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Verkümmertes Ich: Sprache unter dem Eindruck von Repression - am Beispiel von Gramscis Gefängnisbriefen und dem Informationssystem der RAF-Häftlinge

Titel: Verkümmertes Ich: Sprache unter dem Eindruck von Repression - am Beispiel von Gramscis Gefängnisbriefen und dem Informationssystem der RAF-Häftlinge

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2003 , 18 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Marcus Fiebig (Autor:in)

Romanistik - Italianistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Wie verändert sich Sprache und damit Denken unter extremer Repression eines Daseins in Gefangenschaft? Das ist die zentrale Frage der vorliegenden Arbeit. Wo sind die strukturellen Gemeinsamkeiten bzw. die Unterschiede zwischen den Gefängnisbriefen Gramscis und dem info-System der RAF? Wie verhärtet sich Sprache in der außergewöhnlichen Situation des Eingesperrtseins? Wie militant kann sie sein? Trotz der enormen historischen Differenz ist den beiden Kommunikationssituationen der Moment der Repression und der ihrer sprachlichen Folgen eigen. Das “verkümmerte Ich” tritt dabei immer offener zu Tage. Gramsci sitzt bis 1934 ein und stirbt schließlich im Jahre 1937. Seit Anfang der 1970er sitzen viele RAF-Mitglieder in der BRD in Haft. 1977 stirbt die Kommandoebene um Andreas Baader, Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin in Stuttgart-Stammheim. Die Kommunikation innerhalb des Freiheitsentzug (RAF) und die Kommunikation nach draußen (Gramsci) bilden, so die These dieser Arbeit, Ablagerungen linguistische Sedimente der Repression ab.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

(2. allgemeine Vorbetrachungen zum Spagat – sit. Aspekt

3. Der Sprachstil der Disziplinierung

3.1. Wurzeln der Disziplinierung

3.2. Dynamiken und Ausdrucksformen

3.3. Aggression und Zerfall und Ausbrechen –Polaritäten (Diszilpinier.

4. Repression, Privatheit und Sprache

4.1. Gramsci und Privatheit

4.2. Privatheit im RAF-info-System

5. Sprache der Gewalt und Sprache der Ohnmacht

6. ZUSAMMENFASSUNG

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss von Repression in Gefangenschaft auf die Sprache der Inhaftierten. Im Zentrum steht die linguistische Analyse und der Vergleich zweier historisch unterschiedlicher Kontexte: die Gefängnisbriefe von Antonio Gramsci und das Info-System der RAF-Häftlinge, um die gemeinsamen Motive und divergenten Ausdrucksformen der sprachlichen Anpassung unter extremem Druck zu ergründen.

  • Analyse der sprachlichen Disziplinierung als Überlebensstrategie
  • Untersuchung der Entprivatisierung versus Wahrung der privaten Identität
  • Kontrastierung von Gramscis stoischem Stil mit der kollektiven Kampfsprache der RAF
  • Die Rolle der Repression bei der Entstehung einer Sprache der Ohnmacht oder Gewalt

Auszug aus dem Buch

3.2. Dynamiken und Ausdrucksformen der Disziplinierung

Gramsci gelang es überwiegend frei von Selbstmitleid über die Attacken auf seine Gesundheit zu berichten. Er versucht immer wieder in einen nüchtern deskriptiven Stil zurückzukehren. Nach einem seiner schwersten gesundheitlichen Anfälle, bei dem er zeitweilig bewußtlos und bewegungsunfähig mit sich kämpfte, gelang Gramsci circa 14 Tage später im Brief vom 21. März 1933 ein Bericht, der medizinisch eine bedeutende Eigendistanz aufweist. So nannte Gramsci hier die Komma-Stellen seiner Fieberkurve, eine chronologischen Übersicht der Anfälle in den letzten zwölf Jahren und akustische sowie optische Halluzinationen.

Euphemismen kompensieren Gramscis tatsächlichen äußerst miserablen körperlichen Zustand in den dreißiger Jahren bis zu seinem Tod 1937. Das Thema nahm Gramsci explizit auseinander. Die deskriptive Themenentfaltung und die deklarative Textfunktion/-intention immer wieder zu betonen das Schlimmste sei vorbei und es werde schon besser. Durch die gegliederte, geordnete Darstellung seines Anfalls scheint Gramsci sich zu beherrschen. Bemerkenswert ist diese ordnende sprachliche Kraft vor allem, weil sie äußerst farbige geradezu schwarze Metaphern miteinfliessen läßt: „Mir ist, als sei ich elektrisiert“ schreibt Gramsci zu den Wirkungen von „Blutaufwallungen“.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Die Einleitung etabliert die Forschungsfrage nach dem sprachlichen „verkümmerten Ich“ unter dem Einfluss staatlicher Repression bei Gramsci und der RAF.

(2. allgemeine Vorbetrachungen zum Spagat – sit. Aspekt: Dieses Kapitel bereitet den historischen Vergleich zwischen der faschistischen Ära und der BRD der 70er Jahre vor.

3. Der Sprachstil der Disziplinierung: Es wird analysiert, wie beide Parteien in der Haft eine sprachliche Disziplinierung entwickelten, um mit dem Druck der Isolation umzugehen.

4. Repression, Privatheit und Sprache: Dieses Kapitel beleuchtet den Kontrast zwischen Gramscis Wunsch nach privatem Austausch und der bewussten Entprivatisierung im RAF-System.

5. Sprache der Gewalt und Sprache der Ohnmacht: Hier wird untersucht, wie die Sprache in Gewalt oder totale Ohnmacht mündet, wenn die Mittel der Disziplinierung nicht mehr ausreichen.

6. ZUSAMMENFASSUNG: Die Ergebnisse werden synthetisiert, wobei die Notwendigkeit von Sprachstrategien für das Überleben im Gefängnis hervorgehoben wird.

Schlüsselwörter

Repression, Gefangenschaft, Antonio Gramsci, RAF, Disziplinierung, Sprachstil, Entprivatisierung, Hungerstreik, Isolationshaft, Kollektiv, Identität, Ohnmacht, Gewalt, Kommunikation, linguistische Analyse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie sich die Sprache von Menschen verändert, die aufgrund staatlicher Repression in Haft sitzen, wobei die Gefängnisbriefe von Gramsci und Kassiber von RAF-Häftlingen als Vergleichsgrundlage dienen.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Schwerpunkte liegen auf der sprachlichen Disziplinierung, der Bedeutung von Privatheit oder deren bewusster Unterdrückung sowie den psychologischen Auswirkungen von Isolation auf die Artikulationsfähigkeit.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, gemeinsame linguistische Motive und Strategien zu identifizieren, mit denen Inhaftierte unter dem Druck von Macht und Repression ihr „verkümmertes Ich“ zu behaupten versuchen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine linguistische Text- und Diskursanalyse, um die Funktionen von Sprache unter extremen Bedingungen im diachronen Vergleich zu dekonstruieren.

Was steht im Hauptteil der Arbeit im Vordergrund?

Der Hauptteil behandelt die verschiedenen Stile der Disziplinierung, den bewussten Bruch mit der Privatheit in kollektiven Strukturen sowie die Entstehung einer Sprache der Gewalt und Ohnmacht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?

Zentrale Begriffe sind Repression, linguistische Identität, Disziplinierung, Kollektiv, Entprivatisierung und die Ambivalenz von Ohnmacht und Aggression.

Wie unterscheidet sich Gramscis Ansatz von der RAF-Strategie?

Gramsci bewahrte trotz schwerer Krankheit ein hohes Maß an individueller Analyse und privater Bezugnahme, während die RAF den persönlichen Ausdruck zugunsten einer kollektiven, sterilen und kämpferischen Gruppensprache strikt unterdrückte.

Welche Rolle spielt die „linguistic identity“ im RAF-System?

Sie fungierte als militärische „Disziplinierungsspirale“, die durch einen festen Kanon an Begriffen und das kollektive „Wir“ die Homogenität der Gruppe sicherstellte und Abweichler ausgrenzte.

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Details

Titel
Verkümmertes Ich: Sprache unter dem Eindruck von Repression - am Beispiel von Gramscis Gefängnisbriefen und dem Informationssystem der RAF-Häftlinge
Hochschule
Universität Leipzig
Note
1,3
Autor
Marcus Fiebig (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2003
Seiten
18
Katalognummer
V29834
ISBN (eBook)
9783638312561
ISBN (Buch)
9783638760836
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verkümmertes Sprache Eindruck Repression Beispiel Gramscis Gefängnisbriefen Informationssystem RAF-Häftlinge
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Marcus Fiebig (Autor:in), 2003, Verkümmertes Ich: Sprache unter dem Eindruck von Repression - am Beispiel von Gramscis Gefängnisbriefen und dem Informationssystem der RAF-Häftlinge, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/29834
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Leseprobe aus  18  Seiten
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