Die Leitung einer Berufsfachschule für Altenpflege obliegt im Freistaat Bayern gemäß Berufsfachschulordnung Pflegeberufe dem Schulleiter, der die pädagogische, organisatorische und rechtliche Gesamtverantwortung trägt.
In dieser Publikation geht es um die Darstellung der Symbolischen Führung allgemein, der Herausarbeitung, ob und inwieweit der Schulleiter in seiner Gesamtverantwortung Managementaspekte benötigt und einsetzt sowie deren Umsetzungsmöglichkeit. Um der Fragestellung: „Wie kann Symbolische Führung im Management einer BRK-Berufsfachschule für Altenpflege durch den Schulleiter genutzt und einbezogen werden?“ nachzugehen, erfolgt zunächst eine Klärung, welche Besonderheiten Symbolische Führung aufweist und was sie von anderen Führungsansätzen unterscheidet.
Bei den genannten Beispielen geht es um Nennungen mit deskriptivem Charakter und nicht normativen (An)-Forderungen. Die eigene berufliche Tätigkeit bedingt die Themeneingrenzung auf BRK-Berufsfachschulen, da eine glaubhafte Triangulation der Erkenntnisse aus Fachliteratur und Empirie immer nur vor dem Hintergrund einer eigenen Expertise erfolgen kann. Eine Übertragbarkeit auf Altenpflegeschulen anderer Bildungsträger scheint mit Modifikationen unter Berücksichtigung derer Eigenartigkeiten möglich.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung und Themeneingrenzung
2 Schulleiter als Schulentwickler
2.1 Begriffsklärung Schulentwicklung
2.2 Begriffsklärung Management
2.3 Zusammenführung der Begriffserklärungen
3 Symbolische Führung
3.1 Begriffsbestimmung
3.2 Theoretische Fundierung
3.3 Bedeutung für die Symbolische Führung
4 Symbole
5 Konkretisierung der Symbole
5.1 Objektivation
5.2 Handlungsroutinisierung
5.3 Verbalisation und Narration
6 Symbolisches Führen und Schulkultur
7 Kennzeichen symbolischen Führens
8 Konkrete Maßnahmen an BRK-Berufsfachschulen für Altenpflege
8.1 Maßnahmen der Objektivation
8.1.1 Kleidung mit Rot-Kreuz-Logo
8.1.2 Dresscode
8.1.3 Exklusive Ausstattung
8.1.4 Informationstafeln
8.1.5 Zertifikate
8.1.6 Schulleiter-Parkplatz
8.2 Maßnahmen der Handlungsroutinisierung
8.2.1 Ehrenamtliches Engagement
8.2.2 On-boarding neuer Mitarbeiter
8.2.3 Rot-Kreuz-Veranstaltungen
8.2.4 Festgesetzter Rhythmus für Teamsitzungen
8.3 Maßnahmen der Verbalisation und Narration
8.4 Deutungshoheit
9 Führungskraft als Marke
10 Zusammenfassung und Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie Schulleiter an BRK-Berufsfachschulen für Altenpflege "Symbolische Führung" als gezielten Managementaspekt einsetzen können, um ihre Gesamtverantwortung effektiver zu gestalten und die Identifikation mit der Organisation zu stärken.
- Grundlagen der Schulentwicklung und des Managements im Kontext der Schulleitung
- Theoretische Fundierung der Symbolischen Führung durch den Symbolischen Interaktionismus
- Konkretisierung von Symbolen durch Objektivation, Handlungsroutinisierung sowie Verbalisation und Narration
- Anwendung symbolischer Führungsmethoden in der Praxis von BRK-Berufsfachschulen
- Die Rolle der Führungskraft als Marke im Kontext der Identitäts- und Rollentheorie
Auszug aus dem Buch
3.2 Theoretische Fundierung
Der Vorgang der Symbolischen Führung stützt sich sozialwissenschaftlich auf das Social Construction Paradigma in dem soziale Wirklichkeit durch menschliche Handlungen und deren Interpretationen konstruiert werden. Fleischer & Jarek (o. J.:3) Es handelt sich dabei nicht um einen linearen Vorgang sondern vielmehr beeinflussen die Beobachter ihre Beobachtungen, so dass zirkulär, ja systemisch gedacht werden muss. „Im sozialen Umfeld kommt dem Deuten oder Interpretieren eine zentrale Rolle zu. Das gilt umso mehr für die sozial exponierte Führungsrolle: Was Führende tun, ist nie eindeutig – es muss interpretiert werden […].“ (Blessin & Wick 2014:455)
Es ist dabei das Verdienst von Herbert Blumer, der sich intensiv in die Überlegung George H. Meads vertiefte und auch durch seine eigenen Veröffentlichungen das Social Construction Paradigma innerhalb der Theorie der Symbolischen Interaktion („Symbolischer Interaktionismus“) in die Wissenschaft, speziell die Soziologie, einbrachte. (Helle 2001:93)
Blumer hat dabei „zwei Punkte immer wieder betont:
1. Es kommt darauf an, den Sinn, die Bedeutung (meaning) der Objekte zu erschließen.
2. Zu diesem Vorgang des Verstehens muss davon ausgegangen werden, dass den Objekten ihre Bedeutung im Handeln zugewiesen wird.“
(Helle 2001:93)
Herbert Blumer geht dabei in Übereinstimmung mit George H. Mead davon aus, dass diese Wahrnehmung der Objekten, also der Symbole, innerhalb eines Wechselspiels (Interaktion) zwischen dem bzw. den Handelnden und der Umwelt gewonnen werden. Diese steuert anschließend den Handlungsverlauf. (Helle 2001:99) „Den Gedanken einer Wechselwirkung zwischen Begriffsbildung und Wahrnehmung führt Blumer weiter aus. Der Mensch begegnet gewissen wahrnehmbaren Erfahrungen, die ihm mittelbar zugänglich sind, die aber rätselhaft wirken und sich dem Verständnis zunächst entziehen.“ (Helle 2001:100) Er ist daher notwendigerweise zur Interpretation seiner Wahrnehmung der Begriffe, wie Blumer (2013) Objekte und Symbole auch nennt, aufgefordert.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung und Themeneingrenzung: Erläutert die Ausgangslage und die Notwendigkeit des Themas für BRK-Berufsfachschulen.
2 Schulleiter als Schulentwickler: Definiert die Rolle des Schulleiters im Rahmen der Schulentwicklung unter Berücksichtigung von Management- und Leitungsaufgaben.
3 Symbolische Führung: Führt in das Konzept ein, erläutert dessen theoretische Grundlagen und die Bedeutung für Führungsprozesse.
4 Symbole: Analysiert Symbole als Mittel der Identifikation und die Notwendigkeit ihrer Entschlüsselung.
5 Konkretisierung der Symbole: Beschreibt die drei Ebenen der Symbolisierung: Objektivation, Handlungsroutinisierung sowie Verbalisation und Narration.
6 Symbolisches Führen und Schulkultur: Setzt symbolische Führung in Bezug zur Unternehmenskultur und zum Leitbild.
7 Kennzeichen symbolischen Führens: Beschreibt den Kreisprozess zwischen Verfestigung und Verflüssigung von Symbolen.
8 Konkrete Maßnahmen an BRK-Berufsfachschulen für Altenpflege: Bietet praxisorientierte Vorschläge für Schulleiter zur Implementierung symbolischer Führung.
9 Führungskraft als Marke: Diskutiert die Stilisierung der Führungskraft zur Marke durch symbolische Handlungen.
10 Zusammenfassung und Schlussbetrachtung: Reflektiert die Anwendung des Konzepts und das Potenzial für die Schulpraxis.
Schlüsselwörter
Symbolische Führung, Schulleitung, Schulentwicklung, BRK-Berufsfachschule, Altenpflege, Symbolischer Interaktionismus, Management, Identifikation, Unternehmenskultur, Objektivation, Handlungsroutinisierung, Führungskraft, Leitbild, pädagogische Führung, Kommunikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung des Führungskonzepts der "Symbolischen Führung" durch Schulleiter an BRK-Berufsfachschulen für Altenpflege.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Management im Bildungsbereich, die Theorie der Symbolischen Interaktion, Schulentwicklung und die praktische Anwendung von Symbolen im Schulalltag.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie ein Schulleiter Symbolische Führung nutzen kann, um seine Gesamtverantwortung wahrzunehmen und pädagogische Prozesse gezielt zu steuern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch das Social Construction Paradigma und den Symbolischen Interaktionismus, ergänzt durch eine praktische Ableitung von Maßnahmen auf Basis der eigenen Expertise des Autors.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert, wie Symbole durch Objektivation, Routinen und Sprache gezielt eingesetzt werden können, um Orientierung zu geben und die Schulkultur zu prägen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Symbolische Führung, Schulleitung, Altenpflege, Identifikation und Schulentwicklung charakterisiert.
Wie trägt die Zugehörigkeit zum Roten Kreuz zur Symbolik bei?
Das Rote Kreuz bietet als weltweit bekannte Marke mit Werten wie Menschlichkeit und Hilfe für Hilfsbedürftige eine starke Grundlage für eine symbolische Identitätsstiftung, die der Schulleiter nutzen kann.
Warum ist die "Deutungshoheit" für Schulleiter wichtig?
Um Missverständnisse zu vermeiden und sicherzustellen, dass die intendierte Botschaft eines Symbols bei den Mitarbeitern und Schülern korrekt ankommt, muss der Schulleiter aktiv an der Deutung der Symbole arbeiten.
Können auch andere Schulen von diesen Ergebnissen profitieren?
Ja, der Transfer auf andere Altenpflegeschulen ist mit Modifikationen durchaus möglich, sofern die Besonderheiten der jeweiligen Bildungsträger berücksichtigt werden.
- Arbeit zitieren
- Horst Siegfried Kolb (Autor:in), 2015, Symbolische Führung als Managementaspekt des Schulleiters an einer BRK-Berufsfachschule für Altenpflege, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/298803