Interkulturelle Kommunikation in Russland. Verhaltensregeln für die Teilnahme an einer Messe mit russischem Publikum


Hausarbeit, 2014
12 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Begrifflich - systematische Grundlegung
2.1 Der Begriff der Interkulturellen Kommunikation
2.2 Der Begriff der nonverbalen Kommunikation

3 Verhaltensregel für einen Messebesuch mit russischem Publikum
3.1 Messepräsentation des eigenen Unternehmens
3.2 Verhaltensregeln während eines Gesprächs
3.2.1 Die Anrede
3.2.2 Die Sprache
3.2.3 Der Gesprächsverlauf
3.3 Nonverbale Kommunikationsmerkmale
3.3.1 Begrüßung und Körperkontakt
3.3.2 Kleidungsordnung
3.3.3 Sonstige Tabus

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Quellenverzeichnis

1 Einführung

In vielen Bereichen des Lebens schreitet die Internationalisierung immer weiter voran.1 Die ganze Welt ist vernetzt und Informationen können ohne Zeitverzögerung in jedes Land verbreitet werden.2 Nicht nur im privaten Leben bedeutet das Umstellungen, sondern auch im Berufsleben wird in Zeiten der Globalisierung ein Blick über die Landesgrenzen hinaus wichtig, um Trends zu erkennen oder um neue Geschäftsfelder in anderen Ländern zu gewinnen. Oftmals ist es aber nicht so einfach in anderen Ländern Fuß zu fassen, da Kultur-, Wirtschafts- und Sozialsysteme sich von den bekannten Standards unterscheiden oder Gepflogenheiten, die im eigenen Land selbstverständlich sind, in einem anderen Land nicht geduldet werden.3 Solche Missverständnisse lassen sich nie komplett verhindern, aber interkulturelle Kommunikation versucht diese so gering wie möglich ausfallen zu lassen.4

Das Ziel dieser Arbeit ist es einen Überblick über die interkulturelle Kommunikation in Russland darzustellen. Als Fallbeispiel dient hierzu ein Unternehmen, welches eine Teilnahme an einer internationalen Messe plant und dort in Kontakt mit bestehenden und potentiell neuen Geschäftspartnern aus Russland tritt. Hierfür sollen Kommunikations- und Höflichkeitsregeln herausgearbeitet und für die Mitarbeiter zur Verfügung gestellt werden.

Zunächst werden hierzu wichtige Begriffe erläutert. Als erstes wird geklärt, was interkulturelle Kommunikation bedeutet und die Bereiche der verbalen und nonverbalen Kommunikation voneinander abgegrenzt und definiert.

Im zweiten Teil der Arbeit wird dann genauer auf das Fallbeispiel eingegangen und geklärt, welche Punkte bei einem Messebesuch mit russischen Partnern beachtet werden müssen. Dem Thema der Messegestaltung wird dabei ein gesondertes Kapitel gewidmet, um darzustellen, wie Unternehmen auftreten sollten, um russische Geschäftspartner zu beeindrucken. Das darauffolgende Kapitel befasst sich mit den Kommunikationsregeln, die im Gespräch beachtet werden sollten. Im letzten Teil wird das Thema der nonverbalen Kommunikation aufgegriffen um einen tieferen Blick in russische Traditionen und Verhaltensweisen zu geben.

2 Begrifflich - systematische Grundlegung

2.1 Der Begriff der Interkulturellen Kommunikation

Wie in der Einführung bereits kurz erwähnt, nimmt interkulturelle Kommunikation in der heutigen Gesellschaft einen hohen Stellenwert ein.5 Die jüngere Generation erlebt interkulturelle Kommunikation fast schon tagtäglich durch Kommunizieren im Internet, Einkaufen in Onlineshops oder dadurch, dass Auslandsaufenthalte zum Beispiel als Au-pair nach der abgeschlossenen Schulbildung immer populärer werden.6 Unterschiedliche Ausgangssprachen und andere kulturelle Hintergründe machen dieses Miteinander mitunter aber problematisch und rufen beim Betrachter sogar Verwunderung oder Erstaunen hervor.7 Während es in einem Land zum Beispiel von Respekt zeugt seinen Gesprächspartner ausreden zu lassen, kann es in einem anderen üblich sein demjenigen sofort ins Wort zu fallen, wenn man etwas beizutragen hat.8 Interkulturelle Kommunikation versucht diese Differenzen zwischen den Kulturen offen zu legen und Unterschiede aufzuzeigen, damit diese von der handelnden Person toleriert werden und nicht mehr befremdlich erscheinen. Dass dieselbe Situation unterschiedliche Reaktionen bei Menschen aus verschiedenen Ländern hervorruft liegt an Verhaltensmustern, die von der Kindheit an aufgrund von vorherrschenden Glaubensansätzen oder politischen Überzeugungen erlernt werden.9 Besonders problematisch ist hierbei, dass viele Aspekte einer Kultur nicht sofort ersichtlich sind.10 Während Punkte wie der Kleidungsstil oder Essensgewohnheiten leicht ersichtlich und adaptierbar sind, spielen sich Aspekte wie Wertevorstellungen oder Umgangsformen eher im Hintergrund ab.11 Diesen nonverbalen Verhaltensmustern widmet sich die interkulturelle Kommunikation deshalb ganz besonders, da hier die meisten Reibungspunkte im Umgang miteinander entstehen.

2.2 Der Begriff der nonverbalen Kommunikation

Der Begriff der nonverbalen Kommunikation beschreibt die Informationsweitergabe durch nichtsprachliche Signale, von denen jeder Gesprächspartner während eines Gesprächs unzählige aussendet.12 Sei es eine Handbewegung, die Körperhaltung oder die Kleidung, all diese Details tragen dazu bei wie man auf seinen Gesprächspartner wirkt und wie die sprachliche Nachricht übertragen wird. Nonverbale Kommunikation beschränkt sich im Grundgedanken jedoch nicht nur auf visuelle Signale.13 Durch nonverbale Signale werden auch andere Sinne des Körpers, wie der Geruchs- oder Geschmackssinn angesprochen.14 Da sich diese Hausarbeit aber mit der Kommunikation zwischen Geschäftsleuten befasst, liegt das Augenmerk auf der nonverbalen Informationsweitergabe durch Gesten oder die Körperhaltung. Hier warten bei einem Geschäftstermin mit ausländischen Geschäftsleuten die meisten Hürden, die es zu überwinden gibt. Ein Beispiel wäre die Frage nach der richtigen Begrüßung zwischen zwei Gesprächspartnern.15 Ist es in dem Land üblich sich die Hand zu reichen, sich zu verbeugen oder sich sogar zu umarmen? Um eine Geschäftsreise erfolgreich zu gestalten, ist es wichtig sich über diese nonverbalen Verhaltensweisen vor dem Antritt zu informieren, um mit einem positiven Eindruck zu starten. Damit dies bei einer Zusammenarbeit mit russischen Partnern funktioniert, sind die typischsten verbalen und nonverbalen Kommunikationsmerkmale, die man im Umgang mit russischen Geschäftsleuten beachten sollte, im nächsten Kapitel dargestellt.

3 Verhaltensregel für einen Messebesuch mit russischem Publikum

3.1 Messepräsentation des eigenen Unternehmens

Um bei russischen Geschäftspartnern Eindruck zu schinden darf in den Messestand investiert werden, um aus der Anzahl der anderen Teilnehmer herauszustechen.16 Ist das eigene Unternehmen Marktführer, sollte man das auch an der Messepräsenz bemerken, da es in Russland üblich ist, dass man seinen Status offen präsentiert. Hierbei gilt aber, präsentieren ist erlaubt, angeben nicht. Trägt der Gegenüber eine teure Uhr, dient ein bewundernswertes Lob nicht als Gesprächseinstieg, sondern solche Statussymbole werden dezent im Hintergrund platziert und es wird, wenn nicht unbedingt nötig, nicht darüber gesprochen. Den Besuchern wird die Präsentation des Messestandes somit auch auffallen, wenn sie nicht darauf hingewiesen werden.17

Um das eigene Unternehmen darzustellen sollte auf Messen ein DIN-A4-Infoblatt in russischer Sprache mit allen wichtigen Informationen über das eigene Unternehmen bereitliegen.18 Hierbei wird anders als in Deutschland kein großer Wert auf Zahlen und Statistiken gelegt, da diese als interne Unternehmensdaten gelten.19 Wichtiger sind Informationen über die Stärken des Unternehmens und Daten über die Unternehmensgeschichte, wie das Gründungsjahr oder Erfolge und Auszeichnungen.20

Zusätzlich ist es empfehlenswert für eine Messe, bei der Kontakt zu russischen Geschäftsleuten gepflegt oder gewonnen werden soll, zweisprachige Visitenkarten zur Verfügung zu haben. Eine besondere Wertschätzung erhält man hierbei, wenn man sich den eigenen Namen ins Russische übersetzen lässt und ihn zusammen mit den wichtigsten Unternehmensdaten in kyrillischen Schriftzeichen auf die Visitenkarten druckt.21

3.2 Verhaltensregeln während eines Gesprächs

3.2.1 Die Anrede

Die Höflichkeitsformen sind ähnlich wie in Deutschland stark ausgeprägt.22 Die übliche Anrede in der russischen Geschäftswelt setzt sich aus der Höflichkeitsform Sie und Vor- und Vatersname zusammen.23 Der Vatersname oder auch Patronym genannt setzt sich aus dem Vornamen des Vaters und den Endungen -owitsch oder -ewitsch bei einem Mann, beziehungsweise den Endungen -owna oder -ewna bei einer Frau zusammen.24 Der Vatersname steht zwischen dem Vor- und dem Nachname.

Ein Beispiel: Der aktuelle Präsident der russischen Föderation heißt Wladimir Putin. Dessen Vater hieß mit Vorname ebenfalls Wladimir. Dieser Vorname bildet nun mit der Endung -owitsch den Vatersnamen. Der komplette Name des russischen Präsidenten lautet folglich: Wladimir Wladimirowitsch Putin. Die korrekte höfliche Anrede wäre nun: „Ich grüße Sie, Wladimir Wladimirowitsch!“25

Diese ungewohnte Methode der Anrede wird von Ausländern aber meist nicht erwartet, beziehungsweise es wird verziehen, wenn der oftmals komplizierte Vatersname weggelassen und nur die Anrede aus Sie und Vornamen gewählt wird.26

[...]


1 Vgl. Thomas, A., Handbuch Interkulturelle Kommunikation, 2005, S. 7.

2 Vgl. ebenda, S. 10.

3 Vgl. Doser, S., Interkulturelle Kompetenz, 2012, S. 10.

4 Vgl. Bolten, J., Interkulturelle Wirtschaftskommunikation, 2007, Vorwort.

5 Vgl. Bolten, J., Interkulturelle Wirtschaftskommunikation, 2007, Vorwort.

6 Vgl. ebenda, Vorwort.

7 Vgl. Doser, S., Interkulturelle Kompetenz, 2012, Vorwort.

8 Vgl. ebenda, S. 33.

9 Vgl. ebenda, S. 13.

10 Vgl. ebenda, S. 11.

11 Vgl. ebenda, S. 12, S. 92.

12 Vgl. Springer Gabler Verlag, Gabler Wirtschaftslexikon, nonverbale Kommunikation (Internetquelle), o.J., (2014-11-03).

13 Vgl. Springer Gabler Verlag, Gabler Wirtschaftslexikon, nonverbale Kommunikation (Internetquelle), o.J., (2014-11-03).

14 Vgl. ebenda, (2014-11-03).

15 Vgl. Doser, S., Interkulturelle Kompetenz, 2012, S. 38.

16 Vgl. Lasch, I./ L ö w, I., Business Know-How Russland, 2008, S. 88.

17 Vgl. ebenda, S. 76.

18 Vgl. Lasch, I./ L ö w, I., Business Know-How Russland, 2008, S. 73.

19 Vgl. ebenda, S. 86.

20 Vgl. ebenda, S. 86.

21 Vgl. ebenda, S. 78.

22 Vgl. Gerasimova, L., Interkulturelle Besonderheiten, 2013, S. 176; dazu auch Boll-Palievskaya, D., Der Russland-Ratgeber, 2005, S. 155.

23 Vgl. Boll-Palievskaya, D., Der Russland-Ratgeber, 2007, S. 155.

24 Vgl. Hefter, E. F., Russische Namen (Internetquelle), o.J., (2014-11-03)

25 Vgl. Gerasimova, L., 2013, S. 176.

26 Vgl. Boll-Palievskaya, D., 2007, S. 155; ebenso Denz, W./ Eckstein, K./ Schmieder, F., Business mit Russland, 2005, S. 78.

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Details

Titel
Interkulturelle Kommunikation in Russland. Verhaltensregeln für die Teilnahme an einer Messe mit russischem Publikum
Autor
Jahr
2014
Seiten
12
Katalognummer
V298893
ISBN (eBook)
9783656953456
ISBN (Buch)
9783656953463
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Russland, Interkulturelle Kommunikation, nonverbale Kommunikation, Messe, Messebesuch, internationaler Messebesuch, russischer Messebesuch, Interkulturelle Kompetenz
Arbeit zitieren
Philipp Feth (Autor), 2014, Interkulturelle Kommunikation in Russland. Verhaltensregeln für die Teilnahme an einer Messe mit russischem Publikum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/298893

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