzugang, Meistbegünstigung, Inlandsgleichbehandlung, Welthandel, Direktinvestitionen, Welthandelsorganisation, WTO, Protektionismus, Dienstleistungsbilanz, Transparenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den Schutz und die Liberalisierung des grenzüberschreitenden Dienstleistungsangebots durch das internationale Abkommen GATS.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die Abgrenzung von Dienstleistungen, die Funktionsweise des GATS, die Bedeutung des Dienstleistungssektors sowie die Problematik nationaler Souveränität.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Bewertung des GATS als Rahmenwerk zur Minimierung von Handelsbarrieren bei gleichzeitiger Berücksichtigung der Besonderheiten des Dienstleistungssektors.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturrecherche und der Auswertung von Primär- sowie Sekundärquellen, ergänzt durch Informationen von offiziellen Institutionen wie der WTO und der EU-Kommission.
Was steht im Hauptteil im Mittelpunkt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Analyse des Vertragswerks, der Prinzipien wie Transparenz und Marktzugang sowie der Kritik an der praktischen Umsetzung.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Publikation?
Wichtige Begriffe sind GATS, Dienstleistungshandel, Liberalisierung, Welthandel und die Rolle der Entwicklungsländer.
Warum war ein sektoraler Ansatz für die erste Runde des GATS notwendig?
Aufgrund der stark heterogenen nationalen Regulierungen im Dienstleistungssektor war ein sofortiger umfassender Ansatz in der ersten Verhandlungsrunde kaum praktikabel umzusetzen.
Was bedeutet das "Trittbrettfahrer-Problem" im GATS-Kontext?
Es bezieht sich auf die Kritik, dass Staaten von Konzessionen profitieren können, die sie selbst nicht im gleichen Maße gewähren, was dem Geist der multilateralen Liberalisierung widersprechen kann.
- Arbeit zitieren
- Almut Stielau (Autor:in), 1998, Schutz des freien Austausches grenzüberschreitender Dienste-Angebote durch das GATS, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/298240