Eine aktuelle politische Debatte bezieht sich auf die Einrichtung neuer Formen der Bürgerbeteiligung. Dabei geht es vor allem um die Frage, wie man mit diesen neuen Formen „die Qualität und Akzeptanz kommunalpolitischen Handelns verbessern“1 kann. Bekannte Stichworte und mögliche Verfahren dieser Debatte sind vor allem städtische Leitbilder und lokale Agenda 21-Prozesse. An der aktuellen Diskussion ist auffällig, dass sie nicht von den Bürgern geführt wird, sondern von den politischen Entscheidungsträgern. Erkennbar wird dies vor allem daran, dass die Diskussionsführer anstreben die neuen Beteiligungsformen in das bestehende Institutionengefüge einzuordnen.2 Es wird versucht mit diesen neuen Diskussionen auf die zunehmende Politikverdrossenheit zu reagieren.
Die Entwicklung neuer Beteiligungsformen in den 1950er und vor allem 60er Jahren stand auch in einem engen Zusammenhang mit einer wachsenden Unzufriedenheit der Bevölkerung mit den Leistungen des politischen Systems und den verstärkten Partizipationsforderungen, denen Politik und Administration nur unzureichend Rechnung trugen. Hinzu kam eine wachsende Sensibilität für neue Politikfelder, derer sich die etablierten Repräsentationsorgane zunächst nur zögernd angenommen haben.
Einleitend muss zunächst geklärt werden, was unter Partizipation zu verstehen ist. Im Bereich der politischen Partizipation lässt sich zwischen einem instrumentellen und normativen Verständnis unterscheiden. Bei ersterem wird die Teilhabe als Mittel zum Zweck, als Mittel zur Interessensdurchsetzung betrachtet. Partizipation ist damit eindeutig konfliktorientiert. Im normativen Verständnis, welches konsensorientiert ist, geht es auch „um Selbstverwirklichung im Prozeß des direktdemokratischen Zusammenhandelns“3.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 ENTSTEHUNG NEUER PARTIZIPATIONSFORMEN IN DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND
2.1 Historischer Kontext
2.2 Die zeitgenössische Diskussion unter dem Stichwort „Mehr Demokratie wagen“
2.3 Die empirische Dimension – Wie sehen die neuen Formen der Bürgerbeteiligung aus?
3 FAZIT UND AUSBLICK
4 LITERATUR
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Entstehung und Entwicklung neuer Formen der Bürgerbeteiligung in der Bundesrepublik Deutschland während der 1960er Jahre. Das primäre Ziel ist es, die historischen Rahmenbedingungen, die zeitgenössische Demokratiedebatte sowie die konkrete Praxis und Organisationsweise von Bürgerinitiativen (BI) als Ausdruck eines gesellschaftlichen Wandels zu analysieren.
- Historischer Kontext des gesellschaftlichen Wandels der 1960er Jahre
- Die politische Diskussion unter dem Motto „Mehr Demokratie wagen“
- Empirische Untersuchung der Formen und Strukturen von Bürgerinitiativen
- Analyse der Rolle der Studentenbewegung und der Außerparlamentarischen Opposition (APO)
- Verhältnis zwischen Bürgerinitiativen und etablierten politischen Institutionen
Auszug aus dem Buch
Die empirische Dimension – Wie sehen die neuen Formen der Bürgerbeteiligung aus?
Generell lassen sich Beteiligungsformen nach Art, Form und Ebene der Beteiligung einordnen und unterscheiden (siehe Abbildung 1). Der Art her ist direkte von mittelbarer Beteiligung zu unterscheiden. Unter direkter Demokratie ist nicht die „persönliche Teilnahme des Einzelnen an allen politischen Entscheidungen... [zu verstehen, sondern] die Möglichkeit, auf relevante Entscheidungen direkt einwirken zu können.“ So kann man BI durchaus als direkt-demokratische Teilnahmeform bezeichnen, da zwar nicht alle Mitglieder mit politischen Entscheidungsträgern zur Durchsetzung ihrer Interessen verhandeln, jedes Mitglied aber diese Möglichkeit besitzt.
Im Bezug auf die Erfolgschancen ist die Form der Beteiligung von großer Bedeutung. Zu unterscheiden ist hier, ob eine Form verfasst ist oder nicht. Als nachteilig erwies sich für die neuen Partizipationsformen, dass ihre inhaltlichen Forderungen rechtlich nicht verbindlich waren und sind. Ihre Durchsetzbarkeit hängt jeweils vom individuellen Konfliktpotential der Organisation und den jeweiligen politischen Kräften ab. Die dritte Kategorie, die Ebene der Beteiligung, „läßt erkennen, auf welcher Ebene des politischen Systems welche Teilnahmeformen dominieren.“ Die Abbildung 1 liefert einen Überblick über die Möglichkeiten politischer Teilhabe in der Bundesrepublik Deutschland in den 70er Jahren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung stellt die politische Relevanz der Bürgerbeteiligung dar und definiert das Ziel, die Entwicklung neuer Partizipationsformen in den 1960er Jahren zu untersuchen.
2 ENTSTEHUNG NEUER PARTIZIPATIONSFORMEN IN DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND: Dieses Hauptkapitel beleuchtet den historischen Wandel, die Diskussion um „Mehr Demokratie wagen“ und die empirische Beschaffenheit neuer Beteiligungsmuster.
2.1 Historischer Kontext: Hier werden die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen der 1950er und 1960er Jahre sowie der Generationenwechsel als Treiber des Wandels dargestellt.
2.2 Die zeitgenössische Diskussion unter dem Stichwort „Mehr Demokratie wagen“: Dieses Kapitel analysiert das gestiegene politische Interesse der Bevölkerung sowie die Rolle der Studentenbewegung und der APO bei der Demokratisierungsdebatte.
2.3 Die empirische Dimension – Wie sehen die neuen Formen der Bürgerbeteiligung aus?: Dieser Abschnitt widmet sich der Systematik, den Organisationsformen, Strategien und der Erfolgsdimension von Bürgerinitiativen.
3 FAZIT UND AUSBLICK: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und gibt einen Ausblick auf die weitere Entwicklung der Bürgerbeteiligung bis in die Gegenwart.
4 LITERATUR: Das Literaturverzeichnis listet die für die Hausarbeit verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Werke auf.
Schlüsselwörter
Bürgerbeteiligung, 60er Jahre, Bundesrepublik Deutschland, Partizipation, Bürgerinitiativen, gesellschaftlicher Wandel, Demokratie, Studentenbewegung, APO, Mehr Demokratie wagen, politisches System, Politische Teilhabe, Reformbereitschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Entstehung neuer Formen der Bürgerbeteiligung in der Bundesrepublik Deutschland während der 1960er Jahre vor dem Hintergrund eines umfassenden gesellschaftlichen Wandels.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der historische Wandel der Gesellschaft, die zeitgenössische Diskussion über Demokratiedefizite sowie die Praxis und Organisationsstruktur von Bürgerinitiativen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Ursachen und Erscheinungsformen neuer Partizipationsformen zu verstehen und einzuordnen, wie diese als Reaktion auf das politische System und gesellschaftliche Bedürfnisse entstanden sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verfolgt einen politikwissenschaftlichen Ansatz zur Rekonstruktion der Diskussion und der empirischen Gegebenheiten der Zeit, gestützt auf Literaturanalyse und zeitgenössische Quellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der historische Kontext, die Diskussion unter dem Stichwort „Mehr Demokratie wagen“ sowie die empirische Dimension von Bürgerinitiativen, einschließlich ihrer Erfolgsbedingungen, untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Bürgerbeteiligung, Bürgerinitiativen, gesellschaftlicher Wandel, Partizipation und die Demokratisierung der Gesellschaft in den 1960er Jahren.
Welche Rolle spielten die Studentenbewegung und die APO für die neuen Beteiligungsformen?
Die Studentenbewegung und die APO wirkten als Auslöser für eine kritische Öffentlichkeit und als Vorreiter für neue Techniken der politischen Auseinandersetzung, wobei sie die Institutionalisierung von Bürgerinitiativen nachhaltig beeinflussten.
Warum war die Organisationsform für den Erfolg von Bürgerinitiativen von Bedeutung?
Die Organisationsform (z. B. eingetragener Verein vs. lose Ad-hoc-Initiative) entschied über die Durchsetzbarkeit von Zielen, die Nachhaltigkeit der Arbeit und die Fähigkeit, als Gegengewicht zu behördlichen Planungen aufzutreten.
- Quote paper
- Thomas Schauf (Author), 2003, 'Partizipation' – Neue Formen der Bürgerbeteiligung: Zeitgenössische Diskussion und Praxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29827