Die meisten Menschen treibt die Angst vor dem Sterben um. Davor haben sie mehr Angst als vor dem Tod als Endgültigkeit. Der Tod gilt als größte und letzte Kränkung der Menschheit, er ist das Negativste am Leben. Eine ganz andere Sichtweise vertritt Wilhelm Schmid in seinem Buch „Philosophie der Lebenskunst“ in dem Kapitel „Äußerste Sorge: Vom Leben mit dem Tod“. Wir sollten lernen, den Tod nicht als unseren Todfeind zu betrachten, sagt Schmid: „Nur was irgendwann aufhört, ist auch schön und kostbar.“
In dieser Hausarbeit über „Das Memento Mori als Lebenskunst“, geht es darum herauszufinden, was der Tod in dem Leben eines Menschen bedeutet, warum ihm solch eine Macht zugeschrieben wird, welche nicht selten als überwältigende Angst wahrgenommen wird. Unterschiedliche Meinungen werden aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet und interpretiert. Wie wird der Tod in anderen Kulturen verstanden? Es wird beschrieben, wie in der heutigen Hast der Zeit die Gesellschaft mit dem Tod lebt. Kritisch wird auf die Tatsache eingegangen, dass der Tod in unserer Gesellschaft entmenschlicht, zum Verwaltungsakt degradiert wird und einem somit nicht mehr die Möglichkeit bietet, aus ihm zu lernen. Konflikte über die Definition des Begriffs der Euthanasie sowie die Auseinandersetzung mit der Sterbehilfe werden angeschnitten.
Fragen über positive Erfahrungen mit dem Tod werden aufgeworfen. Was bedeutet es, mit jemandem mitzusterben, und welche Bedeutung kann eine solche Erfahrung für ein Leben haben? Und welche besondere Beziehung haben eigentlich alte Menschen zu Neugeborenen?
Die Hauptgrundlage für diese Arbeit bildet das Buch von Wilhelm Schmid „Philosophie der Lebenskunst. Eine Grundlegung“ (1998), darin das Kapitel: „Äußerste Sorge: Vom Leben mit dem Tod“. Veranschaulicht werden Schmids Beschreibungen durch Zitate aus der Sterbebiografie von Mitch Albom, „Dienstags bei Morrie“. Durch die lebensnahen, ungeschminkten Gespräche zwischen dem todkranken Professor Morrie Schwartz und seinem ehemaligen Studenten Mitch Albom wird das Thema des Todes in den Alltag geholt. Weiter verwendet wird der Text von Klaus Feldmann „Tod und Gesellschaft. Sozialwissenschaftliche Thanatologie im Überblick“.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
3. Vom Leben mit dem Tod
4. Die Verdrängung des Todes
5. Der Tod kommt an deine Grenze
6. Das Memento Mori als Lebenskunstführung
7. Die individuelle Freiheit angesichts des Todes
8. Zu lernen wie man stirbt um zu leben
9. Vom Mitsterben mit anderen
10. Das „gute Sterben“
11. Verfügbarkeit über den eigenen Tod
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Memento Mori als eine Form der Lebenskunst, um zu verstehen, welche Bedeutung der Tod für die menschliche Existenz hat und wie eine bewusste Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit das Leben intensivieren und sinnstiftend beeinflussen kann.
- Die philosophische Neubewertung des Todes als Bestandteil des Lebens.
- Kritik an der gesellschaftlichen Verdrängung und Entmenschlichung des Sterbeprozesses.
- Die Rolle des Todes als Motivationsfaktor und „Grenze“, die dem Leben Sinn verleiht.
- Ethische Fragestellungen rund um Sterbehilfe und das „gute Sterben“.
- Die transformierende Erfahrung des Mitsterbens mit anderen.
Auszug aus dem Buch
6. Das Memento Mori als Lebenskunstführung
Eine alte Übung der Lebenskunst lautet „Denken an den Tod“ 31. Eine Erneuerung dieses Denkens würde für die Menschen der modernen Gesellschaft bedeuten, sich den Tod als Grenze bewusst zu machen und das Leben mit diesem Gedanken immer wieder neu zu orientieren. Schmid ist der Meinung, dass mit der Übung Denken an den Tod sich das Selbst so Tag für Tag bewusst machen kann, dass es eine Grenze gibt. Es freundet sich mit dem Tod an und gewinnt Vertrautheit. Räumt man dem Tod einen festen Platz in seinem Leben ein, so ist es möglich, ihn weniger zu fürchten, womöglich mit einer Gelassenheit dem Tod ins Auge zu blicken und vielleicht sogar leicht zu sterben.32
In der stoischen Philosophie wird der Tod als normale Auswirkung der Naturgesetze verstanden. Da das Leben im Einklang mit der Natur das höchste Gut des Menschen sei, stelle der Tod kein Übel oder Unglück dar.33 „Der Tod ist deshalb nicht zu fürchten, weil in ihm die Seele als Funken des göttlichen Feuers den Körper ohne Schmerzempfindung verlässt und sich wieder mit dem ewigen Feuer verbindet.“34
Seneca schreibt in einem Brief an Lucilius: „Übe dich täglich darin, mit Gleichmut das Leben verlassen zu können“ 35. Hiermit ist keine Fixierung auf den Tod gemeint, welche einen davon abhalten würde, das Leben zu leben; die Übung soll uns vielmehr die Angst vor dem Tod nehmen.36
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik ein, den Tod nicht als Feind, sondern als notwendigen Teil einer erfüllten Lebenskunst zu begreifen, gestützt auf Wilhelm Schmids Philosophie.
3. Vom Leben mit dem Tod: Hier wird analysiert, wie moderne Kulturen den Tod durch Zeitdruck und Bürokratie negieren, während andere Kulturen ihn als zyklischen Bestandteil integrieren.
4. Die Verdrängung des Todes: Das Kapitel beleuchtet, wie die Angst vor dem Unbegreiflichen zu rituellen Abwehrmechanismen führt und wie die moderne Gesellschaft das Individuum durch soziale Isolation vor dem physischen Tod entfremdet.
5. Der Tod kommt an deine Grenze: Der Tod wird hier als notwendige Lebensgrenze definiert, die erst durch ihre Existenz Motivation und Sinn für das aktive Gestalten des Lebens schafft.
6. Das Memento Mori als Lebenskunstführung: Diese Sektion stellt die Übung des „Denkens an den Tod“ vor, um durch Vertrautheit mit der Endlichkeit innere Ruhe und Gelassenheit zu erlangen.
7. Die individuelle Freiheit angesichts des Todes: Es wird erörtert, wie die Akzeptanz des Todes als Grenze zur persönlichen Freiheit beiträgt, das Leben nach eigenen Vorstellungen auszukosten.
8. Zu lernen wie man stirbt um zu leben: Das Kapitel zeigt die enge Verbindung zwischen Sterbewissen und Lebewissen auf, wobei ein bejahendes Leben zwangsläufig die Auseinandersetzung mit dem Tod erfordert.
9. Vom Mitsterben mit anderen: Es wird verdeutlicht, wie das Begleiten Sterbender als tiefgreifende Erfahrung den Blick auf das eigene Leben und dessen Prioritäten nachhaltig transformiert.
10. Das „gute Sterben“: Diese Analyse setzt sich mit dem Begriff Euthanasie auseinander und untersucht hospizliche Ansätze, um Sterbenden ein würdevolles Ende zu ermöglichen.
11. Verfügbarkeit über den eigenen Tod: Hier wird das ethische Dilemma der Sterbehilfe zwischen dem Recht auf Selbstbestimmung und der Ehrfurcht vor der Unverfügbarkeit des Lebens diskutiert.
Schlüsselwörter
Lebenskunst, Memento Mori, Wilhelm Schmid, Sterben, Tod, Endlichkeit, Philosophie, Sterbehilfe, Euthanasie, Mitsterben, Sinneswandel, Existenz, Menschsein, Grenze, Vergänglichkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die philosophische Auseinandersetzung mit dem Tod als integralen Bestandteil einer bewussten Lebensgestaltung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Themen sind die Verdrängung des Todes in der Moderne, die Funktion des Todes als lebensbestimmende Grenze und die Bedeutung des Mitsterbens.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie das Bewusstsein der Endlichkeit (Memento Mori) dazu dient, ein intensiveres und bejahendes Leben zu führen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse philosophischer Texte, insbesondere von Wilhelm Schmid, ergänzt durch biographische Fallbeispiele und sozialwissenschaftliche Perspektiven.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Aspekte des Umgangs mit dem Tod, von der historischen Verdrängung über die persönliche Sterbekunst bis hin zu ethischen Fragen der Sterbehilfe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird vor allem durch Begriffe wie Lebenskunst, Memento Mori, Endlichkeit, Selbstbestimmung und Sterben charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Sichtweise von Schmid von der modernen Gesellschaft?
Während die moderne Gesellschaft den Tod als bürokratisch zu verdrängendes Störfaktor betrachtet, plädiert Schmid dafür, ihn aktiv als Grenze in das tägliche Leben zu integrieren.
Warum spielt das „Mitsterben mit anderen“ eine zentrale Rolle?
Das Mitsterben ermöglicht laut Arbeit einen unvermittelten Zugang zum Wesen des Lebens und führt zu einer notwendigen Neukalibrierung der persönlichen Werte.
- Arbeit zitieren
- Milena Wälder (Autor:in), 2012, Wilhelm Schmid. Das Memento Mori als Lebenskunst, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/298562