Bereits in der Antike wurde die Moralität des Suizids diskutiert und die Frage nach seiner Rechtfertigung blieb ohne eine eindeutige Antwort. Dies wiederholte sich in vielen Epochen und ist bis heute ein großes Thema geblieben, das immernoch kontrovers diskutiert wird.
In dieser Hausarbeit werde ich untersuchen, wie Goethe sich mit der Suizidthematik in seinem Briefroman “Die Leiden des jungen Werther” auseinander gesetzt hat. Dabei werde ich jedoch nicht vom eigentlichen Suizid Werthers ausgehen, sondern an der Debatte zwischen Albert und Werther ansetzen. Von dieser ausgehend werde ich die zeitgenössische Diskussion der Frage nach der moralischen Verwerflichkeit des Suizids in der Gesellschaft genauer untersuchen und Parallelen zu den Positionen Alberts und Werthers herstellen.
Zum Schluss werde ich weitherhin darauf eingehen welche Auswirkungen die Veröffentlichung des Werthers auf die damalige Gesellschaft hatte, und ob Goethes Werk die Einstellung der Menschen zum Suizid beeinflusst hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Im Roman genannte Positionen zum Suizid
2.1 Alberts Position
2.2 Werthers Gegenposition
3. Die Positionen im zeitgenössischen Diskurs
4.Auswirkung des Romans
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie sich Johann Wolfgang von Goethe in seinem Briefroman „Die Leiden des jungen Werther“ mit der Thematik des Suizids auseinandersetzt und ordnet die gegensätzlichen Positionen der Romanfiguren Albert und Werther in den zeitgenössischen Diskurs des 18. Jahrhunderts ein.
- Analyse der moralischen Suizid-Debatte im 18. Jahrhundert
- Gegenüberstellung der Positionen von Albert und Werther
- Einordnung der literarischen Argumentation in den historisch-gesellschaftlichen Kontext
- Untersuchung der gesellschaftlichen Rezeption und Wirkung des Romans
Auszug aus dem Buch
2.1 Alberts Position
Albert, der in Goethes Roman den aufgeklärten, strebsamen Bürger repräsentiert, ist entsetzt von Werthers leichtsinniger Geste. Er reagiert im ersten Moment mit einem einzigen Ausruf “Pfui!” und nimmt Werther die Pistole ab. Im nächsten Moment gesteht er, dass er die Idee sich zu erschießen nicht verstehen könne und bezeichnet die Menschen, die es doch tun, als töricht. Diese Wertung seinerseits zeigt bereits deutlich, dass der Selbstmord bei ihm lediglich auf Unverständnis stößt und, seiner Meinung nach, in keiner Weise gerechtfertigt werden kann.
Diese Einstellung wird noch deutlicher in seiner nächsten Äußerung. So sagt er, dass gewisse Handlungen, in diesem Fall der Suizid, immer lasterhaft bliebe, unabhängig davon, aus welchem Grund sie geschehen mögen. Somit lässt sich nicht nur sagen, dass der Selbstmord für Albert ein unverständliches Konzept darstellt, sondern sogar eine Sünde. Diese Ansicht lässt sich gut mit seinem restlichen Leben in Einklang bringen, da er an die Durchsetzungsfähigkeit aller bürgerlichen Tugenden glaubt und an diesen festhält. Sie stellen für ihn eine feste Struktur dar, nach der er leben kann. Die Verdammung des Selbstmordes ist deswegen für ihn genauso selbstverständlich wie die Unantastbarkeit der Ehe.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die historische Kontroverse um die Moralität des Suizids und legt die Zielsetzung fest, die Positionen in Goethes „Werther“ in den zeitgenössischen Diskurs einzuordnen.
2. Im Roman genannte Positionen zum Suizid: Dieses Kapitel stellt die gegensätzlichen Haltungen von Albert und Werther gegenüber, wobei Albert den Suizid als verwerfliche Sünde ablehnt, während Werther ihn als unentrinnbare Folge seelischer Not erklärt.
3. Die Positionen im zeitgenössischen Diskurs: Hier wird der aufklärerische und theologische Diskurs des 18. Jahrhunderts beleuchtet, um die Romanfiguren als Repräsentanten der damaligen gesellschaftlichen Spannungsfelder zu verorten.
4.Auswirkung des Romans: Das Kapitel analysiert die enorme Breitenwirkung von „Werther“ auf die zeitgenössische Gesellschaft, die von Identifikation bis hin zu Verboten reichte.
5. Fazit: Das Fazit resümiert, dass Goethe die Debatte seiner Zeit kunstvoll verarbeitet und durch seinen Roman den Anstoß für einen menschlicheren Umgang mit Suizidgedanken gegeben hat.
Schlüsselwörter
Goethe, Die Leiden des jungen Werther, Suizid, Selbstmord, Aufklärung, moralische Rechtfertigung, Albert, Werther, zeitgenössischer Diskurs, Krankheit zum Tode, bürgerliche Tugenden, Literatur des 18. Jahrhunderts, Wertherfieber, Selbsttötung, Geisteskrankheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Debatte um die Rechtfertigung des Suizids anhand von Goethes Briefroman „Die Leiden des jungen Werther“ und dessen historischen Kontext im 18. Jahrhundert.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Auseinandersetzung mit der moralischen Verwerflichkeit der Selbsttötung, der Gegensatz zwischen bürgerlicher Vernunft und leidenschaftlichem Individualismus sowie die gesellschaftliche Wirkung des Werkes.
Was ist das primäre Ziel dieser Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Goethe die divergierenden Sichtweisen seiner Zeit in den Figuren Albert und Werther spiegelt und wie der Roman dazu beigetragen hat, das Verständnis für Suizidenten zu verändern.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse des Primärtextes unter Einbeziehung von Fachliteratur zum Suiziddiskurs des 18. Jahrhunderts.
Was bildet den Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Analyse der Argumente von Albert und Werther, deren Einordnung in den zeitgenössischen philosophischen und theologischen Diskurs sowie die Untersuchung der historischen „Wertherwirkung“.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt zusammenfassen?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Suizid, Aufklärung, Goethe, moralische Rechtfertigung, Wertherfieber und bürgerliche Gesellschaft charakterisieren.
Warum lehnt die Figur Albert den Suizid kategorisch ab?
Albert repräsentiert den aufgeklärten, bürgerlichen Menschen, der an festen moralischen Normen festhält; für ihn ist der Suizid eine vermeidbare Sünde und ein Zeichen mangelnder Selbstbeherrschung.
Wie begründet Werther seine Sichtweise auf den Freitod?
Werther argumentiert, dass der Mensch bei extremer Leidenschaft seine geistige Freiheit verliert, und vergleicht den Zustand mit einer „Krankheit zum Tode“, die eine Verurteilung unmöglich macht.
Wie reagierte die zeitgenössische Öffentlichkeit auf den Roman?
Der Roman löste ein „Wertherfieber“ aus, führte aber aufgrund der Identifikation vieler Leser mit dem Protagonisten auch zu Kritik und zeitweiligen Verboten des Werkes.
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- Lena Freyaldenhoven (Author), 2015, Die Frage nach der Rechtfertigung des Suizids in Goethes "Die Leiden des jungen Werthers", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/298579