Über das Leben der Phönizier. Wirtschaft, Politik und Kultur der Karthager im Altertum


Ausarbeitung, 2014
26 Seiten

Leseprobe

Inhalt

Phönizier/Punier

Die Phönizier bei Homer

Wirtschaft

Zusammenleben mit anderen Völkern

Hannibal

Handelsschiffe

Karthagische Staatsform

Karthagische Gesellschaft

Sprache

Kunst

Phönizische Expansion und karthagische Kolonien

Religion/Glaube/Jenseitsvorstellungen

Tyros

Byblos

Sidon

Solunt

Utica

Sabratha

Karthago

Literaturverzeichnis

Phönizier/Punier

Die Phönizier sind das Volk, die im Libanon und in Syrien gewohnt haben. Gegen Osten hin war das Land durch Berge geschützt. Die phönizischen Städte lagen alle an der Küste an Orten mit einem natürlichen Hafen. Dies bot natürliche die optimale Voraussetzung für die Schifffahrt. Zusätzlich war Phönizien mit einem milden Klima, fruchtbaren Böden, viel Holz, vielen Minen und viel Wasser gesegnet. Die Voraussetzungen für einen guten Ackerbau waren geschaffen und somit auch für einen regen Tauschhandel.

Dieser Staat hatte damals keinen Namen, das Volk wurde aber von den Griechen phoinos für Purpur genannt. Es war also das Purpurvolk. Vermutlich handelt es sich dabei um eine Anspielung auf das Purpur, das die Phönizier ja verwendeten. Möglicherweise hat das Wort aber auch einen Zusammenhang mit Phoinix, der als erster mit Purpur färbte. Dieser Phoinix gilt als Bruder der Europa, der sich bei der Suche nach seiner Schwester in einem Land niedergelassen hat, dem er seinen Namen gab.

Bei Homer, Hesiod und Herodot ist Phoinix auch ein Musikinstrument ähnliche der Lyra. Außerdem bezeichnet das Wort auch einen Ort und einen Vogel. All diese Dinge entstanden in Phönizien.

Der Name Phönizier ist griechischen Ursprungs und wird zuerst bei Homer und Hesiod erwähnt. Sie selber bezeichneten sich mit den Namen, die Städten zugehörig sind: Sidonier, Tyrer Die Phönizier selber nannten sich auch canani.

Dieses Land Kanaan ist auch in der Bibel erwähnt und biblischen Ursprungs. Canaan ist der Vater der Sidon und Sidon ist gleichzeitig auch eine phönizische Stadt. Homer bezeichnet die Phönizier hin und wieder als Sidonier.

Im Hebräischen heißt canani auch Händler. Canaan war also das Land der Händler.

Bei Homer werden die Phönizier als kunstfertige Sidonier bezeichnet.

Zwischen 3100 und 2300 war die dynamischste Stadt im Mutterland Byblos. Diese hatte gute Handelskontakte zu Ägypten. In einer ägyptischen Inschrift um 2600 werden Schiffe aus Byblos genannt, die Holz und Öl transportierten. Die Stadt galt als Hauptexporteur von Zedernholz beschrieben. Im Gegenzug bekam die Stadt Papyrus und wurde zu einem späteren Zeitpunkt Zentrum des ägyptischen Papyrushandels. Byblos ist auch das griechische Wort für Papyrus. Ursprünglich hieß die Stadt auch nicht Byblos sondern Gubal.

Um 2800 kann man von einem gewissen Reichtum ausgehen, da in Byblos ein Tempel entstand, der Baal-Gebal geweiht war. Man hat im Inneren viele ägyptische Funde gemacht. Dies zeugt von großem Interesse an allem ägyptischen.

Zwischen 2300 und 1900 drangen die Amoriter nach Phönizien und zerstörten die Städte.

Tyros war auch sehr bedeutend wenn auch nicht ganz so wie Byblos. Herodot erzählt, dass Tyros um 2750 gegründet wurde. Justinus schreibt, dass Tyros von den Sidoniern um 1191 gegründet wurde. Da es Tyros gewiss schon früher gegeben hat, ist diese Aussage eher so zu verstehen, dass die Stadt nach der Zerstörung neu gegründet worden ist.

Als Herodot die Stadt besuchte, erzählten ihm die Priester dieses Gründungsdatum. Die Archäologie hat bewiesen, dass dieses Gründungsdatum sogar wahr sein könnte. Der Mythos erzählt, dass Tyros auf Steinen gegründet wurde, die von den Wurzeln eines Olivenbaumes zusammengehalten wurden.

Inschriften des Wen-amon über die phönizische Geschichte zwischen 1075 und 1060 sprechen Tyros keinen privilegierten Status zu.

Der Mythos berichtet weiter, dass der Tempel des Melqart in Alt-Tyros oder Paleotyros stand. Diese Stadt war nur wenige Kilometer von Neu Tyros entfernt am Festland und lange Zeit hatte man von dort mit Booten Wasser nach Tyros gebracht. Erst unter Hiram I wurden auf Neu-Tyros Zisternen erbaut.

Zwischen 1900 und 1550 sprechen die ägyptischen Aufzeichnungen von einer unabhängigen Monarchie in Tyros und Byblos. In dieser Zeit kann auch der Tempel der Obelisken in Byblos und die Königsgräber von Byblos datiert werden.

In der späten Bronzezeit waren die phönizischen Städte Mitglied des mediterranischen Handelsnetzwerkes (Mykene, Ägypten, Syrien). So wundert es nicht, dass man speziell in dieser Zeit von einer großen kommerziellen Tätigkeit ausgehen kann. Ein Schriftverkehr zwischen den Königen von Byblos und Tyros mit dem ägyptischen König Amenophis III ist erhalten. Dieser Schriftverkehr ist in El-Amarna gefunden worden und ist in akkadisch geschrieben. Abi-Milki (König von Tyros) und Rib-Addi (König von Byblos) versichern dem ägyptischen Reich ihre Loyalität und künden gleichzeitig an, dass Schiffe voller Holzladungen befahren werden.

Um die Zeit von 1200 weiß man nicht wirklich etwas. Einige Städte wurden zerstört, andere haben es geschafft zu überleben und ihre Handelsbeziehungen wieder aufzunehmen z.B. Byblos und Sidon. Um 1200 zogen die Israeliten von den Bergen in den Süden Kanaans. Gleichzeitig dehnten sich die Aramäer nach Norden aus und so wurde Phönizien kleiner.

Die Tatsache, dass selbst in diesen Dunklen Jahrhunderten einige phönizische Städte zerstört worden sind, spricht gegen die Theorie der Seevölker, die den Untergang des mykenischen Reiches bedeutet haben. In etwa um die Zeit von 1200 wurden die meisten mykenischen Städte zerstört. Man weiß aufgrund von in Pylos gefundenen Inschriften, dass auch in dieser Zeit immense militärische Truppen bewegt worden sind und strategisch ungesicherte Stellen gesichert haben. Vor was sich die mykenische Welt verteidigt hat, weiß man nicht genau. Immer wieder war die Rede davon, dass Seevölker – im Besonderen die Phönizier – angegriffen und diese Konkurrenzmacht ausgeschalten haben. Sollten die Phönizier wirklich hinter der Zerstörung gesteckt haben, bleibt die Frage offen, wieso dabei dann auch eigene Städte zerstört worden sind? Die einzig wirklich nennenswerten Städte in Phönizien waren Tyros, Byblos und Sidon und genau diese Städte wurden nicht zerstört. Hätte eine dieser Städte hinter dem Angriff auf das mykenische Reich gesteckt, hätte man dann nicht auch die Konkurrenz in den eigenen Reihen ausgeschaltet?

Im 10. Jahrhundert verlor Ägypten an Macht. Die Philister wurden besiegt. Es kam zu einer Vereinigung in Israel. All das nützte Tyros aus, um sich unabhängig zu machen. Die nächsten 300 Jahre war die Politik von Tyros die, alles zu seinem eigenen Vorteil auszunützen.

Hiram baute in dieser Zeit ein Seehandelsmonopol auf. Er kontrollierte auch die Handelsrouten des asiatischen Kontinents. Dies geschah auch mit Hilfe und Unterstützung des König Salomon von Israel. Dadurch hatte Hiram natürlich auch Zugang zu den Handelsrouten im Landesinneren. Hiram wollte außerdem den Orient als neuen Handelspartner erschließen. Dieses Ziel hatte auch Israel und man machte gemeinsame Sache. Eine Flotte wurde gebaut – die sogenannten Schiffe von Tarshish. Dies ist auch in der Bibel überliefert. Die Ziele dieser Flotte liegen im Roten Meer oder im Indischen Ozean. Das beweist, dass Tyros bereits zu dieser Zeit in der Lage für lange Expedition war. Das bedeutet eine gute Verwaltung und einen gewissen Reichtum.

Das bezeugt auch der Neubau des Hafens von Tyros. Dabei wurden dann die beiden Inseln von Tyros verbunden und der Königspalast sowie der Markt wurden unter Hiram neu erbaut. Es wird auch berichtet, dass Hiram den Versuch der zypriotischen Stadt Krition selbständig zu werden, unterdrückt hat. Ein Beweis dafür, dass Hiram offenbar auch Einfluss in Zypern hatte. Die erste tyrische Kolonie wird dann auch in weiterer Folge Krition werden.

Gleichzeitig wurde die Nachfrage nach Rohstoffen im 9. Jahrhundert größer und die Phönizier begannen, sich nach Westen hin auszudehnen. Dabei expandierten sie auch in folgende Gebiete: Zypern, Assyrien, Sizilien, Anatolien, Ischia, iberische Halbinsel, Marokko, Algerien, Libyien

Da man von der Levante ausgewandert ist, um Rohstoffe zu suchen und dabei Kolonien angelegt wurden, musste diese an strategisch günstigen Plätzen errichtet werden. Die Nähe zu Rohstoffquellen und eine strategisch günstige Lage waren Voraussetzungen. Dabei gibt es natürlich chronologische und regionale Unterschiede. Deswegen liegen die meisten Städte an der Küste. Natürliche Hafenanlagen wurden genutzt, aber es wurden genauso künstliche Zugänge vom Meer geschaffen. Im laufe der Zeit waren die Städte nicht mehr vom Rohstoffhandel abhängig, da auch Ackerbau und Viehzucht an Bedeutung gewannen.

Die Phönizier führten neue Pflanzenarten im Okzident ein, um dort die Nachfrage nach diesen Produkten anzukurbeln. Dies war offenbar sehr lukrativ, denn die Phönizier wurden Oligarchen, die den Fernhandel dominierten. Sie fungierten daher auch als Drehscheibe zwischen Produzent und Verbraucher. Sie hatten auch ein Monopol beim Handel mit Luxusgütern.

Von daher ist es kein Wunder, dass ein phönizischer Kaufmann einen sehr großen gesellschaftlichen Stellenwert innehatte. Die Kaufmänner waren auch in den wichtigsten Handelsstätten ansässig.

Die im Westen ansässigen Phönizier wurden von den Römern Punier wurde genannt.

Zwischen 887 und 856 kam es zu einer Expansion nach Asien. In dieser Zeit nannte sich der König von Tyros aus zum ersten Mal „König über die Sidonier“. Ithobaal gründete in dieser Zeit einen Staat, der sowohl Tyros als auch Sidon beinhaltete. Den Vorsitz hatte natürlich Tyros. In diesem Zeitraum verschwindet Sidon auch aus den assyrischen Inschriften, ein Beleg dafür, dass Sidon seine Eigenständigkeit aufgegeben hatte und wirklich gemeinsame Sache mit Tyros machte. In diesem Zeitraum entstehen auch die ersten tyrischen Kolonien u.a in Botyrs einer Stadt nördlich von Byblos. Somit ist anzunehmen, dass Byblos und Umgebung bereits zum tyrischen Staatsgebiet gehörten.

Die Assyrer und Tyros hatten keinerlei Probleme miteinander, da Tyros lieber Zahlungen an die Assyrer leitstete (und es sich auch leiten konnte) als gegen die Assyrer zu kämpfen. Über die geleisteten Zahlungen gibt es assyrische Aufzeichnungen, die von Gold, Silber, Leinen und Elfenbein sprechen.

Aufgrund der guten strategischen Lage der phönizischen Städte wurden diese auch zu einem wichtigen internationalen politischen Faktor zwischen Ägypten und Assyrien.

Erst unter Tiglatpileser II führten die Assyrer (?) Krieg gegen die Ägypten und verwandelten Teile der Küste in assyrisches Territorium. Tiglatpileser II wollte auch die Unterwerfung von Tyros. Obwohl Tyros eine anti-assyrische Einstellung hatte, wurde Tyros gesondert behandelt.

Assyrer waren auch nicht in der Lage den Seehandel fortzuführen. So einigte man sich mit Tyros und ließ Tyros weiterhin gewähren und profitierte von den Handelswaren.

Tyros musste für dieses Zugeständnis aber Gebiete abtrennen und 150 Talente Gold bezahlen, eine Summe, die zuvor noch nie von Tyros für irgendetwas bezahlt worden war.

Die anti-assyrische Politik wurde fortgesetzt und es kam mehrmals zu einer Belagerung von Tyros. Eine Blockade wurde verhängt, die Wasserversorgung wurde gekappt und die Preise wurden in die Höhe getrieben. In weiterer Folge kam es zu einer systematischen Zerstörung und Massendeportation.

701 verlor Tyros Sidon und die Einwohner wurden nach Ninive gebracht. Tyros wurde von Verwaltern beherrscht. Im 7. Jahrhundert bestand das tyrische Imperium nur noch aus der Stadt und dem Umland.

Zwischen 675 und 671 schlossen Baal von Tyros und Asharhadon von Assyrien einen Vertrag, in dem Tyros die Freiheit hat mit dem Norden und Westen zu handeln. Der Schiffshandel wurde aber begrenzt. 663 wurde Tyros dann isoliert und es kam zu einer wirtschaftlichen Krise und nur so konnte es passieren, dass Tyros im Jahr 640 assyrische Provinz wurde. Diese Zeit nutzte Karthago zu seinen Gunsten und beginnt selbständig Kolonien zu gründen und sich in der Handelswelt zu etablieren.

585-572 belagerte Nebukadnezar Tyros und deportierte den tyrischen König Ithobaal III nach Babylon. Somit war die Monarchie in Tyros beendet. Stattdessen wurde eine Regierung voller Richter unter babylonischer Aufsicht eingeführt.

Die Phönizier bei Homer

In der Ilias gelten sie als Experten der Metallindustrie. Sie werden auch als hervorragende Segler beschrieben.

In der Odyssee, die etwas jünger ist, werden die Phönizier bereits als sehr dominant beschrieben und gelten bereits als Händler und Piraten.

Der Handel war kein organisierter Handel, sondern die Waren werden dem Höchstbietenden gegeben. Auf den Handelsschiffen werden auch Passagiere transportiert. Von einer phönizischen Siedlung oder Kolonie ist nicht die Rede.

Aufgrund der Odyssee weiß man auch, dass der Schweinehirt von Odysseus einst adelig war, aber von Phöniziern gekidnappt wurde, um im Hafen von Syros verkauft zu werden.

Auch Odysseus trifft in Ägypten einen Phönizier, der ihm angeblich seine Heimat Phönizien zeigen will (in Wirklichkeit will er aber Odysseus verkaufen). Einerseits erkennt man an diesen Bemerkung wie weit gereist die Phönizier sind, andererseits sieht man, dass die Phönizier nicht unbedingt als sympathische Zeitgenossen gelten.

Sidon, der Urvater der Sidonier, ist ein Enkel des Noah.[1]

Wirtschaft

Die Hauptwirtschaftsquelle war der Handel, aber die Phönizier waren auch die ersten, die den Farbstoff Purpur verwendet haben. Quelle für diese Farbe war die Purpurschnecke. Plinius[2]sagt, dass die Punier den Handel erfanden.

Die Herstellung von Glas schauten sich die Phönizier von den Ägyptern ab, produzierten es aber bald als Massenware. Es wurde auch die Technik des Glasblasens entwickelt.

Ein weiterer wichtiger Rohstoff war das Zedernholz. Es ist sehr leicht zu bearbeiten und windet sich trocknen nicht. Es wurde nicht nur für die Schiffe benutzt sondern auch für Sakralbauten. So berichtet der Pharao Senefru um 2750, dass er Zedernholz aus Byblos importiert habe. Auch für den Artemistempel in Ephesos wurde teilweise Zedernholz verwendet, aber auch die Tempeln von Karnak und Memphis hatten diese Holzart als fixen Bestandteil. Deswegen nannten die Griechen dieses Volk auch phoinos für Purpur.

Auch in der Bibel findet sich ein Hinweis auf den Export von Zedernholz. So heißt es etwa, dass Hiervon dem Salomon soviel Zederholz brachte wie dieser es wünschte. Als Gegenleistung bekamen Hiervon 700.000 feinste Öle.[3]

Zusammenleben mit anderen Völkern

In ihrem Heimatland waren die Punier von den Assyrer und von den Ägyptern umgeben. Da diese großen Mächte untereinander mit Streitigkeiten beschäftigt waren, konnten die phönizischen Städte expandieren. In späteren Zeiten ist es dann ja zur Zerstörung bzw. Annektion der phönizischen Städte gekommen, wobei einige besondere Städte immer einen Sonderstatus hatten z.B. Tyros.

Im westlichen Teil der Kolonien kam es zum Zusammentreffen von Römern, Etruskern, Griechen und Karthagern. Karthager und Etrusker, deren Interessen im Tyrrhenischen Meer die gleichen waren, waren Verbündete und die Griechen waren der Feind. Aristoteles berichtet von Verträgen zwischen den Karthagern und Etruskern, die so waren, dass man glauben könnte, die Bürger sind Bürger eines einzelnen Staates.

Es gab auch zwei Verträge mit Rom, die den Römern die Absicherung ihrer Gebiete in Italien sicherten und Handelsfreiheit auf Sizilien. In diesem ersten Vertrag wird von den Römern und ihren Untergebenen gesprochen. In Karthago und Lybien durften sie aber nicht handeln. Der erste Vertrag ist aus dem 5. Jahrhundert. Dieser Vertrag wird bei Polybios überliefert.[4]Der zweite Vertrag wurde im Jahr 348 geschlossen. In diesem Vertrag ist nicht mehr von den Römern und ihren Untergebenen die Rede. Damit ist klar, dass die Römer zu dieser Zeit eine schwächere Position innehatten. Karthagos Position war offenbar die stärkere, denn im 2. Vertrag ist von de Karthagern, Tyrer und Hykaiern die Rede. Karthago hatte also seit dem 1. Vertrag seine Macht vergrößert. In dem 2. Vertrag blieb den Römern auch Sardinien für den Handel verschlossen.

Aus beiden Verträge geht klar hervor, dass die Karthager in Westsizilien herrschten.

Um 540 kam es zur Schlacht bei Alalia zwischen den Karthagern/Etruskern und den Griechen: 120 karthagische Schiffe gegen 60 phokäische Schiffe. Die Phokäer hatten sich in Korsika niedergelassen und betrieben Piraterie. Die Phokäer gewannen zwar, hatten aber große Verluste. Daher gaben sie die Besiedelung Korsikas auf und die Etrusker konnten dort siedeln.

Man fand in Karthago ein etruskisches Elfenbeintäfelchen aus dem 6. Jahrhundert, auf dem auf der Vorderseite ein Eber liegt und auf der Rückseite eine etruskische Inschrift zu sehen ist. Die Inschrift sagt: Ich bin ein Punier aus Karthago. Vermutlich handelt es sich bei diesem Täfelchen um ein Erkennungstäfelchen oder tessera hospitalis, das Karthager in Etrurien zu tragen pflegten.

Man fand aber auch griechische Funde aus Pithakoussai, die aus dem 8. Jahrhundert sind, während etruskische Funde in Karthago erst ab dem 7. Jahrhundert nachzuweisen sind. Dies hängt vermutlich damit zusammen, dass die Griechen viel früher mit den Karthagern in Kontakt getreten sind, da beide ja Sizilien bewohnten.

Diese Funde zeigen aber auch, dass die Karthager zu allen großen Völkern Italiens Handelsbeziehungen unterhielten. Aber erst als sich die Etrusker in Italien etabliert hatten und deine Seemacht geworden waren, schlossen sie mit ihnen im 7. Jahrhundert ein Bündnis.

Die etruskischen Funde in Karthago sind hauptsächlich die Buccero Keramik.

In Sizilien kam es zu einem Zusammenschluss von Syrakus, Agrigent und Gela gegen Zankle, eine Stadt in Nordsizilien. Gelon ein Tyrann aus Syrakus wollte Himera, eine Stadt nahe karthagischem Territorium, erobern und Himera rief Karthago zu Hilfe. Karthago rückte mit 300000 Mann an. Es kam zur Schlacht von Himera, bei der Karthago unterlag. Karthago musste trotzdem keine Zahlungen leisten und hatte keine Gebietseinbußen. Von diesem Zeitpunkt an hielt sich Karthago einige Jahre lang zurück und konzentrierte sich nur mehr auf den Machtausbau in Africa. Da sich Karthago in innerpolitische Streitigkeiten Siziliens gemischt hatte, war Karthago natürlich der Buhmann. Möglicherweise hatte sich Karthago deswegen in die innersizilianischen Streitigkeiten gemischt, da es im griechischen Mutterland gerade die Perserkriege gab und Karthago mit Persien möglicherweise ein Bündnis hatte. Die Karthager sollten die sizilianischen Griechen vom Mutterland fernhalten.[5]

Griechen und Punier lebten in Sizilien auch friedlich nebeneinander. Die beiden Völker verheirateten sich sogar. Erst als Syrakus dominant wurde, kippte das freundschaftliche Verhältnis. Im 6. und 5. Jahrhundert kam es in Syrakus zur Tyrannis. Tyrannen wollten alle Punier von der Insel vertreiben. Deswegen brauchten die Syrakuser auch einen Feldherren, der sich dazu bereit erklärte und Dionysios erklärte sich bereit und riss die Macht an sich. Den Steinbruch in Syrakus benannte man nach diesem Tyrannen: das Ohr des Dionysios. Syrakus wollte dann auch Segesta erobern. Segesta, das von den Elymern bewohnt wurde, rief Selinunt (Stadt der Griechen) zu Hilfe. Diese halfen aber nicht, so wandte man sich an Karthago und Karthago half. Somit war auch das freundschaftliche Verhältnis zwischen Griechen und Karthagern Vergangenheit. Karthago unterwarf dann auch noch Selinunt, Himera, Gela und somit war Westsizilien unter karthagischer Herrschaft und wurde von einem Militärgouverneur verwaltet.

Trotzdem blieben auch noch Griechen in den Städten auf Sizilien. Man weiß auch, dass Griechen im 4. Jahrhundert auch in Karthago gelebt haben, denn Diodor berichtet, dass es im 4. Jahrhundert eine Gründung des Demeter-Kore-Kultes in Karthago gegeben hat – ein typisch griechischer Kult.

Es gab auch griechische Söldner im karthagischen Heer.

Solange Ostzilien sich ruhig verhielten, gab es eine friedliche Koexistenz zwischen den Karthagern und den jeweiligen im Osten ansässigen Völkern. Drohte eine Tyrannis, so schloss sich Karthago mit der Opposition der jeweiligen Stadt zusammen und rüstete auf. Der Grund dafür lag darin, dass Karthago Sizilien und Sardinien brauchte, um den Seeweg zu kontrollieren. Außerdem meint Platon auch, dass Karthago eines der kriegerischsten Völker gewesen sei.

474 gab es die Schlacht bei Cumae in der Syrakus gegen die Etrusker kämpfte, wobei die Etrusker verloren. Deswegen büßten die Etrusker auch die Schiffsrouten im Süden ein und die Karthager hatten die Seeherrschaft inne.

Zuerst gab es auch ein freundschaftliches Verhältnis mit Rom. Es gab sogar Verträge, da die Römer an einer Feindesabwehr in Latium interessiert waren und Karthago an der Durchsetzung des Handels. Karthago schützte sich vor der Piraterie der Römer und regelte Handelsmodalitäten zwischen Rom und Karthago.

Erst als erneut ein Tyrann in Sizilien an die Macht kam, kippte das einst so gute Verhältnis zwischen den Römern und den Karthagern.

Im Jahr 264 kam Hieron auf den Thron von Syrakus. Messina wurde von römischen Söldnern erobert und geriet kurz darauf in Konflikt mit besagten Hieron. Als Schutz gegen Syrakus wurden Karthager in die Stadt integriert. Aus einem nicht mehr nachvollziehbaren Grund, riefen die Bewohner von Messina die Römer im Jahr 264 gegen Hieron zu Hilfe. Dieser Hilferuf war daher gegen Hieron gerichtet und nicht gegen die in der Stadt ansässigen Karthager. Die Römer zwangen die Karthager zu einem Abzug aus der Stadt. Wie dies gelungen ist, ist nach wie vor umstritten. Möglicherweise drohten die Römer mit kriegerischen Handlungen. Daraufhin stellten die Karthager den Römer wieder ein Ultimatum, dass sie ihre Truppen zurückziehen sollten. Die Frist ließen die Römer verstreichen. Ursprünglich war Syrakus ein Verbündeter der Karthager, schloss aber bald Frieden mit den Römern. Dabei verwüstete Karthago die italienische Küste und Rom trat Karthago in einer Seeschlacht gegenüber und gewann 260 in der Schlacht bei Mylai, da die Römer erkannt hatten, dass sie keinen Krieg auf Schiffen führen konnten, sondern nur auf Land. Sie statteten daher ihre Schiffe mit Enterbrücken aus und verwandelten somit die Schiffe in eine ebene Plattform, auf der sie ihre Truppen positionieren konnte. Karthago hatte aber genug Ressourcen, um diesen Verlust auszugleichen.

[...]


[1]Bibel, Gen. 10, 15

[2]Plin. Nat. hist. VII, 198

[3]Bibel, 1. Könige, 5, 22-23

[4]Poly. III, 22, 4-13

[5]Huss, 57

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Über das Leben der Phönizier. Wirtschaft, Politik und Kultur der Karthager im Altertum
Veranstaltung
Vortragsreihe
Autor
Jahr
2014
Seiten
26
Katalognummer
V298739
ISBN (eBook)
9783656952473
ISBN (Buch)
9783656952480
Dateigröße
545 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
über, leben, phönizier, wirtschaft, politik, kultur, karthager, altertum
Arbeit zitieren
Dr. Sigrid Vollmann (Autor), 2014, Über das Leben der Phönizier. Wirtschaft, Politik und Kultur der Karthager im Altertum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/298739

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