Das Konzept der Nachhaltigkeit und seine ökonomischen Implikationen


Seminararbeit, 2015
17 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen Nachhaltigkeit
2.1 Begriffsgeschichte
2.2 Dimensionen der nachhaltigen Entwicklung

3. Ökonomische Implikationen der Nachhaltigkeit
3.1 Ziele der ökonomischen Nachhaltigkeit
3.2 Nachhaltiges Wirtschaften von Unternehmen
3.3 Fallbeispiel: Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens RKW

4. Fazit

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Drei-Säulen-Modell, Nachhaltigkeitsdreieck und Nachhaltigkeitskreis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Als der Oberberghauptmann des Erzgebirges Hans Carl von Carlowitz 1917 das Prinzip der Nachhaltigkeit in Bezug auf die Forstwirtschaft prägte, konnte er sich wahrscheinlich nicht vorstellen, dass Nachhaltigkeit 300 Jahre später in aller Munde sei. Das Erdöl wird immer knapper, die Erde immer wärmer und der Meeresspiegel steigt. Der wirtschaftliche und technische Fortschritt gefährden die Umwelt und die Lebensgrundlage zukünftiger Generationen. Möglicherweise wird irreführend der Eindruck erweckt, Nachhaltigkeit bedeutet immer nur Umweltschutz. Dabei betrifft nachhaltige Entwicklung auch soziale und wirtschaftliche Belange.

Spätestens seit dem Gipfel von Rio de Janeiro, der "Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung“ im Jahr 1992 besteht die Erkenntnis, dass es in einer Welt mit großen Umweltschäden und Armut keine gesunde Wirtschaft oder Gesellschaft geben kann. Die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung muss ihre Richtung ändern und mehr Rücksicht auf die Umwelt nehmen. Dieser Kurswechsel gelingt nur, wenn sich die verschiedenen Akteure aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft beteiligen.

Doch wie kann eine nachhaltige Entwicklung erreicht werden? Wie kann eine Grundlage geschaffen werden, welche das Handeln der Menschen mehr und mehr beeinflusst? Wie kann ein Prinzip entwickelt werden, welches nicht nur die Bedürfnisse der jetzigen Generation befriedigt, sondern auch die Bedürfnisse künftiger Generationen? Diese Seminararbeit soll sich der Beantwortung dieser Fragen nähern.

Im Mittelpunkt des zweiten Kapitels steht das Konzept der Nachhaltigkeit. Hierbei wird zuerst der Begriff der Nachhaltigkeit definiert, seine Geschichte erläutert sowie die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit betrachtet, also die ökonomische, ökologische und soziale Dimension. Das nachfolgende Kapitel widmet sich der ökonomischen Implikation der nachhaltigen Entwicklung. Im ersten Schritt werden an dieser Stelle die Ziele der ökonomischen Nachhaltigkeit beschrieben. Da der Fokus ab Kapitel 3.2 auf der Akteursgruppe Unternehmen liegt, wird auf deren Rolle im Bereich nachhaltige Entwicklung eingegangen. Danach folgt ein Fallbeispiel des Unternehmens RKW, um die praktische Umsetzung einer unternehmerischen Nachhaltigkeitsstrategie zu beleuchten. Das vierte und letzte Kapitel enthält ein Fazit und gibt einen Ausblick.

2. Grundlagen Nachhaltigkeit

2.1 Begriffsgeschichte

"Schlage nur so viel Holz ein, wie der Wald verkraften kann! So viel Holz, wie nachwachsen kann". So formulierte der eingangs erwähnte Oberberghauptmann des Erzgebirges Hans Carl von Carlowitz das Prinzip der Nachhaltigkeit erstmals im Jahre 1713. Diese erste Definition der Nachhaltigkeit gilt als Vorbild für die spätere Nachhaltigkeitsüberlegung und hat sich seither stets weiterentwickelt. Während sie damals lediglich Verbreitung in der Forstwirtschaft fand, beschreibt sie heute einen Ansatz, die gesamte Welt im Gleichgewicht zu halten. Der Kerngedanke hierbei ist, dass wir auf lange Sicht nicht auf Kosten von Menschen in anderen Regionen der Erde und auf Kosten späterer Generationen leben dürfen. Das Wirtschaftssystem und der Lebensstil – insbesondere der Industriestaaten – müssen sich ändern, denn der wirtschaftliche und technische Fortschritt gefährden die Umwelt und damit die Lebensgrundlage nachfolgender Generationen.

Auf dieser Grundlage forderte 1987 die sogenannte Brundtland-Kommission eine Neuausrichtung.1 Diese wurde zum Ausgangspunkt der weltweiten Diskussionen um das Konzept der nachhaltigen Entwicklung mit dem Titel "Unsere gemeinsame Zukunft". Im Abschlussbericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung – nach dem Namen ihrer Vorsitzenden Gro Harlem Brundtland benannt – wurde nachhaltige Entwicklung (englische Übersetzung: „sustainable development“) als "Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können" definiert. Die Tätigkeiten der Brundtland-Kommission werden bis heute international anerkannt. Es wird ein weltweit wegweisendes Konzept formuliert, das die internationalen Diskussionen und Verhandlungen in der Umwelt- und Entwicklungspolitik entscheidend voranbringt.2

Das Thema Nachhaltigkeit wird seit Mitte der 1990er auch außerhalb der Wissenschaft diskutiert – die Politik entdeckte den Begriff für sich.3 Auf Grundlage des Brundtland-Berichtes einigten sich 1992 auf dem Gipfel von Rio de Janeiro, der "Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung",4 178 Staaten auf das Leitbild der Menschheit für das 21. Jahrhundert5 – die nachhaltige Entwicklung. Das Nachhaltigkeitsprinzip beschreibt das Bestreben der Weltgemeinschaft, allen Ländern und Menschen gleiche Entwicklungsmöglichkeiten zu eröffnen und gleichzeitig auch die Interessen zukünftiger Generationen zu berücksichtigen. Der Rio-Gipfel verabschiedete das Aktionsprogramm Agenda 21 mit konkreten Handlungsempfehlungen für die lokale, nationale und globale Umsetzung von Nachhaltigkeit. Die Agenda 21 – welche bis heute den zentralen Bezugspunkt der internationalen politischen Bemühungen für Umwelt und Entwicklung bildet – und die damit einhergehenden Gründung der UN-Kommission für Nachhaltige Entwicklung (Commission for Sustainable Development) bewies sich als wichtiger Impulsgeber für die Ausweitung nationaler Nachhaltigkeitsstrategien.6

2.2 Dimensionen der nachhaltigen Entwicklung

Das Konzept der Nachhaltigkeit beinhaltet in der Regel drei unterschiedliche Problemdimensionen. Es sind die ökologische, soziale und ökonomische Dimension, die es bei der Verfolgung der nachhaltigen Entwicklung zu berücksichtigen gilt. Die Diskussion in Wissenschaft und Politik um die praktische Umsetzung nachhaltiger Entwicklung geht besonders um die unterschiedliche Gewichtung der drei Dimensionen.

Ökonomische Dimension: Die ökonomische Dimension von Nachhaltigkeit richtet sich im Sinne der Kapitalerhaltung auf langfristige Erträge, welche aus der Nutzung von vorhandenen Ressourcen hervorgehen. Sie zielt nicht auf kurzfristiges Wirtschaftswachstum aus, denn sie ist grundlegende Entwicklungsvoraussetzung. Dabei ist quantitatives Wachstum erforderlich, um der Unterversorgung in ärmeren Staaten entgegenzuwirken.

Ökologische Dimension: Bei der ökologischen Dimension von Nachhaltigkeit geht es um den materiell schwer fassbaren Wert der Natur sowie die nachweisbare Endlichkeit der natürlichen Ressourcen. Daraus leitet sich sowohl die wirtschaftliche Notwendigkeit ab, das bestehende Naturkapital weitgehend zu erhalten als auch die ökologischen Voraussetzungen des menschlichen Überlebens zu gewährleisten. Die ökologischen Kosten von Konsum und Produktion in der Weltwirtschaft sind im Sinne eines qualitativen Verständnisses wirtschaftlicher Entwicklung zu berücksichtigen.

Soziale Dimension: Bei der sozialen Dimension von Nachhaltigkeit geht es um die Verteilungsgerechtigkeit. Sie bezieht sich auf den Zugang zu Ressourcen innerhalb einzelner Länder und Gesellschaften sowie den globalen Verteilungskonflikt zwischen den reichen Industrieländern und armen Schwellen- und Entwicklungsländern.

Neben der Grundbedürfnisbefriedigung für heutige und spätere Generationen beschäftigt sich die soziale Dimension auch mit Fragen der Geschlechterverhältnisse in Bezug auf gerechtere Lebensumstände für Frauen und Männer.

Es ist weltweit zu beobachten, dass die drei Dimensionen miteinander verknüpft sind und sich gegenseitig stützen können. In armen Weltregionen kann man diese Zusammenhänge besonders deutlich beobachten wie z.B. in der Sahelzone in Afrika. Hier treffen sozio-ökonomische Faktoren wie starkes Bevölkerungswachstum, Armut, Unterernährung, geringe Bildungsmöglichkeiten mit ungünstigen geografischen Bedingungen und zunehmender Umweltzerstörung zusammen. Die ökologisch schwierige Lage verschlechtert sich zusätzlich aufgrund des globalen Klimawandels, für den hauptsächlich der CO2-Ausstroß in den wohlhabenden Weltregionen (aber auch zunehmend in den aufstrebenden Schwellenländern wie China oder Indien) verantwortlich ist.7

Aus diesen drei Dimensionen entstand das sogenannte Drei-Säulen-Modell der nachhaltigen Entwicklung. Danach sind Ökonomie, Ökologie und Soziales auf gesamtwirtschaftlicher, politischer, globaler als auch unternehmerischer Ebene gleichgewichtig und gleichrangig. Bei dem Drei-Säulen-Modell handelt es sich um ein theoretisches Modell, das Anregung schaffen soll, eine Balance zwischen den Interessen zu erzeugen und das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung gemäß der Bundtland-Definition zu erreichen. Andere Darstellungen für den Dreiklang aus Ökonomie, Ökologie und Soziales können auch Nachhaltigkeitsdreiecke oder -kreise sein, bei letzteren der zentrale Überschneidungsbereich eine gelungene Nachhaltigkeit verdeutlichen soll.

Abbildung 1: Drei-Säulen-Modell, Nachhaltigkeitsdreieck und Nachhaltigkeitskreis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Vgl. Lexikon der Nachhaltigkeit, 2015)

In der Praxis ist es jedoch oft schwer zu definieren, was gleichrangig und gleichgewichtig ist. Die Akteure und Interessengruppen haben verschiedene Motive und Bedürfnisse und die kulturellen, sozialen, gesetzlichen, politischen und religiösen Rahmenbedingungen in den Weltregionen können sehr unterschiedlich sein. Dadurch stehen Akteure wie Unternehmen, Regierungen, Finanzakteure als auch Nichtregierungsorganisationen häufig vor Zielkonflikten zwischen ökonomischen und/oder sozialen und/oder ökologischen Zielen.

Dass sich nicht immer alle Aspekte kombinieren lassen, zeigt folgendes Beispiel: Soll staatliche Förderung zuerst in Bildung und Armutsbeseitigung oder in Umweltschutz investiert werden? Aufgabe nachhaltig orientierter Akteure ist, eine Lösung für den Ausgleich zwischen den drei Zielen zu gewährleisten.8

3. Ökonomische Implikationen der Nachhaltigkeit

In Kapitel 2.2 wurde die ökonomische, ökologische als auch soziale Dimension kurz erläutert und voneinander abgegrenzt. Das folgende Kapitel konzentriert sich auf die ökonomischen Implikationen der Nachhaltigkeit. Die ökonomische Nachhaltigkeit umfasst sowohl die Förderung einer umweltfreundlichen Produktion als auch diverse Aspekte nachhaltigen Wirtschaftens. Dabei ist die Förderung verantwortungsvoller Unternehmen genauso wichtig wie die Kooperation zwischen Staat und Unternehmen. Nachhaltige Entwicklung heißt auch finanzpolitische Stabilität, denn durch ein vorsorgliches Wirtschaften heute wird den künftigen Generationen die Entscheidungs- und Gestaltungsfreiheit ermöglicht. Die ökonomische Entwicklung zielt auf die Einführung weltweiter Bildung von Nachhaltigkeit, da sie alle Menschen in unserer Gesellschaft, Politik, Unternehmen, Verbände, Arbeitnehmer und –geber als auch die einzelnen Bürger betreffen. In diesem Zusammenhang wird hier ab Punkt 3.2 auf die Akteursgruppe Unternehmen eingegangen, denen im Prozess der nachhaltigen Entwicklung eine zentrale Bedeutung zukommt.

3.1 Ziele der ökonomischen Nachhaltigkeit

Das Ziel der ökonomischen Nachhaltigkeit ist es, ein dauerhaftes und funktionstüchtiges Wirtschaftssystem zu formen. Ökonomische Nachhaltigkeit lässt sich durch Erreichen kleiner Teilziele erreichen, denn sowohl kleine als auch große Entscheidungen führen zu diesem großen Ziel.9 Wichtige wirtschaftspolitische Ziele der ökonomischen Nachhaltigkeit sind:

Vollbeschäftigung und Arbeitsqualität

Angemessene Einkommen

Preisstabilität

Außenwirtschaftliches Gleichgewicht und Entwicklungszusammenarbeit

Ausgeglichener Staatshaushalt und ausreichende Ausstattung mit kollektiven Gütern10

In verschiedenen Kapiteln der Agenda 21 findet man Formulierungen von ökonomischen Zielen für die Privatwirtschaft und die sie vertretenden Verbände. Als Ziele werden u.a. genannt:

[...]


1 Vgl. BNE (31.01.2015).

2 Vgl. Bauer (2008).

3 Vgl. Alumniportal Deutschland (31.01.2015).

4 Vgl. Bauer (2008).

5 Vgl. BNE (31.01.2015).

6 Vgl. Bauer (2008).

7 Vgl. Bauer (2008).

8 Vgl. Lexikon der Nachhaltigkeit (02.02.2015).

9 Vgl. ÖkomediaInstitut (05.02.2015).

10 Vgl. Rogall (05.02.2015).

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Das Konzept der Nachhaltigkeit und seine ökonomischen Implikationen
Hochschule
Fachhochschule Südwestfalen; Abteilung Meschede
Note
2,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
17
Katalognummer
V298502
ISBN (eBook)
9783656948278
ISBN (Buch)
9783656948285
Dateigröße
583 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
konzept, nachhaltigkeit, implikationen
Arbeit zitieren
Laura Papafragkou (Autor), 2015, Das Konzept der Nachhaltigkeit und seine ökonomischen Implikationen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/298502

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