Fast täglich ist man mit den verschiedensten Sprachvarietäten konfrontiert, die einem überall und in vielen Bereichen begegnen. Praktisch niemand lebt in Räumen, in denen das reinste Hochdeutsch – wie es zum Beispiel an den Schulen gelehrt wird – zum Ausdruck kommt.
Es gibt regionsspezifische Dialekte, Regiolekte, Soziolekte und auch Ethnolekte, die sich allesamt vom Standarddeutsch in gewissen Punkten unterscheiden.
Lebt man in Großstädten oder wirtschaftlichen Ballungszentren, so fällt meist eine Sprachvarietät ganz besonders und intensiv auf: Das sogenannte Türkendeutsch als Ethnolekt der türkischstämmigen Bevölkerung in Deutschland.
Von dieser speziellen Sprachvarietät soll die Facharbeit handeln. Aufgrund der Aktualität dieses Themas – die Historie und die damit verbundene Entwicklung der Sprachvarietät Türkendeutsch kann man noch als sehr jung und aktuell bezeichnen – kann es als äußerst interessant und spannend empfunden werden.
Das Ziel der Arbeit ist eine umfassende Ausarbeitung des Türkendeutsch anhand von Definitionen und bestimmten Merkmalen, die diese Sprachvarietät der Literatur nach aufweist. Abschließend folgt eine Analyse von zwei Sequenzen der Comedyfigur Hakan von Kaya Yanar, in der die vom Komiker Yanar verwendete Sprache auf das Türkendeutsch hin untersucht werden soll.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Der Ethnolekt
2.2 Türkendeutsch – Beispiel eines Ethnolekts
2.2.1 Definition Türkendeutsch
2.2.2 Historie der Türken in Deutschland
2.2.3 Linguistische Phänomene des Türkendeutsch
2.3 Analyse der Comedysequenzen und dessen Ergebnisse
2.3.1 Analyse der 1. Sequenz (Hakan holt sich Geld)
2.3.2 Analyse der 2. Sequenz (Hakan beim Arzt)
2.3.3 Ergebnisse – spricht Hakan Türkendeutsch?
3 Fazit zur Facharbeit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Facharbeit ist die umfassende Untersuchung der Sprachvarietät Türkendeutsch anhand linguistischer Kriterien. Die Arbeit verfolgt die Forschungsfrage, ob und wie die Sprache der Comedyfigur Hakan von Kaya Yanar die Merkmale dieser Varietät widerspiegelt und inwieweit es sich dabei um eine bewusste, mediale Überzeichnung handelt.
- Grundlagen des Ethnolekts und Abgrenzung verschiedener Formen
- Historischer Kontext der türkischen Minderheit in Deutschland
- Linguistische Analyse von lexikalischen, morphologischen und syntaktischen Merkmalen
- Untersuchung von Comedy-Sequenzen auf typische Sprachphänomene
- Einordnung der Kunstsprache in den Bereich des sekundären Ethnolekts
Auszug aus dem Buch
2.3.1 Analyse der 1. Sequenz (Hakan holt sich Geld)
B: Banker
H: Hakan
(Hakan kommt in das Büro des Bankers)
B: „Guten Tag.“
H: „Ey alder, was geht?“
→ Das Ey als Einleitungspartikel des Türkendeutsch
→ alder als spezifische Anrede
→ die Frage „was geht?“ > Auslassung des Pronomens dir und des Verbs es
> Falsche Verwendung des Fragewortes. Hier: was
B: „Das hängt ganz von Ihnen ab. Wir haben Privat-/ Geschäfts-/ Baukredite, und das zu super Konditionen.“
H: „Ey, super Kondition hab ich selber, gehe ich jeden Tag Fitness, weißt du?“
→ Ey als Einleitungspartikel eines Satzes im Türkendeutsch
→ Falsche Wortstellung: Pronomen ich steht hinter dem Verb gehe
→ Auslassung von der Präposition in und dem Artikel das
→ Fitness als Synonym für Fitnessstudio
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Sprachvarietäten mit Fokus auf Ethnolekte und die spezifische Bedeutung des Türkendeutsch in der deutschen Gesellschaft.
2. Hauptteil: Detaillierte theoretische Fundierung des Ethnolekts, historische Einbettung der türkischen Migration sowie systematische linguistische Analyse der Sprache von Hakan.
2.1 Der Ethnolekt: Theoretische Definition des Ethnolekts und Unterscheidung zwischen primären, sekundären und tertiären Formen nach Prof. Dr. Peter Auer.
2.2 Türkendeutsch – Beispiel eines Ethnolekts: Spezifische Einordnung des Türkendeutsch als Soziolekt und Regiolekt sowie Abgrenzung zu anderen Sprachstilen.
2.2.1 Definition Türkendeutsch: Klärung der Begriffe Türkendeutsch und Kanak Sprak als informelle Sprachjargons türkischstämmiger Jugendlicher.
2.2.2 Historie der Türken in Deutschland: Darstellung der Migrationsgeschichte von den Anwerbeabkommen der 60er Jahre bis hin zur Etablierung als Einwanderer.
2.2.3 Linguistische Phänomene des Türkendeutsch: Kategorisierung der sprachlichen Merkmale in lexikalische, morphologische und syntaktische Bereiche.
2.3 Analyse der Comedysequenzen und dessen Ergebnisse: Praktische Anwendung der Theorie auf die ausgewählten Szenen mit Hakan.
2.3.1 Analyse der 1. Sequenz (Hakan holt sich Geld): Untersuchung der ersten Dialogsequenz auf Einleitungspartikel, Wortstellungen und grammatikalische Auslassungen.
2.3.2 Analyse der 2. Sequenz (Hakan beim Arzt): Analyse der zweiten Sequenz unter Berücksichtigung von Schwa-Laut-Wegfall und weiteren typischen Merkmalen.
2.3.3 Ergebnisse – spricht Hakan Türkendeutsch?: Synthese der Analyseergebnisse und Einordnung Hakans Sprache als bewusste, mediale Übertreibung.
3 Fazit zur Facharbeit: Zusammenfassung der Ergebnisse und Rückblick auf die Forschungsfrage unter Berücksichtigung der Komik als Stilmittel.
Schlüsselwörter
Ethnolekt, Türkendeutsch, Sprachvarietät, Kaya Yanar, Hakan, Linguistik, Soziolekt, Regiolekt, Anwerbeabkommen, Sprachanalyse, Comedy, Grammatik, Syntax, Morpheme, Sekundärer Ethnolekt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Sprachvarietät "Türkendeutsch" und analysiert, wie diese durch die Comedyfigur Hakan von Kaya Yanar dargestellt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Neben linguistischen Grundlagen des Ethnolekts werden die historische Migration türkischer Menschen nach Deutschland und die mediale Inszenierung von Sprache behandelt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu klären, ob die Sprache der Kunstfigur Hakan als authentisches Türkendeutsch gewertet werden kann oder ob sie gezielte Übertreibungen aufweist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine deskriptive linguistische Analyse verwendet, die Satz für Satz die Merkmale der Sprache gegen definierte linguistische Kriterien prüft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in den Ethnolekt, eine historische Einordnung und eine detaillierte Analyse zweier spezifischer Comedy-Sequenzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Ethnolekt, Türkendeutsch, Sprachvarietät, Soziolekt und die mediale Überzeichnung durch Comedy.
Warum wird die Sprache bei Hakan als "sekundärer Ethnolekt" eingestuft?
Da die Sprache von Kaya Yanar gezielt eingesetzt wird, um durch Imitation und Verschärfung der Merkmale ein großes Publikum zu unterhalten, entspricht sie Auer zufolge eher der sekundären Form.
Welche Rolle spielt der historische Kontext für die Analyse?
Der historische Hintergrund hilft zu verstehen, wie sich Sprachvarietäten wie das Türkendeutsch aus der Geschichte der Gastarbeiter und deren Nachfolgegenerationen in Deutschland entwickeln konnten.
- Arbeit zitieren
- Janik Hoppe (Autor:in), 2015, Ethnolekt in Deutschland. Die Comedyfigur Hakan von Kaya Yanar, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/298241